Mittwoch, 25. Juli 2018

Dieser Tage raus (KW30)

Es kam schon und kommt noch durchaus schon wieder so einiges an brauchbarem Lärm raus, diese Woche...

AXIS OF DESPAIR - Contempt for Man
Bei
aus der Klischeekiste für Pseudomisanthropen gefischten Bandnamen und Albumtiteln verdrehe ich ja heutzutage zugegeben auch nur noch abwinkend die Augen, aber wenn Southern Lord, das durchaus für einen gewissen Qualitätsstandard bürgende Doom- und Hardcore-Label der Sunn o)))-Typen schon mal ‘ne Schweden-Grindcore-Platte rausbringt (Namedrop-Stichwort: Nasum-Mitglieder!), dann kann man vielleicht auch mal reinhören.


BELLINI - Before The Day Has Gone
Fast zehn Jahre nach dem letzten Album hört man dann doch mal wieder was von der italienisch-amerikanischen Freundschaft BELLINI, die sich aus Mitgliedern von Girls Against Boys, The Romulans, Soulside und Uzeda zusammensetzen, an irgendeinem Punkt in geraumer Vorzeit auch mal Don Caballero‘s Damon Che im Line-Up hatten und bevorzugt bei Steve Albini aufnehmen.

Charming Indierock mit mathy Schräglage.


BUÑUEL - The Easy Way Out
Benannt nach dem mexikanischen Regisseur, ist BUÑUEL eine noch recht neue Noiserock-Band alter Helden, die Oxbow’s Eugene S. Robinson mit den italienischen Musikern Xabier Iriondo (Afterhours), Pierpaolo Capovilla und Franz Valente (beide Il Teatro degli Orrori) zusammenführt.
Das bereits zweite Album "The Easy Way Out" erscheint diese Woche über La Tempesta International und Goodfellas Records.

Streams: https://lnk.to/TheEasyWayOut

CLITERATI / VIOLATION WOUND Split
Zwischen zwei Sommern haben Tankcrimes ja neulich irgendwie 'ne ziemlich lange Veröffentlichungspause gemacht, hauen jetzt aber auf ein mal wieder ganz schön was raus.
Diese Woche z.B. eine Split-LP, die sich die Queercore-Spaßmacher CLITERATI mit VIOLATION WOUND teilen. Bei letzteren ist kein Geringerer als Autopsy-Drummer Chris Reifert für Gitarre und Gesang zuständig.
Kann man ma' mitnehmen!



COARSE - I
Derbsten Hard-/ Math-/ Metal-/ Grindcore auf Dillinger-, Botch- oder
Norma-Jean-Pfaden verspricht uns das New Yorker Duo COARSE (Ex-Mitglieder von Capsize und Old Wounds) mit ihrer Debüt-7" "I", der zwei Vorab-Songs auf Bandcamp und ein Videoclip zu einem davon vorausgeschickt wurden.


COIL + ZOS KIA + MARC ALMOND - How To Destroy Angels
Noch älter als die COIL-Debüt-EP "How to Destroy Angels" (nach der Trent Reznor bekanntlich auch eine Band mit seiner Ehefrau benannte) ist die auf dieser Cold-Spring-Veröffentlichung eingefangene und geremasterte Londoner Performance, an der neben den Coilern John Balance und Peter Christopherson - beide inzwischen verstorben - auch noch John Gosling (Zos Kia) und Marc Almond (Soft Cell) mitwirkten.
'A Slow Fade To Total Transparency'.


DEAD NEANDERTHALS - Birth
Drone-Kraut-Trance-Noiserock? Mit ihrer zwölfminütigen Digitalsingle "Birth" dringen die sonst auch gerne mal unter "Heavy Jazz" gehandelten Niederländer Otto Kokke (Sax und Synthie) und René Aquarius (Drums) in interessante, hypnotische, krachende Gefilde vor...



