Mittwoch, 6. Juni 2018

Dieser Tage raus (KW23)

Neue YOB!
Und erst wollte ich schon schreiben, dass diese Woche ja ansonsten ausnahmsweise mal nicht sooo viel an potenziell interessantem auf dem Radar blinkt wie in der letzten oder der davor, aber dann tauchte doch wieder das eine oder andere mehr als man wirklich hören kann mit auf der Liste der Neuerscheinungen auf…

ABSTRACTER - Cinereous Incarnate 
Da ich das erste ABSTRACTER Album von 2012 ganz cool fand, den Nachfolger aber etwas nichtssagend, bin ich durchaus gespannt, wie ihr dritter Langspieler ausgefallen sein mag, erwarte dabei ehrlich gesagt aber auch nichts bahnbrechendes.
Vor allem allerdings könnte man es als (in die eher düster-extremmetallische Richtung abzielende) Doom-Band aus der zweiten Reihe u.U.
wohl nicht so leicht haben Gehör zu finden, wenn in der gleichen Woche die neue Yob rauskommt...


DEATHWARDS - Torwards Death
Auch wenn mich sowas, wie in letzter Zeit öfter mal erwähnt, aktuell bis auf weiteres irgendwie nicht so wirklich reizt, bringen Invictus Productions die nächste Ladung an Patronengurt-Metal der spezielleren Sorte raus.
Hinter der neuen Band DEATHWARDS sollen altgediente Veteranen stecken, welche der Richtung jeweils ganz früher Pestilence, Slayer und Voivod mit einem Schuss von Technik-Faktor à la
Sadus folgen.
Selbsternannte Hellraiser sollten mal reinhören.



GENOCIDE ORGAN - Mind Control
Das Mannheimer Power-Electronics-/ Industrial-Urgestein GENOCIDE ORGAN (mit provokanten Motiven schon seit Mitte/ Ende der 80er aktiv) hat diese Woche mit “Mind Control” mal wieder ein Album übers eigene Label Tesco Organisation raus.



GUDRON / SOYUZ RATS Split EP
Interessante Paarung: GUDRON sind aus Sarajevo, Bosnien und Herzegowina und die SOYUZ RATS aus Norwich, auf der Insel des Vereinigten Königreichs. 

Das Motto ersterer ist kurz und knapp „Gertrude! Getreide! Getriebe!“ (sic!) und die zweiten im Bunde spielen gerne mal ironisch mit Themen des Übernatürlichen.
Die Briten eröffnen die digitale Split-EP mit ziemlich coolem Psychedelic-Punk/ Sludge-Rock, dem man einen gewissen Melvins-Einfluss nicht absprechen kann, das Duo vom Balkan wiederum nimmt sich im minimalistisch-instrumentalen Rumpelsound eines mongolischen Traditionals an.



HILARY WOODS - Colt
Was auf der Bandcamp-Seite der Irin vom Label Sacred Bones Records auch als "Nordic Noir" bezeichnet wird ist generell kein gewöhnlicher Singer/ Songwriter-Kram, denn HILARY WOODS arbeitet nicht nur mit Tasten- und Saiteninstrumenten, sondern auch mit Tape-Machines, Field Recordings und Drones.
"Colt" ist ihr erstes Langspielalbum nach bereits zwei vielversprechenden EPs.



LUMP - s/t
Duoformationen und Pärchen-Bands, wo man auch hinsieht… Die Londoner LUMP z.B. haben sich dabei sowas wie experimentell angehauchter Popmusik verschrieben, die zwischen ihren eher wohligen Vibes auch mal durchblitzen lässt, Einflüsse aus Richtung Shoegaze, Krautrock oder Pink Floyd in der DNA zu haben.


