Dienstag, 30. Juni 2009

Halbzeitstand

Auch wenn # mir schon vor einigen Tagen zuvorkam, hatte ich mir ebenfalls vorgenommen mal einen „Alben 2009“-Halbzeitstand zu machen. Wann, wenn nicht heute?

KYLESA – Static Tensions
Bisher mein meistgehörtes Album dieses Jahr. Langsam stellen sich deutliche Ermüdungserscheinungen ein, doch das macht nix. Auf dem derzeit hippen Sektor der „Sludgecore/Stoner Metal“-Ecke machen KYLESA alles richtig und haben hier jede Menge richtige Hits am Start. Muss man mögen, wenn man generell hart rockende Musik liebt.

VOIVOD – Infini
Das tückische an diesem Album, was auch andere schon so herausgestellt haben: Einige Songs wirken furchtbar banal. Mein Lieblingsbeispiel ist 'Destroy After Reading': Ein Track, der fast stumpf und primitiv scheint, durch seine simple und repetitive Art sogar regelrecht nerven kann, wenn man ihn aber wirklich mal aufmerksam auf sich wirken lässt durch seine subtilen Variationen einer auf Steigerung aufgebauten Songstruktur dann schließlich aber doch begeistern kann. "Infini" ist bestimmt nicht das beste VOIVOD-Album, aber als wahrscheinlich finaler Abschied vom verstorbenen Gitarrengott „Piggy“, aus dessem Demoaufnahmen-Nachlass die Songs gebaut wurden, ein sehr versöhnliches, das auf dezente Art und Weise wieder etwas mehr Verschrobenheit und Biss im Sound hat als die vorangegangenen zwei.

NAPALM DEATH – Time Waits For No Slave
Es mag ja sein, dass man nüchtern betrachtet nicht mehr jedes ND-Album wirklich braucht. Genauer hingeschaut ist aber dennoch jedes für sich wirklich sehr gut. Und gerade „Time Waits For No Slave“ ein solches, das den Bogen kriegt eingängige Ballersongs und kleinere Experimente (etwa der etwas seltsame Refrain des Titeltracks) unaufdringlich unter einen Hut zu bekommen. Und irgendwie ist es auch einfach schön zu sehen, dass die Genre-Vorreiter der Death'n'Grind-Ecke schlechthin auch heute noch allen anderen zeigen, wie man es richtig macht ...

MASTODON – Crack The Skye
Auch wenn man enttäuschte Altfans verstehen kann, kann man es drehen und wenden wie man will: Moderatere Ausrichtung hin oder her, „Crack The Skye“ ist ein unglaublich gutes, als Gesamtwerk sehr konsistentes Album Stadion-tauglichem Neuzeit-Progmetals. Darauf habe ich zwar nicht immer Bock, finde es aber nach wie vor bei jedem Durchlauf immer noch sehr gut.

DÄLEK – Gutter Tactics
Alternativer Düsterkrach-Hip Hop in Hochform. Da wo „Absence“ zwar begeisterte, aber aufgrund seiner monotonen Unterkühltheit nur schwer wirklich in ganzer Länge öfter hörbar war, „Abandonded Language“ viel zu zurückgelehnt tönte um wirklich dauerhaft Eindruck auf mich zu machen, da kommt „Gutter Tactics“ als erster für mich so wirklich zwingender, potenzieller Klassiker dieser Band daher. Und das Zauberwort heißt: Abwechslung. Das, was den beiden Vorgängern fehlte. Denn so homogen das Album aufgrund der immer wieder durchexerzierten, dichten Soundscapes mal wieder sein mag, so sehr werden diese hier erstmals immer weiter in verschiedenen Gangarten und auch mal wärmeren Klangbildern ausgelotet. Weswegen ich immer noch nicht müde geworden bin, dieses Album immer wieder mal aufzulegen.

FUTURE OF THE LEFT – Travels With MysSelf And Another
Eigentlich ist mein Verhältnis zu diesem Album gespalten. Denn auch wenn man mit größtmöglicher Objektivität nur wenig tatsächliche Rohrkrepierer unter den unspektakuläreren Songs ausmachen kann, werden diese von wahnwitzigen Überkrachern wie dem rasant nach vorne krachendem ‚Chin Music’ und dem wie Beastie Boys auf schlechten Drogen kommenden ‚You Need Satan More Than He Needs You’ dermaßen in den Schatten gestellt, dass man sie zwangsläufig schwach finden muss. Die Indiefraktion schwört aber drauf, dass dieses Album in seiner Gänze komplett groß ist, also kriegt es hier ausnahmsweise mal einen Ehrenplatz, zumal ich selbst ja zumindest einen Teil des Materials nach wie vor immer noch sehr gerne höre, mir das wohl aber auf meine persönliche costumized EP runterkürzen muss (ein Phänomen, das im Übrigen ebenfalls die aktuelle THERAPY? betrifft).

THE MARS VOLTA – Octrahedron
Obwohl ich dem Album bisher nur einige Testanläufe in Form von Online-Streams (etwa bei lastfm) gegönnt habe, führe ich es trotzdem mal hier mit auf. Ehrlich gesagt bin ich mir noch unschlüssig, ob ich nach dem in Flammen stehenden Vorgänger dieses sehr viel ruhiger und straighter ausgerichtete Album wirklich „brauche“, den ersten Eindrücken zufolge scheint es aber tatsächlich ziemlich gut zu sein.

Zwei Alben, die durchaus sehr gut sind, aber bei denen ich mir irgendwie noch unschlüssig bin, wo genau sie in der Jahreswertung noch landen werden:

TOMBS- Winter Hours
Derzeit krankt das Album daran, dass der etwas kühle Sound der Band nichts für Sonnenscheintage ist. Grundsätzlich gelingt dem New Yorker Trio allerdings ein Grenzgang zwischen Black Metal-Passagen und einem Stil, der irgendwo zwischen Sludgecore, Post-Metal und Noiserock unterwegs ist, und der trotz dem Bemühen derartiger Trend-Etikette und folgender Referenzen erstaunlich eigenständig daherkommt: Wenn man möchte, kann man in einigen Momenten eine gewisse Nähe zu den Swans oder auch Voivod oder Killing Joke ausmachen, in anderen Neurosis raushören, und möchte sie am liebsten mit Wolves In The Throne Room auf ein Tourpaket packen. Mal sehen ...

SÓLSTAFIR – Köld
Diese Isländer sind schon eine ziemliche Ausnahmeband, aber irgendwann ist auch bei „Köld“ mal der Punkt erreicht, an dem sich ihre ureigene Vermengung von Black Metal-Wurzeln und epischem Rock etwas abnutzt. Wenn ich "Köld" dann allerdings mal auflege, finde ich diese Mischung aus Enslaved und The Doors aber doch irgendwie faszinierend.


Nicht die Oberliga, aber dennoch sehr gute, empfehlenswerte Alben:

EISENVATER – IV
Auch wenn sie nicht mehr ganz so krass und avantgardistisch wie früher lärmen, sind sie mit einem Sound, der verdammt nah an den atmosphärischen Dissonanzen von Killing Joke doer Voivod ist, auch heute noch eine sehr eigenwillige Band.

VOMITORY – Carnage Euphoria
Facettenreich angegangener Death Metal. Wenn man abseits von Napalm Death dieses Jahr ein Album mit Gegrunze und Blastbeats braucht, dann dieses.

