Mittwoch, 31. März 2010

Alcest?

Ohne wirklich zuvor mal einen Ton gehört zu haben, hatte ich ALCEST bisher eher auf der internen Liste mit der Überschrift „gilt zu vermeiden:“ aufgeführt.
Hintergrund: Von ursprünglich einer „Raw Black Metal“ Band hat sich das Ganze inzwischen zu einem 1-Mann-Projekt verschoben, das stilistisch wohl symphonisch-verträumte Shoegaze/Postrock-Regionen streift. Völlig zurecht wird da der eine oder andere jetzt gähnen und/oder was von „Trendhopserei“ murmeln, Bandkopf Neige beteuert aber von derartigen Musikstilen vor seinem eigenen Vorstoß ins psychedelisch-atmosphärische nie was gehört zu haben. Nicht unbedingt sympathischer wird das Projekt des Franzosen dadurch, dass er sich hier als konzeptuellen Hintergrund irgendeinen Kindermärchenwelt-Quatsch zusammengesponnen hat, den er dann auch noch mit pseudoromantisch-gothischem Cover verkaufen muss. Attribute, die ich diesem Gesamtpaket eigentlich polemisch anheften möchte, sind mir zu "un-p.c" als dass ich sie hier im Blog aussprechen würde. Allerdings passt inkl. der Tatsache, dass ALCEST teilweise auf völlige Ablehnung oder auch Fehlinterpretationen auf der einen, genauso im Szene-Querschnitt aber durchaus auch auf wohlwollende bis begeisterte Hörer auf der anderen Seite stoßen, alles an besagtem Gesamtpaket irgendwie schon wieder dermaßen zusammen wie die Faust aufs Auge, dass mir das anlässlich des aktuellen Albums mal eine nähere Betrachtung wert war. Schließlich hat selbst ein Musikjournalist, der beim Vorgängermachwerk noch angewidert was von Emo-„Black“-Metal und schleimiger Flachheit schrieb, auf jenes nun weitaus positiver reagiert.

Die Bandbreite der Musik auf „Écailles de Lune” reicht jedenfalls von einem Track, der sich mit sich mit eher beschwingt positiven Vibes halbakustisch durch die Botanik tingelt (der letzte), über einen Drone-Geräuschmusik-Ausflug bis zu so etwas wie atmosphärischem Post-Black/Viking Metal mit ein bisschen Gefauche aber auch Klargesang. Da sind Vergleiche mit sowohl Slowdive, bedingt auch Jesu, sowie durchaus auch aktuellen (!) Enslaved auf der einen, und Burzum auf der anderen Seite tatsächlich nicht mal falsch. Mag komisch klingen, aber das manchmal etwas schleppend hypnotisch-repetetive einiger Passagen erinnert tatsächlich leicht an das kontroverse BM-Unikat aus Norwegen, dieses wird allerdings in eine Welt verschoben, die wohlig verschleiert mehr nach latent berauschtem Kuscheln auf der Blumenwiese, als nach Misanthropie und Verzweiflung in klirrender Eiseskälte klingt.
Ist das als „positiver“, erst mal primär „schön“ klingender Gegenentwurf zum bösen Black Metal interessant? Ja. Ist das in seiner grundsätzlichen Umsetzung gut? Druchaus auch das, ja. Will ich das tatsächlich hören? Bei der Frage stoße ich doch zugegeben an eine gewisse Grenze, wo mein guter Wille irgendwie aufhört. Einen gewissen Respekt für die Konsequenz, mit der dieser Neige seinen doch ganz schön kitschigen Stiefel durchzieht, kann ich nicht von der Hand weisen. An modern-atmosphärischem Metal, der sich am norwegischen Black Metal orientiert, sind mir Bands wie Wolves in the Throne Room oder Altar of Plagues, die sich den rauen Biss der Darkthrone’schen Stil-Urformel bewahrt haben, dann aber doch um Welten lieber. Genauso verhält es sich mit der Postrock-Ecke, der ich bekanntermaßen alles andere als abgeneigt bin. Aber von unschuldigen Erinnerungen an Kindheitsphantasien inspirierter Hippie-Shoegaze-Metal funktioniert für mich einfach nicht, selbst wenn es an der Ausführung davon nicht wirklich viel auszusetzen gibt.
Womit auch mal wieder mein Vorurteil bestätigt wäre, dass französische Acts in der harten Musik oft etwas wirr-eigensinniges aber eben auch nicht aufregendes nach dem Floskelprädikat „nichts halbes und nichts ganzes“ machen, und selbst in Zeiten „viraler Promotion“ noch gilt: Don’t believe the hype.