DEAF WISH - Lithium Zion
Das ist jetzt wenigstens mal ein witziger Bandname… 

Die australischen DEAF WISH haben mit "Lithium Zion" ihr fünftes Album (und zweites über SubPop) am Start und reihen sich damit wohl endgültig in die Riege legendärer Aussie-Rocker wie Cosmic Psychos, Feedtime, The Scientists, Lubricated Goat und co. mit ein, die ihrer härter nach vorne treibenden Rockmusik schon immer mit so einer gewissen trockenen Lockerheit gefrönt haben.




MARIUS CHWALEK - Volta Penta 
Ana Ott ist ein kleines Label aus Mülheim an der Ruhr, das sich den experimentelleren Klangkunst-Ecken verschrieben hat.
Diese Woche haben sie das Konzeptalbum "Volta Penta" am Start, auf dem MARIUS CHWALEK Sounds elektromagnetischer Felder in sowas wie IDM-/ Ambient-Musik verwandelt hat.



MITON MAN GOGH - XXX Bitter Irony
Believe it or not - "Contemporary Jazz" ist durchaus ein Musikgenre, dem ich mich alles andere abgeneigt fühle, das aber eigentlich mehr so aus „man kann halt nicht auf jeder Hochzeit tanzen / das Boot ist voll / so viel Musik, so wenig Zeit sich adäquat mit aller auseinander zu setzen“-Gründen häufig durch’s Raster fällt. Ich möchte Besserung geloben und meine Aufmerksamkeit in Zukunft mehr solchen Sachen wie MITON MAN GOGH schenken, als jedem generischen Gitarrengeschraddel nachgehen zu müssen (kleiner Scherz am Rande).
Besagtes australische Trio nähert sich in Tenorsaxophon-/ Standbass-/ Schlagzeug-Besetzung jedenfalls einer Form von Jazz, die Anflüge von Metal- und Progrock-Vorlieben durchblitzen lässt und auch schon mal mit dem Stilmittel der Dekonstruktion arbeitet.
Und ja, sowas gefällt mir!



NOPES - Stapler
Es ist gerade ‘ne gute Zeit, um auf Noiserock und Weirdo-Punk zu stehen, denn derartige Musik scheint aktuell vital wie noch nie.
Die kalifornischen NOPES z.B. sind auch so ‘ne Jungspundtruppe, die mit Sicherheit die eine oder andere Scratch-Acid-, Jesus-Lizard- und/ oder Unsane-Platte gehört hat und derart schräg-krachigen Kram dann jetzt auch gerne mal über die Grenze zu rasant peitschendem Hardcore zieht.
Und das kommt gar nicht mal so ungeil!



REMOTE VIEWING - Blood Loss 
The music tells the story of cousins choking to death on the night bus. Of failed suicide attempts in provincial supermarket carparks. Of quiet, kind, generosity. Of parents dying. Of beautiful flower arrangements. Of a lack of patience, and then reprieve.
Äh,okay… Ex-Mitglieder von Palehorse, Million Dead u.a. haben sich hier jedenfalls für etwas zusammengetan, das sich ersten Hörproben nach weitgehend im Schlepptempo durchs Grenzland zwischen fies verzweifeltem Sludge-Doom und lärmig-brachialem Hardcore-Punk dröhnt, kracht und schreit. 

Komplett frei von irgendwelchen Stoner-Metal-Anwandlungen o.ä., einfach nur so richtig geiler Arschlochkrach, wie neulich Drunk in Hell! So muss das!


SINKING SUNS - Bad Vibes
"Noiserock auf Reptilian Records" ist eigentlich schon alles, was man als Kaufargument wissen muss, denn die Namensverwandtschaft zum Amphetamine Reptile kommt ja bei diesem, Anfang der 90er mal als logische Erweiterung eines Plattenladens gegründetem Label bekanntlich nicht von ungefähr.
In Bezug auf die auch schon zehn Jahre existenten SINKING SUNS, deren zweiten Longplayer man diese Woche als LP, CD und Download am Start hat, wird mit ‘ner Menge „richtigen“ Vergleichsreferenzen wie Steel Pole Bathtub, Hammerhead oder Scratch Acid und mit Nachbarn wie Die Kreuzen und Killdozer um sich geworfen, um das entsprechende Publikum anzufixen.
Was völlig legitim ist, denn nach den ersten habe ich tatsächlich ziemlichen Bock auf "Bad Vibes"!



