Dienstag, 18. September 2007

Enttäuschungen 2007 ...

Es gibt sie auch dieses Jahr wieder: Die Alben, auf die man große Stücke gesetzt hat, die aber nicht zu richtig der Bringer sind. Neben dem aktuellen Werk von Entombed entpuppt sich auch die neue EXODUS-Scheibe leider als gut gemeint, dabei aber übers Ziel hinausschießend. Meiner Meinung nach verzettelt sich eine der besten und wichtigsten Thrash Metal Bands überhaupt auf ihrem neuen Werk „The Atrocity Exhibition... Exhibit A“ zu sehr in künstlich in die Länge gezogenen Songkonstruktionen, die mit immer wieder deplaziert auftauchenden, teilweise überlangen Instrumental-Passagen und Solo-Exzessen eher irgendwas zwischen anstrengen und langweilen, als begeistern. Gelegentlich ein geiler Refrain (‚Riot Act’), gelegentlich ein nettes Riff und die Scheibe ist insgesamt alles andere als wirklich schlecht, aber eben auch nicht wirklich gut. Gary Holt und seine Mannen versteifen sich auf diesem Album auf genau das, was ich bei den Vorgängerwerken als Manko sah, als auf das, was mich an ihnen begeisterte. Und das ist schade. Hobby-Gitarristen mit ewiggestrigem 80ies-Prügel-Musikgeschmack finden es natürlich trotzdem toll …

Ebenfalls am Ziel vorbei schießt die neue Scheibe von VENETIAN SNARES. Der sich hinter diesem Pseudonym verbergende Brite Aaron Funk veröffentlichte 2005 unter dem ungarischen Zungenbrecher-Titel „Rossz csillag alatt született” ein Ausnahme-Album, das komplexes Drum’n’Bass/Jungle-Geballer (auch in Schubladen wie Breakcore oder IDM abgelegt) sehr geil mit klassischer Musik kombinierte. Dieses Album verkaufte sich sehr erfolgreich und verschaffte ihm auch außerhalb der Drumcomputermusik-Szene viel Anerkennung. Als eine Art Sequel ist nun das neue Werk "My Downfall (Original Soundtrack)“ zu sehen, krankt aber an folgendem Umstand: Der gute Aaron hat sich hier was zusammengeschustert, das zu bestimmt 80% aus reiner, klassischer Musik im klassischen Sinne besteht. Er versucht mit schönen Streicher-Melodien und Anknüpfen an musikalische Themen des thematischen Vorgängers der nächste Mozart zu werden oder so etwas in der Art. Lediglich der Track ‚The Hopeless Pursuit of Remission’ kombiniert Streicher mit komplizierten Rhythmen, ein weiterer geht ins jazzige, noch einer fällt als Softporno-Schlager völlig aus dem Rahmen, aber der Rest des Albums ist eine tonale Geschichte a la „Peter und der Wolf“. Wer will das hören? Ich jedenfalls nicht.

Etwas in die Belanglosigkeit verschwimmen mittlerweile auch die lange als interessante Avantgarde-Metaller gehandelten Australier ALCHEMIST. Ihr aktuelles Album „Tripsis“ bietet nix aufregendes, außer dem üblichen. Jenes ist zwar nach wie vor nett anzuhören, wenn man auf Gröl-und-Prügel-Musik unter Hinzunahme "sphärisch-spaceiger" Versatzstücke steht, aber von Weiterentwicklung oder neuen Impulsen fehlt ihrem Stil mittlerweile jede Spur – Stagnation auf ganzer Linie. Und das ist einfach zu wenig.