Montag, 29. März 2010

"live on as a whispered legend"

The Reverb Motherfuckers were not the kings of New York scuzz rock. That was Pussy Galore. They were not the nastiest of the bunch, either. Honeymoon Killers were far more disturbing human beings. Obviously, they weren’t the most successful, either. You’d have to hand that slimy crown to White Zombie. But they did have the best name and, pound for pound, they had the best records.

Die in diesem Blopost schon mal vorgestellten REVERB MOTHERFUCKERS haben in New York einen gewissen Legendenstatus, brachten es über die Stadtgrenze hinaus aber nicht gerade zu viel Ruhm. Unter diesem Link findet man ein nettes retrospektives Portrait über die Band, inkl. einiger Songs zum Download, darunter auch das übermächtige "Love Juice In All Three Holes".

Freitag, 26. März 2010

"Pressespiegel"

- „Der neue Metal“ lautet die Titelstory im aktuellen Visions Magazin, und hier ist ausnahmsweise mal jemand früh dran anstatt hinterher, wenn es um eine aktuelle Strömung in der harten Musik geht. Wichtig und interessant (jetzt kommt mein Senf dazu:) Jene ist sehr „divers“ und bis jetzt noch kein Label- und Fachmedienhype mit einer Szene auf ihrem Zenit, zumal die Zeiten von so was wohl auch vorbei sind, und hier mehr oder minder ein erster Fall von „viraler“ Evolution in einer Musiksparte vorliegt.

- Das Interview mit Tom Gabriel Fischer aka Tom G. Warrior im aktuellen RockHard anlässlich seiner neuen Band TRIPTYKON ist mehr als lesenswert. Zum ersten mal erfährt man hier (tragische) biografische Details, welche die gesamte Person Fischer und ihre Musik in ein viel verständlicheres Licht rücken.

- Etwas krass finde ich ja das Ausmaß an Resonanzen, dass der Release des neuen Burzum-Albums so bekommt. Ein Titelportrait im Terrorizer? Ein Feature in der Guitar World? Einflussreiche Musik, Kultphänomen und „interessant kontroverse“ Person dahinter gut und schön – aber kommt Ihr noch klar, Leute?

wtf?



(Das Bild zeigt das Cover eines tatsächlichen Comics, der in Kürze veröffentlicht wird)

Donnerstag, 25. März 2010

Netzfundstücke ...

.. der Kategorie „Huch, kannte ich ja noch gar nicht“:

1.) WARTIME – eine Kollaboration, die WEEN-Basser Andrew Weiss und HENRY ROLLINS 1990 inkl. Videosingle angingen:


2.) Ein gleich mal nicht nur „geschraubter“ sondern richtig eingespielter Remix, den die britische Extremmetal-Legende CARCASS Mitte der 90er für die isländische Alternativpop-Elfe BJÖRK fabrizierte:


Dienstag, 23. März 2010

Interessant ...

... finde ich übrigens das Line Up des „Friction Fest“ in Berlin. Die sich in den letzten Jahren abzeichnende Tendenz einer losen neuen „Alternative Metal“-Szene, die sich neben der Stoner/Doom-Ecke zwischen die Stühle setzt, wird hier endgültig überdeutlich: Um den Kern dieses ganzen mehr oder minder angesagten Sludgecore-, Stoner- und Post-Metal-Krams schätzt der harte Musikfreund von heute sowohl originelles Altmetall aus artverwandten Richtungen wie Death’n’Roll oder Progressive Metal auf der einen Seite noch genauso, wie inzwischen auch experimentelles Psychedelic-Geschwebe, ruhigen Postrock und Drone-Gebrumme abseits langbehaarter Prügeleien auf der anderen. Events wie das Roadburn Festival sind längst keine exotischen Expertengipfel mehr, langsam zeichnet sich hier doch noch so etwas wie eine richtige Szeneströmung ab, die langsam aber sicher auf ihren Zenit zuzusteuern anfangen dürfte …

Montag, 22. März 2010

kurz notiert

- IMPALED NAZARENE sind, sieht man von St. Vitus beim letztjährigen Roadburn ab, anno 2010 die untighteste Live-Band, die ich in ages gesehen habe. Was auch in diesem Fall in erster Linie am völlig unfähigen Schlagzeuger lag, der mit jedem Fill und Wechsel offensichtlich total überfordert war und höchst holprig durch jeden Song eierte. Auch bei derartigem Punkblackmetal-Geschrote sollte man zumindest timingsicher geradeaus spielen können. Auch sonst versprühte die „kontroverse“ Kapelle einen Hauch „Helden der Kreisklasse“-Charme, das Gekeife von Obersuffkopp Mika Luttinen, der ironischerweise irgendwie wie ein giftiger Rob Halford rüberkommt, war aber ziemlich chefmäßig.

