Dienstag, 1. April 2025

Quartalsbilanz 01/'25

Ja, so machen wir das jetzt... Und nein: Kein Aprilscherz involviert.

Der Weihnachtsurlaub und Jahreswechsel, bzw. ein Großteil des ersten Quartals '25 standen interessanterweise unter dem Motto "persönliches Postrock Revival", denn zu einer Godspeed You! Black Emperor Aufarbeitung plus Neuerscheinung kam dann auch noch eine Mogwai-Revisitation dazu, die ebenfalls eher schon zufällig mit einem ganz aktuellen Album jener schottischen Band zusammenfiel (s.u.).
Dass ich alle Jubeljahre dann doch auch immer wieder mal bei sowas lande ist eigentlich nur logisch, denn Instrumentalmusik irgendwo zwischen orchestralem Ambient, krachiger Rockinstrumentierung, Experimenten bis ins elektronische
und drumrum dann auch noch mit so einem gewissen Punk-Spirit ist halt schon auch einfach eines dieser drei, vier "ziemlich mein Ding"-Dinger.
In solchen Traditionen sehe ich meine eigene Instrumentalkrach-Band ja irgendwie
sogar auch noch etwas mehr, als dass ich die zugegeben vorhandenen Metal-Wurzeln zu sehr betonen möchte...
Und so ein bisschen vermisse ich ja außerdem die Zeiten, in denen das Bochumer Label Denovali auch vage für solche Styles stand und ein jährliches Festival in Essen ausrichtete, bei dem dann Acts wie Nadja, Barn Owl, Aun, Heirs, The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble, Switchblade, N oder neben der sozusagenden Lokalheldengröße Bohren sogar auch mal Demdike Stare oder Sunn o))) aufspielten. Schade, dass dieses durchaus in gewisse Breiten schielende Nischen-Konzept von und für Liebhaber dann damals doch nicht so ganz aufging und sich das Label musikgeschmacklich inzwischen auch noch so ein bisschen weiterverschoben hat... Nun ja.

Tatsächlich trat parallel außerdem eine Phase ein, die sich '24 schon etwas mehr abzeichnete: Ich steh' wohl doch auch wirklich auf wabernde Atmo-Bassmusic und bebenden Wobblism im Sinne von Mittnuller- bis Frühzehner-, sowohl Deep- als auch Dirty-Dubstep aus dem Hause Deep Medi / DMZ, Tectonic, Hotflush etc, bis zu Goth-Trad'schen Industrial-Anwandlungen (und dann gab's da für's noch tiefere Wühlen in den richtig dunklen Ecken natürlich auch noch kurzlebigere Sublabels in den noch tieferen Nischen der eh schon geschätzten Düsterhart-Elektroniker-Ecken wie etwa Ascension oder Resist).
Natürlich, solange das alles nicht "Brostep"- oder "Riddim"-mäßig zu albern wird, was man ja leider immer dazu sagen muss.
Jedenfalls
hatte ich dann jetzt auf einmal doch nochmal schwer Bock, tiefer in was einzutauchen, während dessen erstem Heyday ich eigentlich nur an der Oberfläche einiger Hyperdub-, Planet Mu- oder Ad Noiseam-Langspielveröffentlichungen gekratzt hatte.
Und m
al ganz abngesehen davon, dass Zeitgenossen wie Kevin Richard Martin, Justin K. Broadrick, Mick Harris usw. schon vor und seit Jaaaahren beträchtliche Vorarbeiten geleistet haben, mir derartiges schmackhaft zu machen, ist's halt inzwischen auch so, dass dieser einst sehr Alben-orientierte Musikhörer mit Metal-Sozialisation und Fetisch für abseitigem Lärm dann halt doch noch mal völlig zum DJ-/ Clubmusik-Versteher mit Vorliebe für Styles im Stammbaum "Windrush"-geprägter Soundsystem-Kultur mutiert ist
Ja, meinetwegen bin
ich wirklich, wirklich seltsam, allerdings steh' ich halt dazu. Denn hier sind wir mal wieder an der Stelle, dass einem Musik soooo viel zu entdecken bieten kann, und ein so obsessiv zur fokussierten Spezialinteressenverfolgung die Weichen gelegentlich mal wieder ein Dorf weiter stellendes Autismusopfer wie ich nicht so ganz weiß, ob er diese kartoffelbäuerlichen Leute, die ihr Leben lang nur einen mehr oder minder gleichbleibenden Pool an Dräsch- und Dess-Meddl-Acts verfolgen und dabei kaum noch nach vorne, hinten oder links schauen wollen, bedauern oder beneiden soll. Denn das ist dann wohl vielleicht etwas einfacher, aber es ist eben auch.... viel zu einfach.

Aber wir schweifen ab. Grundsätzlich ist dieser Zuwachs im wirren Dickicht der musikalischen Neigungen dann wiederum wohl auch nicht wirklich verwunderlich, denn derartiges ist ja jetzt nicht weit von Jungle/ Drum'n'Bass entfernt, und das ist wiederum halt auch schon eines dieser "total mein Ding"-Dinger.
Was eine gute Überleitung zur Reviewrampe ist, denn da finden wir natürlich auch wieder Breakbeats und Bassweight, allerdings doch auch wieder mehr Rockmusik und Bollergröl-Lärm, als ich selbst kurz vor Jahresstart noch gedacht hätte....


Gehörte Musik und gekaufte Platten Jahrgang '25...

Acid_Lab - The Unspoken
(Offish Productions)
Da ist er schon wieder hin, der Vorsatz „mal ein paar Special-Interest-Platten weniger schießen, anstatt das Geld nur so verschleudernd kein Herr mehr über die Berge von Tonträgern zu werden...“, aber bei sowas wie dem hier kann ich einfach nicht widerstehen:
Optionales Bundle von limitierter Lathe-Cut-10" plus CD-Version mit Bonus-Tracks in geiler Aufmachung für zusammen nicht mal 'nen Zwanni (plus Versand, versteht sich)? Wow, voll geil, nehme ich!
Der auch schon seit bestimmt zwei Dekaden unter diversen weiteren Pseudonymen aktive Daniel Schwerdel alias Acid_Lab tut sich hier mit
Offish Productions, dem polnischen Spezialisten-Label für Dark-Jungle und Halftime-Drum'n'Bass zusammen und präsentiert uns auf der Platte mit dem derbe fräsendem Opener und dem Titeltrack zwei düster-minimalistisch eingefärbte und doch heftig-hektisch scheppernde Tearout-DnB-Smasher, mit "Expel Our Demons" abgefahrenes Tribal-Flair wie aus der Samurai Music-Ecke und abschließend klöppelt "The Devil's Work" ziemlich wild mit 'nem Schuss von Hard-Techno-Flavour daher.
Auf der CD gibt's obendrauf fünf Remix-Versionen der 10"-Tracks, u.a. vom Kollegen dreadmaul, dem geschätzten Rainforest aus Mexiko und natürlich Label-Betreiber
Offish himself.
Ziemlich geil, das alles!

BONG-RA - Black Noise 
(Debemur Morti Productions / Tartarus Records)
Das hier war jetzt 'ne ziemliche Überraschung. Man kennt Jason Köhnen ja von diversen Projekten, angefangen von Roots in einer Death-Metal-Band bis zu sagenhafter Musik irgendwo zwischen Electronica und Jazz via Denovali.
(Und als Überraschung Nummer zwei treten The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble & The Mount Fuji Doomjazz Corporation dann jetzt tatsächlich auch wieder auf.)
Sein primärer Alias BONG-RA stand allerdings die längste Zeit für Breakcore und somit häufig für hochenergetische Mashups aus Jungle-Breakbeat-Gewittern und auch schon mal Metal-Riff-Samples. Das Ganze hatte sich für ihn selbst jedoch irgendwann so ausgereizt, dass unter dem Namen zuletzt was erschienen war, das sich unter "meditativem" Motto eher in schleppenden, genauso krachenden wie in atmosphärische Tiefen aubtauchenden Instrumental-Doom-Gefilden mit Jazz-Elementen (nebst Trötenspieler usw.) erging. Inzwischen scheint aber auch das schon wieder passé, denn zwei vorab hörbare Songs dieses Albums erweckten im Januar direkt den Eindruck, dass
BONG-RA nun inkl. Gröl-Vocals schwerstens auf Godflesh macht, um die dystopische Gegenwart adäquat musikalisch zu vertonen.
Mit Köhnen als Künstler und mir, sowohl als Konsument seines Schaffens als auch als jemand, der selbst musikalisch kreativ und aktiv ist (wenn auch beiweiten nicht so produktiv wie er) ist's somit irgendwie so ein bisschen wie in einer Zeitreise-Geschichte, in der sich zwei Charaktere an unterschiedlichen Punkten in ihrem jeweiligen Leben immer wieder mal, in einer von außen betrachtet non-linearen Chronologie treffen: Jungle/ Drum'n'Bass, Breakcore, Denovali-Darkjazz, Doom, industriell-metallischer Aggro-Lärm... Alles Orte an die ich selbst
auch gehe, aber irgendwie winken wir uns dabei immer wieder mal eher, während der eine rauskommt und der andere reingeht beim aneinandervorbeireisen zu, als dass wir uns mal länger zusammen in der gleichen Zeitlinie aufhalten würden.
2025 steht BONG-RA jetzt jedenfalls auf einmal für ein tiefdunkles Extrem-Metal-Projekt mit Industrial-Kante, Growl-Vocals und Rückkehr zu Breakcore-Stilmitteln wie glitchy Breakbeat-Samples, um es grob einzuordnen irgendwo zwischen Godflesh, Igorrr ohne synphonische Theatralik oder einem düstereren Drumcorps, und dann noch mehr Godflesh-Worship.
Tatsächlich ist's damit auch 2025 so, dass Bong-Ra und ich uns irgendwie weiterhin so ein bisschen aneinander vorbei bewegen, aber zum Hallo sagen durchaus auch mal wieder etwas länger stehenbleiben. Soll heißen: Ich hab' mir die LP geschossen, zumal ich sowohl Bong-Ra (gerade auch die beiden vorangegangenen, jazzy-esoterischen Doom-Alben) als auch die an dieser Stelle unvermeidliche Referenz Godflesh mag. Und obwohl ich mich in diesen immer dystopischer werdenden Zeiten zuletzt immer mehr Hippie-esken Vibes anstatt noch mehr Tristesse, Dunkelheit und musikalischer Aggression hingeben wollte, wird ja nach wie vor zunehmend alles so scheiße gerade, dass derartiges wohl doch wieder verstärkt mein emotionales Innenleben widerspiegeln kann.
Ach ja, PS: Ich frag' das jetzt wirklich nicht für den Gossip, aber weiß eigentlich jemand was genau der Beef ist, den das niederländische Hartelektronik-Label PRSPCT mit Köhnen hat, was sie sogar zu einem postpubertären Diss-Track verleitete?