CHURCH OF MISERSY – Houses Of The Unholy
Eigentlich haben die Japaner den Sprung in die Oberliga ja nur knapp verfehlt, was aber schlichtweg daran liegt, dass ihr Ding nicht meine Lieblingsecke harter Gitarrenmusik ist. Grundsätzlich muss man nämlich sagen, dass dieses brachial inszenierte Doom Metal-Album mit starker Sludge'n'Roll-Kante und gewissem Retro-Einschlag schon eines der besten seiner Art ist.

ZU - Carboniferous
Ich habe für „harten Jazz“ der Marke The Hub oder diverser John Zorn-Projekte ja schon einiges übrig. Bis die neue Dysrhythmia (in Kürze!) rauskommt, lasse ich mir also immer wieder gelegentlich gerne mal diese wirre Trötdröhngeprügel um die Ohren hauen. Perfekt wäre das Album übrigens gewesen, wenn nan sich die Mike Patton-Gastmitwirkung lieber mal geknickt hätte.

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE – Luxusvernichtung
Alteingesessene Fans und Freunde der Band sind zwar nicht unbedingt der Ansicht, dass dies eines der essenziellsten JaKa-Alben ist, andere wiederum gehen aber ganz schön drauf ab. Und der Grund dafür ist einfach: Die Punk-Attitüde dieser Veröffentlichung hat einen bestechenden, aber vielleicht auch etwas polarisiernden Charme. Über die Jahre übrriggeblienene Riffs und Text-Fragmente wurden mal eben zuasammengeschustert und als 54 Tracks in etwas unter 19 Minuten (!) mit einer nicht unnötig gefetteten, naturbelassenen Produktion dahingerotzt. Als Bonus gibt es als unbetitlten Schlusstrack dann außerdem noch mal das komplette Album als Instrumental-Version hinterher. Mit einer solch unbekümmerten Unverfrorenheit haben sich JaKa wohl endgütlig zu so was wie den Melvins des Metal/Grindcore-Sektors gemausert ...

Sonntag, 28. Juni 2009

Alice Cooper - The Modern Years

Nachdem ich im letzten Post schon mal im Schnelldurchlauf die essenzielle 70er-Phase, den Früh80er-Pop-Absturz, hervorhebend das Mitt80er-Metal-Intermezzo und den Spät80er/Früh90er-Hardrock-Erfolg ALICE COOPERs thematisiert habe, möchte ich dann doch auch noch mal die Augen auf die jüngeren Jahre richten. Denn in diesem Jahrtausend hat Alice schon wieder die dritte stilistische Kurskorrektur und so manches gutes Album hinter sich.

Doch langsam. Erst mal eben der Vollständigkeit halber die weiteren 90er abhaken, denn Anfang der vergangenen Dekade bekam der Titelsong des Albums „Hey Stoopid“ einiges an Airplay, Alice spielte in Waynes World und einem Teil der Nightmare on Elmstreet-Reihe mit und war überhaupt überall. Das nächste Album folgte 1994 in Form vom ambitioniertem „The Last Temptation“, das wie „Welcome To My Nightmare“ eine Geschichte erzählte, die sogar ein einem von Neil Gaiman geschriebenen Comic umgesetzt wurde. Und auch wenn die Rock’n’Roll-Auskopplung „Lost In America“ zumindest auf dem europäischen MTV-Kanal kurze Zeit rauf- und runterlief, schwand hier das allgemeine Medieninteresse an Cooper langsam aber sicher und „The Last Temptation“ wurde kein nennenswerter Erfolg. So blieb es auch das letzte Studio-Album in den 90ern, in denen ansonsten neben einem Best Of/Raritäten-Boxset nur eine wenig beachtete Live-Scheibe mit reger Gaststar-Unterstüzung (Slash, Rob Zombie, Sammy Hagar) erschien. Zu der Zeit lud ihn ferner auch der maßgeblich von ihm beeinflusste Rob Zombie dazu ein, mit ihm ein Duett für einen Song einzusingen, der auf einem Soundtrack zum TV-Hit Akte X verbraten wurde.

Es dauerte bis 2000, bis ALICE COOPER einen weiteren Comeback-Versuch in Longplay-Form wagte. Und „Brutal Planet“ war ein Album, das vergleichbar mit seiner Mitt80er-Metal-Phase eine Annäherung an einen zeitgenössicheren Sound wagte, nämlich fettes Stakkato-Bratriffing und Konserven-Zusätze wie Loops etc., nennen wir das Kind ruhig eine „Industrial/New Metal-Schlagseite. Thematisch verlagerte er den Rahmen in etwas Science Fiction/Fantasy-angehauchte Regionen. Was insgesamt durchaus denen einen oder anderen ganz brauchbaren Song abwarf, siehe "Gimme":



...oder die zweite Auskopplung "It's the Little Things":



Geplant war ursprünglich eine erzählerisch zusammenhängenende Trilogie, dessen zweites Album "Dragontown" hieß. Welches zwar in der Fachpresse gut ankam, mich persönlich aber nicht so richtig begeistertern konnte. Denn auch, wenn man mich mit diesem zweiten Versuch eines modernen Sounds zu der Zeit noch hätte kriegen können, fand ich die Hitdichte auf diesem Album im Gegensatz zum Vorgänger ja ehrlich gesagt eher mager.

Vielleicht hat das auch ALICE COOPER selbst so gesehen, als er wieder ein mal umdachte. Anstatt dem angekündigten dritten Teil veröffentlichte er mit "The Eyes Of Alice Cooper" etwas völlig anderes. Im Interview dazu (mit mir, so viel Angeberei muss auch mal drin sein) gestand er ein, dass die ursprünglich für drei Teile geplante Story vermutlich doch einfach zufällig im zweiten Album ihr pessimistisch ins Leere laufende Ende fand. Ein "Empire Strikes Back" ohne "Return Of The Jedi". Warum nicht? Jedenfalls ging er stilistisch back to the roots. "The Eyes Of Alice Cooper" ist ein Rock'n'Roll-Album mit 70er-Detroit-Vibes und hat jede Menge Hits zu bieten, die textlich teilweise zudem durch bitterbösen Humor und gelegentliche Selbstironie bestechen. Besonders hervorzuheben ist hier erstens der sarkastisch-schwarzhumorig pointierte Über-Ohrwurm "Man Of The Year" und zweitens "The Song That Didn't Rhyme". Letzteres ein ein sehr ruhiges Stück, das die textliche Ironie sogar unerwartet zurückwarf, denn so sehr dieses Stück darauf abzielte, sich über schlechte Musik zu amüsieren, aus der dann trotzdem ein fieser, ungewollter, jeden Tag im Radio gespielter Ohrwurm entsteht, so sehr wurden Hörer überraschenderweise nicht müde zu betonen, wie sehr sie gerade diesen diesen heimlichen Hit der Scheibe lieben. Das insgesamt etwas weniger beachtete Album „Dirty Diamonds“ setzte diesen rock'n'rolligen und etwas positiver gestimmten Kurs dann 2005 noch mal fort.