- Positiv überrascht bin ich allerdings vom inzwischen endlich mal gehörtem OMAR A. RODRIGUEZ-LOPEZ Soloalbum „Xenophanes“, das erstaunlich eingängig und unanstrengend ausgefallen ist. (Im Gegensatz zum z.B. mitunter schon etwas alptraumhaften „Cryptomnesia” unter dem Projektnamen El Grupo Nuevo de Omar Rodriguez Lopez.)

- Interessantes Gerichtsurteil (PINK FLOYD).

- Kategorie „Sachen gibt’s“: Ex-Viva-Nase über die Zukunft der Musikindustrie und digitaler Medien.

- Kochen mit John Bush und Joey Vera (ARMORED SAINT):



Freitag, 19. März 2010

Alben der Woche: TRICLOPS! und TRIPTYKON

Da sie in penibel alphabetisch sortierte CD-Regale offensichtlich direkt nebeneinander kommen, kann ich die beiden essenziellen Veröffentlichungen dieser Woche (/des Quartals) ja erst recht in einem Blogpost abhandeln, oder?

TRICLOPS! - Helpers on the Other Side
Bis zuletzt hatte ich TRICLOPS! ja eher so ein bisschen stiefmütterlich behandelt, und das trotz eines herausragend grandiosen Konzertabends (guckst du hier). Eigentlich ganz schön bescheuert, denn so wie das Quartett die Pole „versiert, verquer und eigenwillig“ und „dreckig und hart saumäßig abrockend“ gleichermaßen bedient, entspricht das schon sehr einem Typus von Musik, auf den ich generell viel Bock habe.
Stilistisch fließen bei der personell aus dem Umfeld der Victim’s Family und Fleshies stammenden Kapelle Punk-Background und experimentelle Prog/Psychedelic Rock-Tendenzen zueinander. Acid-Punkjazz-Noiserock. Oder so. Es vereinen sich ein allgemein gehöriger Jane’s Addiction Vibe und hyperaktiver Spieltrieb der Marke Mars Volta in einem krachenden Punch Richtung Jesus Lizard und verdrogter Verwirrtheit a la Butthole Surfers.
Debüt-EP „Cafeteria Brutalia“ (07) und –Longplayer „Out of Acfrica“ (08) legten den rasant-noiserockigen Grundstein und gossen das schräg-experimentelle Fundament. Mit „Helpers on the Other Side" kommt jetzt das Dach drauf.
Was sich zu den Vorgängern geändert hat? Nun ja, TRICLOPS! klingen anno 2010 irgendwie etwas aufgeräumter und bedachter. Nicht ganz so lärmig und nicht ganz so überstürzt, und nicht ganz so experimentell wie mit den mitunter etwas übertrieben Vocal-Effekten auf dem letzten Album, auch wenn diese immer noch da sind. Die Nähe zu Jane's Addiction kommt immer noch stark durch,wenn nicht sogar noch stärker. Was sie an „Sturm und Drang“ weggelassen haben, machen sie aber durch eine fordernde Unverfrorenheit in eine andere Richtung wieder wett: Von den nur acht Tracks sprengen zwei die Neun-Minuten-Marke, ein weiterer schafft es ebenfalls über achteinhalb.
Bemerkenswert sind vor allem die Assoziationen, die einem kommen. 'Until All the Threads Are Stripped' kommt neben den Jane's Addiction-Schulterblicken mit einer Melodieführung daher, die auch aus Blind Melon'scher Blumenwiesen-Musik stammen könnte, allerdings dann auch mal durch krachige Blastbeats (!) unterbrochen wird, 'Brown Summer' versumpft ganz in alternativen Psychedelic Rock-Gefilden, fährt dann aber auch noch das mitunter derbste Gekloppe der Platte mit auf, und gerade die letzten beiden Song-Epen ergehen sich in Classic Rock/Früh- Heavy Metal-Einflüssen. Da schwingen Led Zeppelin, Thin Lizzy und ganz alte Iron Maiden mit, aber eher ein bisschen so, als würden sie von den Melvins gecovert. Nennen wir sie ruhig mal beim Namen: 'Homage to Monte Cassino (Red)' und 'With SARS, I'll Ride the Wind' sind auf beachtlicher Marathon-Distanz wahnwitzige Monster, die cheesige 70ies/80ies-Einflüsse in den Kontext progressiv-vertrackten, dabei aber dreckig rausgerotzten Punks bringen. Hier geht einfach alles.
Bisher die beste und schrägste Scheibe des Jahres! Unvermeidbares Schlusswort: Wahnsinns-Schlagzeuger übrigens!