Darkai - Atonement 
(Deep Medi Musik)
Im Grunde genommen gibt es grob ja drei Arten von Musik, die unterm Stichwort "Dubstep" eingetütet werden: 1.) Die experimentierfreudig-soulfulle und Ambient-lehnende Verlängerung von UK-Garage, mit der Burial als gefeierter Ausnahmekünstler in der Musikwelt aufschlug, 2.) die groteske Schimpfwort-Assoziation mit überdrehtem Nu-Metal-Charakter, die Skrillex draus machte und 3.) dazwischen diesen zugegeben gerne schon mal recht generisch groovenden 140-BPM-Halftime-Headnodder-Kram mit dickem Bass-Alarm und einem gewissen Rest von tatsächlichem Dub-Spirit im Sound, der auch manchmal auf einem schmalen Grat zwischen cool und albern unterwegs sein kann und für den vor allem auch Mala's seit inzwischen fast 20 Jahren aktives Label Deep Medi Musik bekannt ist (für dessen ältere Releases bei Discogs mitunter schon absurde Preise aufgerufen werden).
Aber hier ist das Ding: Sogenannte Clubmusik darf/ kann/ soll halt funktional und „mixbar“ ausgerichtet sein, und so habe ich
zu letzterem in jüngerer Vergangenheit ja noch mal eine zunehmende Zuneigung wiederentdeckt, werde gelegentlich mal von 'nem Track oder 'ner EP aus der Richtung gepackt.
Darkai's "Atonement" ist die erste Platte Jahrgang '25, die sich dazugesellt.
Der Sprachsample-Titeltrack pocht derbe und etwas kaputt, die B-Seite "Ogun" drückt ebenfalls ganz geil durch's Genre-typische Dunkel-Dickicht.
Und ich kann Euch nicht mal wirklich erklären, warum ich's geil finde, aber ich tu's halt.
 


Dom & Roland -
Under The Spell EP
(
Individual)
Dom & Roland - Cold Summer / Full Moon
(Over/Shadow)
Das Cover von Dom’s neuster EP übers eigene Label Individual erinnert verwirrenderweise ein bisschen an die "Stone Techno"-Reihe vom Essener Label The Third Room, ansonsten hält der Londoner Kauz aber den Kurs, den er dort zuletzt eingeschlagen hatte:
"Under The Spell" kombiniert neue Versionen von zwei seiner Mittneunziger-Moving Shadow-Frühwerke, die zugegeben auch den entsprechenden Hauch angestaubt (und im Falle von "Re-Resistance" auch etwas weird und kaputt) klingen mit zwei ganz neuen Tracks, die ebenfalls ein bisschen Retro-Flair mitbrignen:
Der eröffnende Titeltrack (mächtiger Bass!) und die Vocal-Nummer "I'm Here To Stay" wagen dabei tatsächlich verhältnismäßig entspannte Jungle-Schulterblicke, und das durchaus mit gewisser Freshness.
Die Reinterpretationen der beiden älteren Nummern kommen wie schon gesagt so einen Hauch muffig, aber das macht eigentlich nichts.
Was Leute, die seinen Kram redundant finden, in diesem Fall dann zwar nicht wirklich vom Gegenteil überzeugen wird, aber ich mag den Dom & Roland Style halt grundsätzlich.
Denn, das kann und muss man an dieser Stelle dann jetzt ruhig mal so sagen: Da wo mir sein alter Kumpel Ed Rush zuletzt ein bisschen zu sehr versuchte, einer zeitgeistig-überfrachteten Neurofunk-Soundästhetik mit Kochtopf-Snares hinterher zu eifern (und das mit durchwachsenen Ergebnissen), und da, wo sein anderer früherer Weggefährte Trace zu recht simpel anmutenden Techstep-Produktionen neigt, die mir dann wiederum manchmal so eine ganze Spur zu trocken klingen, da haben Dom's Sounddesign und Arrangement-Verständnis dann im Vergleich einfach doch so ein gewisses Etwas. Bei ihm scheppern die Breakbeats noch auf Arten und Weisen, wie sie es in moderneren DnB-Ecken heute sonst nicht mehr tun, bei ihm haben die Sample-Soundscapes eine gewisse Klangsubsstranz, und bei ihm schimmert auch gerne mal ein Hauch von Wärme durchs mechanische Dunkel.
Und wie bei Over/Shadow-Veröffentlichungen üblich landete seine im Vereinigten Königreich offiziell schon gegen Ende vergangenen Jahres vorläufig unters Volk gebrachte 12" über besagtes Neuzeit-Label der alten Hasen dann erst 'nen Monat später auf den hiesigen Vertiebswegen.
Die "Cold Summer"-Seite der Platte ist dabei Dom at his very, very best: Atmosphäre, Vocals, fast schon gänsehautverdächtiger Reese-Einsatz im Build-up, technoider Rave-Alarm leitet in die Amenbreak-Eskalation auf der Grenze zum Kollegen Tech Itch über. Das epische Arrangement mit erstem Beat-Drop erst nach zwei Minuten ist dabei jetzt vielleicht nicht sein aller-aller-DJ-freundlichstes, aber in aller Straightness doch auch etwas mehr als es bei anderen Tracks von ihm manchmal so der Fall ist. Und wenn die Nummer dann abgeht ist's einfach nur "Yeah!". Ganz ohne Scheiß einer meiner absoluten DnB-Favoriten der jüngeren Vergangenheit, ich bin schon dabei, die Platte völlig abzunudeln.
Das etwas simpler gehaltene "Full Moon" kann da nicht gaaanz mithalten, aber das ist bei dieser, in Sachen Kicks und Subbass ziemlich derbe drückenden Nummer dann wirklich Meckern auf allerhöchstem Niveau, denn wie immer ist das Dom & Roland @ Over/Shadow Niveau auch auf jener Plattenseite ein sehr hohes.
Da kann ich jetzt nur mal wieder mit dem abschließen, mit dem ich bei Dom immer abschließe: Ich bin halt schon irgendwie echt Fan!
 

Godflesh - A World Lit Only By Dub
(Avalanche Recordings)
Da wir ja oben schon sowohl über Godflesh selbst, als auch über britische Musikkultur im Stammbaum der "Windrush"-Einflüsse geredet haben, muss man auch noch mal kurz darüber reden, dass die physische Platte zu diesem digital schon seit Dezember erhältlichem Release dann nun auch noch kam:
Unter dem Titel "A World Lit Only By Dub" hat Justin Broadrick eine Remix-Ergänzung zum 2014er Godflesh-Album "A World Lit Only By Fire" rausgetan.
Der "Dub" bezieht sich hier natürlich eher auf die produktionstechnische Vorgehensweise als auf den Vibe der Musik, die natürlich nicht viel mit Reggae oder verhallt-atmosphärischem Minimal-Techno zu tun hat. Direkt von „Industrial-Dub“ zu sprechen macht also wahrscheinlich mehr Sinn, denn fünf der zehn Reguläralbum-Songs wurden durch eine Mangel gedreht, aus der sie länger und bodenloser rauskamen, teilweise dann auch noch etwas noisiger und verrauschter, dunkler und monochromatischer, reduzierter und dann doch auch etwas weiter.
Diese krude-experimentelle Schlagseite des Ganzen ist nix für jeden, aber gerade auch Godflesh sind halt eines dieser „gehen immer“-Originale für mich, während dubbige Remix-Experimente aus dem Soundbastler-Keller auch etwas sind, das einfach mehr zu mir spricht als das meiste an generischer Rockmusik. Es ist halt einfach so.
Ich würde im Übrigen wahrscheinlich sogar so weit gehen, die "A World Lit Only By Dub"-Reinterpretationen geiler zu finden als das ursprüngliche Albummaterial.

