Montag, 31. August 2009

Konzert-Wochenende, ein kleines Resümee

Manchmal entpuppen sich die Veranstaltungen, an die man mit neutralen bis verhaltenen Erwartungshaltungen rangeht, ja doch als die unterhaltsamsten.
So startete ich am vergangenen Freitag mit einem Auftritt von MUCKY PUP ins Wochenende. Jüngeren Semestern dürfte die Combo, die Ende der 80er/Anfang der 90er mit ihrem Humorcore gerade Hierzulande einen beachtlichen Kultstatus erreichte, wahrscheinlich nicht mehr so geläufig sein. Und auch wenn man heute eher etwas nostalgisch verklärt zu Alben wie „A Boy In A Man’s World“ und ihren etwas albernen Hits wie ‚You stink (but I love you)“ zurückschmunzelt und sich dabei denkt „Hach ja, damals war ich halt noch jung“, war der Drang auch im hohen Alter die inzwischen natürlich noch älteren Herren aus New Jersey auf ihrer kleinen Reunion-Tour 2009 noch mal zu sehen, dann doch stärker als alle Bedenken, wie altbacken und peinlich oder uninteressant und beliebig das u.U. werden könnte.

Bei meiner Ankunft im Essener Turock, in dem gerade eine Black Metal Band (!) das Vorprogramm bestritt, saß Gitarrist Dan Nastasi (der über die Jahre auch in Bands wie Murphy’s Law und Dog Eat Dog spielte) grimmig an der Theke, hielt in der linken Hand ein Glas Whisky pur und in der rechten ein leeres, in das er immer wieder reinrotzte. Äh.
Als es dann vor verhältnismäßig beschaulichem Publikum mit Gary Glitter’s „Rock and Roll Part 2“ als Eröffnungsnummer losging, begann eine angenehme, kleine Zeitreise. Der mächtig beleibte und obenrum inzwischen beträchtlich kahle Frontmann Chris Milnes liefert auf seine etwas bärig-tollpatschige Art eine äußerst sympathische Performance ab, und bei Althits wie ‚Three Little Pigs’, ‚Batman’ oder ‚P.T.L.’ wurde dann auch das Publikum warm und bot einen an der Besucherzahl gemessen doch beachtlich lautstarken Mitgröl-Chor. Dass weitestgehend auf auffällige Gimmicks und Gag-Einlagen verzichtet wurde (sieht man von der Gast-Waschbrettspielerin bei ‚The Skinheads Broke My Walkman’ ab), war irgendwie nicht mal schade, sondern festigte im Gegenteil die Erkenntnis, dass selbst eine stilistisch ziemlich an ihre Ära gebundene und allgemein als reine Spaßcombo wahrgenommene Altherrentruppe wie MUCKY PUP, bei deren Reunion man sich trotz aller Sympathie und Jugenderinnerungen eigentlich schon ein amüsiertes „Wer braucht das denn heute noch?“ in den Bart nuscheln wollte, auch 2009 noch unpeinlich und mehr oder minder zeitlos Spaß machen kann.
Und da man heute keine zwei Meter mehr vor die Tür machen kann, ohne sich zwei Tage später selbst irgendwo auf Youtube zu finden, kann ich sogar einen audiovisuellen Happen des Konzerts mitliefern:

Danach spielte übrigens auch noch das Speed/Thrash Metal-Urgestein FLOTSAM AND JETSAM. Die Band, dessen Ruf – bei allem Respekt – bis heute primär von der Tatsache zehrt, dass Jason Newsted (Metallica-Basser von ’86 bis 2001) auf dem ersten Album spielte, zog sich anständig ballernd ganz gut aus der Affäre, aber irgendwie wusste man danach auch, warum sie es nie zu größerem Ruhm schaffte …

Samstag Abend brach ich dann noch ins hübsch-beschauliche Paderborn auf, wo ein zweitägiger Event mit vielen geschätzten Bands tobte. Was ich bei meiner extra nur als Stippvisite angelegten OWL-Konzertreise an Entertainment geboten bekam, war nicht ohne. Als die lokalheroischen Thrash Metal-Altherren GODS WILL BE DONE auf der Bühne standen, stand die Kulturwerkstatt Kopf. Vom 16jährigen Nachwuchsmosher bis zum debilen Altrocker um die 40 ging ein Großteil der Crowd komplett entrückt apeshit. Auch Musiker anderer Bands flogen zur aggressiven Musik auf spielerisch hohem Niveau mit mitunter bedenklichen Promillepegeln im Minutentakt über, von der, auf die oder an der biergetränkten Bühne vorbei.
THE VERY END aus dem Ruhrpott hatten es danach zu schon recht fortschreitender Stunde erst mal schwer, die Ostwestfalen für sich zu gewinnen, die allesamt nur gemächlich von der Rauchpause wieder in den Konzertsaal einkehrten. Gegen Ende herrschte aber doch noch akzeptables Ringelreihen vor der Bühne, da der energische Mischmach aus Thrash, Melo-Death und Rock’n’Roll-Refrains partytauglich anzukommen wusste.
Die Party explodierte dann auch noch mal bei WOOF. Wenn die PB-Hardcoreler am Start sind, wird es gewohntheitsgemäß gerade bei Heimvorteil richtig wild. So war hier genauso wie bei GWBD vor, neben und auf der Bühne noch mal regelrecht total fuckin’ Mayhem angesagt, auch wenn es schon ziemlich spät und manch einer offensichtlich kapitulierend auf dem Heimweg war. Auf den auch ich mich irgendwann aufmachte, als nüchterner Quasi-Zaungast einer solch enthemmten Rock’n’Roll-Orgie doch irgendwie sehr amüsiert und froh darüber, dieses Spektakel aus ausnahmsweise mal unalkoholisierter Distanz mitbekommen zu haben.