MEGLAMANCHA - Megara
Der fast schon obligatorische, eigentlich bereits vergangene Woche veröffentlichte Nachzügler ist in dieser MEGLAMANCHA’s "Megara" (sagt das mal mehrmals schnell hintereinander…).
Dabei handelt es sich um das zweite Album eines, aus Gitarrist und Schlagzeuger bestehenden Duos aus den Niederlanden, welches das eigene Schaffen eher etwas abstrakter-atmosphärischer Natur als "Noise-Drone" deklariert.



MONOCHROMACY - Living Posture 
Noch ‘ne Sache, die eigentlich schon letzte Woche rauskam: MONOCHROMACY aus San Diego entspricht so ein bisschen diesem aktuellen Crossover-Phänomen, das Metal einer der extremeren und abseitigeren Kanten – ob Corpsepaint-Schwarzwurzelraserei oder Doom im Neurosis-Sinne – und die etwas abstraktere Welt von Dark-Ambient bis Industrial-Noise zusammenführt.
Gut, neu ist das nicht wirklich, aber es greift immer mehr und bunter um sich.
Wer nicht nur zu Sunn o))) pilgert weil’s hip ist, sondern auch was mit Skullflower und Nebenbands, MZ.412 und co. anfangen kann,  der sollte hier auch mal ein Ohr riskieren.



NORDVAGR - Totem
Apropos MZ.412: Deren bekanntlich auch solo aktiver Nordvargr hat den Score zu einem polnischen Crime-Thriller namens "Totem" gemacht und gerade mit dem Rest der Welt via Bandcamp geteilt.



TUNNELS OF ĀH - Charnel Transmissions
Mach Sachen: Dass die britischen Alternative-Metal-/ Noiserock-Vorreiter Head of David in diesem Leben vielleicht auch noch mal wieder was machen werden, ist eine interessante Info, über die ich im Zuge dieser Veröffentlichung gestolpert bin. Vor allem auch Head of David’s 1988er "Dustbowl“ - aufgenommen von Steve Albini und mit keinem Geringeren als Justin K Broadrick, mal eben auf dem Weg von Napalm Death zu Godflesh am Schlagzeug - ist so eine Art Referenzalbum der damaligen britischen Szene, von dem z.B. auch Fear Factory einen Song prominent coverten (‘Dog Day Sunrise‘
auf wiederum ihrem signifikantesten Album "Demanufacture").
Was das mit dieser Veröffentlichung zu tun hat? Die Tatsache, dass es sich bei TUNNELS OF ĀH um ein Soloprojekt von Head of David‘s Frontmann Stephen R. Burroughs handelt.
Das diese Woche via Cold Spring erscheinende "Charnel Transmissions" ist dabei das bereits vierte Album und bietet zeremonielle Ambient-/ Drone-/ Noise-Sphären aus Elektronik und Stimme plus Gast-Percussionist.



UNIFORM & THE BODY - Mental Wounds Not Healing
Ich hatte es noch nicht mal geschafft, ins aktuellste reguläre Album von The Body reinzuhören (inzwischen allerdings schon…), da wurde schon wieder ihre nächste Kooperation angekündigt, dieses mal mit Uniform.
Zwei für sich schon ziemlich derbe, industriell angehauchte Krachmaten-Duoformation
mit jeweils krassen Schreihälsen - davon die eine eher so'n bisschen Punk und die andere extremster Doom-Metal - machen gemeinsame Sache? 
Das könnte ‘ne ziemlich deftige Kiste werden…
 

YOB - Our Raw Heart 
"Yob is Love" lautet das geflügelte Stichwort, mit dem neuerdings um sich geworfen wird.
Und YOB scheinen derzeit mehr mediale Aufmerksamkeit denn je zu bekommen, allerdings hat es da ausnahmsweise mal die richtigen getroffen.

Mike Scheidt und seine Rhythm-Section sind schließlich mit ihrer schieren Doom-Metal-Wucht zwischen Tradition und Moderne, in der allerdings im Gegensatz zu vielen anderen Gerne-Vertretern sozusagen auch ein lebensbejahendes Element steckt, zu dem man sich inzwischen immer mehr wendet, längst eine Marke für sich.


ZU93 - Mirror Emperor
Mich darüber gewundert, wie die italienischen Heavy-Jazzer/ Saxophon-Doomdröhn-Noiserocker Zu ins Labelprogramm des ja doch etwas eso angehauchten House of Mythology passen, hatte ich mich ja eh schon mal.
Diese Veröffentlichung macht die Verblüffung noch mal größer, denn sie markiert eine Kollaboration des Trios mit Neofolk-Paradiesvogel David Tibet (natürlich Current 93).
Hörprobe gibt’s bis jetzt erstmal nur eine über Youtube.


Und sonst noch?


FISTULA, seit Ende der 80er eine der punkigsten und fiesesten Bands der US-Sludge-Metal-Szene, teilen sich ‘ne 7" mit den Gore-Deathgrindern HEMDALE via Patac Records.

Die semimysteriösen Ostblock-Krachmacher JYOTISAVEDANGA haben diese Woche ein neues Album namens "Thermogravimetry Warp Continuum" raus. Begeisterte Vorabstimmen versprechen Genre-sprengenden Black Metal der abgepfiffeneren Sorte.
Kann man sich auf dem Soundcloud-Account des Labels Larval Productions komplett geben.
 

Apropos Black Metal: Altare Productions (Vinyl) und Haeresis Noviomagi (Tape) veröffentlichen diese Woche eine Split der Projekte VILKACIS (alias Michael Rekevics, auch Mitglied von Fell Voices, Vanum und Yellow Eyes) und TURIA (aus dem direkten Umfeld der niederländischen Haeresis-Noviomagi-Clique).
Wer Geklöppel und Gekrächz mit hohem LoFi-/ Atmo-Faktor mag ist da richtig.
 

Das, die Welt schon seit einiger Zeit rege mit kaputtem Krach und derben Geballer versorgende Label Regurgitated Semen Records and Hate Ape Productions hat in dieser Woche das neue Album der japanischen SU19B am Start.
Jene existieren auch schon eine ganze Weile und haben "Neutralize" ihrerseits schon vor einigen Monaten digital auf die Welt losgelassen, weil ihre Mixtur aus Gekloppe, Geschleppe und Geröchel in allerbester Coffins-/ early Corrupted-Manier aber wirklich nicht ohne ist, sei das Ganze hier gerne noch mal mit aufgeführt.

Last but not least habe ich es schon mal gesagt und sag’s auch noch mal: Was ZEAL AND ARDOR betrifft, so weigere ich mich strikt, in einen der Chöre mit einzustimmen. Weder in den der reflexartigen Hater, die alles „hippe“ außerhalb ihrer pseudokredibilen Klischeegeknüppel-Komfortzone ablehnen, aber auch nicht in den der abfeiernden, denn dafür begeistert mich persönlich das Ganze eben doch nicht nennenswert genug.
Man könnt‘ noch um die dritte, gelegentlich schon mal gelesene Meinung erhöhen, die etwa in Richtung "dieser Gospel-Kram ist ja durchaus ganz gut, aber bei diesen künstlich mit drangepappten Metal-Parts, die gerne noch ein bisschen metallischer sein dürften, passt doch irgendwas noch nicht so ganz zusammen?!" geht.
Alles Quatsch, wenn Ihr mich fragt. Manuel Gagneux‘ musikalische Vision ist halt etwas spezieller und die Ausführung davon handwerklich sehr gut, ohne dem Stilstandbein Metal einen zu starken Schwerpunkt einzuräumen. Was es nicht mal unbedingt unsympathischer macht. Aber meins ist es halt trotzdem nicht so wirklich, auch wenn ich mir das durchaus anhören kann und dann nicht schlecht finde.
Diese Woche erscheint jedenfalls auch das zweite ZEAL AND ARDOR Album „Stranger Fruit“.

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