Mit "Along Came A Spider" machte Alice letztes Jahr dann wiederum eine äußerst sinnvolle Wendung, denn das Album orientierte sich wieder am ehesten an dem, was wohl die meisten mit ihm verbinden: Der Hardrock-, oder auch popige Metal-Rock-Stil der Spät8ßer/Früh90er, der sich auf den Alben "Trash" und "Hey Stoopied" um seinen wohl größten Hit "Poison" wickelte. Und hier muss ich auch mal ganz ohne Fanbrille sagen, dass dieses Album tatsächlich super ist. Ein paar beschwingte Rock'n'Roll-Songs hier, ein paar eher metallisch angehauchte Groover dort, und die Quotenballade auch noch oben drauf, garniert durch eine zeitgenössische aber nicht zeitgeistige Produktion – das Songmaterial auf diesem Werk ist wirklich komplett gelungen. Ein etwas diabolisches Grinsen bekam das Ganze dann zudem durch einen erneuten Konzept-Charakter, der sich um einen ungewöhnlichen, fiktiven Serienmörder dreht und damit auch wieder lose mit den Alben „Welcome To My Nightmare“ und „The Last Temptation“ verknüpft ist. Eigentlich haben sich hier regelrecht sämtliche Kreise geschlossen.
Man darf also gerade aus dem Grund sehr gespannt sein, was die inzwischen über 60jährige Rock-Ikone nächstes mal auffährt, denn laut eigener Aussage sieht er noch keinen Grund für den Altersruhestand, andere Opis wie die Stones wären schließlich auch noch unterwegs ...

Danthrax' neuer Lärm

Was ist das nur mit dieser Kapelle? Da sie mehrfach verlorenen Boden wieder gut machen müssen, während sie mit neuem Nobody auf dem Frontmann-Posten neu anfangen, verheizen sich ANTHRAX, oder DANTHRAX wie ich sie in dieser Inkarnation mit Neu-Sänger Dan Nelson zu nennen pflege, diesen Sommer auf diversen Wald- und Wiesen-Open Airs sogar auf Opening Slots. Dabei versuchen sie sämtliche potenzielle Fan-Schichten gleichzeitig abzugreifen, indem sie ihr Programm gleich mit diversen Alt-Hits wie 'Indians', 'Madhouse' und 'Caught In A Mosh' starten, sich es aber nicht verkneifen können derzeit bei jedem Auftritt mit Refused's 'New Noise' wohl den immer noch überall rauf und runter rotierenden Jahrtausendwenden-Dauergassenhauer härterer Musik schlechthin verwursten zu müssen:



Jetzt mal ehrlich, irgendwie ziemlich peinlich ist das schon, oder?

Donnerstag, 25. Juni 2009

Alice Cooper – The Metal Years

Die ALICE COOPER Woche bei krachundso geht weiter. Ich habe mich selbst mal wieder angefixt. Wie ich schon in Bezug auf den Konzertfilm „The Nightmare Returns“ feststellte, ist die Mit80er-Metal-Phase des Altmeisters ja eine meiner favorisierten.

Dazu mal eben ein kleiner historischer Abriss: Auch wenn er schon Ende der 60er sein Unwesen trieb, kam der „Shockrock-Opa“ erstmals in den 70ern so richtig auf Touren. Alben wie „Love It To Death“ (1971), „School's Out“ ('72), „Billion Dollar Babies“ ('73) und das Konzept-Meisterwerk „Welcome To My Nightmare“ ('75) markierten den Übergang von Garagenrock zu klassischem Hardrock, die jede Menge heute noch bekannte, unsterbliche Hits enthielten. Darunter neben den jeweiligen Titelsongs auch „I'm Eighteen“, „Black Juju“, „No More Mr. Nice Guy“, „Only Women Bleed“ oder „Under My Wheels“ (jenes allerdings auf dem ebenfalls ''71 erschienenem „Killer“).

Anfang der 80er folgte der Absturz, begleitet von Experimenten mit New Wave, zu deren Zeit Alice so Alkohol-abhängig war, dass er sich an die Aufnahmen dieser sehr erfolglosen Alben, von denen es bis heute kein Song ins Live-Programm geschafft hat, gar nicht erinnern kann.
Nach drei Jahren Funkstille und Entgiftung läutete allerdings die Kollaboration mit Gitarrist Kane Roberts und Basser Kip Winger (ja, der Winger!) den Steilflug zu erneutem Ruhm ein. Denn vor allem Roberts brachte den Stil von ALICE COOPER näher an den damals zeitgenössischen Heavy Metal-Sound, was in zwei Alben und einem Livevideo resultierte:

Constrictor (1986)
... ist ein Album, bei dem selbst ich als Fan eingestehen muss, dass es heute nur noch schwer hörbar ist. Die Mit80er-Vorstellung von Stadion-Metal bestand nämlich damals aus Keyboard-Einlagen und cheesy Refrains. So habe ich Songs wie „Teenage Frankenstein“ oder „Trick Back“, selbst den für einen Film der „Freitag der 13.“-Reihe verbratenen Rein-Popsong „He's Back (The Man behind the mask)“ früher mal geliebt, muss aber heute ein ganz nostalgisches Zwinkern dafür aufbringen. Das alles ändert allerdings nichts daran, dass „Constrictor“ dennoch einen der besten wie härtesten ALICE COOPER -Songs aller Zeiten enthält: 'The World Needs Guts' ist eine kraftvolle, temporeiche Hymne an der Grenze zum Thrash Metal. Müsste ich einen Cooper-Song aus der gesamten Discographie als meinen Liebling auswählen - ja, es wäre dieser.

The Nightmare Returns (1987)
... hieß das festgehaltene Konzert der „Constrictor“-Tour, bei dem dann aber Schluss mit lustig war. Hatte das Album durch seinen 80er-typischen Pop-Einschlag noch hier und da was heiteres, präsentierten sich Coop und Band damals von einer sehr harten und kantigen Seite. Alte Songs wurden mit einem fetterem Schlag auf die Fresse zelebriert und die gesamte Show-Inszenierung war an der Grenze zum Verstörendem. Waren die theatralischen Performances von ALICE COOPER schon früher nicht unbedingt zimperlich, passte man sich der Zeit mit einer blutigen, düsteren, aggressiven, irgendwie dreckigen Bühnen-Produktion an. Oder auch „edgy“, wie der Native Speaker sagen würde.

Raise Your Fist And Yell (1987)
...spannte den Bogen noch weiter. Der Sound wurde noch ein Stück Heavy Metal-lastiger und ließ das Pop-Plastik des Vorgängers weg. „Freedom“ war ein kleiner Hit und „Prince Of Darkness“ wurde samt Gastauftritt von Alice himself im gleichnamigen John Carpenter-Film eingebaut, dessen Szene sogar an eine Einlage aus seiner damals immer (kunst)blutiger und gewalttätiger werdenden Liveshow angelehnt wurde. De fakt sind die Überlieferungen zu Zensurbestrebungen und Verboten - gerade auch in europäischen Ländern - zur damaligen Show regelrecht legendär. "Raise Your Fist And Yell" wiederum war für sich kein durchgängiges Hit-Album, aber es hatte eben für damalige Verhältnise ebenfalls einfach Ecken und Kanten.

Der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt. Denn 1989 folgte das Album „Trash“ mit der Hitsingle 'Poison', wozu man wohl nicht mehr viel erzählen muss. Der Titeltrack des folgenden „Hey Stoopid“ bekam ebenfalls massives Airplay und Alice einen unvergesslichen Gastauftritt in „Waynes World“, wohl der Komödie der MTV-Generation. Die Musik saß fester im Sattel soliden Hardrocks, ohne sich noch nennenswert weiter in härteren Metal zu vertiefen, Kooperationen mit Musikern von Aerosmith, Bon Jovi oder Guns n' Roses waren an der Tagesordnung und ALICE COOPER ein auf einem bisher noch nicht wieder erreichtem Hoch....