Donnerstag, 27. August 2009

20 Jahre Thrash Altenessen

Wunder des Internets: Pünktlich zum 20jährigen Jubiläum kann man den legendären ARD-Dokumentarfilm Thrash Altenessen aus dem Jahre 1989 auf Youtube finden. Der Film zeigt perspektivenlose Jugendliche aus der Metal-Szene im Essener Stadtteil Altenessen des schon damals langsam aber sicher verwahrlosendem Ruhrgebiets, immer wieder musikalisch aufgelockert (oder doch eher schon aufgeheizt) durch Szenen eines Auftritts des international einflussreichen Altenessener Thrash Metal-Exports KREATOR im traditionsreichen, Stadtteil-eigenem Konzertclub Zeche Carl (in dessen Keller die Band nebenbei erwähnt auch heute noch ihren Proberaum hat), in dem auch ich als Nicht-Essener und verhältnismäßig jüngerem Semesters angehörend so manch prägendem Erlebnis beiwohnte:









Municipal Waste!

Neuer Videoclip! Knaller!

Dienstag, 25. August 2009

TV-Tipp

Im Zuge der Sendereihe Welcome to the Eighties widmet sich Arte in der heute Abend von fünf vor elf bis zehn vor zwölf laufenden Episode „den düsteren Seiten der 80er“-Popmusik. "Gothic, Industrial & Black Metal" lautet das Motto, in dessen Zuge abseits allgegenwärtiger Schubladen-Klischees auch gerade Genre-übergreifend einflussreiche Künstler retrospektiv zu Wort kommen sollen. Darunter u.a. die Postpunk-Ikone KILLING JOKE und Tom Gabriel Fischer aka Tom Warrior, der mit HELLHAMMER und CELTIC FROST den düsteren und extremen Metal prägte wie wohl kaum eine andere Band.

Wiederholungen:
29.08.2009 um 03:00
03.09.2009 um 18:05

Sonntag, 23. August 2009

Zwei Alben für lau!

1.) ANDORRA ATKINS - Augenlied
Es gab mal eine HC-Band aus dem Umkreis des hübschen, beschaulichen NRW-Städtchens Soest namens Another Sick Tribe, die seit den 90ern irgendwie schon immer da war. Nachdem sich die Musik immer mehr veränderte und die Originalmitglieder in der Band immer weniger wurden (ein ehemaliger Mitstreiter spielt inzwischen übrigens bei Phillip Boa mit), machten sie den konsequenten Schritt einer Umbenennung. Kill.Kim.Novak hießen sie von da an, und die soundtechnisch nachbearbeitete Kombination ihrer ersten beiden Demos wurde als Album über ein Unterlabel der Bollo-Spezialisten Alveran veröffentlicht. Juristen aus dem Umfeld der Schauspielerin Kim Novak bekamen dann allerdings Wind von der Band und zwangen sie zur erneuten Umtaufe. ANDORRA ATKINS hieß das Ding dann von da an. Und da ANDORRA ATKINS und A-Team Distribution neuerdings wieder getrennte Wege gehen, entschied man sich das neue Album einfach frei ins Netz zu stellen.
Geboten wird so etwas wie Screamo/Post-Hardcore, der nicht nur wuchtig und intensiv, sondern gleichermaßen aggressiv wie intelligent ist, und durch seine kantige, angeschrägte, auch mal etwas verspielte und abgehackte Art und Weise definitiv nicht nur was für generelle Genre-Freunde ist, sondern auch für jene wie ich, die immer wieder mal einen neuen Kick durch eine herausstechende Band - aus welcher Schublade harter und/oder abseitiger Musik auch immer - brauchen.
Den Link zum Album findet man auf der Myspace-Seite der Band.

