Dienstag, 28. Juli 2009

kurz notiert

- Im Zuge meines immer wieder gern praktiziertem „mal wieder rauskramen“ von „sträflich unterbeachteten Klassikern“, vor allem aus der Metal-Ecke, landeten in letzter Zeit vor allem auch die Sauerländer(/Dortmunder) Ur-Death Metaller und später zu weiterentwickelten Sphären aufgebrochenen MORGOTH, sowie die ebenfalls recht eigenständigen Schweizer Thrasher CORONER mal wieder öfter in der Rotation. Dazu vielleicht später noch mehr.

- Eine Band, die ich in dem Zuge ferner wiederentdeckte, sind die Amrerikaner ANACRUSIS. Jene machten von 88-93 in der Fachpresse höchst(!)gelobten Progessiv-Thrash, der zwar traditioneller angehaucht war als der doch wesentlich düstere Sound der beiden o.g. Combos, sich im Gegensatz zu denen aber keinen „Kultstatus“ sichern konnte, sondern bis heute der ewige Geheimtipp blieb. Darüber ist die Band selbst scheinbar bis heute so frustriert, dass sie alle ihre Alben, zwei dazu zusätzlich in neu gemischter Fassung, plus diverse Raritäten komplett frei ins Netz stellte. Ich empfehle, hier vor allem mal das Album „Screams And Whispers“ anzuchecken. Jenes ist das reifste und am besten produzierteste Werk der Band, die darauf zudem bei 1-2 Songs kleine Experimente mit Jazz-Zusätzen wagt. Aber Vorsicht: Das Ganze ist wirklich nur was für Leute, die auch wirklich was mit traditioneller eingefärbtem, melodischen Metal anfangen können (wo meine Toleranzgrenze heutzutage ja auch schon ein kaum zu meisternder Limbo ist).

- Inzwischen kam ich auch mal in den Genuss des aktuellen BIRDS OF PREY-Albums. Eine Band, in der Mitglieder von BARONESS, MUNICIPAL WASTE, BURNT BY THE SUN und ALABAMA THUNDERPUSSY mitwirken. Geboten wird eine raue, primitive Stilmixtur, die von Hardrock und Doom bis zu Crustcore und Thrash/(vor allem:) Death Metal alter Schule reicht. Als würde man Zutaten von (ganz viel:) Entombed, (und jeweils hier und da ein bisschen:) Sepultura, Discharge, Hatebreed, AC/DC, Down, Crowbar und Sabbath in einen Topf schmeißen. Oder so. Das Ganze ist jedenfalls sehr reduziert und stumpf inszeniert und kann so je nach Geschmack ganz schön geiler Gröl-und-Prügel-Rock'n'Roll bis hin zu richtig bösartigem Geballer oder eben doch nur beliebiges Kreisliga-Gepolter sein. Ich könnte beide Meinungen nachvollziehen und bin noch unentschlossen ....

Montag, 27. Juli 2009

Sommerhit?

Wem 'Jungle Drum' zu überdreht, aufdringlich, verliebt und omnipräsent ist, der sollte es mal mit dieser relaxt-beschwingten Pop-Hymne probieren:


(Zu kleinerer Bekanntheit kam Aimee Allen durch den als Eröffnungsmusik in der kurzlebigen Genre-Serie „Birds Of Prey“ verbratenen Rocksong „I’d start a revolution (if I could get up in the morning)“, einem Beitrag zum Musical-Film „Hairspray“ und ihrer Unterstützung des als republikanischen Präsidentschaftskandidaten sein Glück versuchenden Ron Paul – auch hier mit einem für ihn geschriebenen Powerpop-Song. Davon kann man halten was man will - und zu ihrer Verteidigung scheint Paul für einen Konservativen sogar ganz vernünftige Ansichten zu haben - songschreiberisches Talent und auch ein gewisses Händchen für Pop/Rock-Gassenhauer, die auch mal ein bisschen bollern anstatt nur auf Singer/Songwriter-Pfaden zu wandern, muss man der Dame allerdings zugestehen.)