THOU - Rhea Sylvia
Nach dem superkrassen Blackened Noise-Drone-Sludge-Doom "The House Primordial" und dem überraschend ruhig veranlagten "Inconsolable" ist hier, bevor kommenden Monat der nächste reguläre Longplayer "Magus" erscheinen wird, nun also EP Nummer 3, auf der THOU davor noch mal ein bisschen zu allen Seiten aus der Reihe fallen:
Über das Converge-Label Deathwish Inc. hat man sechs Songs parat, die das brachiale und fiese der Band mit melodiöseren Anwandlungen zusammenführen. Und damit meine ich tatsächlich auch „zusammenführen“ im Sinne von „fusionieren“ und nicht einfach nur eine aneinandergereihte Abfolge verschiedener Elemente.
Nicht uninteressant! Geglücktes Experiment oder too much? Wir werden sehen (bzw. hören)...



TIGER NEST - Hell Is A Planet Hidden Behind The Sun
Die Kentucky-Truppe TIGER NEST sieht sich selbst wohl als "Prog-Metal", weswegen ihnen dringend jemand mitteilen sollte, dass Zehn-Minuten-Songs alleine noch keinen Prog machen. Auch bei Bandcamp verwendete Tags wie "Drone" oder "Experimental" sind irreführend bis selbstüberschätzend, denn eigentlich macht man sowas wie relativ handelsüblichen Sludge-Doom-Metal mit stoner-rockiger Kante, eingestreutes Psychedelic-Instrumental inklusive.
Das wiederum ist dann allerdings ein Spiel, das Andere schon schlechter gespielt haben als TIGER NEST auf "Hell Is A Planet Hidden Behind The Sun", und dass der Sound eher nach DIY-Demo mit Newbie-Equipment ohne groß Gear-pornöse Fuzz-Blähungen klingt, das macht's hier fast schon wieder sympathisch.


YOUR GAZE - Noisedive
Wo wir ganz oben schon von allzu plakativen Bandnamen und Albumtiteln geredet haben… YOUR GAZE aus Nashville, Tennessee, die diese Woche ihr Debütalbum "Noisedive" als CD und Download über Forbidden Place Records am Start haben, schreiben sich eine Kombination aus Shoegaze (ach was?), Noiserock (really?), außerdem Spacerock und Postpunk/ 80er-Goth  auf die Fahne.
Das Ergebnis neigt dann recht deutlich eher zur Shoegaze-Seite und angrenzendem, eben eher Dream-/ Noise-/ Goth-Pop, als wirklich zu lärmigem Rock. Vielleicht wie Ascetic: in zahmer.



WAR SCENES - Anorexia
Ich weiß nicht was es ist, das mich in letzter Zeit dann auch noch gelegentlich zu elektronischer Musik kommen lässt, die mir früher zu wenig Song gewesen wäre. Besonders, wo ich eigentlich auch längst aus dem Alter raus bin, in dem man noch zu sowas in schummrigen Clubs bis zum Morgen absteppen würde. Vielleicht ist die Erklärung ja wirklich so einfach, dass ich nach dem tausendsten Rock-/ Metal-/ Hardcore-Konzert dann auch doch auch mal wieder Bock auf ein bisschen was anderes verspüre…
Jedenfalls hat WAR SCENES diese Woche den zweiten Release über Instruments Of Discipline am Start, der Four-to-the-Floor-Techno bietet, aus dem man, wenn man möchte, auch eine gewisse EBM-/ Industrial-Ästhetik raushören kann.



