Dienstag, 8. Mai 2018

Dieser Tage raus (KW19)

In dieser Woche dürfte die allgemeine Veröffentlichungsflut an potenziell interessanten Sachen dann ja gerne auch mal wieder etwas geringer ausfallen als in der letzten, oder?

BAR - Keep Smiling
“Ultra Lounge trifft Country Doom mit Afterhour Slowrock” ist wohl einer dieser Selbsterklärungsversuche, die im Grunde alles und nichts aussagen.
Das ehemalige Liquid Laughter Lounge Quartet aus Freiburg legt jedenfalls das zweite Album unter dem neuen Namen BAR vor, welches sowas wie dunkle Geschichtenerzähler-Musik zwischen Folk, Lounge und Blues in Anflüge von Doom-Jazz Marke Club of Gore hüllt.
Am Mischpult hat Alexander Hacke die Hand aufgelegt, dem dabei scheinbar sehr an einem differenziert-skelettiertem Sound gelegen war.



BLÓM - Powerfrau / Skank Witch
Nach einem digitalen Live-Demo im November veröffentlichen die aus einer Band namens Tough Tits hervorgegangenen BLÓM aus Newcastle hiermit ihren ersten Tonträger in Form eines Zwei-Song-Tapes über Hominid Sounds.
Geboten wird Rumpel-Punk/ Queercore in der ohne Gitarre auskommenden Besetzung mit Shouterin, Drummerin und Rumpelbassistin. 



THE BODY - I Have Fought Against It, But I Can’t Any Longer.
Was mir an THE BODY ja gelegentlich ein bisschen aufstößt ist die Tatsache, dass sie immer wieder mal Tonträger recht experimenteller Natur veröffentlichen und sich dabei im Rahmen ihrer Möglichkeiten in verschiedenste Richtungen ausprobieren, live dann allerdings quasi einfach nur ein Konzert mit ihrer „Standardgangart“ ausfüllen (ein ähnliches Problem hatte ich zeitweise auch mal mit Jucifer). Da sie in jener Standardgangart eigenwilligen Noise-Doom-Extrem-Metals eine der am krassesten lärmenden Bands überhaupt sind, ist das vielleicht Meckern auf hohem Niveau, aber nuja.
Generell finde ich die Band ziemlich geil und bin gespannt, in welche Richtung(en) sie ihre gerne mal um Genre-fremde Ideen erweiterten Grundstilmittel (brachialstes Dröhnschepper und fiesestes Geschrei) dieses mal so abschweifen lassen…



BODY VOID - I Live Inside A Burning House
Noch nicht völlig übersättigt an Ultraheay-Schlepptempo-Dröhn-Drück-Metal mit Krächzkeif-Vocals? Dann vielleicht mal das neue Album von BODY VOID aus San Francisco checken, an denen ich immerhin nicht uninteressant finde, dass man sich bei der Gitarrenarbeit scheinbar nicht so ganz sicher ist, ob man eigentlich so ein bisschen ins harmonisch-
düstere oder doch eher leicht atonale driften möchte. Ansonsten isses aber halt mehr so "Khanate Lite".


CAFFEINE - Serac
This Charming Man veröffentlicht diese Woche das Debütalbum des Hannoveraner Trios CAFFEINE, das sich „Punk-/ Post-HC mit dezenten Dosen krachigen Stoner-Metals“ auf die Fahne schreibt, dabei dem ersten Höreindruck ‘On The Verge‘ nach aber eigentlich fast schon ein bisschen mehr nach 'Post-Metal', grobe Richtung The Ocean klingt und an weitere, eher etwas proggy veranlagte Bands wie Intronaut oder (die ganz frühen!) Baroness erinnert.
Was jetzt aber vielleicht auch Erbsenzählerei sein kann. 