TRIPTYKON - Eparistera Daimones
Wer'chats erchfunen? Die Schweizer.
Wie sollte es für einen der wichtigsten Urväter extremer Metal-Spielarten auch anders sein, war Thomas Gabriel Fischer aka Tom G. Warrior schon immer irgendetwas zwischen einem totalen Genie und einem etwas skurrilen Düsterclown.
Als er in den 80ern mit ein paar anderen Jungs gerade zum ersten mal Instrumente in die Hand genommen hatte, sollte das dilettantische Gezimmer, das unter dem Bandnamen HELLHAMMER das Licht der Welt erblickte, die des Thrash, Death und Black Metal nachhaltig mitprägen. Der Status der eben nicht ausschließlich nur aufs Gaspedal tretenden Nachfolgeband CELTIC FROST wiederum ist (trotz eines „kommerziell“ ausgerichtetem Rohrkrepierer-Albums in der Discographie) derart legendenhaft und kultisch, dass ich gar nicht wüsste, wie ich das Unbeleckten in wenigen Sätzen plausibel näherbringen sollte. In der zweiten Hälfte der 90er, in der Frost auf Eis lagen, lebte sich Fischer außerdem mit einer eigenwilligen, vor allem auf Konservensounds setzenden Kiste namens APOLLYON SUN aus.
Aus einem neuen Aufbäumen von Frost bis zu deren wiederholter Auflösung vor zwei Jahren (was, unter uns, auch eine sehr seltsame Story ist), entstand nun Fischer’s aktuellste Band TRIPTYKON.
Die stilistisch ungefähr da unterwegs ist, wo es auch das '06er CF-Album "Monotheist" war. Tiefschwarz atmosphärisch, mal rattert die Doublebass, mal drückt es doomig, und das obligatorische „Ugh!“ begrüßt einen auch wieder. Neu ist, dass Tömmes sich die Vocals jetzt auch schon mal mit Sidekick-Gitarrist V. Santur (Dark Fortress) teilt.
„Eparistera Daimones“ als „Monotheist II“ zu beschreiben wäre in der Tendenz nicht mal falsch, aber doch habe ich das Gefühl, dass das hier noch ein bisschen mehr Tiefe hat. Da ist etwas mehr Detail und Substanz in den Songs, ihrer Gitarrenarbeit und Produktion, so im schwer definierbarem Kleinen.
Über einen Overflow an Düster-Metal-Klischees, dazu gehört neben den Texten/Titeln auch die Artwork-Gestaltung von Landsmann H.R. Giger, muss man bei einer Scheibe wie dieser hinwegsehen bzw. mit leben können. Was man dabei aber feststellen muss: Hier hat ein alter Herr, der als 80er- (nun ja) Lichtgestalt eines eigenständigen, düsteren, extremen, partiell auch experimentierfreudigen Sounds Äonen an Bands verschiedenster Subsparten-Ausrichtungen beeinflusste (selbst Nirvana beriefen sich immer wieder mal auf Celtic Frost ... und ja, auch Neurosis), noch mal alles richtig gemacht. TRIPTYKON kriegen wie schon das letzte Celtic Frost-Album den Bogen, weder zu altbacken miefenden Standard-Metal aufzufahren (was der eine oder andere Möchtegern-Musikhistoriker vielleicht auch etwas anders sehen wird), noch biedern sie sich irgendwie an der Moderne an. „Eparistera Daimones“ ist ein zeitloses Stück dunkler, harter Musik, das in seinen Stilmitteln kein Rad neu erfinden mag, aber doch in seiner eigenen Nische steht. In jener schrappt es, wie sollte es anders sein, objektiv betrachtet das eine oder andere mal haarscharf, aber eben doch gekonnt, direkt und geradewegs an totaler Albernheit vorbei, und entspricht dem, was man als „simpel-genial“ bezeichnen möchte. Die allgemeine Stimmung der Scheibe und ihre Inszenierung stimmen jedenfalls auf dem Punkt (naja fast, der Drumsound könnte manchmal noch einen Ticken organischer kommen).
Was Neurosis als Vorväter, Unikat und Original der hippen Sludge'n'Post-Metal-Ecke verkörpern, das ist der gute alte Herr Fischer auch heute noch in der Welt der schwarz tragenden Langhaarigen.
Ganz nüchtern betrachtet sehe ich ein, dass man „Eparistera Daimones“ aus einer musikalisch anders sozialisierten Ecke oder auch einfach nur aus der falschen Tagesform heraus durchaus total ablehnen könnte, aber mein Urteil stand nach ehrlich gesagt schon dem ersten Durchlauf fest: Diese Scheibe ist ziemlich super und gehört in den Plattenschrank eines jedem, der glaubt harte Musik zu kapieren. Das nehme ich mir als schwarz tragender, langhaariger Möchtegern-Musikhistoriker anerkennend und huldigend heraus.
Ergänzt sich als Metal-Must Have jedenfalls gerade perfekt mit der irgendwie gegenpoligen Triclops!-Scheibe. Ich bin begeistert!
(p.s.: 1-2 der schnellen Passagen auf dem Album klingen witzigerweise verdächtig nach Sepultura zu ihren besten Zeiten)