YTE + MESA - Empyreal Dissonance
Aus dem Dunstkreis eines Kollektivs kalifornischer Impro- und Experimentalmusiker stammt diese Psychedelic-Jam-Kooperation des 'Avant-Metal'-Duos MESA und des Krautrock-Trios Yukon Territorial Expansion.
Man sieht sich dabei selbst wohl so ein bisschen in der Ecke von Chrome oder This Heat.



Re-Release 

REVOLUTIONARY ARMY OF THE INFANT JESUS - Mirror 
(The) RAOTIJ ist ein seit 1985 existentes und immer noch aktives Kollektiv aus Liverpool, der Bandname im Übrigen schon die zweite Referenz auf den spanisch-mexaikanischen Filmemacher Luis Buñuel in dieser Woche.
Musikalisch hat man sich dem Neo-/ Freak-/ Dark-/ Psych-Folk verschrieben und experimentiert dabei zuweilen auch in Richtungen wie Tribal-Industrial und Neoklassik, bzw. neigt mitunter in Richtungen, die man heute auch schon unter 'Postrock' verbuchen würde.
Nachdem das zweite Album "Mirror" neulich schon von Occultation Recordings neu auf Vinyl rausgebracht wurde, haben Cruel Nature Records diese Woche dann auch noch eine Tape-Version davon am Start.
Was für Freunde von: Current 83, Dead Can Dance, Sol Invictus, GY!BE, Sabbath Assembly.



Und sonst noch?

Wer sich für minimalistische Experimental-Klangkunst, Field Recordings, Ambient/ Drone/ Noise u.ä. interessiert, der sollte mal die Veröffentlichungsgroßoffensive checken, die das Amsterdamer Label Moving Furniture Records diese Woche loslässt:
HAARVÖL, das offene Kollaborationsprojekt der Portugisen Fernando José Pereira und João Faria, veröffentlicht diese Woche mit "Peripherad Debris" den zweiten Teil einer Trilogie von Sound-Installationen.
PRELIMINARY SATURATION ist ein niederländischen Duo, bestehend aus Steffan de Turck (der mit Tapes, Kontaktmikros, Field Recordings u.ä. arbeitet) und Wouter Jaspers (u.a. auch Mitgründer der Synthie-Hersteller KOMA), das diese Woche "You Are The Universe" verkündet.
Der russische ILIA BELORUKOV (wohl eigentlich Saxophonist) wiederum bietet auf "Nobody Ever Escaped From There" von Fields und Samples garnierte Elektro-Akustik.


Metal-Resterampe: Keine Ahnung, ob’s nicht eigentlich doch eher an mir liegt, aber dass sich Gilead Media gerade scheinbar immer mehr zu einem Label für Standard-(US-Black-)Metal entwickeln, finde ich gerade an dem feinen Händchen für geile Sachen gemessen, das sie in der Vergangenheit durchaus immer wieder mal hatten, ja doch etwas schade. 
Das handwerklich sicherlich würdigenswerte Geballer und Geröchel mit Melodiebögen und Cleangeklimper-Interludien, das INEXORUM diese Woche auf "Lore of the Lakes" bieten z.B. hinterlässt mich in so einer versnobt-gesättigten „Storm of the Light's Bane war 1995 mal, Leude!“-Altherrenhaltung, aus der heraus ich sowas heutzutage eigentlich schon eher nur noch als karikaturenhafte Unmusik empfinde.   

Die andere Seite der geichen Medaille ist dann sowas wie das diese Woche als Tape und digital erscheinende "Demo" von POSSESSIVE: Black Metal in Form punkigen Primitivgerumpels, bei dem die Kellerproduktion mit Lo-fi-Charme durchaus was zur morbiden Atmosphäre addiert. Je nach Tagesform kann ich sowas durchaus schon mal ansprechend, dann wiederum auf Dauer aber auch genauso schnell schon wieder eher witzlos finden, weil man Hellhammer und die frühen Bathory eben auch schon hatte…

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