CHILD BITE - Burnt Offerings
Die auch gerne mal dahin wo es wehtut (z.B. Köln) gehenden
Detroiter HC-Punks/ Noiserocker von CHILD BITE haben diese Woche eine 2CD-Compilation via Housecore Records am Start, die neben Demos, unveröffentlichten Songs und Material inzwischen rarer EPs und Splits auch die eine oder andere Coverversion enthält, z.B. von Anal Cunt, Bad Brains, Black Flag, Celtic Frost, Dead Kennedys oder Minor Threat, teilweise unter Mitwirkung ihres Labelboss Phil Anselmo


DOOMTRODON - Vampyre Ratt
Comic-affine Menschen werden Zeichner Simon Bisley kennen (u.a. 2000AD-Kram wie Sláine und Judge Dredd, dann auch Heavy Metal und Teenage Mutant Ninja Turtles, Frank Miller’s Bad Boy und DC-Spezialitäten wie Lobo und Hellblazer…), der ferner auch Albencover für Danzig und eine Anthrax-EP gemacht hat.
The Biz war schon vor hundert Jahren außerdem mal Drummer in einer Death-Metal-Band der alten Schule, bei DOOMTRODON wiederum hat er jetzt einen Bass in die Hand genommen. Man macht sowas wie Thrash Metal mit Growl-Vocals und Anflügen von Neunziger-Groove und hat gerade zwei erste Demo-Songs veröffentlicht:



GHOUL / ILL BILL - s/t
Schon länger nix mehr vom „Hardcore, Punk Rock, Heavy Metal for True Freaks“-Label Tankcrimes gehört - der letzte Release (Necot’s „Blood Offerings“) ist ja echt schon ein Jahr her.
Dafür holt man mit dieser Split-7“ jetzt mal richtig aus, denn auf einer Seite ballern GHOUL ihren kurzweiligen 'Splatterthrash' mit deathgrindiger Note raus, und die andere gehört dem New Yorker Hip-Hop-MC ILL BILL (ft. Goretex).
Witzige Kombi: downloads.tankcrimes.com/album/ghoul-ill-bill

 
HOGG - Self-Extinguishing Emission
Man könnte ja jetzt heranziehen, dass HOGG aus Chicago stammen - bekanntlich die Heimatstädte von Wax Trax! Records und dem Ministry-Clan - und somit auf einem geeigneten Nährboden für ein irgendwie punkig und old school veranlagtes Post-Industrial-Projekt blühen, aber das wäre auch irgendwie Quatsch und würde der Sache nicht ganz gerecht. Denn der gesamte Dunstkreis von HOGG und Andy Ortmann, Abstructum, Panicsville und Nihilist Records ist nicht erst seit gerade eben aktiv.
Der Name HOGG steht dabei jedenfalls für minimalistisch inszenierten Industrial-Krach mit gelegentlichem Tribal-Feeling, der so einiges von frühen Throbbing Gristle hat. Und sowas übt generell eine gewisse Faszination auf mich aus.


ILL - We Are Ill
Auf dem britischen Underground-Label Box Records, das auch schon Hausnummern wie die Drone-Doomer Bong oder Eigenmarken-Psych-Noiserocker wie Gnod und die legendären Terminal Cheesecake veröffentlichte, erscheint mit „We Are Ill“ diese Woche ein Werk zwischen rumpligen Punk-Charme, psychedelisch angehauchter Sonderbarkeit und gewissem Pop-Faktor.
Vergleiche mit Riot-grrrl-Größen drängen sich bei der komplett weiblichen Band aus Manchester irgendwie auf, können
dann wiederum aber eigentlich auch mal sein gelassen werden…
Stream & Dowmnload, CD oder LP: box-records.com/album/we-are-ill