Montag, 15. März 2010

Armored Saint - La Raza

In letzter Zeit hatte ich irgendwie nicht so den Bock auf „Heavy Metal“ und war primär eher drauf aus, Bands zu entdecken/hören, die irgendwas (wenn auch nur marginal) abseits der völlig ausgetretenen Pfade machen, anstatt einfach nur konventionell zu „rocken“. Ausnahmen bestätigen die Regel. So habe ich z.B. auch die aktuellen Scheiben von Overkill und Heathen bisher eher links liegen lassen. Jetzt kam aber das Album in der Richtung, an dem es kein vorbei gab: Die neue ARMORED SAINT! Die Band, die ich zugegeben vor allem liebe, weil Gottsänger John Bush für mich wie der coole Onkel ist, den ich nie hatte, und die jüngere Vergangenheit seine von mir einst hochverehrte Ex- und offensichtlich jetzt-wieder-Band Anthrax völlig indiskutabel machte.
Ich fasse mich kurz: „La Raza“ rockt an allen Ecken und Kanten. Typisch für ein Saint-Album: Erst will es mich nicht so richtig begeistern, bei genauerem Hinhören werden die Mundwinkel aber doch immer breiter.
Die allgemeine Inszenierung des Albums ist dabei in der Tat auch sehr „klassisch-zeitlos rockig“ gehalten, versucht weder modern zu klingen, noch zu sehr nur auf abgelutschten Metal-Stilmitteln zu beharren. Unter den zehn Songs ist kein Ausfall, und besonders das schmissige 'Left Hook From Right Field' und der im Refrain leicht pathetische Titeltrack sind ziemliche Hits. Generell warten die Tracks neben eingängigen Refrains auch gelegentlich mit recht kreativen Mittelteilen auf, bei denen auch schon mal dezent die Ethno- und Prog-Vorlieben vom musikalischen Hauptsongwriter Joey Vera durchblitzen, aber eben auch nur dezent und songdienlich.
Es bleibt nicht mehr zu sagen als: Sehr gutes Album. Hier wird natürlich kein Rad neu erfunden, aber wer erwartet das hierbei auch schon. Ein immer eher etwas unterbewerteter denn als Everybody's Darling geltender Act der alten Schule hat mit diesem Album einfach überhaupt nichts falsch gemacht.

Freitag, 12. März 2010

The Hirsch Effekt?

Wenn eine junge Band aus Hannover schon vor offizieller Veröffentlichung ihres Debüt-Longplayers sowohl vom schubladenlosen Porgmusikliebhaber für sich entdeckt, als auch beim unsäglichsten und schlimmsten Indie/Riock-Webzine mit Mainstream-Schlagseite des gesamten Internets zum Album der Woche erklärt, und bei diesen Youtube-Geschichten auf dem Hamburger Balkon gefeatured wird, ist man ohne Frage etwas mit Zukunft auf der Spur. Die Rede ist von THE HIRSCH EFFEKT.
Musste ich dann natürlich auch mal checken, alleine um mitreden zu können. Die Hörproben, die im Netz so zu streamen sind, sind zumindest interessant. Die stilistische Bandbreite, die von der Band in einen einzelnen Song gesteckt wird, reicht von ganz „zarten“ Momenten über so was wie Emo-/Screamocore bis zu derbsten Prog-Metal/Mathcore. Unterstützt von Elektronik, genauso wie von echten Streichen und auch mal Chören. Auch durch die Texte ist eine gewisse Nähe zu Deutsch-Screamos wie Escapado oder Andorra~Atkins gegeben, wenn THE HIRSCH EFFEKT hier mit auch mal etwas schräg intonierten (gesungen wie gebrüllt) deutschen Vocals um die Ecke kommen, was dem Ganzen in diesem Fall ferner auch noch so einen nicht zu unterschätzenden Hamburger Schule-Anstrich verpasst. Da treffen die Goldenen Zitronen und Tomte auf Fugazi und sperrige Brecher-Frickelausbrüche; mit einem klitzekleinen Hauch Aphex Twin garnierte Songs werden mit Pop-Momenten, orchestralen Einsprengseln, und auch mal ausartenden Spiellängen ins epische gedrückt, bei denen Mitsing-Refrains auch schon mal mit Progrock/Mathrock-Gegniedel unterlegt werden.
Der Ideen- und Facettenreichtum dieser Band ist groß. Mein Bock, mich weiter damit zu beschäftigen eigentlich auch. Aber irgendwie weiß ich jetzt schon, dass das mit seiner Indiecore-Einfärbung dann doch nicht so 100%ig meine favorisierte Baustelle ist ...

