Donnerstag, 28. Mai 2009

Jarboe

O.g. Künstlerin und ihre ziemlich gute Backing-Band sah ich kürzlich live und möchte mal kurz mein Gefallen daran bekunden.

Doch erst mal mal eben den Rahmen abstecken: Die eröffnenden SECRETS OF THE MOON waren unter uns gesagt nicht mehr als solide. Der stark von Celtic Frost abgekupferte Black Metal irgendwo zwischen alter Schweizer Schule und eigener Moderne (was dann ja irgendwie schon wieder das gleiche ist), dem die Osnabrücker frönten, leierte mir persönlich maximal einen verhaltenen Anstandsapplaus raus.

Auch die seltsamerweise headlinenden ESOTERIC am Ende waren eine eher durchwachsene Angelegenheit. Der wohl experimentell gemeinte und in epochalem Maße brachialst wuchtige, außerdem ziemlich atmosphärische Dröhn- und Grunz-Doom Metal der Truppe hatte durchaus was. Ich bin geneigt, dafür die Schublade „Drone-Metal“ auf zu machen. Hätte eigentlich ganz geil sein können, das Problem allerdings: Man sah die Band - die als größtenteils viel zu 'langweilig und grün hinter den Ohren ' aussehende Typen, mit einem aufdringlich in der Mitte ganz vorne aufgebautem Keyboard und einem Berg an Effektgeräten, dabei irgendwie keine gute Figur abgaben. Das Sahnehäubchen war jedoch der dickliche Langhaar-Iroträger, der (mit viel Hall drauf) in ein Headset-Mikro grunzte und dabei einfach nur ziemlich ungelenk von einem Bein aufs andere schwankte. Nun ja, das alles nahm dem Ganzen doch ziemlich was.. Sympathie-Bonus für die intensive und eigenwillig angestrebte Musik ist drin, das Auge hört aber manchmal leider mit ...

Der Auftritt von JARBOE jedoch hat diese in meinen Augen und Ohren irgendwie eher mediokeren Bands dann allerdings voll und ganz entschädigt. Die ehemalige Swans-Sängerin/Keyboarderin, die in jüngerer Vergangenheit vor allem auch jüngeren Fan-Schichten durch Kollaborationen mit „Post-Metallern“ wie Neurosis und Justin Broadrick (Jesu, Godflesh) auffiel, fuhr mit ihrer Band schon ein ziemliches Brett auf. Der erste Song hatte mit seinem massiven Gegroove was von Godflesh, der letzte ballerte in bester Ministry-Manier daher. Am meisten im Gedächtnis geblieben ist mir jedoch der ziemlich lange zweite Song ('The House Of Void' – live um Welten beeindruckender und knallender als der 'Visceral Mix' auf dem aktuellen Album „MahaKali“), bei dem der ansonsten Merzbow-ähnlichen Atmo-Lärm aus der Konserve holende Keyboarder, zusätzlich zum hier durchgängig wilde Tribal-Rhythmen prügelndem Drummer, auf Percussions einhämmerte. Links von Jarboe selbst stand ein dunkelhäutiger Basser, der eher ruhig in sein Spiel vertieft war, rechts ein wie von der Tarantel gestochen zappelnder Metal-Gitarrist, der zum treibenden Getrommel einen ziemlich Lärm veranstaltete. Nach wenigen Minuten ging man wirklich einfach nur noch alles loslassend und wie in Trance mit der Musik mit. Geil! Meine Begeisterung muss man mir derart angesehen haben, dass meine geschätzte langjährige Schreiberzunft-Freundin (und Jarboe-Fangirl) Dajana vom Nocturnal Hall Webzine nur grinsend „Ich wusste, dass Dir das gefällt“ meinte. Nun ja, in so einem Fall bin ich gerne berechenbar. Beim ebenfalls geschätzten Betreiber des Clubs, in dem der Spaß stieg, stieß ich allerdings auf Unverständnis so eine „LSD-Musik“ geil zu finden (Sorry Peter, aber den musste ich verbraten).

Dass so ein Randsparten-Happening unter der Woche nicht viel Publikum locken konnte, ist schade aber liegt in der Natur der Dinge. Schade auch, dass diese seltsame Tour-Edition eines „aktueller als das eigentlich aktuelle Album“ irgendwie liebevoll aber billig verpackt und dabei definitiv zu teuer war.
Das alles tut dem Umstand, dass der Gig von JARBOE ungelogen „absolut Hammer (!!!!)“ war allerdings kein Abbruch. Wer auf schwer zu klassifizierenden Avantgarde-Lärm mit Seele a la Oxbow (aber auch auf Industrial-eskes) steht, dem kann ich nur allerwärmstens empfehlen, sich das zeitnah auch mal zu geben. Definitiv ein absolutes Highlight der bisherigen diesjährigen Konzertbesuche!

Dienstag, 26. Mai 2009

Long Distance Calling - Avoid The Light

Was LDC betrifft, so hatte ich bisher gewisse Vorbehalte. Für mich war das eigentlich eine eher unterdurchschnittlich interessante Band der derzeit beliebten Gattung Instrumental-Postrock, die aufgrund ihres personellen Umfelds daher vor allem in der Metal-Ecke ziemlich gehypet, und dort etwas zu Unrecht als wahnsinnig abgehobenes Dingen wahrgenommen wird.

Nun, wenn man das aktuelle Album „Avoid The Light“ so hört, muss man der Fairness halber sagen: Klar kann man das so sehen, dass es in dieser Richtung bessere und interessantere Bands gibt, aber LONG DISTANCE CALLING ziehen halt schon auch ihren eigenen Stiefel durch. Und das ist ohne Frage etwas positiv hervorzuhebendes.

Die Band mag sowohl auf ihrer ruhigen, atmosphärischen Seite, als auch in ihren harten und lauten Momenten nicht die allgemeine Finesse einer artverwandten Band wie Russian Circles aufweisen, ihre Stärke liegt aber darin, trotzdem noch das Beste draus zu machen. Soll heißen: Das spielerische und stilistische der Scheibe ist insgesamt doch spürbar sehr viel näher an Rock/Metal-Herangehensweisen, als an Shoegaze, Ambient, Klassik und so weiter. Und das mag dann bei Faktoren wie dem manchmal etwas hölzern-rabiatem Drumming beim ersten Reinhören etwas unpassend wirken, oder bei geschulten Genre-Ohren dann auch mal auf eher verhaltene Reaktionen stoßen. Die Arrangements, Instrumentierungen und Riff-Ideen wiederum sind allerdings auf „Avoid The Light“ dann doch nichts geworden, wo man den „das können andere besser“-Musiknazi raushängen lassen möchte, sondern überzeugen im Gegenteil mit einer gewissen Kreativität.

So verlangen die teilweise recht langen Songs dieser Scheibe tatsächlich danach, öfter gehört zu werden, bis man die das Teil wirklich komplett erfasst hat. Was ich gerne tun will und werde. Dem bisherigen Eindruck nach aber wird sich das langfristig vermutlich so bei "obere Kante soliden Durchschnitts" einpendeln.

Freitag, 22. Mai 2009

Celan - Halo

"Projekt-Bands", die "Allstar"-Stempel haben, sind ja immer so eine im Vorfeld schwer einzuschätzende Sache. Manches wird heißer gekocht als gegessen, manchmal entstehen dabei doch kleine Klassiker eigenständiger Bands, oft ist es aber einfach nur ein saisoneller Spaß für Fans der Beteiligten. Wenn sich der Sänger/Schreihals der New Yorker Noiserock-Urgesteine UNSANE und der in jüngeren Jahren vor allem für seine Kollaborationen mit EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN bekannte Kopf des REDUX ORCHESTRA treffen, und sich durch den Gitarristen der Avantgarde-Lärmer OXBOW und die Rhythm Section der kurzlebigen Hektiknoiserocker FLU.ID verstärken, ist die Sache nicht uninteressant. Umso interessanter und erstaunlicher, dass das Ergebnis dieses experimentierfreudig eingeschätzten Haufens dann weitgehend erst mal (ich zitiere) "wie Unsane mit Keyboards" klingt. CELAN heißt diese (natürlich) in Berlin inszenierte deutsch-amerikanische Freundschaft, "Halo" heißt das Album.

Etwas irritierend gestaltet sich beim Erstdurchlauf der Umstand, dass das ziemlich kurze Intro suggeriert, dass die Scheibe auch im weiterem Verlauf so was wie Industrial-Getöse auffahren könnte, dann aber erst mal sehr abrupt zu etwas Unsane-typisch „hölzern“ klingendem Noiserock wechselt. Dabei werden dann allerdings die Extreme zwischen rockigen Gangarten, Doom-Wänden ('All This And Nothing') und Mathcore-Abfahrten ein kleines bisschen facettenreichre und verspielter ausgelotet, als bei besagter Band. Die Zusätze aus der Konserve halten sich meistens zur atmosphärischen Verdichtung und kantigen Verhärtung zunächst eher im Hintergrund, was dann auch mal in Piano-Einlagen ausartet. Ein heimlicher Hit der Scheibe ist dabei der überraschend melodische und gemächliche Düsterrocker 'Sinking'. 'Washing Maschine' und der langgezogene Schlusstrack 'Lunchbox' (beide instrumental) wagen sogar den Vorstoß in so was wie ruhigen Postrock, wobei es auch ein bisschen was von NIN hat.
In der zweiten Hälfte der Scheibe werden die Industrial-esken Sample-Lärmeinlagen dann doch noch mal etwas vordergründiger. ('Weigh Track', 'Train Of Thought' - erstgenannter ist schon ein ziemlicher Hammer, hat was von Bands der Wax Trax-Ära oder von Neurosis zu „Through Silver in Blood“ Zeiten)

Was unterm Strich mit „Halo“ rausgekommen ist, ist wie schon erwähnt verdammt nah an Unsane (oder auch Todd), nur etwas heterogener und als hätte man diese um Nuancen von Neurosis und Nine Inch Nails ergänzt. Hit-Potenzial ist dabei durchaus vorhanden: Der erste richtige Song 'A Thousand Charms' ist auf seine etwas zurückgelehnte, dennoch heavyige Art ziemlich super, 'Weigh Track' kann so ziemlich alles, und mit 'Sinking' ist der Band eine dezente Hymne geglückt. Das Problem an diesem Album wiederum ist, dass das kurze Intro und der Schlusstrack, sowie das etwas unnötige Instrumental-Interludium 'Washing Maschine' mit dem Rest des Getöses nicht so wirklich zusammenpassen wollen. Genau so wie die etwas sehr simplen Piano-Einlagen bei ‚Sinking‘ wirken diese Sachen irgendwie ohne viel Mühe dahingeschissen dazugepackt, ohne eine sinnige Symbiose mit dem restlichen Songmaterial einzugehen. Irgendwas passt da einfach nicht. Somit bleibt ein nicht mehr als ein "nur", aber eben doch ganz gutes Lärm-Album, aus dem man gerade im Gesamtwerk-Kontext vielleicht noch mehr hätte rausholen können.

Dienstag, 19. Mai 2009

Gama Bomb

Okay, das Genörgel zuerst: Bei Earache-Releases bin ich ja inzwischen generell vorsichtig. Das von den 80ern bis Mitte der 90er herausragend vorzügliche Extrem-Label hat Rost angesetzt. In jüngerer Vergangenheit haben die Briten viel zu viel Durchschnittware und Möchtegern-Avantgarde veröffentlicht, ferner auch Bands, die vorherrschenden Trends schon wieder einfach nur hinterherhinken.
Ein glückliches Händchen jedoch bewiesen sie neulich mit Municipal Waste, die mit ihrem augenzwinkernden und Party-tauglichem Prügel der ganz alten Schule derzeit regelrecht die Speespitze einer stetig wachsenden Szene ähnlich gearteter Retrogeballer--Bands mit humoristischer Note sind.

Zu dieser Welle muss man auch GAMA BOMB zählen, die Earache ebenfalls ins Roster übernommen haben. Und ich habe dann, nachdem mehrere Leute von dieser Band schwärmten, trotz Earache-Vorbehalten und Trittbrettfahrer-Antipathien doch mal ein Ohr riskiert.
Das Comic-Artwork der aktuellen Scheibe "Citizen Brain" ist schon mal dermaßen geil, dass ich es jetzt einfach mal hie
rhin packe:



Was den Rest betrifft, so bin ich hin- und hergerissen.
Grundsätzlich ergeht sich die Band in trashigen Popkultur-Referenzen von Commodore 64-Spielen bis zum A-Team, Robocop und Superman, gepaart mit inflationärem Gebrauch des Schlagworts „Thrash“. Man versucht aber auch noch globale Erwärmung und Rassismus kritisch unterzubringen. Hier wäre ja etwas weniger wahrscheinlich dann doch mehr – Image ist nix, Durst ist alles … Ihr wisst schon, was ich meine.

Musikalisch wird das totale Speed/Thrash-Brett gefahren, mit noch mehr Gaspedal als bei vergleichbaren Bands, und handwerklich auf durchaus sehr hohem Level. Vieles ist jedenfalls mehr Anthrax‘ ‚Gung Ho‘ als Metallica’s ‚Seek & Destroy‘ um es mal so zu sagen, allerdings sind neben „Baller-Thrashern“ a la Exodus gelegentlich auch Anleihen von etwas „klassischeren“ Bands wie Megadeth und Annihilator rauszuhören.
Produktionstechnisch ist mir das Ganze dabei aber ehrlich gesagt viel zu sauber und klinisch, sowie mit künstlichem Digi-Knalleffekt und Rasierapparat-Gitarren umgesetzt worden. Wenn schon retro, dann bitte auch mit etwas mehr Schmutz im Sound und wirklichem Mut zur Hässlichkeit.


Und auch wenn das Geboller von GAMA BOMB etwa für eine Joggingrunde sehr gut reingeht, muss ich gestehen die Scheibe insgesamt doch 1.) musikalisch etwas zu identitätslos und 2.) etwas zu humorig zu finden. Was letzteres betrifft, nervt es irgendwann nur noch, wenn der Sänger z.B. immer wieder mit der Stimme hochgeht. Jaja, Metal, wir haben es kapiert, witzig. Zimmers Hole lassen grüßen.

Immerhin: Den Song ‚Sentenced To Thrash‘ finde ich aufgrund seines durchaus originellen Strophen-Riffs (und dem grooveigen Anfang) so cool, dass ich nach wie vor Bock habe, ihn mal anzuspielen. Außerdem finde ich als alter DC Comics-Fan 'In The Court Of General Zod' natürlich auch ganz witzig. Ansonsten bleibt hier unter Strich nicht mehr und nicht weniger als eine durchaus am oberen Rand von „solide“ inszenierte Spaßprügelscheibe einer Band, die ich wahrscheinlich bald schon wieder verdrängt haben werde.

blip.fm ...

Sollte irgendjemand tatsächlich noch verfolgen, was ich so „blippe“, kann ich an dieser Stelle ja mal offiziell verkünden, dass sich das Thema blip.fm erst mal erledigt hat (zumindest mittelfristig).

In einem Blog gehen die Betreiber der Web2.0-Spielerei vage darauf ein, dass sich die angeschlagene Musikindustrie offensichtlich auch bei ihnen gemeldet hat, und das Musikstream-Treiben auf ihrer Seite nun irgendwie eingeschränkt oder anders gehandhabt wird. Dies hat leider erst mal vorwiegend auf die Nutzer Auswirkungen, die nicht aus den USA stammen. Denn diesen, um es kurz auf den Punkt zu bringen, steht der Großteil der über blip.fm vorhandenen Song-Streams nun erst mal nicht mehr zur Verfügung.

Donnerstag, 14. Mai 2009

Future Of The Left ...

2 Sachen:
In einem Blog auf ihrer Myspace-Seite echauffierte sich die MCLUSKY-Nachfolge-Band FUTURE OF THE LEFT kürzlich darüber, dass man ihr neues Album schon Wochen vor Release im Netz finden kann. Aber anstatt einfach nur zu meckern, reagierte das walisische Trio: Jeder, der es jetzt vorbestellt, bekommt es zuvor sofort schon mal in Form hochwertiger mp3s rübergewuppt. Mitgedacht, kann man da nur sagen, und super gelöst, sich diesen heutzutage leider vorliegenden Bedingungen anzupassen.
Also bitte, Leute: Kauft dieses Album ...
... und ein weiterer Grund dafür ist die zweite Sache: Mit YOU NEED SATAN MORE THAN HE NEEDS YOU (ja, man kann das nur versal und fett schreiben!) ist ein Song des Albums auf ihrer Myspace-Seite online, dessen Huldigung ich mir eigentlich gerne fürs komplette Album-Review aufsparen würde, aber da er nun schon mal da ist, muss man es auch mal loswerden: Dieser verquere Groover mit bekloppter Instrumentierung und dem klapsmühligen Mclusky-Feeling ist der gottverdammte Song des Jahres. Es hat bis zum zweiten (möglichst lautem!) Komplettdurchlauf gebraucht, das zu erkennen, aber wer beim finalen BUT DOES IT FUCK LIKE A MAN (ja, auch das kann man nur so schreiben) nicht spätestens vollspackig ausgeflippt ist, der hört wahrscheinlich nur Wandergitarrenmusik.

Voivod ...

Eigentlich verfalle ich nur ungern in so einen Promo/Newsmeldungsverwertungs-Modus, aber hier muss ich es mal tun:
Das nächste und höchstwahrscheinlich finale VOIVOD-Album "Infini" wird am 23.06. erscheinen. Es ist das letzte Album, das Gitarrenspuren des 2005 verstorbenen Denis "Piggy" D'Amour enthalten wird. Tatsächlich soll es sogar ausschließlich Gitarrenparts von ihm enthalten, die lediglich bei Konzerten von einem gewissen Dan Mongrain (von den kanadischen Prog-Deathern Martyr) umgesetzt werden. Außerdem ist neuerdings der nach „Angel Rat“ (1991) ausgestiegene Ur-Bassist Jean-Yves “Black” Thériault wieder mit von der Partie, und ferner wird auch Eric Forest, der von Mitte bis Ende der 90er Frontmann der Band war, als Gast auf dem Album vertreten sein. Ach ja: Jason Newsted ist wie auf den letzten beiden Alben natürlich auch wieder dabei.


Warum mir das einen gesonderten Blog-Eintrag vorab wert ist: Bis das Teil endlich im Laden steht bzw. bei Amazon am Start ist, kann man sich unter www.bravewords.com schon mal zwei Songs im Audioplayer anhören, und die gefallen mir ziemlich gut !

Mittwoch, 13. Mai 2009

Kong - What It Seems Is What You Get

Sie kommen ja alle irgendwie wieder aus ihren Löchern gekrochen, die alten Helden. Auch die um die Jahrtausendwende rum auf Eis gelegten Niederländer KONG sind wieder da, wenn auch mit nur noch einem Original-Mitglied.

Kurzer Umriss: KONG waren in den 90ern vor allem für zwei Dinge bekannt: 1.) Ungewöhnlich konzeptionierte Konzerte, bei denen die vier Musiker in den vier Ecken des Saals positioniert den Soundtrack für eine Tanzveranstaltung lieferten, 2.) rein instrumentale Musik, die zwischen harten Metal-Gitarren und Tanz-Elektronik ihr eigenes Süppchen kochte. Dabei entwickelte sich die Band im Laufe der Zeit aus einer sehr atmosphärischen, schon progrockigen Ecke (Frühwerke wurden auch gerne mal mit Tangerine Dream verglichen) immer mehr zu Schubladen wie Industrial und Techno-Rock. Versuche, sie gegen Ende der 90er Roadrunner-gesponsort und Junkie XL-produziert im damals vorherrschenden Prodigy-Trend zu postieren, schlugen aber ebenso fehl wie die anderen Bemühungen der Major-Industrie, Genre-Pioniere dort mit durchzuschleppen (siehe Think About Mutation, Eskimos & Egypt, …).


Nun ist bei solchen Nischenbands immer die Gefahr groß, dass sie beim Revival eine Dekade später irgendwie den Anschluss verloren haben und peinlich angestaubt klingen. Soooo schlimm ist es dann doch nicht geworden, aber die heimliche Hoffnung, dass sie eine Kracher-Konserve hinlegen, wurde allerdings auch nicht erfüllt...

"What It Seems Is What You Get" könnte nicht passender betitelt sein: Eine Band, die in den 90ern mal zu den unterbeachteten, eigenwilligen Speerspitzen der "Alternative Metal"-Szene gehörte, versucht es personell rundumerneuert noch mal und klingt dann eben auch so.
Die dargebotene Musik reduziert KONG auf das typische und wesentliche. Kantig groovender Instrumental-Metal, verstärkt durch elektronische Elemente, die allerdings nie zu sehr in den Vordergrund treten. KONG wirken anno 2009 weder zeitgeistig, noch muten sie anachronistisch an. Aber in diesem Versuch eines zeitlosen Sounds liegt auch eine gewisse Beliebigkeit. Es hat was von Computerspiel-Soundtracks der
Spätneunziger, ferner verliert sich die Band ohne neuartige Akzente in einer unauffälligen Stil-Quintessenz dessen, was sie früher ausgemacht hat. Hinzu kommt das Problem, dass es vielen Songs an Schmiss mangelt. Brachiales Brat-Riffing in gut tanzbarem Tempo ist heutzutage eben nicht mehr die halbe Miete.

Das Fatale: Ich kann nicht mal behaupten, dass dieses Album schlecht ist. Es ist aber eben auch das Gegenteil von zwingend. KONG hauen das für sie urtypische Rumgeriffe samt kennzeichnenden Athmo-Leads und lärmigen Schrubb-Einlagen auf treibenden Rhythmen raus, aber die Magie von damals will sich nicht so recht entfalten. Der eine oder andere Track ist durchaus ganz geil, vor allem wenn z.B. mal das Tempo ein bisschen angezogen wird, summa summarum ist das hier allerdings eine exklusive Scheibe für nostalgische Altfans und nix mit dem Potenzial, sich neue Fangruppen zu erschließen.

Samstag, 9. Mai 2009

Disbelief - Protected Hell

Nachdem ich mal in die neue DISBELIEF reingehört habe, gibt es eine positive Überraschung, aber auch die Bestätigung einer negativen Befürchtung zu vermelden: 1.) „Protected Hell“ ist dann doch noch mal ein paar Klassen besser geworden, als das verhunzt produzierte Gepolter vom Vorgänger „Navigator“. 2.) Die Band hat musikalisch leider dennoch nix mehr zu sagen.
Und das ist sehr, sehr schade. Als die hessischen Death Metaller auf Alben von „Worst Enemy“ bis „Spreading The Rage“ mit Versatzstücken aufliefen, die gleichermaßen athmosphärisch wie lärmig klangen, ließen sich Musikjournalisten zu Neurosis-Vergleichen hinreißen. Die Musik war intensiv und brutal, strahlte emotionale Vibes der Verzweiflung aus.
Davon ist inzwischen nichts mehr übrig geblieben. Fronthühne Jägger, dessen heftige Vocals live auch schon mal einen RockHard-Mitarbeiter mit den Worten „Das Gekeife tut ja weh in den Ohren!“ den Konzertsaal verlassen ließen, ist auf „Protected Hell“ offensichtlich nur noch zu müdem Geknurre in der Lage. Die Gitarristen verlieren sich in uninspirierten Akustik-Intermezzi und gewöhnlichem Slayer-Geriffe. Nur selten wird die Formel konventioneller Metal-Stilmuster durchbrochen, dann aber auch leider so unaufdringlich, dass es nicht wirklich ins Gewicht fällt. Das solide Genre-Songwriting schafft es zu keinem Moment des Albums, mich irgendwie nennenswert mitzureißen oder aufhorchen zu lassen. Das Ganze ist irgendwie schon bieder.
Tja, es ist ein Jammer, dass diese einst so vielversprechende Band sich dazu entschlossen hat, sich lieber fest an die Wurzeln des Metal-Mikrokosmos zu klammern, anstatt ihr früheres Potenzial zu mehr weiter auszuloten. „Protected Hell“ ist beileibe kein schlechtes Album, gutes Handwerk, aber mir ist das in diesem Fall trotzdem (bzw. gerade hier erst recht) zu wenig.

Ob sie bewusst vermeiden wollten, wie einst die artverwandten Morgoth in Gefilden zu landen, in die sich die spießige Fanbase nicht mitziehen lässt, oder ob sie dazu von Haus aus gar nicht in der Lage sind - man weiß es nicht, aber irgendwie ist das ja auch egal.
Same old Story: DISBELIEF haben wohl wie viele andere Bands, die mal in der Death Metal-Ecke anfingen und sich dann zu etwas anderem weiterentwickelten, einfach inzwischen ihren kreativen Zenit überschritten.

Dienstag, 5. Mai 2009

Graf Orlock, Zu

Das Roadburn-Wochenende ist auf die eine (Band trat dort auf) oder andere Weise (lief im Rahmen des Reisesoundtracks) quasi ein bisschen daran schuldig, dass die beiden o.g. Bands auf meinem Schirm etwas mehr in den Vordergrund gerückt sind. Und da beide in diesem Jahr bereits neue Alben veröffentlicht haben, werden eben jene hier nun mal eben kurz von mir gewürdigt:

GRAF ORLOCK – Destination Time Today
Das Album: Der finale Teil einer Trilogie (Destination Time Yesterday und Destination Time Tomorrow gibt es bereits). Die Musik: Grindcore, der das Genre an den punkigen Wurzeln packt, und diese ohne Zwischenstopp direkt bis in die Moderne eines gelegentlich metalcorigen Touchs reißt. Mag auf dem Papier komisch klingen, klingt auf CD aber tatsächlich so und macht tierisch Bock. Aufgelockert wird das Ganze immer wieder durch Filmsamples oder auch mal eine Trompeten-Einlage. Nix für humorlose Puristen an der Metal-Kante; wer’s schnell und schmutzig mag kommt hier allerdings gehörig auf seine Kosten.

ZU - Carboniferous
Ein Trio macht versierten Math/Noise/Jazz-Prügelrock mit Saxophon. Erstmals auf Ipecac, mit Gastauftritten von Mike Patton himself und King Buzzo von den Melvins. Es dürfte wohl klar sein, worauf das ungefähr hinausläuft - vergleiche Naked City, The Hub und so weiter. Mit bis zum Anschlag verzerrtem Bass und mal leichtfüßig verfrickelten, mal kraftvoll stampfenden Drums, wird hier primär richtig Alarm gemacht. Zwischendruch wollen zwar 1-2 Tracks mal nicht ganz so gut reingehen (darunter ehrlich gesagt auch der mit Patton's übertriebener Oral-Akrobatik; das Ding ist halt auch mal durch, sorry), insgesamt bietet das Teil aber sowohl Jazzern ohne Phobie bezüglich martialischem Krachs, als auch Lärm- und Geprügel-Freunden ohne Berührungsängste zu abseitigen Ufern eine ganze Menge geiles Getöse.

(tbc!)