LOW DOSE - For Sure (Single)
Sachen gibt’s: Erst lösen sich die Sludge-Punks Fight Amp nach mehr als zehn Jahren Bandexistenz auf, dann finden alle drei Mitglieder plus Sängerin/ Gitarristin Itarya Rosenberg von den ebenfalls frisch aufgelösten Legendary Divorce in einer neuen Band namens LOW DOSE wieder zusammen.
Und man sieht sich selbst musikalisch irgendwo zwischen PJ Harvey, Metz und Slint, während ich persönlich der ersten Hörprobe nach ja auch Nirvana und Hole mit in die Gleichung werfen würde.
Die Band ist
wohl noch dabei, ein Label für’s fertige, selbstbetitelte Debütalbum zu suchen, aber den Song „For Sure“ wollte man dabei schon mal als Vorabsingle in die Welt rausschicken…


SKINLESS - Savagery
Beim letzten SKINLESS-Release hatte ich sinngemäß noch sowas geschrieben wie „eine der wenigen modernen Death-Metal-Bands, bei denen das Gesamtpaket so zusammenfällt, dass ich mir die als Ausnahme der Regel gerne mal reinziehe“, aber jetzt mal ganz ehrlich: Ich bin mit dem Großteil an derartigem Metal
anscheinend halt wirklich erstmal bis auf weiteres so richtig durch, denn eigentlich hinterlässt sowas dieser Tage nur noch desinteressiertes Schulterzucken bei mir. Können SKINLESS selbst natürlich erstmal nix für, weswegen auf ihr neues Album via Relapse aus altverbundener Grundsympathie noch mal hingewiesen sei…


SOFT KILL - Savior
Der „Post-Punk/ Cold-Wave/ Dunkel-Jammer-Rock aus einem Metal-Umfeld“-Release dieser Woche kommt aus Portland bzw. über Profound Lore Records: SOFT KILL tragen ihren Namen wohl nicht ganz zu Unrecht, denn neben einem gewissen The-Cure-Vibe haftet ihrer Musik was fast schon Radio-taugliches, gemäßigt-poppiges an. Wären da nicht doch diese gelegentlichen Momente, in denen sie verhältnismäßig gesehen auch schon mal einen Hauch schräg und/ oder krachig tönen.
Das Ausmaß, in dem derartiges gerade über die üblichen (Goth- und Indie-)Kreise hinaus in Mode gekommen ist (bei Hipster-AZ-Punks genauso wie quer durch die Metal-Szene, bei eigentlichen Hardcore-Musikern genauso wie bei weich werdenden Black-Metal-Lifestylern) verblüfft mich jedenfalls nach wie vor so ein bisschen…



Und sonst noch?

Noch mal Post-Metal: ABRAHAM aus Lausanne hauen diese Woche ihr neues Album „Look, here comes the dark!über das The-Ocean-Label Pelagic Records raus, welches von Genre-Vorreiter Magnus Lindberg (Cult Of Luna) produziert wurde

Offensichtlich kommt das neue Album von CHRCH übrigens doch erst diese Woche, obwohl vor zwei Wochen schon mal als aktuell auf dem Radar gehabt… Weird.

Dem Dunstkreis diverser altgedienter Rock- bis Hardcore-Bands (Farside, Wool) entstammen dann noch SECOND LETTER, deren „Cicatrix“ sowas wie melancholischen Alterna-Rock in der groben Richtung von Bob Mould, Guided by Voices oder Afghan Whigs verspricht. 

Re-Releases

Als Vorboten der kommende Woche erscheinenden „Trigger Happy 2“ EP von COMATONE & FOLEY gibt’s diese Woche vom australischen Geschmackslabel Art As Catharsis schon mal eine digitale Wiederveröffentlichung des zehn Jahre alten „Trigger Happy“ Albums, das auf Pfaden von Aphex Twin und co. wandelnden IDM/ Drum’n’Bass/ Dark-Techno bietet.  

Svart Records bringt diese Woche außerdem „II: Crush the Insects“ von den ungeschlagen verschrobenen Doom-Metal-Kings REVEREND BIZARRE neu (auf Vinyl) raus. Nicht unbedingt ihr bestes Album, aber lohnenswert alleine schon wegen ‘Eternal Forest‘…

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