Und auch wenn die kreativ wohl wichtigste ALICE COOPER-Phase 1971-75 und das kommerzielle Hoch der Spät80er/Früh90er die Ären gewesen sein dürften, die für viele Fans so was die Hochzeitsreise und die Silberhochzeit des Altrockers darstellen, so ist doch gerade das Schwermetall-Comeback der Jahre 86/87 für einige der am ehesten im Metal verwurzelten Coop-Anhänger wie mich die schmutzige, wilde Affäre, an die man heute noch so manche Ode richten kann. Was ich hiermit getan habe.

To be continued!



40 Minuten HORSE the Band live

... kann man sich hier angucken, oder auch eingebettet:

Mittwoch, 24. Juni 2009

Along Came A Spider – The Movie

ALICE COOPER zum zweiten (wo wir schon mal dabei sind): Obwohl mir sein letztjähriges Album „Along Came A Spider“ mit seiner stilistischen Rückkehr zu solider Handwerkskunst in Form von gutem, altmodischen, zeitlosem Spät80er/Früh90er-Metal-Rock nach den vorangegangenen Ausflügen in sowohl modernere als auch noch retrospektivere Gefilde wirklich sehr, sehr gut gefallen hat, habe ich irgendwie jetzt erst richtig mitbekommen, dass gleich drei Songs der Hitscheibe zu einem Mammut-Videoclip kombiniert wurden! Und den muss ich hier natürlich propagieren:

the world needs guts!

Beim sprichwörtlichen durchzappen, was es bei Youtube so alles von ALICE COOPER zu finden gibt, bin ich über einen meiner absoluten Lieblingssongs des Großmeisters gestolpert, den ich in genau dieser audiovisuellen Aufnahme schon mal vor Uuuurrzeiten auf einem raubkopiertem Konzertvideo aus den 80ern hatte.



„The Nightmare Returns“ hieß der auf VHS erhältliche Live-Mitschnitt von 1987 damals. Alice war hier auf dem Höhepunkt der Metal-Klischees angekommen: Ein post-apokalyptischer Schrottplatz-Bühnenaufbau und entsprechende Leder-Outfits, noch mehr Horrorshow-Einlagen, ein Rambo-Schrank von Poser-Gitarrist und betont härtere Bratriff-Versionen von ursprünglich etwas garagen- und funkrockigeren Altnummern a la 'Welcome To My Nightmare', wie man sie davor und danach so nie gehört hatte.




Das hat mich dann wiederum daran erinnert, dass diese ganze Sache ja vor 2-3 Jahren auf DVD wiederveröffentlicht wurde, und ich diese im Gegensatz zum DVD-Rerelease des 70er Konzertvideos „Welcome To My Nightmare“, welches damals mit auf die gleiche Videokassette kopiert war, noch immer nicht besitze. Nun ja, just in diesem Moment schiebe ich es in den Amazon-Warenkorb und freue mich schon auf einen äußerst nostalgischen Musikvideo-Abend...

Montag, 22. Juni 2009

Future Of The Left - Travels With Myself And Another

Die Rezension dieses Albums habe ich im Rahmen meines kargen Blogs bis jetzt ohne besonderen Grund eigentlich schon eine ganze Weile vor mir hergeschoben. Wahrscheinlich weil mir unterbewusst schon klar war, dass hier ein zumindest mittelfristiges Testhören für ein tatsächliches Urteil vonnöten sein wird. Und so ist es auch tatsächlich. Denn trotz allem Sympathie-Bonus, etwa für die Aktion der Vorab-mp3s, oder auch einfach generell für trinkfeste Wahnsinnige aus Wales, ist „Travels With Myself And Another“ eines dieser Alben, das durch starke Tracks begeistert, aber die Gesamtspiellänge auch ein bisschen mit Füllware kittet und bei fortschreitender Rotation so dann doch irgendwann vom „Top 5 Alben des Jahres“-Kandidaten ins Mittelfeld rutscht.

Auf der Haben-Seite startet das Album mit einem ziemlich bissig-lärmigen Song und legt mit dem folgenden ‚Chin Music’, das einem wahnwitzig, rasant, krachig und verquer richtig was in die Fresse kickt, sogar noch mal dreifach gesteigert einen nach. Wenn man dann mit der gemächlich vor sich hinmarschierenden, weniger verzerrten Auskopplung ‚The Hope That House Built’ schon an dritter Stelle die erste Verschnaufpause bekommt, geht das klar, denn dahinter verbirgt sich auch ein kleiner Hit. Ein ziemlich großer ist natürlich das mit Synthie-Gebrumme statt einer Gitarre aufwartende und dabei irgendwie etwas Beastie Boys-ähnlich klingende ‚You Need Satan More Than He Needs You’. Auch das vor allem durch seinen komplett entrückten Text (generell eine Stärke der Band) überzeugende ‚Stand By Your Manatee’ geht gut rein, einen enthusiastischen Applaus hat man außerdem noch für die verwirrte Schlussnummer übrig.

Dazwischen gibt es dann allerdings immer wieder den einen oder anderen Track, der für sich genommen nicht wirklich schlecht ist, im Albumkontext das Ganze aber etwas runterzieht. Wenn man an ‚The Hope That House Built’ vorbei ist, und dann mit ‚Throwing Bricks At Trains’ eine zwar um Tempo bemühte, aber dennoch etwas zurückgenommene Nummer folgt, geht für einen Moment ein bisschen die Luft raus. ‚You Need Satan More Than He Needs You’ ist in der zweiten Albumhälfte ein solcher Höhepunkt, dass der folgende Biederrocker ‚The Damned Fly’ dagegen nur verlieren kann und die Stimmungskurve etwas absenkt. Und so wechseln sich richtige Kracher mit etwas unscheinbareren Songs ab, die ich persönlich je nach Tagesform manchmal gut und manchmal eher schwach finde.

Wertvoll ist das Album dennoch aus folgendem Grund: Auch FOTL haben als Mclusky-Nachfolgeband in der Indie-/Punkrock-Ecke nach wie vor eine Sonderstellung als eigensinnige Krachmacher mit dicken Eiern. Etwas, das auf diesem Sektor viel zu selten ist. Und die Hits der Scheibe wiegen die etwas weniger überzeugenden Tracks auch definitiv auf.
That said, lasst uns ein solides Album einer wirklich guten und sympathischen Band nicht weiter endlos zerreden, sondern uns zurücklehnen und den Sommerhit der Saison genießen:


Sonntag, 21. Juni 2009

Mob Research – Heavy City Zoo

Bei der Besprechung dieses Albums, das ich mir jetzt schlussendlich doch noch günstig geschossen habe, ist es schwierig irgendwo anzufangen und aufzuhören.
Die Tatsache, dass dieses eines der letzten Projekte war, an dem Basser Paul Raven (Killing Joke, Prong, Ministry, ...) vor seinem Tod mitwirkte, macht es für mich schon irgendwie zwingend.
Hochinteressant auch, wer sonst noch in diese All Star-Band involviert ist: Drummer Nick Lucero stand mal im Dienst der Queens Of The Stone Age, Gitarrist Mark Gemini Thwaite kennt man von The Mission (und außerdem aus der Solo-Band von Bauhaus-Sänger Peter Murphy, sowie Tricky), und als Sänger wurde Ausnahmestimme Kory Clarke von Warrior Soul (und neuerdings auch Trouble) gewonnen.