2.) MAUDLIN OF THE WELL – Part The Second
Eine zufällige Recherche nach dem Motto „Gibt's die eigentlich noch?“ führte zu dem Ergebnis, dass MOTW diesen Mai ein von Fans vorfinanziertes Album kostenlos ins Netz gestellt haben.
MOTW veröffentlichten um die Jahrtausendwende drei Alben (zwei davon sogar gleichzeitig), die überschwängliche Kritiken erhielten, da man so einen „Avantgarde/Progressive-Metal“, der Elemente aus allen möglichen Musikstilen von Jazz über verschiedene Rock-Spielarten bis Doom und Death Metal fusionierte, noch nicht alle Tage gehört hatte.
Es dauerte nun bis Mai 2009, bis die offiziell mehr oder weniger auf Eis liegende Band mal wieder mit was neuem aus der Hüfte kam. „Part The Second“ bietet dabei 5 Songs mit einer Gesamtspiellänge von fast 45 Minuten und mit kruden Mammut-Titeln.
Im Gegensatz zu vorangegangenen Werken fällt das Album sehr unmetallisch und ruhig aus. Weitgehend leichtfüßiger, klassischer Progrock mit vielen Einsprengseln aus klassicher/Kammermusik, der nur selten mal lauter wird, wechselt sich gelegentlich mit auch mal etwas eigenwillig und verquer tönenden Passagen ab. Vergleichsreferenzen und detaillierte Analysen a la „unüberhörbarer King Crimson-Einfluss“ oder „beim zweiten Song streift die Band zwischendurch mal so etwas wie moderneren Weirdo-Rock, wohingegen die etwas pathetische Passage davor fast schon an Queen erinnert“ erspare ich uns jetzt mal. Ob sich die Fans, die dafür schon im Vorfeld Kohle locker gemacht haben das Ganze tatsächlich so vorgestellt haben, sei jetzt ebenfalls mal dahingestellt. Fakt ist: „Part The Second“ ist tatsächlich eine sehr gute Progrock-Scheibe, gleichermaßen mit klassischen Wurzeln wie modernem Anstrich.
Das Album gibt es in verschiedenen Format-Versionen naürlich auf der Website der Band.

Donnerstag, 20. August 2009

Keelhaul's Triumphant Return to Obscurity

Schon mal was von KEELHAUL gehört? Falls nicht, wäre das auch nicht besonders verwunderlich, handelt es sich bei dem „Stoner Metal/Sludge Metal/Math Rock” (wikipedia) frönendem Quartett um einen Haufen verhältnismäßig alter Rocker, die zwischendurch immer wieder mal komplett von der Bildfläche zu verschwinden scheinen. Die beiden ersten Alben erschienen um die Jahrtausendwende, ein drittes '03, die Band tourte '04 mit JR Ewing durch Europa, und kam nach nur geringfügigen Lebenszeichen über die Jahre erst jetzt mal wieder mit einem neuen Album aus der Hüfte. Eines vorweg: Und was für eins!

Allgemein stehen die Zeichen für sie gerade recht gut. Das, was KEELHAUL machen, passt (siehe Stilbeschreibung oben) gut zu dem, was im „hart-alternativem Underground“ derzeit so mächtig angesagt ist. Dass „Keelhaul's Triumphant Return to Obscurity” dann auch noch über HydraHead Records erscheint, dürfte den Sack zu steigender Populariät in der „Beardo-Szene“ ohne Frage zumachen.

Das Faszinierende an der Musik dieser Band war dabei schon immer, dass sie einerseits punkig dahingerotzt klingt, dabei aber doch auch technische Finesse, jazzige Experimentier- und Spielfreude und progressiv-eigenwillige Songstrukturen aufweist. Die ultimative Fusion aus schmutzigem Lärm und filigraner Verspieltheit, irgendwie direkt aus dem Bauch heraus rabiat nach vorne geballert, dann aber doch unkonventionell und mit Hirn. Die Menge instrumentaler Passagen (bzw. kompletter Songs) überwiegt dabei denen mit Gebrüll.

Die ersten 1-2 Durchläufe der neuen Scheibe "Keelhaul's Triumphant Return to Obscurity" waren für mich erst mal etwas ernüchternd. Geboten wurde dem ersten Eindruck nach nur gewohntes in moderatem Tempo. Rasant abgehende Hektikabfahrten a la ‚Shackelteon’ oder ‚360’ waren erst mal nicht auszumachen, nennenswerte Weiterentwicklung oder so etwas dabei aber auch nicht. Doch weit gefehlt: Im weiteren Verlauf der folgenden Rotationen wuchs die Platte dann allerdings. Gewaltig und immer noch.

Einige Nummern sind gleichermaßen verquer wie hymnisch. So hat z.B. 'THC For One' in den Strophen (bei den Gitarren) was von Sonic Youth, wartet aber mit einem Schunkel-Refrain auf, aus dem man einen Hauch Ethno-Einfluss raushören möchte. Absoluter Höhepunkt der Scheibe ist der sechseinhalbminütige 'Kirby Wurm': Was für ein Wahnsinnssong, der zwischen relaxten Jams mit Rock-Pathos und direkten Riffmonströsitäten in melodischen Bögen regelrecht catchy daherkommt. Andere Tracks wiederum begeistern durch eine völlig ausartende Schlagzeugarbeit. Was Will Sharf da bei 'The Subtle Sound Of An Empty Milkshake' oder 'El Matador' an entrücktem Geballer auffährt, hat definitiv Oberliga-Format. Super auch das eigentlich recht simple 'Waiting For The Moon To Speak', eines der reinen Instrumentalstücke, das von verträumtem Spacerock-Geprogge gegen Ende doch noch dazu übergeht, metallisch Arsch zu treten. Und selbst die gegen solche Feuerwerke aggressiver Spielfreude etwas unscheinbareren Nummern sind durch die Bank einfach nur großartig. Dass lediglich der Schlusstrack 'KFB' irgendwie etwas nervig ausfällt, ist angesichts eines solch zwingenden Meisterwerks zu verschmerzen.