Mittwoch, 12. September 2007

Instrumental aus dem Sommer: BEASTIE BOYS & DUB TRIO

Moderne Instrumentalmusik ist momentan wirklich angesagt und auch ich kann mich nicht dagegen wehren, Bands wie 65daysofstatic oder Ostinato durchaus Begeisterung entgegen zu bringen. Andererseits ist das bei mir aber auch nichts neues, auch wenn ich mir einen Vortrag über Kong sparen werde. Momentan begleiten mich mit leichter Verspätung folgende 2007ener Alben auf Dauerrotation in den Herbst:

BEASTIE BOYS – The Mix-Up
Elf Jahre nach ihrer Instrumental-Compilation „The In Sound From Way Out!“ wagen die BB’s einen weiterne Anlauf komplett stimmloser Funk-Musik, nur dieses mal mit einem vollwertigem Album brandneuer Kompositionen. Überhaupt besticht die Band mal wieder dadurch, sich als einer dieser seltenen Alternative Acts unter Mainstream-Wahrnehmung, als im Hardcore-Punk verwurzelte Spaß-Rapper, die eben dennoch seriöse Vollblutmusiker sind und für die eine Schublade wie Hip Hop viel zu winzig ist, einen Dreck um Konventionen zu scheren, einfach drauflos zu jammen und das dann auf den Markt zu schmeißen. Heraus gekommen ist mit „The Mix-Up” eine 70ies-Vibes und Sommernachts-Gefühle versprühende Fahrstuhlmusik, die gut reingeht. Besonders hervorzuheben sind dabei vor allem das mit viel Hall psychedelisch-verdrogte ‚The Gala Event’ und das regelrecht rockende ‚Of The Grid’.

DUB TRIO – Cool Out And Coexsist
Dass ich diese Band erst jetzt für mich entdeckt habe, ist fast schon sträflich, frönen sie einen seltenen Crossover: Dub, mit alle seinen typischen Hall-Effekten, rhythmischen Figuren wie Offbeat-Gitarren und so weiter, trifft auf irgendwas zwischen Noiserock, Punk und Metal. Rein instrumental - außer zum Beispiel bei einem Song (auf dem DT-Album 'New Heavy') mit Mike Patton, der in überarbeiteter Fassung auch als Schlusstrack auf dem Peeping Tom-Album landete. Und ja, das macht Spaß. Das aktuelle Live-Album „Cool Out And Coexsist” überzeugt neben der Momentaufnahme einer spontanen musikalischen Inszenierung vor allem durch einen sehr lärmigen, brachialen, druckvollen, alles niedersägenden und -kloppenden Sound, der schon ein bisschen im Gegensatz zur dagegen etwas verhaltener und trockener klingenden Produktion der ebenfalls hörenswerten Studioalben „Exploring the Dangers of” und ”New Heavy” steht. Geile Band! Muss man im Auge/Ohr behalten.

Montag, 3. September 2007

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE - Rauchen und Yoga

Mitte Oktober erscheint das mit „Rauchen und Yoga“ gewohnt ironisch betitelte neue Album dieser Band namens JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE. Und als langjähriger Fan/Freund/Supporter dieser großartigen Combo ist es mir ein besondere Freude, auch mit größtmöglicher Objektivität verkünden zu können, dass dieses Werk der totale Hammer ist. Nicht nur innerhalb des gerne etwas skurrilen JaKa-Kosmos, sondern auch im gesamten Genre-Kontext. Anstatt in irgendeine Richtung zu tendieren, scheinen die Jungs hier einfach ein paar Schüppen mehr von allem draufzulegen. Nie war ein JaKa-Album so catchy, dann aber doch wieder mehr mit experimentellen und jazzigen Schlagseiten gespickt. Brutaler, verquerer Prog-Death Metal trifft auf Mitgröl-Punk und allerlei Gimmicks wie Samples, Techno-Sounds und Percussioneinlagen. Auf die Idee, einen primitiven, dennoch unkonventionellen Midtempo-Stampfer mit Hit-Potenzial als Opener zu verbraten und erst dann Frickel-Grind auszupacken, muss man auch erst mal kommen. Zudem hatte die Band selten eine derart fette, dichte und dabei sehr lebendig klingende Produktion. Ich bin hin und weg.
Interview und offizielles Albumreview für eine Fachpublikation folgen noch …