Mittwoch, 10. März 2010

Oranssi Pazuzu - Muukalainen Puhuu

Mit ORANSSI PAZUZU haben wir den ersten Präzedenzfall, dass eine Band fast unbemerkt in den unteren Rängen meiner lastfm-Empfehlungen auftauchte, die ich zuvor nicht mal „vom Namen“ kannte und die mir tatsächlich gefällt (- ich will mich hier ja mal nicht mit fremden Federn schmücken). Und auch wenn ihr eigenwilliges, teilweise noch etwas gezwungen und insgesamt noch ein bisschen unentschlossen wirkendes Gebräu düsterer Musik sie noch nicht so recht auf Anhieb in meine Ecke aktueller Lieblingsbands katapultieren will, ist es immerhin dermaßen interessant, ungewöhnlich und eigen (und in seiner Liga auch so gut), dass es mir eine Erwähnung wert sein muss.
„Muukalainen Puhuu“ heißt das in der Fachpresse kaum bis gar nicht beachtete Debüt dieser Finnen, das Sommer letzten Jahres erschien, und irgendwie bin ich sogar ein bisschen froh, es erst in der kalten und dunklen Jahreszeit entdeckt zu haben. ORANSSI PAZUZU wagen sich einen experimentellen Auswuchs, der seine Wurzeln beim Black Metal hat, sich dabei aber in völlig andersartige Sphären vorwagt. Die Referenzen, die einem bei diesem doch recht abwechslungsreich klingenden Werk in den Sinn kommen, reichen von norwegischen Genre-Urgesteinen (Darkthrone, Burzum, Thorns), über Swans, über Hawkwind und 'ner ganz dicken (und offensichtlich auch gewollten) Portion Pink Floyd, bis hin zu Postrock, Shoegaze, Drone und Noise.
Beim Opener schraddeln frostklirrende aber doch brachiale Gitarren mit einem dezenten Hauch Industrial zu einem stampfenden Grundrhythmus, an anderer Stelle gibt es doch mal Blastbeats, wiederum in anderen Momenten schwebt die Band durch psychedelische Sphären. Und das auch mal gerne mit Orgel-Unterstützung. Diese Band ist so exzentrisch, dass 'Kangastus 1968' z.B. zunächst so was wie Postrock ist, um dann zu etwas folklorisch eingefärbten überzugehen, sie bei 'Myöhempien Aikojen Pyhien Teatterin Rukoilijasirkka' rohes BM-Geschrote mit Orgel-Unterstützung auffährt, oder gar mal ein reines Ambient-Stück dazwischen setzt ('Muukalainen Puhuu'). Bei 'Dub Kuolleen Porton Muistolle', das ganz ohne harte Parts auskommt, darf man das erste Wort im Titel sogar wörtlich nehmen. Mal ergehen sich OP in Spacerock-artigem, mal in fiesen Lärmexzessen, mal treiben stampfende Drums, die an Swans, Godflesh oder so manche Neurosis-Passage erinnern, alles voran (Suuri Pää Taivaasta).
Dass man zunächst den Eindruck hatte, dass es der Band etwas an Richtung zu fehlen scheint, außerdem jemand in finnischer Sprache furchtbar böse klingen will, lässt man nach einigen Gewöhnungsanläufen tatsächlich hinter sich, womit sich die Scheibe dann als ziemlicher Grower entpuppt, der einem in der falschen Tagesform aber vielleicht auch etwas auf den Sack gehen kann.
Nichts desto trotz: Sehr, sehr coole, kreative Scheibe. Wenn man bedenkt, dass das hier ein Debüt ist, darf man wohl wirklich gespannt sein, was da zukünftig wohl noch kommen mag.


p.s.: Tolles, passendes Cover:

Shining - Blackjazz (Update!)