Im Gegensatz zu den vorangegangenen drei Alben klingt das doch auch quantitativ etwas mehr bietende "... Triumphant Return to Obscurity" etwas besonnener, über einen längeren Zeitraum geschrieben und angesammelt, und nicht nach einer kompakt eingefangenen und sofort rausgekloppten Amoklauf-Jamsession. Was weder besser noch schlechter sein muss, aber es ist so etwas wie die eindrucksvolle Doktorarbeit einer eigenständigen und einfach nur völlig schweinegeilen Band, die sich schon bei Gesellen- und Meisterprüfung herausragend und eigensinnig präsentierte.

Bisher, und vielleicht auch noch im Dezember, mein Lieblingsalbum '09.

Wem Mastodon aktuell etwas zu glatt geworden sind, und Kylesa auf Dauer vielleicht doch einen Ticken zu stumpf und gradlinig, wer Coalesce und Knut nicht schlecht findet, und wer gleichermaßen was mit dreckigem Noiserock, klassichem Prog, ADS-Mathcore und etwas eigenwilligem Metal anfangen kann – ja, für den könnte dieses Album eventuell tatsächlich die totale Erfüllung sein. Für mich ist es das momentan jedenfalls.

Einen Komplett-Stream gibt es unter www.keelhaulstriumphantreturntoobscurity.com/
und das nicht minder eigenwillige Cover sieht so aus:


Ich muss gestehen ... (Update!)

...eine zentimeterdicke Gänsehaut bekommen zu haben, diese Volldeppen von ANTHRAX wieder mit dem besten, stimmgewaltigsten und sympathischsten Frontmann der gesamten Rock/Metal-Welt zu sehen, auch wenn es nur eine kurze HQ-Aufnahme via youtube ist:


(p.s.: Bin ich der Einzige, der diesen (Cover-)Song von dieser Band inzwischen als etwas ironisch empfindet?)

Update: Neben dem 'Antisocial'-Clip ist inzwischen auch 'Safe Home' im Netz aufgetaucht:


Montag, 17. August 2009

kurz notiert

Netzfundstücke:
  • Wer schon immer mal wissen wollte, was VANESSA WARWICK – in prähistorischen Zeiten die Moderatorin der MTV-Metalsendung Headbanger's Ball – heute so treibt, der sollte sich mal diesen Twitter-Account anschauen.
  • Aus dem Umfeld des Roadburn Festivals kam gerad' das erste Review zum neuen BARONESS-Album rein, wo uns angeblich etwas ziemlich Großes ins Haus steht.
  • Unfreiwillig ironisch ist der Inhalt der Blabbermouth-Meldung, dass der Auftritt von ALICE COOPER in Tampere von den Veranstaltern abgesagt wurde, da man sich aufgrund der christlich geprägten Ideologie des Managements der Location keine derartige Verkörperung des Bösen und Dunklen ins Haus holen wollte. Bedenkt man, dass „der Coop“ als Sohn eines Pastors selbst gerne mal zu Protokoll gibt privat durchaus nach einer christlichen Weltanschauung zu leben, Satanismus u.ä. als Vorzeige-Provokation schon immer betont ablehnte, und seine Inhalte im Kern eigentlich auch alles andere als im Gegensatz dazu stehen, ist das schon ein ziemlicher Lacher. Manche lernen es wohl nie ...
  • Köln's geschätzte Einmann-Band DAGHOTI hat auf seinem Myspace-Profil mit "I didn't mean to get so high (The kids are alright)" einen neuen Song online gestellt, der sich im Gegensatz zu den sehr Electronica-dominierten Releases jüngerer Vergangenheit dann doch mal wieder an verzerrte Gitarren wagt. Sehr schön, bitte mehr davon!

Donnerstag, 13. August 2009

kurz notiert

Musiklegende LES PAUL ist im Alter von 94 verstorben. Les Paul galt als Erfinder der Mehrspur-Aufnahmetechnik. Seit 1952 (!) produziert der Musikinstrumentehersteller Gibson ferner das weit verbreitete E-Gitarrenmodell „Les Paul“. R.I.P.

Wie schon bei allen anderen jüngeren Veröffentlichungen aus dem geschätzten Hause Relapse Records,wurde auch das neue Album der Noiserock/Sludgecore-Combo BURNT BY THE SUN komplett als Stream ins Netz gestellt. Guckst Du hier.

ANTHRAX machen sich bei ihrem wöchentlichen Feature auf Blabbermouth, in dem sie wiederholt den Wunsch nach einem Neuanlauf mit John Bush am Mikro wünschen, derweil inzwischen endgültig lächerlich. „When You Have A Chemistry, You Should Keep It“ meint Drummer Benante zum Festival-Gig, bei dem Bush nach dem Rausschmiss des letzten Sängers Dan Nelson freundlicherweise ausgeholfen hat. Ja gut, da hat er wahrscheinlich recht, hätte sich an diese Weisheit aber 2005 rum mal halten sollen, als sie mit Bush eine einwandfreie Chemistry hatten, trotzdem aber lieber erst mal 'ne Old School Reunion mit Heulboje Belladonna und Jesusfreak Dan Spitz durchgezogen haben.

