Donnerstag, 23. August 2007

BARONESS - the red album

Freunde von Mastodon, Keelhaul, Isis und co. aufgehorcht: Relapse Records hat in Kürze das Full Length-Debüt von BARONESS am Start.

Schon die beiden 3-Song-EPs ‚First’ und ‚Second’, sowie der Split-Release mit den Unpersons wussten mit ihrer ungehobelten aber dennoch regelrecht epischen Mixtur aus extremer und traditionellerer Rock/Metal-Musik, kombiniert mit einer gewissen Gesamtwerk-Herangehensweise, zu gefallen. Besonders angetan hatte es mir seit eh und je der Song ‚Vision’, der als 8minütige Spannungskurve eher schon in Richtung Pink Floyd’schen Postrocks tendierte.

In genau diese stilistische Ecke hat die Ami-Combo nun auch den Schwerpunkt ihres aktuellen Album-Materials verlegt. Die Sludge/Hardcore- und Death/Black Metal-Einschübe der vorangegangenen Veröffentlichungen wurden hier ähnlich wie bei Mastodon’s „Blood Mountain“ zurückgeschraubt, zugunsten einer noch stärkeren Schlagseite in Richtung von Post- und Progrock, Dudel-Metal, 70ies-Pschedelik, Jazz-Jam, Stoner-Schulterblicken und auch Drone-Elementen. Die Vocals haben sich dabei von reinem Gebrüll und Gegröle mittlerweile mehr zu so einer Art Schrei-Gesang der Marke Devin Townsend weiterentwickelt und werden auch sehr gewählt eher wie eine gelegentliche Akzentuierung der Musik, denn als tragender Kernbestandteil eingesetzt.
Interessant anzumerken ist dabei noch die Art und Weise, in der BARONESS Musik in teilweise nur ca. dreiminütige und nur selten wirklich lange Tracks packen, bei der man das Gefühl nicht los wird, dass sie eigentlich auf drei mal so viel Spiellänge betragende Epen gestreckt werden müsste. Funktionieren tut das dann auch tatsächlich mal wieder am besten im Gesamtkontext der vollen Albumlänge „am Stück“. Womit dieser Band wie kaum einer zweiten der Kunstgriff glückt, „künstlerisch-progressives“ mit „Punk/Rock’n’Roll-Attitüde“ darzubieten.
So geht Post-Metal at it’s very best!

Playlist 23.08.2007

1.) Baroness - "The Red Album"
2.) Prong - "Power Of The Damager"
3.) Players Club - "Regenesis" & "coextinction"
4.) Ministry - "The Last Sucker"
5.) Municipal Waste - "The Art Of Partying"

GENEPOOL zum zweiten

Indie-Produzentenguru und Bassist Guido Lucas(Scumbucket), Smoke Blow-Rampensau Jack Letten und ihre Mutmusiker holen zum zweiten Langspielplatten-Angriff unter dem Namen GENEPOOL aus. Wirklich geändert hat sich einerseits nicht wirklich viel, andererseits klingt „Sendung/Signale“ aber doch ganz schön anders, als das Vorgängerwerk.
Da wo „Everything Goes in Circles“ als zeitgenössisches, originelles LoFi-Revival früher Wave-/Post-/Punk-Spielarten durchging, dabei aber doch fest im Sattel der Rockmusik mit krachigen Gitarren sitzen blieb, da macht die aktuelle Scheibe einen konsequenten, wenn auch unerwarteten Sprung zur Seite. Und während die grundsätzliche, retrospektiv-stilistische Formel unberührt bleibt, wird sie nun mit einer gehörigen Portion Elektro-Pop vermengt. Das billig anmutende Old School-Gepiepe der Keyboard-Zusätze klingt allerdings zu keinem Zeitpunkt irgendwie albern, sondern fusioniert perfekt mit dem, was man kennt. Und das reicht mit Ohrwürmern en masse von der melancholischen Schmusenummer bis zum rasanten Rock’n’Roller.
Außerdem bin ich mal gespannt, ob noch irgendein Hörer dieser Scheibe das Gefühl hat, dass hier mehrere Songs so etwas wie eine thematische Einheit bilden (Zombie Of Love, Just A Dream, …).

Municipal Waste - The Art Of Partying

2009 noch mal auf das Album geguckt bzw. immer wieder gerne mal angehört, fühlte ich mich gezwungen das infantile Review von damals mal zu löschen, empfinde aber diese Scheibe inzwischen bereits als Klassiker. Wenn schon spaßbetontes Retrogeprügel, dann so und nicht anders.

Dienstag, 21. August 2007

ENTOMBED - Serpent Saints

Sehr schwer tue ich mich damit, das aktuelle ENTOMBED-Album definitiv gut oder schlecht zu finden. Und ich habe weder im RockHard noch von sonst irgendeinem Kollegen bisher irgendwo ein Review gelesen, das zu dieser Scheibe wirklich den Nagel auf den Kopf trifft.
Die grundsätzliche Herangehensweise der Band an dieses Album finde ich toll und lobenswert: Sie versuchen gar nicht, es irgendwem recht zu machen. Die Schweden, die am Anfang ihrer Karriere gleich zwei Genre-Schubladen der harten Musik überhaupt erst miterfunden haben (Schweden-Death, Death’n’Roll), wollen sich aber offensichtlich auch sehr bewusst und gewollt gegen den Strom stellen. Anstatt ihre Albumaufnahmen digital nachbessern und künstlich klingen zu lassen (wie es längst Konvention ist), bevorzugen sie auf „Serpent Saints“ einen dreckigen, spartanischen Sound. Das finde ich ja grundsätzlich schon mal ansprechend. Auch musikalisch klingen sie so böse, düster und brutal wie lange nicht mehr (gilt vor allem auch für die Vocals), gehen aber nicht wirklich ‚back to the roots’. Eigentlich schwingen sie sogar über weite Strecken einfach nur eine primitive Crustcore-Keule, was dann auch ihrem ‚Rotzrock-Einschlag’ weiterhin gerecht wird.
So weit, so gut. Leider kommt dabei kein Album raus, das mich fesseln kann. An einigen Stellen kommt die Kombination aus Primitiv-Geprügel und Roh-Sound so billig daher, dass selbst ein Freund gröberer Klänge wie ich da ein wenig die Nase rümpfen muss. Trotz aller Ambitionen der Naturbelassenheit hätte man sich sowohl bei der Produktion, als auch beim Songwriting etwas mehr Mühe geben dürfen, anstatt einfach nur alles so dahinzuscheißen, wonach dieses Album nun mal riecht. Vereinzelte großartige Momente, wie das stark Slayer-eske Gegroove von „When in Sodom“, werden nämlich von kleineren Klogriffen etwas unmotiviert dahingerotzter Passagen runtergezogen. Was dieses Album sowohl stilistisch als auch qualitativ irgendwo in einem „Weder Fisch noch Fleisch“-Mittelfeld einpendelt.
Und das ist sehr schade. Hier hätte weitaus mehr drin sein können!

Mittwoch, 15. August 2007

THE CRACK WHORE SOCIETY - Rock'n'Roll für richtige Männer

Eine weitere „Neuentdeckung der Stunde“ habe ich mit der Berliner Combo THE CRACK WHORE SOCIETY zu verzeichnen. Etwas amüsiert bin ich ja über den Kollegen vom Visions Magazin, der beim selbstbetiteltem Debüt-Album eine musikalische Nähe zum 2003er Album „German Angst“ meiner Lieblingsband Smoke Blow sehen will. Naja. Von den stilistischen Grundzügen her würfeln TCWS zwar auch PunkRock’n’Roll, Hardcore und Stoner-Versatzstücke zusammen, bringen das Ganze aber auf einen simplifizierten Garagenrotzrock-Nenner, den die Kieler SB mit ihrem verhältnismäßigen Facettenreichtum vom cheesy Stadionrocker über verkiffte Noise-Experimente bis zu rasantem HC-Geprügel eigentlich umfahren.

THE CRACK WHORE SOCIETY sind – im positiven Sinne – musikalisch so sinpel gestrickt, dass mir außer den typischen Standartphrasen a la „schmutzig und voll auf die Fresse“ nichts wirklich weiteres zur veranschaulichenden Erklärung dieses Albums einfällt. TCWS haben vor allem eins: Eier. Die Produktion ist tief, massiv, lärmig und druckvoll. Die Band geht aggressiv und fies zu Werke. Und doch prügeln die Kollegen dabei einen Rock’n’Roll-Ohrwurm nach dem anderen raus, als würde man trotz aller Härte ja doch ein bisschen auf die Charts schielen. Sehr geil!
Anspieltipps: Lowrider, The Grindking, das fast schon Zeke-eske High On The Heels Of Love und das gesetztere Goodbye

Sonntag, 12. August 2007

BLACK STROBE - französischer Industrial-Rock und Dance-Metal

Zu meinen persönlichen Entdeckungen der Stunde gehören die Franzosen BLACK STROBE, die fast schon altbacken eine Mixtur aus Rock’n’Roll bis Metal und jeder Menge Wave/EBM/Industrial/etc.-Kram frönen. Eigentlich machen sie mit dieser Schnittmenge aus Bands wie NIN, Depeche Mode, Die Krupps, Front 242, Marylin Manson, Nitzer Ebb, Stabbing Westward und co. nichts, was man nicht schon mal aufregender gehört hätte, sie machen diese Sache aber eben doch sehr gut.
Ihr erster richtiger Longplayer „Burn Your Own Church“ hat zudem mit dem Opener ein richtiges Schmankerl zu bieten: ‚Brenn di ega kjerke’ (norwegische Übersetzung des Albumtitels) ist, rein instrumental, mit einer Mischung aus so etwas wie treibendem Trance-Techno und Gitarrenwänden irgendwo zwischen lärmigen Orchestral-Postrock und Black Metal ein Ungetüm eines Dancemetal-Songs, wie man ihn seit Jaaaahren nicht mehr gehört hat, was mich als Freund von längst in Vergessenheit geratene Ausnahme-Combos wie Kong ganz besonders freut.

Interessant anzumerken ist der Umstand, dass diese Band ursprünglich mal vor 10 Jahren als 2-Mann-Act in der House/Techno/Dance/Club-Szene startete, sich zwischendurch im Electroclash-Hype bewegte und mittlerweile zu so etwas wie einer Rockband mutierte.
Hier liegt auch ein bisschen der Wehrmutstropfen dieser Angelegenheit. Der angesprochene Eröffnungssong des Albums, sowie vereinzelte Gehversuche, die von der Band wenige Jahre zuvor auch im Feld des rein elektronischen EBM/Industrial/“Club-Bumbums“ unternommen wurden, sind meiner Meinung nach nicht nur ihre besten Tracks, sondern brauchen den Vergleich zu anderen Genre-Größen absolut nicht scheuen.

Freitag, 10. August 2007

Playlist 10.08.2007

1.) Baroness - Songs auf der Split mit den Unpersons
2.) Black Strobe - "Brena di Ega Kjarhe" (Song)
3.) The Crack Whore Society - dto.
4.) Genepool - "Sendung/Signale"
5.) Strongbow - "The Message" (Grandmaster Flash-Coversong)