 

Iggor Cavalera / Shane Embury - Neon Gods / Own Your Darkness
(Cold Spring)
Wisst Ihr was? Ich sage das jetzt mal ganz ungeniert so wie es wirklich und tatsächlich ist: In meiner eigenen Band gibt es so schlimme Tendenzen dazu, ein neurodivergenzgestörter Eigenbrötler mit wenigen Freunden, ein völlig verzettelter ADHS-Patient mit weitgehend ruhelosem Alltag oder ein gigaphlegmatischer Lowperformer mit ganz anderen Erwachsenenalter-Prioritäten zu sein, dass wir das mit der Selbstvermarktung null auf die Reihe kriegen und man sich, natürlich ohne wirklich einen Fick auf sowas zu geben, schon manchmal darüber wundert, wie andere Hobbykrachmacher so viele Dezimalstellen mehr an sozialmedialen Followern haben können. Verblüfft, erstaunt und begeistert war ich dann allerdings umso mehr darüber, ziemlich unerwartet mit Original-Sepultura-Drummer Iggor Cavalera und Napalm Death-Bassist Shane Embury zwei meiner musikalischen Helden in einer sozialmedialen Follower-Liste meiner eigenen Band zu sehen, in die es ansonsten so manchen persönlichen Bekannten mit bechränktem Musikgeschmack noch nicht reingezogen hat, weil's solche halt nicht wirklich interessiert. Qualität statt Quantität, was? Und irgendwas müssen wir dann wohl doch irgendwie richtig machen...
Dass beide neben ihrer Baller-/ Krach-Musik auch Elektroniker und Synthesisten sind, das war bereits bekannt, und so kredenzt uns das traditionsreiche britische Industrial-Label Cold Spring hiermit einen Split-Release der beiden.
Embury's nicht ganz viertelstündiges Dark-Ambient-/ Synthesizer-Drone-Stück "Own Your Darkness" ist dabei wahrscheinlich mein Favorit der beiden Plattenseiten.
Cavalera's Seite ist ein fast zwanzigminütiger Power-Electronics-Trip, der verschiedene Phasen
durchläuft, durch dunkle Soundscapes und bis derbem Death-Industrial-Noise, gegen Ende ertönt sogar seine Stimme.
Grundsätzlich finde ich es tatsächlich sehr inspirierend, wenn Leute, die auf Bühnen spielen, vor denen viele „Meddl-Kutten
“ stehen, auch derart experimentelle Anwandlungen durchziehen.
Facebook-Kommentare auf einer Metalmagazin-Seite hierzu waren dann nämlich
(natürlich) u.a. sowas wie "Nobody cares", "Really bad stuff! Unnecessary !!!!" oder "This needs to stop.", weswegen ich sage: Mehr davon! Gestoppt werden müssen eigentlich nur die unnötigen, keinen interessierenden Rumnörgeleien dumpfer, mittelalter Meddl-Fans an allem, was außerhalb ihrer nur vorgekautes an sich ranlassenden Kartoffelkopp-Komfortzone liegt. Aber eigentlich auch nix wirklich gegen Kartoffeln, ich esse ja durchaus sehr gerne welche..


Karla Kuvlt - Thunderhunterr
(
Exile on Mainstream)
Exile on Mainstream zum ersten: „Du hörst ja echt diese ganzen Kanzler-Bands“ stellte ein an dieser Stelle namentlich nicht genannter Vollprofi-Musikjopurnalist vor Jahren mal auf eine Art und Weise fest, die es schon zuließ sowas wie einen Hauch von überheblichem Amusment oder ablehnender Irritiation aus seinem Tonfall rauszuhören.
Ja, viele der Bands, die „der Kanzler“, wie EOM-Betreiber Andreas Kohl auch genannt wird, auf seinem Label rausbringt, finde ich tatsächlich ganz gut. Und nur weil die Dir irgendwie nicht genug Rockstar-mäßiges Prestige mit zukünftigen Titelseiten-Potenzial ausstrahlen, macht das besagte Bands nicht unbrauchbarer, ganz im Gegenteil ist es sogar so, dass der Kanzler in der hiesigen Musiklandschaft mit seinem Nischengeschmack schon seit zweieinhalb Dekaden durchaus auch ein paar interessantere Akzente gesetzt hat als der Welt erstmal einfach nur Selfies mit Danko Jones zeigen
zu müssen, also fuck you. Aber stopp, ich wollte '25 ja mal weniger negativ sein, denn das ist die Welt auch so schon genug...
Karla Kuvlt jedenfalls ist eine ganz neue Band, die Markus E. Lipka, bekannt von Eisenvater*, Rossburger Report und auch solo, mit seinem Sohn und dessen Frau (wiederum auch Melting Palms) bildet. So weit ist es schon... Inzwischen sind auch nischige Krachmaten generationsübergreifende Familienunternehmen, Zwinkersmiley.
(*Und natürlich geht das hier jetzt eigentlich nicht, ohne
sich an dieser Stelle erstmal darüber auszulassen, wie großartig und unterbewertet Eisenvater waren und sind und die Frage, wann denn da jetzt endlich mal das schon lange in Mache befindliche nächste Album kommt usw. usw., aber hiermit möchte ich es dann auch abhaken.)
"Thunderhunterr" ist wohl das, was man auch unter sowas wie „Doomgaze“ eintüten möchte: Im Laufe von sieben Tracks ergeht sich das Trio durchaus facettenreich in wuchtigst lärmender Gitarrenwand-Musik, in die eine weibliche SIngstimme eingebettet ist, mal doomiger, mal kantiger, durchweg supermassiv. 
Gefällt mir ziemlich gut!
Der Kanzler sitzt als hauptberuflicehr Vinyl-Vollprofi
ja sozusagen an der Quelle, trotzdem muss man zum Schluss dann noch mal eben zusätzlich feststellen:
18 € für LP+CD! Macht das mal nach, wenn Ihr könnt @andere_Labels...

Mogwai - The Bad Fire 
(Rock Action)
Wie oben schon geschrieben fielen die Veröffentlichung der aktuellen GY!BE im vergangenen Jahr und die ganz neue Mogwai dieser Tage eher zufällig in eine Phase, in der ich ganz generell mal wieder Bock auf genau solche Musik und eben diese Bands hatte, so unterschiedlich voneinander sie im Direktvergleich dann auch doch sein mögen.
Es bewegt sich halt alles in Kreisen, und irgendwo zwischen musikalischen Vorlieben und Interessensschwerpunkten unter solchen Stichworten wie Doom Metal oder Noiserock, aber neben gelegentlichen Krautrock-Zeitreisen eben auch noch Ambient, IDM u.ä. ist eine zwischendurch mal wieder zunehmende Zuneigung zum sog. "Postrock" wohl auch nur logisch.
Also wurden im Falle von Mogwai auch mal wieder die vorhandenen Sachen hervorgekramt, ein paar Reissues bisher vernachlässigter älterer oder auch nicht mal ganz so alter Alben geschossen (darunter erstmals auch das ziemlich gute 2021er Chartstürmer-Album "
As the Love Continues") und das ganz aktuelle Werk mit in die Rotation genommen.
Erkenntnisse? Joah, klar, natürlich stehe ich ein bisschen mehr auf die Mogwai, die in der Vergangenheit durchaus auch Krachwände von gewisser Roughness hochzogen und/ oder Kompositionen auch schon mal episch auswalzten (ich würde sogar so weit gehen, dass das seinerzeit von Steve Albini aufgenommene "My Father, My King" und der Kunstinstallations-Soundtrack "Music for a Forgotten Future (The Singing Mountain)" zwei meiner absoluten Lieblingsmusikstücke sind), und sogar zwischndurch humorig Sabbath coverten, als auf die, die sich dann auch gerne mal so ein bisschen in Richtungen von kompakteren, relativ gefällig Indierock-/ Shoegaze-/ Dream-Pop-lehnenden Tunes mit (Vocoder-)Vocal-Parts o.ä. inkl. einer gewissen Portion Kitsch ergehen, denn auch sowas gibt's bei Mogwai. Auf diesem neuen Album dann deutlich nochmal etwas mehr, als auf dem erfolgreichen Vorgänger, welcher in meinen Ohren etwas erdiger klang.
Aber wisst Ihr was? Ich wollt's halt trotzdem gut finden und es ist mir gelungen. 
Diese 
Art von nicht mal wirklich altersmilder, sondern durchaus vital vorgetragener Ambivalenz zwischen schwermütigen Stimmungen und aufbrechendem Optimismus, wie sie im "The Bad Fire" Material teilweise mitschwingt, kommt einem Vibe gleich, auf den ich mich derzeit tatsächlich einlassen kann und möchte, wenn auch vielleicht nicht wirklich an jedem Tag.
Natürlich gibt's sie aber dennoch, die Songs, welche trotz Rockband-Instrumentierung einen orchestral anmutenden Sog entfalten, der herrlich ist. "Hey Chaos" z.B. geht fast schon in sowas wie 'ne Deafheaven-eske Richtung (und ich finde
Deafheaven ja ehrlich gesagt ziemlich sch... garnicht mal so gut, aber die sind halt das Synonym für bläckmetallisches Gitarrengeschrubbe aus der Indierocker-Perspektive), die treibend und flirrend hervogebrachte Melancholie von "What Kind Of Mix Is This?" ist einfach nur wunderbar, und so ein getragen-gemächlicher Aufbau wie der von "If You Find This World Bad, You Should See Some Of The Others" gehört halt mit zu den Sachen, den diese Band einfach am besten kann.
Bei Songs mit stärkerer poppiger Schlagseite ist
die Mogwai'sche Soundästhetik 2025 zwar nicht immer sooo 100%ig mein Ding (solche Nummern wie "Fanzine Made Of Flesh" oder "Lion Rumpus" kann ich je nach Tagesform wohl auch schon mal etwas schwierig finden), aber auch solche haben manchmal dennoch so einen Krautrock-beeinflussten Groove mit punkiger Ruppigkeit als Grundlage, was den Energiepgel anzieht.
Summa sammarum ist's schon ziemlich cool, dass ich trotz aller „so viel Musik, so wenig Zeit“-"Problematik" dann gerade auch mal wieder das Mogwai-Gesamtwerk für mich wiederentdeckt habe, denn die Schotten bringen durchaus musikalische Farbtupfer und speziellere Stimmungen mit in meine Playlist, durch die eben diese verbeitert und bereichert wird. Auch wenn  "The Bad Fire" wohl
kein Album in meiner persönlichen Top-5 der Band ist.
PS: 1½LPs statt 2LPs sind ja auch irgendwie so ein Ding, aber da will ich jetzt mal nicht zu kleinlich sein...