Dienstag, 11. August 2009

In Kürze kommende Releases

Von "potenziell interessant" bis Pflichtkauf, alphabetisch sortiert:
- ARMORED SAINT: Übermäßige Erwartungen hat man an das Heavy Metal-Urgestein ja eh nicht, aber während Anthrax John Bush anbetteln, doch zu ihnen zurück zu kommen, eine neue von ihm eingeschmetterte Saint-Scheibe auf den Tisch zu bekommen ist ja doch irgendwie was nettes.
- BARONESS: Hier sind die Erwartungen hoch, denn mit ihrem potenziell schon jetzt fast Stadionformat zeigendem Prog/Stoner Metal sind sie nach wie vor so ein bisschen die Band der Stunde
- BURNT BY THE SUN: ...begleitet von einer angeblich ersten und letzten Europatour.
- DYSE: Die hochgeschätzten Ossi-Weirdos holen zum nächsten Noiserock-Schlag aus.
- GODS WILL BE DONE: Lang erwartetes Langspiel-Debüt der OWL-Thrash Metal-Altsäcke
- IMMORTAL: Sie mögen "die Manowar des Black Metal" sein, aber so ein bisschen gespannt bin ich auf diese Guilty Pleasure ja schon.
- KEELHAUL: Frickelsludgecore in Perfektion.
- MELVINS: Ja, da kommt wohl auch schon wieder 'ne neue.
- NINE INCH NAILS: Bisher "unbestätigten Gerüchten zufolge" soll da laut Metal Hammer UK trotz Quasi-Auflösung längst ein neues Album auf der Startrampe stehen.
- SHRINEBUILDER: Aufgrund der mitwirkenden Strategen interessante "Allstar Projekt"-Kiste.
- SLAYER: Slayer!!!!!!!?!??!!?!!!
- TROUBLE: Das erste Album mit Kory Clarke am Mikrofon sollte eigentlich auch in Kürze erhätlich sein.
- Grind Madness At The BBC (The Earache Peel Sessions): 3CD-Set mit den gesammelten Peel Sessions von Napalm Death, Carcass, Extreme Noise Terror, Godflesh, Bolt Thrower, ...

Freitag, 7. August 2009

kurz notiert

Hab' jetzt auch endlich mal die aktuelle BRUTAL TRUTH gehört. Is' ziemlich geil! Sehr gute Produktion und recht eigenwilliges Gerumpel und Geschrote mit manchmal ganz schön derben Texten.

Ähnliches gilt wider Erwarten ebenfalls für die aktuelle AGORAPHOBIC NOSEBLEED, auf der dieses mal nicht nur die programmierten Drums überraschenderweise teilweise sogar richtig Spaß machen, sondern zudem neuerdings auch noch eine Frau mitschreit und -keift.

Donnerstag, 6. August 2009

Fundstück der Woche

Durch den Track ‚You Suffer’ von ihrem Debüt-Album „Scum“ landeten NAPALM DEATH mal im Gunniness Buch der Rekorde mit der "Aufnahme des kürzesten Songs ever".
Beim Jubiläums-Rerelease von „Scum“ haben sich Earache Records sogar den Spaß gegönnt, dazu einen Videoclip zu produzieren:



Eine Doom-Band namens GRIMOIRE OF GRIEF hat das ursprünglich ca. einsekündige „You Suffer“ jetzt gecovert – quasi 60 mal so lang wie das Original:


Mittwoch, 5. August 2009

Enemy Of The Music Business

..ist ja doch irgendwie mit die beste NAPALM DEATH-Scheibe, wie ich kürzlich mal wieder feststellte.
Nachdem die aus dem Punk stammenden Grindcore-Erfinder nach und nach mit Death Metal auf Tuchfühlung gingen und in den 90ern auch durchaus sperrig-experimentelles und sehr Groove-betontes Material veröffentlichten (das Geschwindigkeitsrausch-freie „Diatribes“ von '96 wäre ein weiterer Landmark, dessen Vorwegnahme von Stilmustern der derzeit hippen „Post-Metal“-Ecke genau so wie bei Ministry's „Filth Pig“ meiner Meinung nach heute ganz schön unterschätzt wird), war „Enemy...“ das Album, das pünktlich zur Jahrtausendwende die Segel wieder auf Speed setzte, ohne die zuvor ausgeloteten Groove-Gangarten auszulassen, und die bis heute anhaltende Stil-Marschroute vorgab.
Und auch wenn jedes folgende Album immer wieder Variationen, kleinere Experimente und andere Herangehensweisen an den ND-Sound versuchte, bleibt „Enemy Of The Music Business“ dann ja nach wie vor doch irgendwie das beste und zwingenste Album, das ND seitdem gemacht haben. Songs wie „Next On The List“, „Volume Of Neglect“, oder „Thanks For Nothing“ sind unglaublich mächtig, einen fies vertrackten Track wie den Opener „Taste The Poison“ haben sie bis heute auch noch nicht wieder gebracht, und eine so deutliche Ansage wie das an Slayer's Kerry King gerichtete „C.S. (Conservative Shithead) Part 2“ blieb danach bisher auch aus.
Die Produktion des Albums klingt für heutige Verhältnisse fast schon wieder etwas zurückgenommen und trocken, aber auch bzw. gerade in diesem nicht unnötig künstlich aufgeblähtem Klangbild liegt ein besonderer, natürlicher Reiz.
Was ich sagen will: Wenn irgendeine jüngere Scheibe von Barney und co. was quintessenzielles hat und die Veröffentlichung von NAPALM DEATH ist, die man als an Extremen interessierter Freund eigenständiger Populärmusik im CD-Regal stehen haben sollte, dann wohl tatsächlich diese!