Nach 1-2 weiteren Durchläufen muss ich inzwischen revidieren, was ich vorher gesagt habe. „Blackjazz“, das aktuelle Album der norwegischen SHINING (nicht der schwedischen, schwarzmetallischen!) macht es einem zwar nicht so richtig leicht, eine gewisse Faszination geht aber doch davon aus.
Auf eine verquere Art und Weise kriegt die Truppe Jazz-Wurzeln und Progrock-Einflüsse mit extremmusikalischen Lärmexzessen und 90er-Sound-Ingredienzien unter einen Hut, hat hier mal inkl. Saxophon was von Zu/John Zorn, und dort mal mit groovy Stakkato-Bratriffing von Mudvayne/Meshuggah, fährt Keyboard-Einlagen auf, die wie Spock's Beard auf einem verdrogten Industrial-Trip klingen, und präsentiert sich generell mit einem gehörigen Mike Patton-Schulterblick.
Und das Interessante daran, was man dabei bedenken sollte ist, dass hier ursprüngliche Jazzer einen Vorsprung in avantgardistische Rockmusik wagen, und nicht etwa überambitionierte Rockmusiker auf Biegen und Brechen abgefahren sein wollen.
Das Hauptproblem, was „Blaqckjazz“ hat ist dabei eigentlich, dass es (für mich!) ein paar Jahre zu spät dran ist, oder vielleicht auch noch nicht spät genug. Diese 90er-/Jahrtausendwenden-Vibes und der dicht zugelärmte Gesamtsound geben der Sache was irgendwie unzeitgemäß anmutendes.
Sieht man vom etwas überflüssigen Finale 'Omen' ab (auf das dann noch der Abspann in Form von King Crimson's '21st Century Schizoid M ' folgt, unterstützt durch Enslaved's Grutle Kjellson) ist „Blackjazz“ ein Album für Leute, die damals auch auf Mr. Bungle abfuhren, bei Slipknot's erster nicht schreiend wegrannten und mit Strapping Young Lad oder Nadja genau so was anfangen können, wie mit John Coltrane. Totale Ablehnung dieses Albums könnte ich aber genauso nachvollziehen.

Dienstag, 9. März 2010

Die Running Order des diesjährigen Roadburn Festivals ist raus!

Und mit der neuen, zusätzlichen „Midi Theater“-Bühne außerhalb des 013 tatsächlich ein bisschen ärgerlich. KYLESA eröffnen parallel zu RUSSIAN CIRCLES. Danach spielt JARBOE parallel zu SHINING. KARMA TO BURN spielen parallel zum Celtic Frost-Ableger TRIPTYKON. Alle drei Überschneidungen bieten keine Alternative, eine der Bands noch mal an einem Tag auf einer anderen Bühne zu sehen, was eigentlich laut Veranstalter mal Sinn der Sache gewesen sein sollte, aber nur bei wenigen Bands tatsächlich greift So spielen offensichtlich lediglich YOB zwei reguläre Sets und SHINING immerhin noch mal einen gemeinsamen mit ihren Tourkumpeln von ENSLAVED (mit denen sie schon früher live zusammen King Crimson coverten).
Ob DAS jetzt die Preiserhöhung und Vorreden, mehr und außerdem Entzerrung bieten zu wollen rechtfertigt, ich weiß et ja nich' ...

Profound Lore

Mark my words: Profound Lore Records ist das Label der Stunde, das in Kürze an Erfolg und Beliebtheit zu Krach-Spezialisten wie Relapse und Hydrahead aufschließen wird. Der 2004 gegründete Laden hat jetzt schon Szene-Hausnummern wie die Doomer YOB und THE GATES OF SLUMBER, die Droner NADJA, die irgendwie mit Neurosis verbandelten AMBER ASYLUM (file under Neoklassik, Postrock, Ambient, whatever), und die Sensation des letzten Jahres namens COBALT im Stall. Auch PORTAL wurden hier und da gehörig als aufregende Sache abgefeiert und die irischen Post-Black Metaller ALTAR OF PLAGUES sind ebenfalls so ein bisschen eine „Band of the Moment“. Weitere US-Alternativ-Black Metaller wie KRALLICE oder die gerade von Alternative Tentacles rübergemachten LUDICRA sind ebenso wenig noch Unbekannte wie die Franzosen ALCEST oder die personelle Überschneidungen mit Dystopia und Wolves In The Throne Room aufweisenden ASUNDER ...
Da geht ja einiges, meine Damen und Herren, einiges!

Montag, 8. März 2010

Russian Circles

Mini-Konzertrückblick: Ich möchte zu Protokoll geben, es absolut nicht zu bereuen zum RUSSIAN CIRCLES-Konzert gegangen zu sein, obwohl ihr aktuelles Album „Geneva“ etwas schnarchig ausgefallen ist. Da gab es nämlich mal wirklich überhaupt gar nix zu meckern, spielerisch und soundtechnisch war das über jeden Zweifel erhaben.
Trotzdem fragt man sich etwas, warum ausgerechnet dieses Spartenkonzert ausverkauft (!) war, während man bei Vergleichbarem oft nicht mal halb so viele Leute trifft …