 

Micky Finn & Aphrodite feat. MC GQ - Awol / Dark Selector
(Okbron)
"Any new jungle in, guy?" Teil des Konzepts von Okbron ist ja, neben der Veröffentlichung aktuellerer Musik ähnlichen Spirits gerne auch mal weitgehend unveröffentlichte Golden Age Jungle/ Drum'n'Bass Tracks hervorzuholen, die es noch nie zuvor auf Vinyl gegeben hat. Damit haben sie kein Alleinstellungsmerkmal, denn dass sich Producer und Label-Betreiber durch ihre DAT-Archive wühlen, um irgendwelche Dubplate-Tunes, die in den 90ern bei Raves liefen, aber nie wirklich Massenmarkt-mäßig veröffentlicht wurden, dann nun 25-30 Jahre später
doch noch einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, das gab' und gibt's auch unter anderen Label-Logos natürlich immer wieder mal. Oft klingen solche Sachen dann halt auch genau so und sind somit wirklch eher was für dabeigewesene Nostalgiker und komplettistische Musikhistoriker, weswegen Ihr an derartigem nicht so wirklich viel auf diesen Blogseiten vorfindet, aber der gelegentliche Release aus dieser Richtung macht dann halt auch schon mal sehr viel Spaß.
Und so ist's halt mit diesen beiden Frühwerken von Hausnummer Aphrodite und seinem auch nach wie vor aktiven Langzeitkollaborateur Micky Finn, offiziell lizensiert von ihrem Label Urban Takeover, zusammen mit dem
ebenfalls immer noch auf Releases und Event-Billings auftauchendem MC GQ, die '95 mal als Azetat-Zehnzoller existiert haben sollen.
Der sich durch beide Tunes ziehende Funk-Flavour ist etwas für diese Ära mehr oder weniger typisches ("Circles", Reprazent etc.), das man im heutigen Drum'n'Bass fast schon vergessen hat (sage ich als jemand, der früher ja eigentlich auch immer eher so die düsterharten und/ oder techigeren Gagarten bevorzugt hat).
Echt bockende Zeitkapsel!


Noisepicker - The Earth Will Swallow The Sun
(
Exile on Mainstream)
Exile on Mainstream zum zweiten: Harry Armstrong ist ein unverbesserlicher Lifer, der mir sympathisch ist. Nicht nur, weil wir schon mal über unsere geteilte Liebe zum kanadischen Häwiemeddl-Unikat Voïvod “gebonded” haben, sondern auch weil der Brite, u.a. mit Vergangenheit in einer deathmetallischen Electric-Wizard-Vorgängerband und aktuell wiederholtem Mitwirken bei den auch schon wieder in der Abschiedstour-Phase befindlichen Orange Goblin, im Laufe der Jahre immer wieder mal mit seinen eigenen Babys sehr aufhorchen und sich nie dadurch unterkriegen ließ, dass sich all diese dann doch wieder auflösten. Wie geil war z.B. die letzte End of Level Boss Inkarnation mit diesem irre klöppelnmden Schlagzeuger?
Auch mit seiner aktuellen Duoformation Noisepicker hat er es nicht so leicht, denn der jüngere Drummer eben dieser wohnt inzwischen an einer ganz anderen Ecke der Insel. Man wuppt das Ding trotzdem noch zusammen und hier ist Album Nummer zwei.
Auf jenem kippt die Chose irgendwo zwischen punkigem Noise-Rock, wuchtigem Doom-Metal, dem gelegentlichen 
Voïvod-Worship-Moment in Form vom Tritonus-Quietschakkord und dem Spirit von Tom Waits'chen Outsider-Blues in meiner Wahrnehmung gerne noch mal einen Schritt mehr zu den etwas metallischeren Seiten, allerdings weckt z.B. das Dissonanzgeschraddel vom 'Chew'-Intro dann zwischendurch auch schon mal sowas wie Sonic Youth-Assoziationen, bevor das Ganze dann wiederum fast Richtung Groove-Metal neigt.
Besang Armstrong auf dem 2018er Vorgängeralbum noch "(...) How The World Will End", skatet man inzwischen sozusagen schon durchs postapokalyptische Wasteland...

"The Earth Will Swallow The Sun" ist, das sage ich jetzt mal ganz ehrlich, eines dieser Alben, bei dem ich ohne gewisses Vorwissen über die Vorgeschichte vielleicht eher nicht mitgezogen wäre, um es mal so auszudrücken. Denn eigentlich bin ich 2025 zu ganz anderen Gefilden persönlicher Musikvorlieben weitergezogen. "Peace Off" habe ich seinerzeit, was ja inzwischen auch schon wieder 7 Jahe her ist, durchaus gerne gehört, aktuell bin ich aber irgendwie doch so sehr auf Musik in Richtung Soundsystem-Bassmassagen, auf Drumsample-Basteleien und Synthesizer-.Experimente eingestellt, dass mehr oder weniger auf dem Punkt gehaltene Rockusik im Moment einfach eine geringere Rolle in meinem Leben spielt.
A
llerdings muss man dann wiederum auch sagen, dass vieles von Noisepicker's stilistischem Vokabular halt an den gleichen Wurzeln ansetzt, von denen ich auch komme. Es fällt mir daher schwer, das hier nicht dennoch rundum sympathisch zu finden, weswegen ich die Platte mit der Karla Kuvlt (s.o.) zusammen eingetütet habe.
Auch hier übrigens:
18 € für LP+CD!

Quartz - Lucid
(Ruptutre LDN)
Quartz - Trauma Response
(play:musik)
Elliot Garvey alias
Quartz ist einer dieser rareren D'n'-/ Bassmusic-Produzenten, die es verstehen, Stuff in derartigen Stilgefilden ihren eigenen Twist zu verpassen. Von Halftime-Tunes oder Dubstep-Exkursen über Dark-Roller mit Nachtfahrten-Charakter bis zu derberem Geklöppel haben seine Produktionen durchaus schon mal so eine gewisse Komplexität und/ oder Tiefe, die sie von anderem abhebt. Letztes Jahr war es insgesamt etwas ruhiger um ihn, dafür werden in diesem wohl mal wieder ein paar Veröffentlichungen seinen Namen zieren.
Die erste davon ist eine EP via Rupture London, auf der wir vier Tracks vom oben bereits angerissenen bekommen: Tribal-Elemente und Rave-Momente, Dark-Roller zum tanzend drin versinken, Andeutungen von Wormhole'schen Proto-Neurofunk und auch die wild eskalierende Breakbeat-Abfahrt nach längerem Build. Besonders der quasi zweigeteilte Titeltrack kommt mit einer Steigerungskurve von industriell-pumpendem Halfstep-Flair zur Tearout-Mayhem daher, wie man es nicht alle Tage hört.
Als zweites kam dann noch im ersten Quartal dieses Jahres eschon ine weitere EP über DJ Flight's Label
play:musik.
Hier ist der Vibe dann insgesamt etwas soulfuller und die beiden Tracks auf der B-Seite entsprechen so'n bisschen dem derzeit wieder etwas zunehmenden Nischen-Trend, DnB-Strukturen mit Electro-/ Techno-Soundästhetik aus der Autonomic-Schule zu fusionieren.
Ziemlich gut!

Soul Intent - Fight The Future  EP
(Lossless Music)
Schon wieder bzw. noch mehr Drum'n'Bass? Ja klar, denn Drum'n'Bass ist mein Happy Place, auch wenn er so düster klingt wie hier. Wobei, was heißt „auch“, eigentlich ist techsteppiger Tearout-Drum'n'Bass wie von Mitte der Neunziger bis um die Jahrtausendwende, quasi die Brücke von Moving Shadow bis zu Ohm Reistance, ja total mein Ding.
Alex Judd alias Soul Intent präsentiert uns hier auf der nächsten EP übers eigene Label gelungene Beispiele von genau sowas: Eben genau jene Art von etwas kaputt klingendem Mitt-/ Spätneunziger-Drum'n'Bass mit
Techstep-Schlagseite, der bei allem satten Geklopfe in der dreckigen Dunkelheit Raum für Atmosphäre lässt, in der die Jungle-Wurzeln noch hörbar sind.
Der Titeltrack kommt mit metallisch scheppernden Snares und Föhn-Bassline besonders derbe und die Schlussnummer 'Feeling Uneasy' wagt sich dann auch noch etwas weiter raus, zu einer seltsam rumpelnden Nummer, die im Rahmen einer durchaus DnB-
typischen Sundästhetik mitr ihrer Rhythmusarbeit schon eher so ein bisschen in Richtung von sowas wie Broken-Beat-Industrial-Techno schielt.
F
ür genau sowas wie das hier habe ich wohldosiert halt wirklich schwer was übrig!

Svffer - Eternity Moment
(Contraszt! Rec.)
Wenn ich immer wieder mal feststelle, mit zunehmenden Alter mit ungestümster Ballerschrei-Musik immer mehr durch zu sein, dann sind die Ausnahmen dieser Regel natürlich gerne mal die schon länger aktiven Bands mit eigenständiger Aura, die mich schon eine Weile begleiten.
So ist's auch mit
Svffer aus der Hardcore-Punk-Szene Münsters: Mitte des vergangenen Jahrzehnts eine öfter und immer wieder gerne mal live gesehene Band - 2014 teilte mein damaliger Bandgehversuch sogar mal eine Event-Bühne mit ihnen - deren superintensive Grind-/ Hardcore-/ Emoviolence-Musik seinerzeit definitiv auch einen Nerv von mir traf.
Nachdem man in jüngerer Vergangenheit nicht mehr so viel in Erscheinung trat - ich hab's gerade mal übern Daumen geschlagen, mein letztes mal Svffer live ist dann jetzt auch
schon wieder so 7 Jahre her - kommt dann nun ihre Abschieds-EP inkl. letzter Gigs dazu, und da bin ich dann auch trotz altersbedingter Müdigkeit in Bezug auf Blastbeats und Gebrüll doch noch mal gerne mit dabei.
Die Frage, ob's bei vier Stücken, von denen keines die 3-Min.-Marke passiert, nicht evtl. auch 'ne 7"- statt 12" Veröffentlichung (kommt im April über Contraszt! Rec.) getan hätte, die muss man dabei aber auch mal stellen dürfen.