Dienstag, 4. August 2009

Wacken '09 Nachlese

Mit dem WACKEN OPEN AIR war es musikalisch schon immer so eine Sache und wird es wohl auch immer bleiben. Als ich Ende der 90er zum ersten mal dort war, erfreute ich mich in erster Linie an den wenigen gebotenen Extrem-Gebretter-Bands, sowie einigen etwas aus dem Rahmen fallenden Sachen und verdrehte über das Übermaß an Plastikschwert-Drachentöter-Kapellen mit Eunuchengesang eher ein bisschen die Augen. Jetzt, wo sich das Festival vom Sparten-Event zur internationalen Großveranstaltung von (fast) Rock am Ring-Ausmaßen gemausert hat, ist es schon wieder eher so, dass selbst ich Bands über die ich mich vor fünf Jahren noch im Billing gefreut hätte, inzwischen fast schon wieder unpassend und ein paar Jahre hintendran finde. Siehe letztes Jahr Hatebreed und Killswitch Engange oder dieses Jahr Walls Of Jericho. Aber das ist typisch für die Metal-Szene, zuvor abgelehntes mit Verspätung doch noch zu integrieren. Immerhin ist das Wacken Open Air von der Band-Auswahl über die letzten Jahre in großen Schritten sehr viel facettenreicher geworden, was prinzipiell begrüßenswert ist.

Eigentlich hätte ich mir am Donnerstag zum Party-Auftakt gerne mal wieder D:A:D gegeben, was aufgrund der knapp bemessenen Ankunft unserer Reisegruppe und dem folgendem Vorglühen und Grillen dann durchs Raster fiel. Naja, man kann nicht alles haben. Die angekündigte „Secret Show“ entpuppte sich übrigens als J.B.O.-Gig, was ich erfolgreich ignorieren konnte. Die Wacken-Leute zeigten eh nicht gerade viel Geschick bei der Running Order-Planung auf den zahlreicheren Bühnenschauplätzen, denn die Country-Spaßmetaller The Waltons überschnitten sich z.B. mit der Countryrock-Coverkapelle The Boss Hoss und dem traditionellen Mambo Kurt-Auftritt im Biergarten. Irgendwie ungeschickt, genau so wie die Doom/Heavy Metal-Combo Grand Magus auf der Zelt-Bühne parallel zur Doom/Heavy Metal-Legende Heaven & Hell zu legen.

Nachdem ich den Abschieds-Gig von RUNNING WILD auch irgendwie nebenbei mitbekam, ging das Festival für mich dann erst so richtig mit BLOODWORK los. Die Paderborner genießen aufgrund der Tatsache zwei Mitglieder der großartigen Spaß-Grindcoreler Steve Austin im Line Up zu haben zugegeben einen grundsätzlichen Bonus bei mir, denn derartigen Allerlei-Metal nach Baukasten-Prinzip lehne ich ja sonst inzwischen eher ab. Überraschend allerdings, dass bei dieser noch relativ jungen Band das Zelt zum Zerbersten voll war mit feierwütigen Leuten, die mit der Combo schon vertraut zu sein schienen und lauthals ihre Begeisterung bekundeten. Nicht schlecht …

Top Act am Donnerstag: HEAVEN & HELL. Wow. Der Sound war wuchtig und glaskar, Iommi’s Riffing verdammt mächtig und Ronnie James Dio entpuppte sich erwartungsgemäß als sympathischer Showman und sehr gut bei Stimme. Das Material von Sabbath-Alben wie „Heaven & Hell“, „Mob Rules“ und „Dehumanizer“ mal live zu hören hatte definitiv was für sich. Und selbst das Mammutsolo, das Vinnie Appice an seinem gigantischen Penisverlängerungs-Drumkit hinlegte, war irgendwie geil.

Ich konnte es mir im Übrigen nicht verkneifen, mich zwischenzeitlich doch mal auf zwei Songs zum zeitgleichen Zeltbühnen-Gig von GRAND MAGUS zu schleichen, die erwartungsgemäß geil abrockten. Dass sie es sich brachten, während Dio-Sabbath auf der Hauptbühne stehen einen Ozzy-Sabbath-Song zu covern (‚War Pigs’) und als groß angekündigte finale „Special Surprise“ einfach nur die Idioten vom Metal Hammer beim letzten Song auf der Bühne rumzappeln lassen, fand ich dann schon wieder etwas streitbar.

Freitag hieß es dann früh aus der Koje zu kommen und sich vor die Party Stage kämpfen, denn der Weckruf erfolgte um 11:00 (!) durch NAPALM DEATH. Leichter gesagt als getan, wenn der Pressedurchgang zum Festivalgelände auch erst um Punkt 11:00 und keine Sekunde früher durchlässig gemacht wird. Immerhin schaffte ich es tatsächlich dennoch zügig bis in die Frontrow zu stampfen um mich von den britischen Grind-Urgesteinen druckluftbeschallen zu lassen. Geboten wurde wie immer ein Sammelsurium aus Uralt-Tracks und jungem Material, sowie sympathische Ansagen von Grunz-Zitteraal Barney. So schmunzelte er selbstironisch am Schluss des Auftritts „Wir sind leider schon am Ende, aber immerhin haben wir jetzt mehr Songs gespielt als in everybody else’s fuckin’ set“ bevor das von Tausenden von Fans mitgegrölte „Fuck Off“ bei der Ansage zum obligatorisch abschließendem Dead Kennedys-Cover „Nazi Punks…“ den Security-Leuten im Graben sichtlich anerkennendes Staunen abverlangte.

Kontrastprogramm dann bei Frühstück: Während ich mir die tägliche Bratwurstgrundlage reinschraubte, erfreute uns der Sound von den nahegelegenen Hauptbühnen zunächst mit dem Hardrock-Urgestein UFO und dann mit dem Black Metal-Geschrote von ENDSTILLE. Ein bisschen nostalgisch Schmunzeln musste ich auch über das Medley alter Helloween-Schinken, das Ramma Gay, sorry, GAMMA RAY zum besten gaben.

Krass wurde es bei WALLS OF JERICHO, deren Metalcore-Geboller zugegeben ganz schön mächtig rüberkam. Die Amis um Frontdame Candace gingen so dermaßen ab wie Zäpfchen, dass der Funke aufs Wacken-Publikum übersprang, das ebenfalls wie von Tollwut befallen steil ging. Und auch wenn WOJ einfach keine Band sind, die ich auf Konserve brauchen würde: Das hat zugegeben schon ganz schön Spaß gemacht!

NEVERMORE wiederum waren ja schon immer so eine Band, die mir persönlich einfach ein Stück zu traditionell verwurzelt und pathetisch ist, auf der anderen Seite kann ich mich aufgrund der atmosphärischen, progressiven und modern-brachialen Versatzstücke in ihrem Stil doch immer wieder zu einem Anstandsapplaus durchringen. So freute ich mich darüber, dass sie mit der nach meinem Eindruck in den letzten Jahren sonst eher selten gespielten Bollernummer 'This Sacrament' eröffneten und auch meinen anderen Favoriten 'Dead Heart In A Dead World' sehr früh verschossen (das schräge A Capella-Intro sollte man aber lieber sein lassen). (Ex-?)Frauenschwarm Warrel Dane sieht mit stark gekürzter, unblondierter Matte und Baseballkappe übrigens inzwischen aus wie Otto Waalkes.

Auf der Bühne im Zelt sorgten derweil die Rheinländer CALLEJÓN für Andrang und Stimmung. Auch wenn ich persönlich mit deren Ding inzwischen etwas durch bin, ist auch hier mehr als nur ein Anstandsapplaus drin. Die Band gibt Gas, die Songs reißen mit und bei auf den Punkt ausgeschalteter P.A. wurde der letzte Song trotzdem noch bis zum Ende durchgescheppert. Und auch wenn Musik und Erscheinungsbild der Band inzwischen nicht mehr ganz so unverkrampft-frisch wie in den Anfangstagen rüberkommen, muss ich doch gestehen dass da dennoch ein bisschen mehr von übriggeblieben ist, als ich zuletzt dachte.

Im Zelt ging es dann später auch erst mal weiter, sich mal ein paar Songs WHIPLASH anzutun, die für zwei Tracks gegen Anfang des Sets mit Frank Blackfire (Ex-Sodom) als Verstärkung aufliefen. Ganz ehrlich? Irgendwie war das Ganze doch sehr Kreisliga-mäßig.

Dann aber fix rüber zur Party Stage, zu COHEED & CAMBRIA. Dass die eher der Alternative-Ecke zugerechneten Progrocker keinen nennenswert großen Andrang ziehen konnten, damit war wohl zu rechnen. Dass die (verhältnismäßig) beschauliche Masse an Anwesenden mit dem einen Bogen von Classic Rock bis Post-Hardcore spannenden Material der Truppe teilweise doch ganz gut vertraut war und die alles gebende Band auch gut abfeierte, machte diesen Auftritt zu einem der heimlichen Ober-Highlights des Festivals. Ferner konnten COHEED & CAMBRIA damit punkten, zwischendurch ein Maiden-Cover (‚The Trooper’) aufzufahren. Gute Band. Muss mir da wohl doch endlich noch mal das eine oder andere zulegen.

Was soll man zu MOTÖRHEAD noch sagen? Mit der eröffnenden Ansage „We are Motörhead and we play Rock’n’Roll“ ist schließlich schon alles gesagt. Lemmy und die anderen beiden Jungs eröffneten gleich mit ‚Iron Fist’, hatten eine nette Zusammenstellung aus alten und neueren, langsameren und schnellen Krachern am Start und waren halt einfach Motörhead. Bei „Killed by Death“ gabs Verstärkung durch ein Aufgebot an feuerschluckenden Stripperinnen sowie die Alte von Skew Siskin, die sehr schief den Refrain mitgrölen durfte.