Was dieser irgendwie sehr bunte Haufen in Form von „Heavy City Zoo“ zusammen eingespielt hat, konnte man in dieser Form so ähnlich erwarten oder auch nicht, aber es ist etwas, das man so wohl nicht (mehr!) alle Tage hört. MOB RESEARCH machen wage auf den Punkt gebracht so etwas wie Industrial Rock/Metal mit gewaltigem 90er-Schulterblick, bringen dabei aber vieles unter einen Hut und schaffen es vor allem, das Ganze mit einem schmutzigen, warmen Rock'n'Roll-Vibe rüberzubringen, anstatt in eine unterkühlte Ecke zu driften, die man sonst mit dieser Schublade assoziieren würde.

In besonders atmosphärischen (vor allem bei der Gitarrenarbeit) oder auch mal latent kitschigen Momenten (etwa durch hintergründige Keyboard-Teppiche) ist eine spürbare Nähe zu Killing Joke da, wenn aber auch mal mit brachialem Brat-Riffing und stampfend nach vorne treibenden Drums drauflos gerockt wird, möchte man White/Rob Zombie, Stabbing Westward und ähnliches mit in die vergleichsreferenzielle Waagschale legen. Dass nicht nur Clake's räudige Stimme dem Ganzen einen ganz besonders eigenen Stempel verleiht, sondern die Gitarrenarbeit auch immer wieder Ausflüge in lupenreinen Rotzrock wagt, strahlt dann ferner eine sehr lebhafte, positive Stimmung aus. Als Begleitwerk kommen aus der Konserve allerlei hintergründige Sequencer-Piepereien, percussive Loops, Piano-Einsprengsel und so weiter hinzu. Songschreiberisch entdecke ich im Übrigen auf „Heavy City Zoo“ sogar irgendwie ziemliche Parallelen zu – nicht lachen – dem einen oder anderem Alice Cooper-Output.
Ob es den Rattenschwanz an Remixen gebraucht hätte, die dem Album regulär hintendranhängen, ist natürlich fraglich, man kann das als Bonus aber auch mal bei dem einen oder anderem Durchlauf mitnehmen und dabei überlegen, ob diese oder jene alternative Fassung nicht vielleicht doch noch etwas energischer oder facettenreicher klingt.

Unterm Strich erinnern MOB RESEARCH mit dieser Party-tauglichen Musik an Zeiten, in denen Soundtracks zu amerikanischen Action-Blockbustern voll mit Bands wie KMFDM oder Gravity Kills waren. Sie schaffen es aber meiner Meinung nach, diesen Vibe unpeinlich und zeitlos ins Heute zu transportieren, wobei ich hier allerdings als 90er-Kind und damaliger Freund derartiger Sound-Schubladen auch etwas befangen bin. Ob man ein solches Album 2009 wirklich braucht - nun ja. Aber, das muss man auch mal ganz deutlich so sagen, ein solches Album ist in solcher Qualität heute ja auch irgendwie schon wieder ein sympathischer Exot und das, was Axl Rose auf "Chinese Democracy" versucht aber nicht hinbekommen hat, und ferner ein Album für Leute, die auch heute noch zu 'More Human Than Human' auf die Tanzfläche rennen.

Donnerstag, 18. Juni 2009

kurz notiert

Ein Album, in dessen Besitz ich bis jetzt leider immer noch nicht bin ist das von MOB RESEARCH, eines der letzten Projekte an dem der verstorbene Basser Paul Raven (Killing Joke, Prong, Ministry, Godflesh, Pigface ...) mitwirkte - neben Warrior Soul- und neuerdings auch Trouble-Stimme Kory Clarke. Aber immerhin kann man sich das Ganze natürlich mal auf Myspace anhören.

„The Book Of Blood“, das Album der OWL-Thrasher GODS WILL BE DONE ist wirklich sehr, sehr gut geworden. Eine ausführliche Besprechung in Kürze hier bei Release.

Testgehört zum dritten: Das neue MARS VOLTA Album beim Komplettstream auf Myspace. Und es ist bis auf wenige rockige Nummern sehr ruhig ausgefallen. Gerade die lauteren Momente sind super, aber auch die sehr zurückgenommenen Tracks, teilweise komplett ohne Schlagzeug, gehen für das was sie sind eigentlich erstaunlich gut rein. Werde da wohl noch ein paar mal reinhören müssen, da ich mir derzeit noch sehr unschlüssig bin, wie ich das finde ...

Testgehört zum vierten: Die neue COALESCE. Auch hier bin ich mir noch unschlüssig. Es hat definitiv seine Momente, so insgesamt werden die wohl aber zumindest mit diesem Teil nie eine Lieblingsband von mir werden ...

Die altgediente Sludgecore-Combo SOILENT GREEN hat die Erkennungsmusik für die neue Staffel des Adult Swim-Cartoons „Squidbillies“ aufgenommen. Wtf?!?

Ein altes afrikanisches Sprichwort sagt: „Der Affe wird durch viel Krach erlegt.“ Denkt mal drüber nach ...

Das Release-Date eines der in diesem Jahr von mir am meisten erwarteten Alben steht endlich fest: Das vierte Werk von KEELHAUL erscheint Anfang August via Hydrahead Records. Mal sehen, was das Sludge/Math/Noise-Quartett dieses mal an eigensinnigem Lärm eingeprügelt hat ...

Napalm Death - Time Waits For No Clip

Naja, wo ich kürzlich schon die Myspace-Premiere des aktuellen MASTODON-Videoclips hier mitverwurstet habe, kann ich selbiges eigentlich auch mal eben mit der zum Titeltrack der aktuellen NAPALM DEATH Scheibe "Time Waits For No Slave" tun, dachte ich mir gerade so. Gleiches Recht für alle, schließlich sah ich die sympathische wie gewaltige Truppe vor wenigen Tagen noch live …

Reznor vs. the web!

Über den Social Media Failblog bin ich auf ein recht interessantes Statement von NINE INCH NAILS Kopf Trent Reznor gestoßen.
Nach seiner enthusiastischen, interessierten und vielleicht auch etwas naiven Präsenz in Netzwerken wie Twitter, hat er aufgrund nervender Internet-Trolle inzwischen komplett sein Interesse an so etwas verloren. Sich den Foreneintrag auf der NIN-Seite dazu mal durchzulesen, ist wirklich interessant. Etwas krass dabei auch sein Seitenhieb auf Metal Sludge, eine vor Jaaaahren von mir wohl auch gelegentlich frequentierte, eher humoristisch gemeinte Musik-Website, die inzwischen allerdings technisch wie inhaltlich so antiquiert scheint, dass die Frage wer das überhaupt noch liest, durchaus berechtigt wäre. Anyway. Nach seinen besten Intentionen, über den digitalen Austausch mit Fans auch Erkenntnisse und Ideen über das potenzielle zukünftige Aussehen von Produkten, Vertriebswegen etc. zu gewinnen, verdeutlicht Reznors Rückzug aus dem Web 2.0 neben den positiven Möglichkeiten auch wieder die Tücken des Weltnetzes, in dem man leider genau so wie in der freien Wildbahn von Straßenverkehr, Supermarkt und Arbeitsplatz einfach einer Menge Vollidioten ausgesetzt ist, denen man sich in voller Angriffsfläche präsentiert. In diesem Sinne: „More offline life, less bullshit!“.

Montag, 15. Juni 2009

Voivod - Infini

Der Anlass dieses Albums ist traurig: Die Songs enthalten die letzten aufgenommenen Gitarrenspuren des 2005 verstorbenen Gitarrengotts Denis „Piggy“ D'Amour. Aber auch wenn man Kondolenz-, Nostalgie- und Sympathie-Bonus beiseite lässt, kann ich über „Infini“ schon mal gleich vorweg sagen: Das Album ist saugeil geworden!

Vom Plan, die beiden Ex-Mitglieder Eric Forest und „Blacky“ noch mal als Bass-Aushilfen zu featuren wurde leider abgesehen, als der momentane Basser der Band und auch Produzent der Scheibe Jason Newsted (Ex-Metallica, Flotsam and Jetsam, Echobrain) nach einer Verletzung doch wieder soweit fit war, das Teil einzuspielen. Es wäre eine schöne Geste gewesen, zumal dies ja höchstwahrscheinlich das finale VOIVOD-Studiowerk bleiben wird.

Aber egal. Es mag makaber formuliert wirken, aber gerade die Gitarrenparts klingen auf „Infini“ unglaublich lebendig. Die typischen Trademarks von Piggy’s Spiel kommen hier meiner Meinung nach noch mehr zur Geltung, als auf den zwei vorangegangenen Alben, die ich persönlich nicht so zwingend fand wie den Rest der VOIVOD- Discographie. Man kann nur den Hut vor Basser/Produzent Newsted, Drummer Michel „Away“ Langevin und Sänger Denis „Snake“ Bélanger ziehen, Produktions- und Songwriting-technisch aus den Wohnzimmer-Aufnahmen von Piggy die 13 Tracks gezaubert zu haben, die auf „Infini“ vorliegen. Von der düsteren Quasi-Halbballade mit Ausbrüchen in psychedelisch angehauchten Krach, über den zurückgelehnt groovenden Stampfer nach „Industrial Rock“-Machart, bis zu temporeichen Abfahrten zwischen Punk/ Rock’n’Roll und Thrash Metal breiten VOIVOD alle Facetten ihres ureigenen Stils und Sounds aus, wie seit eh und je nur sie es können. Das Material wirkt keinesfalls irgendwie konstruiert, sondern sprüht vor mehr eigensinnigem Ideenreichtum und natürlichem Flow als die beiden etwas biederen Vorgängeralben „Voivod“ und „Katorz“. Das ist meine persönliche, subjektive Meinung, die mit Sicherheit auch einige Fans eher anders sehen werden, aber im Gegensatz zu genannten Werken gewann mich „Infini“ gleich beim ersten Durchlauf durch Atmosphäre und eine Aura der Experimentierfreude, die ich bei VOIVOD so in ihrer 200Xer-Inkarnation bisher noch nicht empfunden hatte. Die Songs bestechen dadurch interessant aber unaufdringlich zu sein, zu rocken aber dabei auch ein bisschen zu fordern.

Somit ist „Infini“ ein schöner Nachlass eines herausragenden Musikers, ein würdiges und passendes Finale der Veröffentlichungshistorie einer immer noch einzigartigen Band und mit ziemlicher Sicherheit auch eines der besten Metal-Alben des Jahres.

Death Feast Open Air Nachlese

Auch wenn ich mittlerweile ein Alter erreicht habe, in dem man froh ist mehrtägige Events ohne bleibende Schäden zu überstehen, ist die Festivalsaison gerade dieses Jahr doch noch mal so etwas wie meine Lieblingsjahreszeit. Nach dem Spartennerd-Expertengipfel in Tilburg (Roadburn) und der traditionellen, mittelgroßen Familienzusammenkunft in Gelsenkirchen (Rock Hard Festival) hieß es sich nun in die Grauzone zwischen Ruhrpott und Münsterland aufzumachen, um es dort in intimen Kreis schnell und schmutzig krachen zu lassen.
Das DEATH FEAST OPEN AIR ging dieses Jahr in seine dritte Runde und hatte gegenüber den Vorjahren weiteren Besucherzuwachs zu verzeichnen. Gut, gut - denn in der gemütlichen Atmosphäre des niederrheinischen Ackers „Schwarze Heide“ möchte ich auch nächstes Jahr wieder mit brutaler Livemusik und Kaltgetränken feiern – so viel steht jetzt schon fest.
Das Wetter spielte am Donnerstag zwar erst mal nicht mit, aber die anwesenden Death Metal- und Grindcore-Freaks störte das bei ihrem Festival eher wenig. Witzig hervorzuheben war an dem Tag vor allem PUTRID PILE, denn dahinter verbirgt sich nur ein Typ, der zu Drumcomputergeballer abklampft und rumgrunzt. Ob man sich damit so wirklich auf eine Bühne stellen muss? Naja. Der Gitarrist der gerade schon mal im Hintergrund auspackenden ENTOMBED schaute sich das Ganze jedenfalls ebenfalls eher irritiert-amüsiert an. ENTOMBED, die für die gecancelten Vital Remains kurzfristig aufs Billing rutschten, liefen diesen Abend leider mit nur einem Gitarristen auf und konzentrierten sich passend zum Festival primär auf Nummern der ersten beiden Scheiben oder die neueren Songs, die am metallischten nach vorne ballern. Gut, kann man in dem Kontext durchaus mal machen, ich persönlich habe zwischen Songs wie 'Serpent Saints' oder 'Chief Rebel Angel' aber doch so das eine oder andere von Uprising oder ähnliches vermisst. Beim traditionell abschließenden 'Left Hand Path' kam das großartige Outro mit nur einer Gitarre dann auch nur halb so gut. Dennoch eine solide und sympathische Performance einer immer wieder gerne gesehenen Band.
Als Headliner wurden am ersten Abend MACABRE ins Rennen geschickt. Nun ja, ich will es mal so sagen: Ich erkenne ihren Unterhaltungswert und verstehe ihren Kult-Status, bin mir aber ferner inzwischen ziemlich sicher, dass der Humor-Aspekt der Band zu einem nicht unbeträchtlichem Grad schon eher auf unfreiwilliger Komik denn tatsächlich intentioneller Ironie aufbaut. Wie dem auch sei – von einigen ziemlich abgefeiert, ist das einfach nicht wirklich meine Band.
Am Freitag war die einzige Combo, die ich wirklich aufmerksam gucken musste, wollte und tat VOMITORY. Und die Schweden waren doch ziemlich geil und fuhren ein ganz schönes Massaker auf. Völlig zurecht der Co-Headliner an dem Tag, bevor BLACK DAHLIA MURDER ran durften, die ich persönlich einfach nicht brauche. Schwedisch ging es Samstag auch mit GADGET weiter, die gegen einen recht matschigen Sound zu kämpfen hatten, ferner einen irgendwie etwas möchtegerncoolen Sänger in ihren Reihen hatten, aber mit ihrem zeitgenössischen Grindgerumpel ansonsten dennoch Spaß machten. LAY DOWN ROTTEN und ASPHYX bekam ich nur am Rande mit, beide legten aber solides Death Metal-Geprügel hin. Ein Highlight im Laufe des Tages waren definitiv HAERMORRHAGE. Klar, kann man die Spanier wegen ihrer Bühnenoutfits (OP-Klamotten und Kunstblut) und der aufgrund mäßiger Englischkenntnisse etwas debilen Ansagen auch albern finden, aber musikalisch gab es hier Grindcore vom allerfeinsten auf die Mappe. Bombenkapelle!
Meine persönliche Gurkentruppe des Festivals war an diesem Tag DEVOURMENT. Nahezu jeder Song wartete mit ewig gleichem, stumpfen Stakkato-Gedrücke auf, was irgendwann nur noch nervte.
Der samstägliche Endspurt hatte es dann aber noch mal gewaltig in sich: Die amerikanischen MISERY INDEX haben zwischen Grindcore, Death Metal und einem Schuss Hardcore ihre eigene Nische gefunden und setzen ihren Kram in eben dieser live auch mit beeindruckender Intensität und spielerischer Finesse um. Das Finale hätte dann nicht passender sein können: NAPALM DEATH! Wie gewohnt gab es brandaktuelle Tracks genau so wie uralte Klassiker, die allesamt wie ein überwältigender Orkan über einen wegfegten. Front-Zitteraal Barney und Anhang überzeugten wie immer auf ganzer Linie.
Soweit dazu. Und wenn mir jetzt noch jemand erklären könnte, was diese um sich reißende „Axt-Geste“ soll, wäre alles geklärt. Bis nächstes Jahr.

Mittwoch, 10. Juni 2009

Mastodon - Oblivion

Eines muss ich gestehen: So einen „SciFi Geek“ wie mich spricht der aktuelle, gerade erst bei Myspace seine Premiere feiernde MASTODON Videoclip zu ‚Oblivion’ ja durchaus an.



Das Teil passt auch super zur derzeit etwas gemäßigteren Progmetal-Gangart der Band, auch wenn ich diese gesamte Hochglanz-Inszenierung, die man etwa auch bei aktuellen Fotosessions sieht, nach wie vor etwas befremdlich finde. Aber bei Warner scheint die Kohle für so was ja nach wie vor locker zu sitzen und MASTODON sind daher wohl auf bestem Wege, sich tatsächlich als Stadionband zu etablieren. Wer hätte das alles gedacht, als er zum ersten mal „Lifesblood“ oder „Remission“ gehört hat? Also ich nicht.

Dienstag, 9. Juni 2009

Vomitory - Carnage Euphoria

Jaja, ich weiß, das Teil hat schon einen Monat auf dem Buckel. Aber irgendwie hatte sich bei mir gerade in den Feldern Death Metal und Grindcore in letzter Zeit eine gewisse Unlust eingestellt. Wenn alte Helden wie Napalm Death oder Phobia mit was neuem um die Ecke kommen, ist das zwar immer noch ein Grund für euphorische Dauerrotation, ansonsten haben mich auf solchen Schienen in jüngerer Vergangenheit aber irgendwie nicht mehr so viele Bands interessiert. Anders ist es jedoch jetzt mit der neuen VOMITORY. Die Schweden machen nämlich schlichtweg alles richtig: Ihr Stilmix enthält viele für ihr Herkunftsland typische Trademarks, genau so wie eine dicke Kante brutaler Florida-Schule. Zwischen Motorsägen-Shredderriffing und Hyperblasts gesellen sich dann auch gerne mal der Slayer-Groovepart oder die Bolt Thrower-Planierraupe dazu, ferner kommt auch immer wieder eine Vorliebe für stumpf dahergebratene Momente durch, die man der Crust/Grind-Ecke zuordnen möchte. Was ich neben diesem abwechslungsreichen Songwriting außerdem mag, ist die naturbelassene, anstatt auf künstliche Knalleffekte setzende Produktion. Und diese subtil angerichtete Gesamtrezeptur geht auf. Denn auch wenn sie keine essenziellst zwingenden Großmeister sein mögen, kommen VOMITORY weder an der Genre-Wurzel, noch aus zeitgenössisch immer extremer werdender Perspektive betrachtet wie eine biedere Einheitsbrei-Kapelle daher. Im Gegenteil ist „Carnage Euphoria“ auf eine irgendwie unaufdringliche Art und Weise solides Handwerk mit eigener Note, so wie ich mir ein zeitloses Prügel-Album vorstelle!

Freitag, 5. Juni 2009

Sacred Reich!

"Dein Reich komme!" schmunzelte mir ein Kumpel entgegen, als ich - von vorfreudiger Euphorie erfüllt - beim diesjährigen RockHard Festival zum Auftritt von SACRED REICH gen Moshpit-Zone schwankte. Den Abend zuvor spielte sich das legendäre Thrash-Quartett aus Arizona schon mal im traditionsreichen Dynamo Club im niederländischen Eindhoven warm. Und das beste: Den Gig gibt es nahezu komplett bei youtube (Achtung, hinter einigen Titeln verbergen sich gleich zwei Songs hintereinander):






















Donnerstag, 4. Juni 2009

Church Of Misery - Houses Of The Unholy

Sozusagen der aktuelle Album-Tipp der Woche und ausnahmsweise fasse ich mich mal kurz. CHURCH OF MISERY sorgen bei eingefleischten Stoner/Doom/Sludge-Fans schon seit ein paar Jahren für feuchte Buchsen. Und ihr Gig beim diesjährigen Roadburn Festival, sowie das neue Album „Houses Of The Unholy“ machten mir auch vollkommen klar warum: Wenn diese Japaner riffigen, leicht psychedelisch angehauchten, etwas bluesigen und mit Rock'n'Roll-Vibes aufgefüllten Doom Metal nach der reinrassigen Urformel früher Black Sabbath spielen, diesem Retrogerocke aber im Rahmen eines unfassbar brachialen, lautem und schmutzigen Breitwandsounds frönen, und dabei dann auch noch mit ebenfalls sehr inbrünstig und räudig rausgebrüllten Vocals angerollt kommen, ist das Testosteronmusik zum Bier trinken und im Dreck wälzen in seiner absoluten Reinform. Und dem kann Mann sich halt einfach nicht entziehen. Supergeiles Album!!

Mittwoch, 3. Juni 2009

kurz notiert

Die von mir in diesem Blog bereits gewürdigten CALHOUN CONQUER sind nach so gut wie zwei Dekaden wieder auf der Bildfläche aufgetaucht und haben mal eine offizielle Myspace-Seite gestartet. Zusammen mit der Ankündigung, dass man vielleicht doch mal wieder was machen wird.

Das neue COALESCE Album „Ox“ kann man hier komplett als Stream anhören.

Beim aktuellen ISIS-Album "Wavering Radiant" habe ich jetzt auch mal ein Ohr riskiert und muss bekunden es als dermaßen langweilig, uninspiriert und mittelmäßig zu empfinden, dass ich nicht mal Lust habe es irgendwie noch ausführlicher zu besprechen. Sorry, aber wer mir dieses lieblos inszenierte, wenig beeindruckende, lahme Geschwurbel mit biederen Gröl-Ausbrüchen und generell nicht gerade besonders nennenswerten Gesangsleistungen als herausragendes Werk modernen Avantgarde-Lärms anzudrehen versucht, der muss schon ganz schön anspruchslos sein...

Da beim nahenden Death Feast Open Air ein paar Bands absagen mussten, haben die Jungs und Mädels an der Orga-Front noch einen richtigen Knaller als Co-Headliner ranziehen können: ENTOMBED!!! Das wird geil.