 

Young Widows - Power Sucker
(Temporary Residence Ltd.)
"Swamped and agitated"! Ein neues
Young Widows Album war ja tatsächlich nicht unbedingt das gewesen, was ich für '25 auf der Rechnung gehabt hätte, interessanterweise ist aber gerade dieses Trio aus Louisville, Kentucky eine der Bands, die "erstens kommt es anders, zweitens als man denkt"-mäßig immer dann wieder auftaucht, wenn man nicht mehr damit rechnen wollte, und dann auch noch jedes mal wieder etwas anders klingt als erwartet.
Mit Vorgängerband-Wurzeln in noch viel derberen Kram
ging die Reise von einer rabiat-rumplig Post-Hardcore-lehnenden Noiserock-Band dann über ein Fiebertraum-artiges Sad-Rock-Meisterwerk mit starker Americana-Schlagseite dahin, dass das 2014er "Easy Pain" dann wiederum eine fast schon Industrial-eske Kantigkeit und Dissonanz demonstrierte, die dem early Swans-, Neubauten- und Cop-Shoot-Cop-Fan in mir dann auch entgegenkam.
Was man der Band nun wirklich nicht vorwerfen kann ist, irgendwann mal „das gleiche Album nochmal“ gemacht zu haben, ihre vier bisherigen Regulär-Longplayer sind alle ziemlich unterschiedlich.
Und 11 Jahre nach dem letzten davon (drumrum gab's durchaus Kleinformate, Splits, Compilation, Live-Aufnahmen usw., Sänger/ Gitarrist Evan Paterson firmiert solo außerdem
relativ umtriebig als Alternative-Folk-Barde unter Jay Jayle) ist auch "Power Sucker" wieder einmal etwas anders.
Wie anders? Ja puh, wie soll man das beschreiben. Es scheint wieder etwas mehr „Fluss“ im Groove der Young Widows 2025 zu sein, etwas mehr Melodie und Gefühl. Als ob man das fehlende Bindeglied zwischen den letzten beiden Reguläralben dann doch noch mal nachreichen wollte, spannt man auf "Power Sucker" auch schon mal kurz ausholende Bögen, bevor man zum Punkt kommt. Momente der Wuchtigkeit und rasantes Abrocken gibt's dann genauso wie das sich auch schon mal depressiv suhlen.
"Power Sucker" vereint den Spirit einer Band wie The Jesus Lizard mit dem Willen, mit einem ähnlichen Drive noch an ganz andere Orte zu gehen.
Und das ist dann halt durchaus die Art von Rock-Musik auf die ich trotz Rock-Müdigkeit 2025 dennoch Bock habe, allerdings muss ich, wenn ich mal ganz, ganz, ganz ehrlich bin gestehen, nicht so instant-begeistert zu sein, wie ich es seinerzeit jeweils von sowohl "In and Out of Youth and Lightness" als auch von "Easy Pain" noch war. Aber auch das gehört zum Leben und man muss sich
deswegen ja auch noch lange nicht direkt im Unfrieden trennen, denn das polyamouröse Herz der Musikobsession hat nach wie vor auch noch genug Platz für sowas wie das hier. 



Digital im Weltnetz dann auch noch aktuell...

Beak> - State Of Silence O.S.T.
"State of Silence follows the lives of four journalists in Mexico who have become targets of repression for sharing and exposing the reality in their communities. This portrayal urgently exclaims that freedom of the press cannot remain under siege.
(...) State of Silence is a documentary directed by Santiago Maza and produced by La Corriente del Golfo, the production company founded by Diego Luna and Gael García Bernal (...)
Beak> wrote the soundtrack to this film."

enduser - Turning Point / Street Lamp
Dass Lynn Standafer alias enduser tatsächlich mal einen neuen digitalen 2-Tracker in die Welt entlassen hat, das ist mir tatsächlich mal eine Erwähnung wert.
Vor irgendwas um die 15 Jahre oder so war's dann neben Venetian Snare'schem Kram tatsächlich u.a. auch mal sein Style zwischen Drum'n'Bass, Breakcore und starken Electro-Industrial-Schlagseiten über verschiedene Spezialisten-Label wie Ohm Resistance, Ad Noiseam oder Hands gewesen, der eine neuerliche Brücke von meinen damaligen Hartwurst-Hörgewohnheiten zu weiteren Ecken elektronischer Musik schlug, gleichermaßen zurück wie nach vorne, back to the Future.
"Turning Point" und "Street Lamp" sind zwei Stücke in seinen nicht untypischen, atmosphärisch-meldoischen Gangarten, das eine etwas fetter, das andere etwas nostalgischer.
Schön, dass er doch noch mal gelegentlich wieder auf der Bildfläche auftaucht!

John B & LaMeduza - Ventil-8
(Metalheadz)
Okay, ich schreibe mir hier dann jetzt auch mal 'nen Weihnachtswunschzettel: Eeiiiigentlich würde ich mir ja schon wünschen, der in jüngerer Vergangenheit vor allem als Twitch-DJ aktive John B würde mal einige seiner, teilweise mehr als nur etwas augenzwinkernden Tracks wie den Dark-Wave-/ DnB-Crossover "Anti Valentine", den Electro-Punk "Disconnected" oder die schwermetallsich angehauchte Computerspielmusik-Coverversion "At Doom's Gate" noch mal albumveröffentlichungstauglich abmischen lassen und dann natürlich auf Vinyl rausbringen, denn da hätte ich wirklich Freude dran. Man scheint
ja allerdings in dieser Clubmusik-Ecke leider immer mehr von der Schallplatte wegzukommen, zumal die meisten DJs eh nur noch Files mit CDJs mixen.
Wenn diese leider nur digitale Single-Veröffentlichung einer Kooperation mit Sängerin LaMeduza via Metalheadz dann jetzt errstmal alles ist, was wir kriegen, dann nehmen wir das so aber wohl auch.

Kevin Richard Martin / Dis Fig - Silent
Auf das 2020er Hyperdub-Kollaborationsalbum von The Bug & Dis Fig folgte dieses Jahr dann eine fast zwölfminütige Nummer mit The Bug's für Ambient-Musik verwendeten Klarnamen in den Credits. Überraschend balladesk, dann kommt der Drone, und wenig überraschend hat's dann auch in einem Hauch von Dub.
Den digitalen Track gibt's zu "name your price"; ein ganzes Album hiervon würde ich durchaus nehmen!

Mick Harris -  Culvert Dubs Session 3 
Wahrscheinlich ist Mick "Mongoose" Harris' Auffassung von Dub-Techno eine etwas andere als die von Ihnen, werte/r Leser:in, aber das ist natürlich gemutmaßt.
Der als etwas wahnsinnig geltende Ex-Schlagzeuger von Napalm Death präsentiert uns mit "Culvert Dubs Session 3" jedenfalls vier ziemlich lange Mischpult-Jams (plus einen Kurztrack), die wuchtig, krachig und (natürlich) verhallt die Grenze zu Drone und Noise überschreiten: 



Tech Level 2 - Indifferent. EP
(Avalanche)
Als hätten die sich alle irgendwie abgesprochen, gab's dann kürzlich auch 'ne neue EP von Justin Broadrick's Drum'n'Bass-Alias Tech Level 2. Ja, tatsächlich mit neuem Material anstatt aus der Mottenkiste (wie beim letzten mal).

Seine "...operating without engaging in any scenes or DJ culture..."-Einlassung bringt mich zwar ein bisschen zum augenrollen - ja, Du bist voll der neurodivergent-gestresste Eremit, we get it, wer nicht... -  aber da ich bekanntlich sowohl Fan von Broadrick's musikalischem Schaffen (nicht von allem, aber einigem) als auch von Drum'n'Bass-Musik an sich (Liebe, einfach nur Liebe) bin, ist in der Natur der Sache düster und derbe bollernder Justin Broadrick-Drum'n'Bass mit maximal krachenden Minimal-Arrangements etwas, das ich unmöglich nicht mögen kann.
Auch wenn dieser eine Abrupt-Übergang bei 'Despiser' ein bisschen "Hä?" ist.
Wär' 'ne Vinyl-Veröffentlichung zu viel verlangt? Muss ich mir hiervon für den DJ-Mix meiner Jahrgangsfavoriten wohl echt 'ne Lathe-Cut anfertigen lassen oder so...
Apropos: Bei dieser Gelegenheit kann man dann auch mal wieder seinen inzwischen zwölf Jahre alten, ziemlich kaputten Mix für das Self-Titled Mag verweisen
bei dem er die Hälfte der Zeit 45er-Drum'n'Bass-Platten auf 33 spielte und nicht mal wirklich auf sein eigenes Schaffen in der Ecke verwies.

Venez - Live In Greenwich Village 2007
(Ohm Resistance)
Es ist schon interessant, wie die Zufälle manchmal so fallen, scheinbar da gewisse Vibes einfach in der Luft liegen. Weil: Geht es tatsächlich nicht nur mir so, dass zuletzt das Thema Dub-Musik bei uns Underground-Nerds ein
bisschen mehr in den Fokus rückte (Dub-Elemente in Steve Von Till's aktuellem Schaffen, ein Dub-Floor beim letztjährigen Roadburn-Festival, ...) und der deepere Dubstep in Mitt-/ Spätnuller-Spielart abseits greller Albernheiten gerade wieder so ein bisschen cool wird (s.o.)?
Dazu passt dann nämlich auch perfekt, dass
Ohm Resistance-Betreiber Kurt Gluck alias Submerged diese Live-Aufnahme ausgegraben und der Nachwelt via Bandcamp öffentlich zugänglich gemacht hat:
The year was 2007. Dubstep was in the first years of it's life, although we had all played slow beats and loved them, whatever it was called before that...Moldy and Submerged teamed up to throw a night called "HEAVY PRESSURE", one of NYC's groundbreaking early bass music shows, at Sullivan Room in Greenwich Village. Ohm Resistance had begun a seismic shift, to releasing not only Drum n Bass, and had started another label, RESIST, to put out Bass Music on 12" vinyl.
Venez was the brainchild of Submerged and Breaker. Short for "Venezuela", for reasons neither of them can remember, Venez was a recording project at Revolution Sound in Williamsburg, Brooklyn. A grip of shows in this configuration from 2007-2010 were performed by Kurt and Dean; this one happens to feature legendary film sound editor / FX generator M. Gregor Filip (Gator Bait Ten/The Blood of Heroes), who was also a co-founder of Ohm Resistance.
Featuring tracks that would eventually end up on Submerged's "Before Fire I Was Against Other People", Silent Killer and Breaker's "Amongst Villains", several Venez 12"s, several complete improvisations, and some tracks lost to time, this show is a trip through time. Reminiscent in equal parts of 70s electric Miles Davis and experimental beat culture of the 00s, this live show captures friends enjoying throwing down live in a highly psychedelic, bass heavy club scenario.

