Dienstag, 22. Januar 2008

Alte Helden...

... hat ein alter, zynischer Sack wie ich heutzutage immer weniger auf der Liste. Man hält sich einfach schon für so pseudo-erfahren, schon alles gesehen und gehört zu haben. Alte Lieblingsbands von damals werden immer rarer und selbst von den wenigen noch aktiven Göttern und Legenden von einst hört man immer seltener Outputs von höchster Qualität. Dass die musizierenden Jungspunde der Szene einem nicht mehr so viel zu bieten haben, versteht sich auch von selbst. Umso schöner ist es, wenn einem Bands, die man schon mit um die 15 verehrt hat, auch eineinhalb Dekaden später noch ein zufriedenes breites Grinsen in die schäbige Visage zaubern, nachdem sie einem zuvor das Tanzbein zum zucken gebracht haben.
Am 18.01.2008 war es nämlich endlich mal wieder soweit, PRONG live zu bestaunen. Im derzeit angenehmsten Club der Welt, dem Essener Turock. Und was soll ich sagen: Es war total geil, Tommy Victor hat es noch drauf. Nachdem der Start des Gigs dank einer etwas unglücklichen Songauswahl zunächst ein bisschen verhaltener kam, steigerte sich die inzwischen mal wieder zum Trio geschrumpfte Band schon bald in die totale Ekstase. Ob uralt oder vom neuen Album: Rasante Prügelnummern wie 'Disbelief', 'Cut-Rate' oder '3rd Option' kamen genau so geil wie treibende Tanznummern der Marke 'Whose Fist Is This Anyway' oder 'The Banishment'. Und das junge, popig-rockige 'Worst Of It' macht genau so viel Spaß wie die unverzichtbaren Klassiker a la 'Beg To Differ', 'For Dear Life' und 'Unconditional'. Besonders erwähnenswert ist dabei mal wieder, wie unglaublich geil 'Broken Peace' live kommt. Der auf Platte mit zig Gitarrenspuren überladene Track entfaltet beim Konzert selbst mit nur einer Klampfe und ohne jegliche Konservenunterstützung eine derart monströs groovende Energie, dass es nicht zu fassen ist. Geil, geil, geil. Jeder, der 2008 meint, dass die Zeiten von PRONG einfach vorbei sind, der hat sie in letzter Zeit wohl noch nie live gesehen ...
Randnotiz: Im Vorprogramm wussten MOTORJESUS aus Mönchengladbach den gut gefüllten Laden mit ihrem Partyvibes versprühenden Stonerrock'n'Roll gut vorzuwärmen. Gute Jungs!

Sowohl das Stichwort "Stonerrock'n'Roll" als auch das Motto "alte Helden" leiten ganz gut zu SMOKE BLOW über. Zwar sind die im Gegensatz zu Prong noch keine Oldies, für einen Supporter der ersten Stunde wie mich aber schon eine langjährige Konstante, die konkret ein bisschen den Status der letzten ganz großen Helden genießt. Der, das muss man zugeben, mittlerweile auch mal hier und da etwas bröckelt - wie und warum sei jetzt mal dahingestellt. Dazu passt allerdings, dass das neue Werk "Colossus" den ersten Hörproben zufolge doch eine insgesamt regelrecht entspannte Angelegenheit ist, die mit verzerrten Lärm-Eskapaden der Marke "777 Bloodrock" oder dem mit hardcoreigem Biss kickendem Meisterwerk "German Angst" vom Härtegrad her nicht mehr sooo viel zu tun hat. Ich mag an der Band allerdings generell, dass jedes Album immer wieder andere stilistische Aspekte einen Schwerpunkt bilden, um den sich die Band konzentriert. Dieses mal kommt mehr denn je "richtiger Punkrock der ganz alten Schule" durch. Gangarten auf der Scheibe erinnern mehr denn je an die Ramones, die Sex Pistols, ja meinetwegen auch Social Distortion. Das lässt viel Freiraum für Dreck, Schmutz und Räudigkeit, klingt aber eben doch zurückgelehnter und noch popiger als manch anderes, das man in der Vergangenheit so von den Kielern zu hören bekam. Irgendwie klingen SMOKE BLOW anno 2008 erstmals ein bisschen satt anstatt bissig. Naja, mal sehen, wo das noch so hinführt. Das Cover sorgte im Übrigen bereits für viel Erheiterung.

Mittwoch, 9. Januar 2008

Grindcore und Postrock 2008: Die erste Runde

Tja, auf einen umfassen musikalischen Jahresrückblick '07 hatte ich dann irgendwie doch keinen Bock, weil zu faul. Es gibt allerdings die ersten interessanten Releases 2008 zu vermelden. Darunter, ganz wichtig:
PHOBIA - Cruel: Mein persönliches Lieblingsalbum 2006 erscheint diesen Monat mit eineinhalbjähriger Verspätung nun auch offiziell auf dem europäischen Markt. Womit mein persönliches Lieblingsalbum 2008 wohl auch schon feststeht, haha. Ans Herz legen möchte ich dieses Highlight vor allem Fans von Napalm Death, Nasum, JaKa und co., denn "Cruel" ist schlichtweg eines der besten Alben, das jemals im Genre Grindcore hervorgebracht wurde. 21 Songs ballern die Amis hier ohne nennenswerte Füller raus. Das Material kommt mit gehöriger Old School Crust-Kante daher, aber auch mit derart abwechslungsreichem Songwriting, dass es einen Großteil anderer Bands auf diesem Sektor locker in die Tasche steckt. Neben der wirklich guten Schlagzeugarbeit, die das an sich schon (sorry:) 'Hit-verdächtige' Material hier nicht unwesentlich aufwertet, fällt vor allem auch der atmosphärische Abschluss-Song 'Numb' ins Ohr, bei dem PHOBIA ein Gespür für moderne Stilformeln zeigen, ohne sich bei irgendwas aktuell angesagtem anbiedern zu müssen.
Bleiben wir noch mal kurz beim Thema Grindcore, denn ROTTEN SOUND haben ebenfalls ein neues Album names „Cycles“ am Start. Die Finnen haben wohl eingesehen, auf 'Exit' in punkto "moderner Hypergrind" alles gesagt und getan zu haben, was an Geschwindigkeit und Brutalität nach oben hin überhaupt noch geht. Man könnte auch munkeln, dass zudem der Weggang von Wunderschlagzeuger Kai sein übriges dazu tat, dass die neue Scheibe dagegen ein bisschen gemäßigter ausfällt. Wenn man das in diesem Zusammenhang überhaupt so sagen kann, allerdings zeichnet 'Cycles' im Vergleich zu seinem Vorgängeralbum aus, dass RS mit mehr Groove und mehr Rock'n'Roll-Schmutz zu Werke gehen, anstatt sich auf das Durchbrechen der Schallmauer zu konzentrieren. Und das macht Spaß!
Von einer Lieblingssparte (Grind) zu anderen: Atmosphärischer Instrumental-Rock. Die amerikanische Band THE CANCER CONSPIRACY vereint Einflüsse viel zitierter 70er-Prog-Größen wie King Crimson und Yes, sowie Fusion-Elemente mit modernem und härteren Kram der Mathcore-Ecke. Was auf dem aktuellen Album „Omega“ mitunter recht gut gelingt und Freunden klassischer Jazz/Prog-Klänge somit eventuell genau so gut gefallen könnte, wie Fans der aktuell schon regelrecht trendigen Postrock-Schublade.
Vielleicht ist es zu früh, sich hier bereits ein Werturteil zu erlauben, aber was ich bis jetzt vom selbstbetitelten Longplay-Debüt der Postrock-Hopefulls THIS WILL DESTROY YOU gehört habe, war einfach nur gähnend langweilig, unspannend und konnte in keinster Weise mit ihrer zurecht hoch gehandelten EP 'Young Mountain' mithalten. Schade.
An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, verspätet die Band MASERATI bzw. ihr aktuelles Album „Inventions For The New Season“ für mich entdeckt zu haben, das mit seinem höchst atmosphärisch-psychedelischen, dabei aber dennoch sehr groovy-rockendem Instrumental-Stilmix den perfekten Soundtrack für nächtliche Autofahrten liefert.

Zum Schluss noch schlechte News: OCTOBER FILE mussten leider ihre Teilnahme an der gemeinsamen Tour mit PRONG absagen, wozu ich aus tiefstem Herzen zum Abschluss mal eben „KACKE!!!“ loswerden muss.