Dienstag, 2. Juni 2009

Rock Hard Festival '09 Nachlese

Das ROCK HARD FESTIVAL ist jeden Sommer vor allem wegen dem idyllischen Ambiente der mehr oder minder urban gelegenen Location, der daraus resultierenden gemütlichen Atmosphäre und in diesem Rahmen steigenden Party ein Highlight der jährlichen Festival-Saison. Dass jemand wie ich beim Billing nicht durchgängig zu euphorischen Jubelstürmen hingerissen wird, gehört seit eh und je auch dazu, ein paar Highlights gibt es aber eigentlich immer.

Dieses Jahr hieß der erste Pflichttermin vor der Bühne PRONG. Jene spielten als Auftakt mal eben Ministry's 'N.W.O.' an, gingen dann aber schnell zu 'For Dear Life', den grandiosen Opener ihres wohl besten Albums „Beg to Differ“ über. Von jenem sollten im Verlauf der ersten Hälfte des Sets dann auch noch der noch größere Titelsong, das Tanz-taugliche 'Lost & Found' und das unvermeidliche aber ebenfalls verdammt große Chrome-Cover 'Third From The Sun' verbraten werden. Gut, letzteres war auch auf „Froce Fed“, von dem neben dem „Primitive Origins“-Opener ebenfalls mal wieder die übliche Alibi-Nummer gespielt wurde. Auch 'Unconditional' brachte die Crowd erwartungsgemäß zum toben und verhältnismäßig früh wurde dann der 'Whose fist is this anyway?'/'Snap your Fingers, Snap your Neck'-Doppelschlag in den Pit gefeuert. Regelrecht antiklimatisch folgten dann erst mal der maue Titeltrack und auch noch der heimliche Hit ('The Banishment') des aktuellen Albums „Power Of The Damager“, bis Tommy Victor und Anhang mit dem gefühlt schon ewig nicht mehr gespieltem 'Prove You Wrong' den Sack zumachten. Komische Setlist, irgendwie. Aber wie gewohnt ein nettes Aufleben geliebten 90er-Sounds. Jederzeit wieder.

Der freitägliche Abschluss: OPETH! Jene sind auf großer Festivalbühne auch so eine Sache, aber der klare und wuchtige Sound im Gelsenkirchener Amphitheater funktionierte dafür gut genug. Ferner hatten die Schweden eine riesige Videowand dabei, auf der irgendwelche atmosphärischen Wald-Filmszenen liefen. Das verprogte Wechselspiel zwischen Death Metal und ruhigen Parts ging in diesem Ambiente perfekt auf – bis zum abschließenden Mammut-Song 'Deliverance' war es schwierig, Augen und Ohren von der Bühne zu wenden. Großartige Band, aber das ist ja nichts neues ...

Der Samstag war an wirklich zwingendem eher mau (und jetzt kommt mir nicht mit Forbidden). GRAND MAGUS habe ich leider verpasst, aber was soll’s. Sonntag konnte man sich dann zunächst erst mal mit D-A-D in Partystimmung bringen. Die Dänen fuhren eine ganze Produktion mit wilder Bühnendeko und Pyros auf. Musikalisch dann hier mal Rock'n'Roll vom alten Schlage, dort mal Songs mit modernerem Anstrich, die Hymne 'Sleeping My Day Away' wurde laut mitgejodelt, andere Tracks wie 'Helpyourselfish' machten selbst in ihren gefühlt überlangen Jam-Passagen Spaß, bekloppte Gimmicks wie der Raketenbass und der Funkenhelm zwangen einem ein Schnunzeln ab – man kann sagen was man will, die Truppe ist einfach ein amüsanter Show-Act und gerade auf so einem Event kriegen sie einen auch damit.

Irgendwann später dann endlich: SACRED REICH!
Witzig vor allem, dass ich einen Kumpel durch ständiges zitieren des 'One Nation'-Refrains („...Peace!!!!“) schon das ganze Wochenende damit verrückt gemacht hatte, auf besagten Song zu hoffen, und das Quartett dann auch gleich mit dieser Nummer anfing. Nun ja, da war dann erst mal breit grinsendes Tanzen meinerseits angesagt.
Wenn man wollte, könnte man SACRED REICH kritisch einige Wehrmutstropfen anheften: Offensichtlich haben sie die angeschlagene Spielzeit nicht mal voll ausgenutzt (soll heißen: Es hätte locker min. einer mehr drin sein können) und dabei dann auch noch vorm letzten Song das "Wir gehen mal eben von der Bühne und ihr müsst Zugabe rufen"-Spiel gebracht - als wenn jemals Zweifel daran bestanden hätte, dass sie die Bühne verlassen würden, ohne 'Surf Nicaragua' gespielt zu haben. Von "Heal" wurde wieder gar nix und von "Independent" nur der Titeltrack gespielt. Aber das alles machte gar nix. Denn auch wenn ich persönlich so etwas wie 'Free', 'Product', 'Who Do You Want To Be?', 'Blue Suit, Brown Shirt’ oder 'Heal' dann doch etwas lieber gehört hätte als im Vorfeld per Netz von Fans verlangte Uralt-Prügeler wie 'Sacred Reich', 'Victim of Demise’ oder 'Administrive Decisions', tat das folgendem keinen Abbruch:
SACRED REICH haben mit dem beleibten Sänger/Basser Phil Rind nicht nur einen der sympathischsten und zudem stimmlich höchst überzeugenden Frontmänner ever, sondern auch noch einen unfassbar guten, tighten, und dabei auch noch zu kleinen Poser-Spirenzchen neigenden Drummer in den Reihen (wieder mal ein Highlight: 'Crimes Against Humanity'), die den beiden ohne Frage ebenfalls hervorzuhebenden Gitarrenriffgöttern (eigentlich ja das Wichtigste an einer Thrash Metal-Band) schon regelrecht die Show stahlen. Es sollte unter Strafe gestellt werden dürfen, dass man von den beiden so lange nix gehört oder gesehen hat.
Insgesamt war der Gig zwar nicht soo geil wie der beim Wacken vor zwei Jahren, das Reich ging im Vergleich zu den ebenfalls aufspielenden Reunion-Thrashern Forbidden und Heathen aber als haushoher Sieger nach Hause. Denn wie Rind und Co. im Gegensatz zu jenen mitreißend, unpeinlich, liebenswürdig und vor allem auch spielerisch überragend Arsch gerockt haben, da können sich die gesichtslosen, sonnenbebrillten Poser mit weitaus weniger hitverdächtigem Songmaterial dieser anderen beiden Thrash-Urgesteine wirklich mal gehackt legen.

Randnotizen? Naja, eine witzige habe ich: Promille-König des Wochenendes war dieser blonde Schnauzbartträger der Retro-Metalrocker BULLET, den man nie nicht torkelnd und lallend antreffen konnte, wobei er sich dann auch gerne mal jedem (auch wiederholt) persönlich vorstellte.
Kritikpunkt? Die Fastfood-Gastronomie vor Ort war dieses Jahr übrigens nicht so der Bringer, aber da können die Veranstalter ja nichts für.

Bis nächstes Jahr, good ol’ Hood Gelsenkirchen! Nächster Halt: Death Feast Open Air am Niederrhein (Ach Du Scheiße, das ist ja schon in einer Woche!).