Und 
zufälligerweise ist das dann ein mir super in die aktuellen Interessen passendes Zeitdokument von Leuten, die schon immer den Nischenkrach zwischen experimentellem Jazzer-Mindset, dubbigen Clubfloor-Sounds und Punk-/Rock-/Metal-Ästhetik bis zu Industrial-Härte gelebt haben. Auch das ist die Drum'n'Bass-Szene in all ihren Randerscheinungen und somit einer der Gründe, warum ich sie liebe.



"Honorable Mentions" und auch noch eben kurz notiert:

  • Ende März wären ganz frisch auch nich parallel gleich zwei EPs von Amenra via Relapse rausgekommen. Dazu dann vielleicht nochmal was in der nächsten Quartalsbilanz, vielleicht aber auch nicht...

  • Ähnliches gilt für das noch nicht so richtig gehörte, neue  Backxwash Album.

  • Zwei wirklich coole 2024er Album, die ich kürzlich dann auch noch zufällig für mich entdeckt habe:
    1.) "I was so far in I was out." von der Feel Free Hi Fi Crew aus den sog. Twin Cities in Minnesota. Instrumentale "Industrial Dub and Weirdo Dancehall" Musik? "Environmental and cinematic sounds, dark and heavy, as introverted as expansive"?
    2.) Apropos Dub, apropos Industrial-Vibes usw.: Das Ghost Dubs Album via Pressure, zu dem dann jetzt gerade eben auch noch 'ne Remix-EP-Ergänzung rauskam, wär' dann ja eigentlich auch noch so ein '24er Highlight, das mir im Jahrgang selbst aus unerfindlichen Gründen durchging.

  • Man könnte ja zum sympathisch-kauzigen, italienisch-französischen Duo Putan Club, ihrem Konzept und ihrer Musik irgendwo zwischen Punk, Industrial-Metal, Techno und Weltmusik durchaus noch so einiges interessantes ausweiten, wir belassen es an dieser Stelle aber erstmal mit einem knapp gehaltenen Hinweis auf ihr neues Live-Album "Filles d’Octobr" (Toten Schwan), einst eingefangen beim Amplifest 2022, welches in der Natur der Sache so 'ne Sache is'...

  • Die natürlich ziemlich teuer kommende Amphetamine Reptile-Special-Vinyl-Edition einer Melvins / Napalm Death Kollaboration konnte ich mir schon alleine deswegen nicht schießen, weil ich in dem ca. fünfminütigen Verkausfszeitfenster Sonntagsspätnachmittags unserer Zeit, believe it or not, was anderes zu tun hatte als am Rechner zu sitzen. 
    So ein bisschen geht mir dieses an eine Lotterie und elitistische Kunstkenner-Höchstbieterscheiße grenzende Spielchen allerdings, ja mal ganz ehrlich gesagt, eh auf den Sack ... Eine "Factory Eidtion" soll aber auch noch kommen.

  • Ein weiteres „sollte man auf dem Schirm haben“-Duo sind Trauma Bond aus London.
    "Summer Ends. Some Are Long Gone" ist ihr neustes Album in einer Rehe bisheriger Veröffentlchungen, die es vorwiegend erstmal nur digital gibt, und die derbst irgendwo zwischen Hard-/ Grindcore, Powerviolence, Industrial-Metal und Noise unterwegs sind.
    Ein nächstes mit Jahreszeiten-Bezug wird wahrscheinlich noch dieses Jahr folgen.

  • Danke an Flo für den Hinweis, dass Pete Rogers das dritte, und wenn ich es richtig verstanden habe auch finale Album seines Wardown-Projekts mit einem V.ö.-Date kurz vor Weihnachten ins Jahresaustraben '24 schob, was mir sonst wohl echt durchgegangen wäre.
    Die Mischung aus Ambient-Überbau und Jungle-/ Drum'n'Bass-Wurzeln im abendfüllenden Format eines 2LP-Storytellings kommt mir auf "Wardown III" ein bisschen dunkler vor als auf den optimistischeren Vorgängerwerken,
    passte mir so oder so allerdings natürlich ziemlich gut mit in die schon wieder viel zu volle Jahreswechsel-Playlist zwischen Postrock-Revitiationen und Jungle-/ Bassmusic-Rotationen.
    Ein Mix dazu gibt's dann auch noch auf Youtube.

  • Durch einen Zufall, der mit der Veröffentlichung der Abschieds-EP von Svffer zu tun hat (s.o.), habe ich jetzt erst mitbekommen, dass zwei der Alpinist-/ Jungbluth-/ Criminal Body-Typen ein Elektronik-/ DAWless-Jam-Projekt namens Welt im Dunkel am Start haben, mit dem sie letzten Sommer ein Tape veröffentlichten.
    Dass
    die großartigen Criminal Body sehr kurzlebig blieben und mit ihrer Musik irgendwo zwischen Noiserock und PostPunk mit Pop-Schlagseite bei den Neocrust-Köppen in der AZ-Szenerie nicht so richtig auf Gegenliebe stießen, das finde ich nach wie vor bedauerlich, aber wisst Ihr was, Jungs?! Hier bin ich auch gerne mit dabei!

What the Phok?

Absolut nicht unerwähnt bleiben sollte Photek's Rückkehr zu Drum'n'Bass-Musik in seinem eigenen Signature-Stil.
Anscheinend scheint er allerdings nach Jahren des Daseins als Soundtrack-Komponist in Los Angeles ein bsschen die Bodenhaftung verloren zu haben, wenn er ernsthaft fuckin' 500 Dollar für'n limitiertes 1st-Edition-Special-Package der Platte aufrufen will. Fünfhundert, Alter!?!
 

 

Ausblick an Alben...

Es wären dann wohl für die nächsten Wochen und Monate auch noch neue Albem von Bank Mya, Big|Brave, Caspar Brötzmann Massaker, Divide and Dissolve, von den schon als Supergroup durchgehenden (da Fudge Tunnel-Basser und Altar of Plagues -Drummer) Cavemen-Doomern Conan und von ihrem industrial-metallischen Spinoff Ungraven (im gleichen Monat übers gleiche Label) unterwegs, und wo wir beim Thema Dooom sind auch noch vom Chaotenhaufen Electric Wizard.
Während die neue, angeblich längst fertig produzierte OM immer noch auf sich warten lässt, ist Al Cisneros in Kürze mit einer kollaborativen 10" mit David Eugene Edwards (Wovenhand) am Start.
Die neue Swans ist natürlich auch Pflichtprogramm.,was von Schechter & Wallfisch kommt dann auch noch obendrauf.
Neue The Young Gods im Juni!
Außerdem kommt die nächste Melvins via Ipecac und eben dort  tatsächlich auch eine neue von mclusky.
Ein neues Steve Von Till Solo-Album ist auch auf der Liste.
Kollaborativ was von Sumac & Moor Mother.

Der vorab hörbare Song zur neuen thisquietarmy hat schwerstens was von King Crimson.
Die fast schon vergessenen Pyramids sind im Mai mit einem neuen Album zurück.
Vom finnischen Junglist Fanu kommt ein neues digitales Langspielalbum mit physischer EP-Auskopplung über Straight Up Breakbeat und von Düsterhart-Drum'n'Bass-Altmeister Technical Itch ist ein Album über Over/Shadow unterwegs bzw. eigentlich irgendwie auch schon da, aber bei letzterem bleiben die Staffelungen von ersten UK-Vorverkäufen und dem Aufschlagen in hiesigen Vertriebswegen allerdings völlig nebulös.
Wo wir dabei sind freue ich mich aufs neue Ancestral Voices Album über Samurai Music, die nächste Dom & Roland EP ist auch schon wieder auf der Startrampe, von Original-Jungle-Queen DJ Rap kommt dann gar noch irgendwas größeres, Boxset und Buch oder sowas und von Ray Keith ein Komplettdiscographie-Paket auf USB-Stick für'n Hunni.
Außerdem kommt ein von Killing Joke's Youth produziertes Album von Bauhaus' Peter Murphy, auf dem u.a. auch Trent Reznor mitmacht.
Und dieser "Tron: Ares" Soundtrack von Nine Inch Иails, der dann auch irgendwann dieses Jahr noch kommt, könnte ebenfalls was sein, das ich mir dann auch mal in die Plattensammlung zu schieben müssen
meinen könnte, auch wenn ich den Film selbst wahrscheinlich garnicht gucken werde, denn ich kann Jared Leto echt nicht ertragen.

Reissues und Neunziger-Nostalgie...