Freitag, 5. März 2010

Anvil! - Some Kind Of Spinal Tap

Hier und da wurde bereits einiges über „Anvil! – The Story of Anvil“ geschrieben oder gesagt, hierzulande kommt der Film aber jetzt gerade erst an. Ich habe ihn jedenfalls nun auch endlich mal gesehen und muss sagen: Ja, den muss man tatsächlich wirklich mal gesehen haben, denn Prädikate wie „Spinal Tap in authentisch“ oder „Some Kind Of Monster in sympathisch“ sind wahr.
Alleine die krasse Wendung am Anfang der Dokumentation ist epochal: Während man Szenen eines legendären Auftritts von ANVIL im Rahmen eines großen Open Airs in den 80ern zwischen Bands wie den Scorpions und Bon Jovi sieht, blicken Musiker wie Lemmy, Slash, Lars Ulrich, Tom Araya und Scott Ian (die wohl alle keinen Klammerkommentar mit entsprechender Bandzuordnung bedürfen sollten) darauf zurück, was für eine bemerkenswerte und stilistische Pionierarbeit leistende Heavy Metal Kapelle die Kanadier back in the day doch waren. Mit dem Schnitt ins hier und jetzt sieht man dann ANVIL-Frontman „Lips“ beruflich Essen ausfahren.
Der stellenweise sehr emotionale Film beleuchtet eine tiefe Männerfreundschaft, die bereits Dekaden hält während ewige Underdogs an das glauben, was sie tun. Die Naivität , mit der die Altrocker mitunter durchs Leben gehen und einfach nicht aufhören ihren Stiefel durchziehen, stellt sie dabei nicht zum Amüsement der Lächerlichkeit preis, sondern verlangt dem Zuschauer eher gerührtes Schmunzeln und ziemliche Sympathie ab.
Schön ist auch das kleine Quasi-Happy End, bei dem die Band zwar als mittäglicher Opener eines Festivals auf die Bühne muss, dabei aber doch ihre fünf Minuten im Rampenlicht als gefeierte Helden bekommt.
Die Ironie des Ganzen ist natürlich, dass die Underground-Legende über diesen Film nun doch wieder breitere Aufmerksamkeit bekommen und inzwischen ein professionelles Management im Rücken hat – ob das tatsächlich doch noch mal auf die alten Tage nennenswert irgendwo hinführen sollte, das ist die spannende Geschichte, die man nun auch nach Abspann der filmischen Momentaufnahmen noch weiterverfolgen kann …


Donnerstag, 4. März 2010

Alte Helden ...

… verschiedener Ären und Stile weit und breit, ein Déjà-vu nach dem anderen:
Kürzlich erschien ein neues ROB ZOMBIE Album, das im Übrigen überraschend solide ausgefallen ist. Aber seien wir mal ehrlich: Mehr als das auch nicht. Für Spookshow-Discometal straight outta 98 fühle ich mich 2010 außerdem in der Tat die 10 Jahre zu alt und auch irgendwie zu „weiter“ …
Morgen wiederum kommt die neue FUN LOVIN‘ CRIMINALS raus. Mal gucken, wie das Ding so ausfällt, aber der Geier des Anachronistischen kreist auch darüber bereits irgendwie …
Und nächste Woche dann die neue ARMORED SAINT. Hier läuft es wenigstens auf einen Musikstil hinaus, der so antiquiert ist, dass man ihn auch schon wieder „zeitlos klassisch“ nennen kann. Außerdem freue ich mich über jeden neuen Song, der von John Bush geschmettert wird …

Mittwoch, 3. März 2010

Endlich mal reingehört ...

...habe ich inzwischen übrigens auch mal in „Katapult“, das 2007er Album der finnischen CIRCLE. Jene sind wohl schon länger eine ziemliche Hausnummer im Feld des (nennen wir es mal) Neo-Krautrocks und veröffentlichten mit besagter Scheibe ein Werk, das neben den obligatorischen „üblichen Verdächtigen“ (Can, Faust, Neu!, ..) auch verstärkt Einflüsse aus Richtung Celtic Frost verarbeitet.
Im Klartext heißt das, dass sich hier in die psychedelisch-hypnotischen Motorik-Blubbereien auch hörbar metallisch angehauchte Gitarrenriffs und gelegentliche "Ugh!s" mit einbetten.
Für jemanden, der aus entsprechender Ecke kommt klingt das dann doch mitunter etwas krude und oft auch nicht gänzlich unalbern, einige Tracks versprühen mit ihrer gleichermaßen mysteriös einlullendem wie subtil harten „70ies Techno-Kraut-Blackdoom Metal“ – Schizophrenie allerdings tatsächlich einen gewissen Charme.
(Einen Stream der Albumsongs findet man u.a.
hier oder hier)