Mittwoch, 22. Juli 2009

Danthrax, Bushthrax, Armored Saint

Da fällt einem inzwischen nicht mehr vieles anderes zu ein, als das Wort „Lachnummer“: Der neue ANTHRAX-Sänger Dan Nelson hat schon wieder den Status „Ex-Sänger“.
So steht es in einer stündlich auf den neusten Stand gebrachten Meldung bei blabbermouth von gestern, der schon etwas kryptische Vorwehen um die angebliche Erkrankung von Dan Nelson, daraus resultierende Gig-Absagen und seltsame Twitter-Botschaften vorausgingen.

Eine Gegendarstellung von Nelson rückt das Ganze allerdings noch mal in ein ganz anderes, noch viel lächerlicheres Licht. (Dass der Typ glaubt "Fans" zu haben, lassen wir dabei mal außen vor)

Ungerechte Ironie: Der Wacken-Auftritt der Band ist gecancelt, einen Tag später spielt sie allerdings auf einem UK-Festival mit dem netterweise und angeblich exklusiv und ausnahmsweise einspringendem JOHN BUSH!

Beatin’ around the Bush: Die Demo-Version eines neuen ARMORED SAINT Songs gibt es als mp3-Download im Netz. Alles darüber hier!

Montag, 20. Juli 2009

Was ich ja nicht so richtig kapiere …

…ist der Wind, den Einige um den hyper-ironischen Anarcho-Fäkal-Machorap von K.I.Z. machen.
Sicher, ich erkenne schon prinzipiell wie wichtig und witzig eine Band sein kann, die nach Aussterben der spaßigen Schule des Nordens im allgemeinen Wettrüsten um den derbsten deutschen Gangrsterrap mit völlig überzogener Schwanzlyrik gar nicht mal so unclever daherkommt. Die nicht nur mit ihren politisch unkorrekten Fick-Texten und Dissereien den längsten von allen hat, sondern dabei unter dem pikant gewürzten Komik-Überzug augenscheinlich auch noch tatsächlich so was wie fast schon politisch und kritisch zu sein scheint. Nennen wir es ruhig Satire.
Alles gut und schön. Was ich aber nicht schnalle ist, wie man über (ich zitiere in Reviews hervorgehobene) Kalauer-Textzeilen a la
"Ich ficke die Nutten nur im Stehen / Nenn mich den Tortenheber."
oder
"Es ist Liebe/ Du sitzt bei meinen Eltern und hältst um meinen Schwanz an."
so dermaßen sabbernd ablachen kann, wie es Anhänger der Berliner Hip Hop-Combo offensichtlich tun. Was daran so stilsicher formuliert und humoristisch erwähnenswert sein soll, erschließt sich mir persönlich mal ganz ehrlich unter uns gesagt null.

Samstag, 18. Juli 2009

Mars Volta: Octahedron's böser Zwilling Cryptomnesia

„The Bedlam In Goliath“ machte mich letztes Jahr zum Fan von THE MARS VOLTA. Einer Band, mit der ich mich vorher nie so richtig eingehend beschäftigen wollte, die mich aber schlussendlich mit ihrem Latin-versetzten Abgehprogrock dieser Scheibe zu kriegen wusste. Dieses Jahr veröffentlichte die Band ihr hektikbefreites Pop-Album, und hier macht es Sinn auch mal die Solo-Projekte von MV-Gitarrist Omar Rodríguez-López in die Betrachtung hinzu zu ziehen, die sich personell und musikalisch nicht mal so stark von THE MARS VOLTA unterscheiden. Alleine dadurch, da im konkreten Fall auch hier MV-Sänger Cedric Bixler-Zavala mit von der Partie ist.
Im Mai erschien nämlich die Scheibe „Cryptomnesia“ der Band EL GRUPO NUEVO DE OMAR RODRIGUEZ LOPEZ, und die ist wie der aus „Bedlam…“ subtrahierte Gegenpart zum im Juni gefolgten MV-Album „Octahedron”. Mars Volta’s „Octahedron” besteht zum Großteil aus sehr ruhigem, sich größtenteils bedächtig in großen Bögen aufbauendem Songmaterial, dessen Melodien auch mal bildlich gesprochen in die Ferne blicken. Verträumte Sommermusik, wenn man so will. „Bedlam…“ ohne verfrickelte Hektik. „Cryptomnesia“ wiederum ist das absolute Gegenteil davon, quasi „Bedlam…“ ohne nennenswerten Pop-Appeal. Nervös überdrehte, auch schon mal eher atonale und von seltsamen Sounds begleitete Musikerwichserei kommt hier eher wie ein Alb- denn ein Sommernachtstraum daher. (Ha, das habe ich rhetorisch mal richtig gut hinbekommen, oder?)
Und im Gegensatz zu THE MARS VOLTA, denen zwar einige Musikjournalisten genau das andichten wollen, was ich gerade im Fall von „The Bedlam In Goliath“ nie so ganz nachvollziehen konnte, finde ich EL GRUPO NUEVO DE OMAR RODRIGUEZ LOPEZ wirklich anstrengend, stressig und fordernd, wohingegen „Octahedron” eigentlich schon Easy Listening ist.
Und in diesem Kontrast der beiden Alben liegt eine besondere Würze, die mich immer wieder auffordert, beide direkt hintereinander zu hören und darin irgendwie einen schwer zu beschreibenden Sinn zu sehen, wie gut sich diese beiden Seiten einer Medaille ergänzen.