Das kommt jetzt vielleicht etwas albern formuliert rüber, ist halt aber so: Man hätte als in die Jahre gekommener Musiknerd mit 90er-Alternative-/ Metal-Sozialisation und saturiertem Vinyl-Fetisch seine Hausaufgaben nie richtig gemacht, würde man an dieser Stelle dem Umstand gleichgültig gegenüberstehen, dass das 1993er The God Machine Langspieldebüt "Scenes from the Second Storey" Anfang diesen Jahres nun erstmals überhaupt (!) auf Vinyl veröffentlicht wurde, genauso wie das zweite und finale Album des Trios, das 1994er "One Last Laugh in a Place of Dying", obendrauf dann auch noch seit Erscheinungsjahr zum ersten mal wieder im 2LP Format.
Es soll Leute geben, die deswegen völlig ausgeflippt und fast vor Freudentränen zusammengebrochen sind.
So weit würde ich von meiner Seite aus jetzt ja nicht gehen. Aber. Aber? Aber: Wenn mal wieder so eine dieser ganz besonderen Bands von früher aus konsumistischem Anlass für sich wiederentdecken, dann doch bitte gerne diese.
The God Machine bekamen damals wohl nie breitere Aufmerksamkeit und lösten sich  tragfischerweise vor Veröffentlichung ihres zweiten Langspielwerks schon wieder auf, nachdem Basser Jimmy Fernandez plötzlich einem Hirnschlag erlegen war. 
Sie sind dann interessanterweise
aber noch zu einer dieser ganz wenigen Konsens-Kultbands mutiert, auf die sich irgendwie alle tiefer wühlenden Rock-/ Metal-Geschmacks-Nerds gewisser Jahrgänge, vom melodisch orientierten Schöngeist-Metaller bis zum schon halbtauben Noiserock-Maniac, von damals bis heute einigen können. 
Es ist echt wahr: Vom einen Bekannten, der für mich so'n bisschen in der Schublade „zu ¾ Truhmeddl-Bauer“ steckt, und dem inzwischen andere Lebensentwürfe anstrebenden Chefredakteur eines Rockmusik-Printmagazin-Markennamens, über meinen eher Postpunk-sozialisiertem und sich teils in avantgardistischer Klangkunst ergehenden Bandkollegen, bis zu den teilweise ziemlich exklusiv in ihrem Ding festhängenden Teilnehmern eines Noiserock-Forums für alterende Jesus-Liz-Jünger und AmRep-Anhänger, in dem ich seit Jahren sporadisch mitlese und seltenst selbst poste, findet scheinbar wirklich jeder auch The God Machine super.
Damit ist dann eigentlich auch schon mehr über diese Ausnahmeband gesagt. als ich jetzt in weiteren trockenen Worten über ihre Musik so ausdrücken könnte, weswegen ich es mal lasse.
Auf jeden Fall ist auch das eine Wiederentdeckung, die durchaus Freude ins Wohnzimmer gebracht hat...

Muss ich an dieser Stelle dann natürlich auch noch erwähnen: Ich bin in Besitz ihrer Vinyl-Single "Home", deren B-Seite eine Coverversion von The KLF's "What Time Is Love" ist.
Die ich mir, echt wahr, tatsächlich fast mehr schon primär wegen dem krachig-rockigem Cover von KLF (bin Fan!) an sich, als wegen The God Machine geschossen habe. Geiles Teil!

Abschließend ist die Historie dann natürlich jetzt auch noch damit abzurunden, dass TGM's Gitarrist/ Sänger Robin Proper-Sheppard dann 1995 das Projekt Sophia gründete, mit dem er auch heute noch aktiv und unterwegs ist.

Mix-o-Mania...

Tatsächlich habe ich, wohl auch aufgrund meiner „Postrock-Revival-Phase“ Anfang des Jahres, die meine Playlist ziemlich episch ausfüllte, erstmal etwas weiniger „Clubmusik“ im Sinne entsprechender DJ-Broadcasts, Soundcloud-Mixe u.ä. als sonst gehört. Vielleicht war's ja auch so 'ne Art von Winterpause, denn ich bin dann anscheinend doch eher Schönwettertänzer. Aus dem Februar raus nahm es dann tatsächlich auch doch wieder zu und der Notizzettel war dann kurz vor Redaktionsschluss auf einmal doch noch ziemlich voll:

Absolut nicht außen vorlassen sollten wir zu Eröffnung der Rubrik für DJ-Sets und digitale Mixtapes allerdings, dass Adi-J kurz vorm Jahreswechsel ein audiovisuell konserviertes Vinyl-Set mit MC-Unterstützung im Rahmen von "Stupid" geteilt hat, an dem einiges sympathisch ist:
"
Stupid is a secret society of Amsterdam Bassheads/ Bass Music DJ team / a micro club under the Amsterdam train tracks.
We invite Bass Music/ DnB talent to play in a 100% money free environment. Love for music is the currency. Some hippy shit.
"

Zu meinen Lieblings-DJs, die man so vom Vereinigten Königreich aus gestreamt verfolgen kann, gehört auf jeden Fall Silva Snipa. Das ist jetzt ein totales Klischee, aber im Gegensatz zu anderen „jungen Leuten“ da draußen, die primär digital und Double-Drop-lastig irgendwelchen knalligen Modern-Kram auflegen, hat sie sich eher so ein bisschen auf old-schooligen Jahrtausendwenden-Jungle bis -Techstep-Drum’n’Bass eingeschossen und jongliert diesen auch gerne in Form von physischen Schallplatten.
Und das macht echt Bock, wie z.B. bei ihrem Set von kürzlich für’s Balamii Radio:
 
 
"Breaks, Bass, 140" war das Motto eines Vinyl-Sets von Obedeya im Londoner Planet Wax Plattenladen, das irgendwie ganz anders war als hätte ich ein Set unter dem Motto "Breaks, Bass, 140" aufgelegt (ja, sowas tue ich, lacht Ihr nur).
Was dann aber eigentlich umso mehr ein Grund ist, es dennoch und erst recht zu teilen, anstatt deswegen eher nicht (denn "Krach und so..." wollte seit eh und je für Horizonterweiterung und Artenvielfalt stehen, anstatt für vorgekautes in der Komfortzone):


Und apropos bei Planet Wax Breaks'n'Bass-Schallplatten jonglieren:
Ja, WNCL Recordings gibt's schon etwas länger, aber mit der 10"-Reihe der letzten eineinhalb Jahre hat sich das Unternehmen von Bob "West Norwood Cassette Library" Bhamra dann irgendwie ziemlich plötzlich zu einem meiner aktuellen Lieblingslabel gemausert. Geboten wird nämlich UK-Clubmusik mit 
rasant-rummsiger Roughness, die dabei nicht unbedingt den generischsten Schablonen und zeitgeistig-gängigen BPM-Schubladen entsprechen muss, und von House-Tempolagen bis zu und sehr oft auch völligem Breakbeat-Alarm geht dabei eigentlich alles.
Der Labelchef selbst legte kürzlich, neben weiteren Sets von Stallpferden wie Skin Teeth, Hooverian Blur und Rawtrachs ein wirklich chefmäßiges Werkschau-Set hin:


Erwähnenswert ist an dieser Stelle dann auch noch der Mix zum EP-Release (s.o.) von Soul Intent.
Gibt's zusätzlich auch bei Soundcloud.
 

Beim Youtube Kanal des DnB Portal gibt’s einen konservierten Stream von X.Morph’s letztem "Vinyl Only" Set.
Und Augen offen halten: Von Kan-Jacca müsste dort wohl auch noch mal ein eben solches neues aus gleicher Kulisse kommen, wenn ich das richtig gesehen habe…

 

Wer beim Ragga-Jungle mixen mit 'nem Godflesh-Shirt aufläuft ist mir generell sympathisch, also Kudos an Maze in der ukrainischen Jungle Kitchen:
 
 
Bei Ray Keith' regelmäßigem "Dreadcast" via Thames Delta Radio war ich in letzter Zeit doch mal wieder öfter gelandet. Ein besonderes Fest war, als DJ Rap dann auch noch als Überraschungsgast mit ablieferte:
 
 

Roni Size ist ja dann auch noch mit einer dieser „alten Helden“, die schon am Anfang meiner initialen Begeisterung für Jungle-/ Drum'n'Bass-Musik quasi als hell strahlende Sterne dabeiwaren und nach wie vor gelegentlich auftauchen.
Ein neuzeitliches Boiler Room-DJ-Set vom ihm mit Kollege Patife ist daher auch ganz gerne mal mitgenommen:


Weiter oben ebenfalls schon mal erwähnter Michael Fiedler alias Ghost Dubs gastmixte im Februar bei Zam Zam Sounds, und ich sach's jetzt mal so: Eine Sendung, die mit Dub-Reggae beginnt und in Einstürzende Neubauten mündet macht dann ja auch ohne Frage irgendwie alles richtig.
Und in der März-Ausgabe können wir das "siehe oben"-Spiel gleich noch mal wiederholen, denn dann war die
Feel Free Hi Fi Crew dran.

 
Notiz an mich selbst (ach?): In die zuweilen etwas weirde Welt von dbridge mit eintauchen ist dann wohl offensichtlich auch was, das ich doch mal öfter tun sollte.... 
 


J:Kenzo's zweistündige Sendung beim Subtle Radio muss ich mir dann wohl außerdem mal mit auf die Liste regelmäßiger zu verfolgender Sachen setzen, denn wenn auf die erste Hälfte mit duggibem Kram von Dub-Techno über Grime-Groover und dirty Bassmusic bis zu Steppern dann noch eine weitere Stunde mit Jungle-/ Drum'n'Bass-/ Techstep-Alarm folgt, dann ist das halt was aus der Kategorie „genau der Scheiß auf den ich Bock habe". 