Während MOTÖRHEAD in den letzten Zügen lagen, starteten im Zelt INSIDIOUS DISEASE, eine Extrem-Metal-Supergroup mit Mitgliedern der norwegischen Black Metal-Szene (allerdings eher aus der Kirmes-Ecke), sowie Napalm Death-Basser Shane und Morgoth-Shouter Marc Grewe. Bei letzterem muss ich bei aller latent lokalpatriotischer Sympathie allerdings zu Protokoll geben, dass sein Stage Acting trotz beeindruckender Stimme doch eher etwas ungelenk rüberkam.

Der Rest das Abends war dann mehr so das Bauernprogramm mit Langweilern wie In Flames und Amon Amarth (und Doro, die den letzten Refrain von „All We Are“ samt Publikumsmitsingspielchen auf eine gefühlte Viertelstunde streckte), so dass ich mich ganzheitlich dem Schlummertrunkgenuss widmen konnte.

Samstag gings los mit CATHEDRAL. Dass es nicht so atmosphärisch und geil werden würde wie beim Roadburn Festival, war eigentlich schon vorher klar, zum starten in den Tag waren die britischen Doomer aber genau richtig. Nachdem der Motor langsam warm laufen konnte, war man nämlich bereit für die im Anschluss spielenden ..

TESTAMENT! Endlich mal Thrash Metal. Die Setlist war irgendwie seltsam, Chuck Billy inzwischen ganz schön fett, aber die Bay Area Prügeknaben stampften gewohnt souverän alles in Grund und Boden. Dafür, dass der eine oder andere Kracher vermisst wurde (etwa ‚Alone In The Dark’ oder ‚Low’) gab es immerhin von der aktuellen Scheibe die mitunter besten Songs zu hören (etwa ‚The Persecuted Won't Forget’ oder den Titeltrack). Runde Sache, immer wieder gern.

Auf die sich eigentlich ganz gut aus der Affäre ziehenden HEAVEN SHALL BURN hatte ich danach irgendwie keinen Bock mehr, ansonsten folgte auf den Hauptbühnen dann auch erst mal nicht so essenzieller Kram.

Als nächstes durfte man dann mal gespannt auf TROUBLE sein, die erstmals mit neuem Sänger Kory Clarke (Warrior Soul) aufliefen, der mit seinem extrem rauen Organ schon einen ziemlichen Unterschied zu seinem Vorgänger darstellt. Was soll ich sagen – ich freu mich auf die neue Scheibe der Band, denn diese Konstellation aus Doom Metal-Classics und der markanten Rock’n’Roll-Stimme Clarkes funktioniert tatsächlich super, auch wenn einige Fans das natürlich anders sehen.

Kleines Ärgernis dann: Die Post-/Prog-/Viking-/Whatever-/Black Metaller ENSLAVED spielen auf der Party Stage exakt parallel zu MACHINE HEAD auf der Hauptbühne. Also erst mal über das eröffnende ‚Imperium’ der Bay Area-Prolls freuen und dann mal rüber zu den Norwegern. Dort entpuppt sich als noch ärgerlicher: Das Geboller von MH nebenan schallt hier noch so laut rüber, dass man ENSLAVED bei ruhigeren Passagen kaum genießen kann, wenn man nicht gerade ganz weit vorne steht. Also nach 2-3 Songs doch wieder rüber zur Hauptbühne, zu ‚Old’ und ‚Davidian’ ein bisschen den verranzten Körper bewegen und beim ewig gleichen „Prost, Motherfuckers, Prost“-Gegröle des Wortschatz-armen Frontneanderthalers Rob Flynn amüsiert die Augen verdrehen.

Mit GWAR ist es dann auch so eine Sache. Ein paar Songs sind ja ganz nett, andere wiederum grottenschlecht. Irgendwie sind es dann auch eigentlich zu wenig Show-Einlagen, um mich dauerhaft vor der Bühne zu halten - wenn das Publikum aber dann mal wieder mit den Kunstblutfontänen irgendeines geköpften Gummimonsters zugesaut wird, muss ich mir das breit grinsend dann doch aus sicherer Ferne angucken. Witzig auch die Randnotiz, dass der Manager der Band die Fotografen vorher fragte, ob sie auch wirklich sicher sind, in den Graben zu wollen. So kam manch einer auch mit roter Farbe überströmt wieder raus und musste erst mal checken, ob es die Kamera überlebt hat.

Tjoah. Das war mein Wacken ’09. Aufgrund sehr relaxter Rahmenbedinungen für mich wie immer ein großer Spaß, auch wenn die Parties behind the scenes auch schon mal wilder und amüsanter waren, aber wir alle werden älter. Allerdings kann man zur Ehrenrettung zu Protokoll geben, dass sich gerade Angehörige der Ruhrpott-Front nichts geschenkt haben, und Strategen wie Angelripper oder eine nicht näher genannte Person eines Dortmunder Printmags erwartungsgemäß die heißesten Anwärter auf den Titel des Promillekönigs waren. Noch vor mir. Imagine that. Musikalisch gehen als ganz klare Punktsieger neben NAPALM DEATH vor allem auch COHEED & CAMBRIA und HEAVEN & HELL hervor, was ich in so einem Maße wohl auch nicht erwartet hatte.