Alberner Post irgendwie, ich weiß ...

Magrudergrind

Just another Kurzreview der Kategorie „nicht unerwähnt lassen möchte ich“:
… das Album „Magrudergrind“ der Grind-Band MAGRUDERGRIND (äh.). Zum ersten Mal in Kontakt kam ich mit dem Trio aus Columbia im Rahmen der von Scott Hull (Pig Destroyer, Agoraphobic Nosebleed, Ex-Anal Cunt) erstellten Compilation „This Comp Kills Fascists“, und nun liegt ein aktueller Longplayer vor. MAGRUDERGRIND sind dabei eher an der Punk/Crust/HC-Kante des Grind-Genres verwurzelt, stellen hektisch nach vorne stolperndem Hyperblast-Geschrote aber auch immer wieder mal äußerst mächtige Midtempo-Passagen gegenüber (man höre ‚Bridge Burner’) und sind insgesamt dann doch schon wieder etwas näher an der skandinavischen Schule (Nasum, Rotten Sound) als an typischem „Powerviolence“-core, auch wenn sie durchaus wie die etwas schmutzig-rotzigere Punk-Ausgabe eben dieser klingen.
Wer vor allem die Art von Grindcore mag, die wenig bis gar nix mit (Death) Metal zu tun hat, liegt hier goldrichtig. Für mich persönlich ist das hier wohl kein Jahreshighlight, ich wollt’s allerdings aufgrund grundsätzlicher Sympathie mal erwähnt haben.

Donnerstag, 16. Juli 2009

Job For A Cowboy – Ruination

Versuche mal wieder, mich möglichst kurz zu fassen: Auch das aktuelle Album der US-Death Metaller JOB FOR A COWBOY kann man im Netz komplett streamen. Etwa hier!
Was es dazu zu sagen gibt? Nun ja, im Gegensatz zum Vorgänger „Genesis“ scheint die Band insgesamt noch etwas brutaler und intensiver, aber auch verspielter und abwechslungsreicher zu Werke zu gehen, ohne von der grundsätzlichen Stilformel wirklich viel zu ändern. Der Sound ist noch etwas satter, die rasanter und vielschichtiger arrangierten Songs haben einen noch stärkeren Drang nach vorne, und die Vocals sind von tiefen Growls bis zu Hexengekeife noch mal einen ganzen Tick variabler. Der Flow des Geprügels, das selbst bei Hyperblast-Passagen immer noch was groovendes hat, erinnert mich dabei ein mal mehr ein bisschen an die polnische Extrem-Metal-Größe Behemoth.
Dass man sich beim produzieren offensichtlich Mühe gegeben hat, das Material dann doch mal wieder ein bisschen „böser“ klingen zu lassen, schrappt an der Grenze zum Albernen so gerade noch vorbei, und dass die Tracks eigentlich schon fast an der Kante zum „technischen“ tönen, tut der Weiterentwicklung der Band dabei meiner Meinung nach doch ziemlich gut.
Zur aktuellen Vomitory habe ich kürzlich noch gesagt „Wenn man abseits von Napalm Death dieses Jahr ein Album mit Gegrunze und Blastbeats braucht, dann dieses.“ Nun ja, wenn man da den Hals dann immer noch nicht voll hat, nehmen JFAC in dieser Liga wohl gerade den dritten Platz ein.

Dienstag, 14. Juli 2009

Ministry - Adios Putas Madres

Mit reichlicher Verspätung landete nun über Umwege zufällig noch ein Promo-Exemplar der bereits im Mai veröffentlichten MINISTRY Live- und Abschieds-DVD „Adios Putas Madres“ bei mir. Um die Facts gleich auf der Soll-Seite abzufrühstücken: Irgendwie frage ich mich, ob das vorliegende Material nicht doch auf eine DVD gepasst hätte, anstatt verschwenderisch gleich zwei Scheiben draus zu machen, denn das Package enthält
DVD 1 "En Vivo - Ministry Live / Final World Tour": Wie unschwer zu erahnen, ein „Konzertfilm“. Mit einer etwas anderen Setlist als der ebenfalls erhältlichen Audioversion auf CD, nebenbei bemerkt. Abgesehen davon, dass man hier lediglich das ganze Teil starten kann, ohne eine Einzel-Auswahl angeboten zu bekommen (gut, Songs skippen geht natürlich), irritiert und verblüfft die Herangehensweise. Einige Live-Aufnahmen bestehen visuell aus Bildern, die teilweise sogar in einem Song manchmal eine komplette Bandbreite von Festival-Auftritten bei Tageslicht zu dunklen Clubshows zusammenwürfeln. Im Falle vom eröffnenden 'Let's go' sogar derart hektisch collagenhaft zusammengeschnitten, dass ich es anstrengend fand.
DVD 2 "Fuchi Requiem“ enthält nicht mal 40 min. dauerndes „Behind The Scenes Material“, das im Endeffekt nur daraus besteht, dass die an der Tour beteiligten Musiker, wie der auch von Prong bekannte Gitarrist Tommy Victor, irgendwas von eigenen Lieblingssongs, Proben auf der Ranch, der Bühnendeko mit Frontzaun, oder warum durch Europa touren unkomfortabel ist erzählen, was immer wieder mit ausschnittsweisem Live-Footage zu Studioversionen abwechselt. Ganz ehrlich: Öfter als ein mal guckt man sich das nicht an.
Und das ist auch schon alles, was auf diesen beiden Silberscheiben drauf ist. Was man durchaus zurecht etwas mager finden kann. Nach Meckern ist mir aber im übrigen trotzdem nicht zumute, denn schon beim ersten Durchzappen hatte ich ungelogen ein paar mal Gänsehaut, etwa während bei 'Rio Grande Blood' nach dem Intro mit George W.-Samples dieses Massacker eines Songs losbricht.
Daher: Prädikat „Für Fans“.

Montag, 13. Juli 2009

Dysrhythmia - Psychic Maps

Es ist nicht das erste mal, dass mir so was passiert und ich es hier dann auch ungeniert zur Kenntnis gebe, aber eigentlich hatte ich zum neuen Album von DYSRHYTHMIA schon ein Review fertig. Einen vor narzisstischer Ahnunghaberei triefenden, ellenlangen Essay, der selbstherrlich und haarklein ein Schema aus Subgenreschubladen und den stilistischen Nuancen ihrer Referenzbands aufzeichnete, um DYSRHYTHMIA seziert, in musikjournalistischen Standartplattitüden nachskizziert und detailliert erläutert am Ende der Gleichung in Stein zu meißeln. Nachdem ich jedoch eingesehen hatte, was für einen vollnerdigen und überheblichen Quatsch ich in Bezug auf Musik manchmal so von mir geben kann, ferner dass eine alte Binsenweisheit "in der Kürze liegt die Würze" lautet, habe ich es wieder gelöscht und schreibe lieber spontan auf den Punkt gebracht, was Sache ist:

Auf ihrem dritten Longplayer bei Relapse haben die Frickel-Instrumentalisten einen Line Up-Wechsel zu verzeichnen, der offensichtlich auch musikalisch für Veränderungen sorgte. Nicht nur die Produktion ist ungleich krachiger, brachialer und düsterer als auf den vorangegangenen Alben - auch stilistisch ist der Mathrock des Trios ein ganz schönes Stückchen härter, lauter, schneller und metallischer geworden. Und dabei irgendwie auch noch hektischer, atonaler und komplexer. Das haut immer wieder mal mächtig auf die Fresse, und das strengt oft auch ganz schön an. Und es wird vermutlich auch noch einige Zeit brauchen, bis ich mich zu einem tatsächlichen Werturteil zu dieser Veröffentlichung wirklich durchringen kann. Bis dahin verweise ich wiederholt darauf, dass man sich das Teil komplett im Netz anhören kann:
http://www.psychicmaps.info/

Dienstag, 7. Juli 2009

Kommentar der Woche

Zwe interessante, Musikindustrie-bezogene Meldungen gingen gestern durchs Netz.

1.) Gorny and The Next Generation
Stefan Niggemeier
verweist kommentierend in seinem Blog auf ein Interview, das Dieter Gorny dem geschätzten Kultur-Journalistem René Bogdanski und seinem Kollegen Andreas Fettig vom WAZ-Onlineportal derwesten gab.
Kommentar meinerseits: Der an anderer Stelle, etwa vom Spiegel, zu diesem Thema konstruierte Generationenkonflikt wird dank Gorny mehr als greifbar. Wir haben hier einen Branchen-Dinosaurierer, der das Glück wie Pech hatte die letzte Blütezeit der traditionellen Musikindustrie nicht nur erlebt sondern mitgeprägt zu haben. Zeiten, in denen das Musikfernsehen noch Formate für Nischensparten beinhaltete, anstatt nur aus Klingelton-Werbung und Dating-Shows zu bestehen. Zeiten, in denen das Ganze damit gute Unterhaltung für den Musik liebenden Konsumenten und ein gutes Promo-Werkzeug für die Musikindustrie war, die sich hier noch permanent selbst abfeiern konnte. Leider ist Gorny als Lobbyist allerdings auch Bestandteil der Major-Blase, dessen Mechanismen im Digitalzeitalter gerade antiquiert bis obsolet werden. Hier passt der Gründer der dieses Jahr erstmals ausfallenden Popkomm als Symbolfigur perfekt ins Bild, denn er demonstriert in diesem Interview eindrucksvoll, schlichtweg den Anschluss an die Moderne verloren zu haben und besagten besseren Zeiten mit viel inhaltsbefreitem Gestöhne noch immer hinterher zu heulen, zumal er – wie Niggemeier herausstellt – sehr offensichtlich keinen Plan von zeitgenössischen Business-Modellen hat, die bereits seit längerem in Bewegung sind.

2.) Amanda Palner's Reibach via Twitter
Die Süddeutsche berichtet, wie Amanda Palmer (Solo-Künstlerin und Teil der Dresden Dolls) mit ein bisschen twittern zu nennenswert mehr Geld als durch Albumverkäufe gekommen ist (Details siehe Link oben).
Davon, dass sie irgendwelche verranzten Sachen aus der Mottenkiste versteigert, kann man halten was man will, bemerkenswert ist jedoch der Teufel im Detail. Beim Namen genannt Ihr Rumreiten auf der Tatsache, dass sie selbst bisher keinen Cent von den Verkäufen ihres Albums via Roadrunner Records gesehen hat. Ein soweit ich weiß durchaus liquides Label mit namenhaften Bands, das in den letzten 10 Jahren den Sprung von einem Spartenlabel angesagter Metal-Strömungen in den Charterfolge verbuchenden Mainstream geschafft hat. Trotz Napster und Torrents. Und hier sind wir wieder bei den meiner Meinung nach obsoleten Mechanismen bei großen Labels angekommen. Kann es angehen, dass Geld nur noch zwischen (banal dahingesagt) Promomaßnahmen und Vertrieb fließt, aber unterm Strich nichts für den Profimusiker übrig bleibt? Dass Vollblutkünstler heutzutage erst dann nicht mehr am Existenzminimum leben müssen, wenn sie komplett durch die Decke gehen? Und, eine noch viel wichtigere Frage: Wird zukünftig was für die Künstler abfallen, wenn die antiquierten Vertriebsmodelle einfach nur dahin übertragen werden, dass Musik über Label-Umweg für Spottpreise digital bei iTunes etc. erhältlich ist? Es bleibt spannend, wie sich das alles in den nächsten Jahren so entwickelt ...

Montag, 6. Juli 2009

Nebra

Es ist eigentlich mehr eine Art kurze „zur Kenntnisgabe“ als ein Review oder so was, aber mir halt doch einen kleinen Eintrag wert: Auch Musiker aus dem Umfeld der Schweizer Grind-, Sludge, Math-Lärner KNUT, NOSTROMO und MUMAKIL springen jetzt auf den angesagten Zug auf, eine zusätzliche Band mit instrumentaler Musik zu machen. NEBRA ist der Name des Babys und „Sky Disk“ der Titel der ersten EP. Und auch wenn sich hier bei mir nach Russian Circles, Long Distance Calling, 5ive, Shora, Tides und so weiter und so weiter fast schon Übersättigung und so eine Art Trend-Antihaltung einstellt, muss man NEBRA zumindest zugestehen, das Ganze doch recht überzeugend zu machen. www.myspace.com/nebraband

Sonntag, 5. Juli 2009

Spätzünder

TOMAHAWK – Anonymous
Als dieses Album 2007 rauskam, wollte ich mich da nicht so richtig darauf einlassen. Gitarrist Duane Denison, den man außerdem von den legendären Alternative/Noise Rockern The Jesus Lizard, seinem Mitwirken bei Firewater, sowie einem gemeinsamen Projekt mit Ex-Ministry-Basser/Kernmitglied Paul Barker (USSA) kennt, hatte traditionelle Gesänge der amerikanischen Ureinwohner recherchiert, und ließ diese dann von Mike Patton über einer rockmusikalischen Grundlage intonieren. Was ich damals irgendwie als sehr aufgesetztes Ethno-Experiment abtat, hat schlussendlich nun doch noch bei mir gezündet. Warum, das kann ich selbst nicht so genau sagen. Aber an einem heißen, verkatertem Sonntag Nachmittag war dieses Album auf ein mal genau das richtige.

THE YOUNG GODS – Second Nature
Diese Schweizer waren solange ich harte/alternative Musik höre irgendwie schon immer da (ihr erstes Album erschien '87 via Wax Trax!), sie werden von Musikern wie NINs Trent Reznor, Neurosis, Devin Townsend, David Bowie zu seiner Electrorock-Phase, Ministry oder Mike Patton als großer Einfluss genannt, und ich war ihnen irgendwie auch nie abgeneigt gewesen, versäumte aber bis zuletzt, hier wirklich mal Albensammler und Konzertgänger zu werden. Geändert hat sich dies, als mich ihr aus persönlicher Einladung vom Headliner Neurosis resultierender Auftritt beim diesjährigen Roadburn Festival dann doch ziemlich begeistern konnte.

Zu den jüngst aufgeholten Bildungslücken gehörte das 2000 via Ipecac veröffentlichte Album „Second Nature“. Das faszinierende daran: Es ist im Grunde genommen Rockmusik, aber anstatt einer traditionellen Instrumentierung baut sich das Grundgerüst der Songs oft aus Konservenlärm mit dichter Atmosphäre und sehr eigenständigem Sound auf, der mit dem Live-Schlagzeug eine höchst interessante und mitreißende Fusion eingeht. Sehr gutes Album! Es ärgert mich ein wenig, diese Band in der Vergangenheit so vernachlässigt zu haben ...

Freitag, 3. Juli 2009

Mumakil - Behold The Failure

Anstatt eines ausführlichen Reviews wollte ich eigentlich nur mal darauf hinweisen, dass es – wie bei Relapse Records mittlerweile üblich – eine Seite gibt, auf der man das aktuelle Album von MUMAKIL komplett als Stream höen kann:
www.beholdthefailure.com
Einen kurzen Umriss muss ich allerdings natürlich trotzdem machen: Die Schweizer Szene hatte ja schon immer so ein paar besondere Kapellen abseitigen Krachs am Start. Dazu gehören die Mathsludgecoreler KNUT und dazu gehörten die verblichenen Grinder mit experimentellen und progressiven Zügen NOSTROMO. Ehemalige Mitglieder dieser beiden Bands haben sich jetzt in MUMAKIL vereint, deren aktuelles Album „Behold The Failure“ vor kurzem auf die Welt losgelassen wurde. Dass der Name der Plural eines Elefantenviechs aus dem Tolkien-Universum ist, soll uns mal nicht weiter stören. Denn nach Kampfsau klingt die Mucke der Truppe durchaus. Eigentlich sogar nach dem, was man erwarten durfte. Geboten wird produktionstechnisch sehr massiv umgesetzter, brutalster Hyperblast-Grindcore, der viel von der skandinavischen Schule hat (Nasum, Rotten Sound), aktuell angesagten Extrem-Gengregrößen wie Insect Warfare oder Beneath The Massacre in puncto überwältigender Intensität in nichts nachsteht, dabei aber noch einen ganzen Ticken verspielter tönt und somit auch hier und da an die einen oder anderen technisch versierten Brutal-Deather a la Origin erinnert.

Gossip - Music For Men

Es mag überraschend sein, diese Band im Rahmen meines primär doch eher metallisch und prügelmusikalisch ausgerichteten Blogs wiederzufinden, doch als ich „Standing in the Way of Control“ hörte (und ich meine hiermit sowohl den allseits bekannten Hitsong, als auch das ganze zugehörige Album gleichen Titels), wussten mich THE GOSSIP auch schon abseits ihres Außenseiter-Images mit dieser Musik zu kriegen. Ihr einfacher, aber für mich nicht einfach zu kategorisierender Stilmix vereint dort straighte Disco-Beats, Funk-Vibes, "handgemachter Rock"-Feeling und souliges Geschmetter und schafft es mit einer minimalen Instrumentierung gleichzeitig etwas punkig-ruppig, aber auch nach ganz großem Pop zu klingen. Und das steckt an.

Vielleicht ist der seltsame Titel des neuen Albums daher gar nicht mal so unpassend, wenn selbst so ein aktuelle Indiepop-Hypes grundsätzlich verpönender Experimentalkrach-.und Headbangmusik-Freund wie ich darauf anspringt. Und vielleicht passt es da auch wie die Faust aufs Auge, dass kein geringerer als die mich gefühlt schon regelrecht mein ganzes Musikhörer-Leben begleitende Legende Rick Rubin dieses Album produziert und an Synthies/Sequencer feingeschliffen hat.

Sehr amüsant fand ich beim übersurfen einiger Reviews im Vorfeld übrigens, dass "Music For Men" gerade im großformatigen Mainstream auch einiges an mittelmäßigen bis sogar richtig schlechten Reviews bekommen hat. Hauptkritikpunkt ist dabei ironischerweise wohl zusammengefasst, dass Rubins Produktion Potenzial verhunzt hätte, und dass der enthusiastische Punk-Spirit der Band dadurch zu oft von einer Rockmusiker-Vorstellung routiniertem Dance-Pops unterdrückt wird.

Nun ja, da ist natürlich zu einem gewissen Grad was dran. Mit Hilfe von Rubin haben GOSSIP (jetzt neuerdings ohne The!) die Disco-Elemente ihrer Musik etwas mehr in den Fokus gerückt und auch erweitert, etwa über ein paar dezente Konservenzusätze. Was der Musik tatsächlich etwas von dem rauen Garagen-Charme nimmt, der den funky Tanzflächenbrecher 'Standing in the Way of Control' auch in mein Herz schießen ließ. Ja, so ein bisschen Feuer und ungehobelte Energie ist tatsächlich dem professionellen Abliefern für den Dancefloor gewichen. Wenn man es ganz böswillig ausdrücken möchte, könnte man durchaus behaupten, dass Rubin vielleicht nicht ganz verstanden hat was den Vorgänger ausmachte, und THE GOSSIP in ein etwas zu enges Plastikkorsett zwängt, welches das Feuerwerk eben dessen erstickt.

Der Band um die inzwischen schon in Boulevard-Promiligen aufgestiegene Pummelllesbe Beth Ditto deswegen jetzt schwindende Substanz und Relevanz anzudichten wäre allerdings auch komplett falsch, denn irgendwie ist sie musikalisch ja dennoch ungefähr da, wo man sie haben will. Hier geht es nicht um einen Rockmusik-Klassiker für die Ewigkeit, sondern den alternativen Sommerhit 2009. Eine Rolle, die "Music For Men" eigentlich ganz gut ausfüllt.

Denn so sehr man runtermachen könnte, wie es einige taten, dass hier vielleicht etwas kalkuliert und weniger krachend vorgegangen wurde, so sehr muss man das aber auch mal in Relation zu diesem ganzen Wust an sonstigem Indierock, Electroclash, New Rave, Dancepunk, und wie auch immer der ganze Schrott da draußen so genannt wird sehen. Denn auch wenn Rubin sie etwas gepudert und frisiert hat, ist der Mut zur Hässlichkeit und der Rock'n'Roll im Herzen trotzdem geblieben. Und in Zeiten, in denen man beim Gang in den Club unter dem Banner der "Alternative/Indie-Rockmusik" inzwischen schon fieseste Annäherungen an Stadionpop der Marke Pet Shop Boys ertragen muss ('Human' von den Killers ist einer der allerschlimmsten Songs der letzten Jahre) , und in denen einstige Prog-Hopefulls wie extrageglättete U2 auf Discobeat klingen (was genau ist eigentlich mit Dredg passiert?), macht das so eine Band wie GOSSIP erst recht wichtig und liebenswürdig. "Denn die fühlen sich dabei wenigstens noch nach lebendiger Musik an, und nicht nach glattem, identitäs- und seelenlosem Geseier." Ob ich so was in zwei Jahren beim nächsten, vermutlich noch glatterem und musikalisch nicht mehr viel neues erzählendem Album dann auch noch sage, steht auf einem anderen Blatt. Im Jetzt und Hier ist GOSSIP unter den hippen Dingern der Stunde das, für das man sich noch nicht schämen braucht.

Ein paar Ausfälle sind natürlich dabei. So z.B. das in der Instrumentierung viel zu süßlich-zahm inszenierte 'Love Long Disance', das wohl einfach sehr auf Radio zugeschnitten wurde. Auch das folgende 'Pop goes the World' ist irgendwie so eine Art Breitwand-Electroclash mit Calypso-Injektion, das es nicht gebraucht hätte. Die etwas mehr auf die rockige Seite konzentrierten Songs jedoch sind manchmal auf eine unaufdringliche Art und Weise ziemliches 'I Was Made For Loving You' (das bei '2010' dann sogar zitiert wird). Der sehr minimalistische Opener hat was von den White Sripes, die Strophen von 'Vertical Rhythm' wiederum sogar was von The Police. Wenn bei solchen Songs Rock'n'Roll, Wave, Funk, Blues, Soul und ein bisschen House auf dem Liveschlagzeug-Tanzrhythmus Hand in Hand gehen, ohne dass Rubin über alberne Gimmicks wie Konserven-Claps und bratzige Synthie-Einsprengsel übertrieben auf Dance machen muss, funktioniert das Ganze als Pop-Album für relaxte Sommer-Sonntage wirklich sehr gut. Wer allerdings was ungeschliffenes mit Feuer sucht, ist hier tatsächlich falsch und sollte sich mit "Standing in the Way of Control“ zufrieden geben ...

Mittwoch, 1. Juli 2009

Literaturzitat

„With their diseases and orgasm drugs and their sexless parasite life forms — Heavy Metal People of Uranus wrapped in cool blue mist of vaporized bank notes — And the Insect People of Minraud with metal music“

– Burroughs, William S.: Nova Express (1964)