Zum "Black History Month" ließ die "Best Drum and Bass" Plattform US-Jungle-Chefin Mizeyesis an die Decks, deren Mixe ich generell sehr gerne höre:


Beim The Wire Magazin gab's zum 30jährigen Jubliäum von Metalheadz tatsächlich ein Eigenproduktionen-lastiges Set durch den Jungle-Garten von Friskle, dessen Stuff ich oft ganz gut finde:
 
 
Einen kleinen Umweg machen wir dann noch mal durch einen Plattenladen im niederländischen Tilburg, wo der letzte DJ-Set von Betreiber Sjak van Bussel alias DMDN unter dem Motto Industrial-Techno stand:

Auf der Liste interessanter Mixtapes etwas abseits des Dancefloors hätten wir dann noch folgendes:

Für's The Wire Nagazin wiederum haben Rasheedah Phillips and Moor Mother, begleitend zu Phillips' neuem Buch "Dismantling The Master’s Clock: On Race, Space, And Time" ein Mix unter dem Motto "Black Quantum Futurism" erstellt:


Und Donnergott Dave Lombardo droppte beim NTS Radio im Rahmen einer Stunde Musik neben Eigenerzeugnissen auch solche, die sein Ehepaar-Bandprojekt Venamoris beeinflusst hat.
Dass er neben Dead Can Dance, Portishead, Massive Attack und der Trent Reznor-produzierten Sängerin Halsey dann auch das Underground-Unikat Jucifer kennt und schätzt, das macht ihn mir dann gleich noch mal wieder eine Spur sympathischer... 



Noch was erwähnenswertes? Wen live gesehen z.B.?

Als erstes Konzert des Jahres landete ich eher zufällig bei einer Stoner-/ Psychedelic-/ Doom-/ Retrorock-Band, deren manchmal allzu offensichtlicher Sabbath-Worship handwerklich ganz gut war, aber auch schon mal so einen Hauch neben der Spur tönte und mich insgesamt etwas zwiegespalten hinterließ. Weswegen ich den Bandnamen nicht nennen möchte, damit's nicht noch wie'n halber Diss oder so sowas 'rüberkommt.
Ihr fragt Euch jetzt, wie man „eher zufällig“ bei einer live spielenden Rockband landet, die man dann nur so mittel findet? Dann ist Euer Leben mutmaßlich wohl noch langweiliger als meins. Immerhin spule ich nicht schon fünf Minuten später
noch direkt am Laden vor Publikum mal eben 'nen Monolog darüber ab, warum's meiner Meinung nach ja dann eigentlich doch nicht so gut war, wie's gewisse Vollprofi-Musikjopurnalisten tun, die von ihrer Seite aus dann allerdings allzu gerne Hype-Abonnements für noch viel langweiligeren Rotz verteilen....
Das zweite, dann geplant besuchte Konzert '25 war Lydia Lunch, die begleitet von sonnenbebrilltem Playback-Knopfdrücker und Co.-Sänger Songs von Suicide und Alan Vega darbot. Und das, äh... war durchaus... was...

Zwischendurch dann erstmal wieder Konzert mit eigener Band und bei Drum'n'Bass-Sause zu 'nem selbst mitverbrochenen Tune dancen? Check, check. 
Sich dabei wundern, dass einem die Bassboxen bei 'ner Dub-Sause mehr die Schuhe ausziehen als die Lautstärke bei irgendeinem Gitarrenalarm-Konzert? Auch das.
Der traditionell alle 2-3 Jahre
stattfindende Anti-Karneval in Form eines rosenmontäglichen Konzerts von Bohren & der Club of Gore in der Bochumer Christuskirche war dann tatsächlich auch was, das ich wieder mal gerne mitgenommen habe.
Etwas erschwert wurde dieser dieses Jahr durch ausgerechnet in diesem Zeitraum wegen Baustellen ausfallenden Regionalbahnen u.ä., aber dass sich wohl Mehrere dachten, diese Bohren-Runde mal auszustezen, weswehen es wider Erwarten mal nicht ausverkauft und überfüllt war, machte das Ganze zu einem ziemlich angenehmen Konzertabend. 



Noch was gossipiges aus der Welt der Rockmusk-News oder so?

Apropos Lombardo (s.o.) - das bringt mich dann abschließend auch noch zum folgenden:
Das alles im Leben eine Frage des Mindsets und der Perspektiven ist, das sieht man in der stetig fortschreitenden Diversifizierung der Kunst-/ Kultur-/ Unterhaltungswelt auch darin, wie die Haltungen einiger Musikhelden aus der gleichen Generation so auseinandergehen:
Charlie Benante, seine Zeichens nicht nur Drummer der inzwischen ja leider irgendwie völlig abgehalfterten und unnötig gewordenen Anthrax, sondern auch des aktuellen Pantera-Coverband-Markenschwindels, wird derzeit nicht müde zu betonen, wie Spotify die Musikindustrie ruiniert. Hat er natürlich nicht ganz unrecht, aber dieses "Lars was right"-mäßige Rumreiten auf dem Untergang von allem seit, durch und wegen Napster zum Bedauern des eigenen Bedeutungsverlusts in Form von sinkenden Albenverkaufszahlen ist echt albern und wundert mich aus diesem Lager auch kein bisschen.
Kollege Dave Lombardo
wiederum, als legenäder Ex-Drummer von Slayer ja ungefähr aus der gleichen Sportart und Liga kommend, sieht eher das positive daran, dass die Insassen jetzt die Irrenanstalt leiten können, und stellt in Interviews wiederum eher die Möglichkeiten heraus, die man heute so für DIY-Musikproduktionen hat, redet vom mit der Zeit gehen statt lamentieren und so weiter.
Welche Haltung mir sympathischer ist dürfte klar sein.

Wo wir gerade in der Meddl-Ecke sind:
Voïvod müssen sich jetzt auch noch in die Riege der Altmetall-Markennamen einreihen, denen dann nix anderes mehr als so
'ne Metallica-mäßige Orchester-Geschichte einfällt? Naja.
Ich sach‘ Euch dann jetzt aber mal, warum Voïvod bei mir alles dürfen, auch wenn ich selbst bei sowas dann irgendwie schon wieder so halb raus bin...
Voïvod sind’s halt schon irgendwie wirklich: Eine Band, auf die diese Etikettierungen von wegen „ewig unterbewertete Kultband“, wie die Kritiker-, Musiker- und Nerd-Lieblinge, denen breitere Anerkennung dennoch lange verwehrt blieb u.ä. tatsächlich zutreffen.
Kommt mal zu einer Headliner-Show der Kanadier, wenn sie gerade werktags im vermeintlichen "Dräsch Meddl"-Captial Essen spielen, und Ihr werdet staunen, dass der bei so einer Scheiße wie Gutalax auch unter der Woche im Vorfeld ausverkaufende (!!!) Laden dann bei dieser vermeintlichen Kultband eben doch nur halbvoll ist. Und die Bekannte von Euch, die nur da ist, weil sie momentan den Drummer der lokalen Vorband datet, wird Euch dann auch noch erzählen wie furchtbar sie den Hauptact fand.
Deswegen, wie gesagt: Voïvod sind’s halt wirklich, diese „ewigen Underdogs“, oder welche Floskeln in der Richtung Euch dazu auch immer einfallen mögen, die sich Bauer-Metallern,  Wochenendpunks und allzu audiophilen Radiorockfreunden nicht erschließen.
Weswegen ich jeden neuzeitlichen Erfolgsmoment dieser Band mitfeier', während andere Lieblingsbands rundrum zerfallen (Neurosis sind höchstwahrscheinlich Geschichte, Killing Joke's Geordie weilot nicht mehr unter uns...), auch wenn es umso tragischer und trauriger ist, dass der 2005 von uns gegangene Originalgitarrist Denis "Piggy" D'Amour diesen nicht mehr elerbt...
Dass Ur-Basser Jean-Yves Thériault alias Blacky nur noch in seiner Ecke
abseits davon etwas verbittert sein eigenes Süppchen köcheln muss, von der Band nicht genehmigte (inzwischen auch über einen etwas sketchy wirkenden Mailorder aus Frankreich erhältiche) Bootlegveröffentlichungen fabriziert und man nicht mehr so richtig zusammenkommt, das macht's noch mal eine ganze Spur mehr tragischer.
Und, ach ja, noch was: Dass der aktuelle
Voïvod-Gitarist "Chewy" sich als neuste Aushilfe für das inzwischen völlig abgehalfterte Unternehmen Forbidden hergibt, das ist auch so ein bisschen naja. '88 bis '90 war das ja mal eine passableThrash Metal-Band aus der zweiten Bay Area Reihe, und '94/'97 dann eine durchaus passable* „wir probieren's mal 'nen Tacken moderner“-Band in der zweiten Reihe (*auch wenn reaktionäre Traditions-Altmetaller dearartiges natürlich nicht gerne hören, aber an den experimentelleren Groove-/ Alternative-/ Industrial-Anwandlungen im "Renewal/ Cleansing/ Chaos A.D/ Negatron/ Stomp 442/ Heal/ Great Southern Trendikill"-Metal der Mittneunziger war jetzt auch mitnichten alles schlecht), aber puh, das ist doch inzwischen auch nur noch so ein Markenschwindel in der Kreissklasse wie Pantera in der Oberliga. Und das unnötigerweise mit neuem Frontmann zum Jubläum betourte "Twisted into Form" halte ich eh für das überschätztere Album ihrer überschaubaren Discographie. 

Noch mehr Voïvod -News: Es wird ein Computerspiel geben

Und noch was aus der 
Voïvod Raritäten-Mottenkiste, das für Viele gerade wie aus dem Nix aufgetaucht ist, obwohl bei Youtube schon seit 15 Jahren online:

Jason Roeder (Neurosis) hätten wir auch noch:
"(...) I  was unceremoniously fired By Sleep's manager over the phone back in November. I haven't spoken to Al or Matt in months and that brings some peace to my life that I am thankful for."
Der entsprechende Insta-Post ist inzwischen wieder verschwunden.

Zum "Tool In the Sand" Debakel möchte ich nur mal kurz anmerken, dass mir diese Band ja schon länger irgendwie eher unsympathisch war.

Eine schöne Nachricht ist allerdings, dass es die zwischenzeitlich zerstrittenen Buildings wieder gibt!

Last-minute-mäßig reingekommen but not least, Braniac Performance bei KEXP: