Montag, 14. Mai 2018

15 Jahre Helvete

Sowohl die FB-Seite der Band, als auch Relapse Records haben kürzlich auf den fünfzehnjährigen Geburtstag von NASUM’s „Helvete“ hingewiesen.
Weil es auch bei mir eines dieser Alben ist, dem bei Erscheinen direkt ein gewisser Status beachtenswerter Relevanz anhaftete und das dabei über die Jahre irgendwie signifikant blieb, möchte ich mich hier gerne mal in die Gratulanten einreihen…




NASUM waren um die Jahrtausendwende rum der ganz heiße Scheiß im Underground. Der Funke, der sowas wie die zweite Welle des Grindcore befeuert hatte und das Ganze wieder mehr in die szenische Aufmerksamkeit von Extrem-Metal-Fans und AZ-Crusties brannte. 

Der zweite Longplayer „Human 2.0“ hatte die Schweden 2000 mit seinem messerscharfen Hyperblast-Dauergeballer derart auf den Thron des aufregendsten Geknüppel-Phänomens der Stunde katapultiert, dass man neben ausverkauften Shows in den ranzigen Punk-Squats dieser Welt sogar auch eine beim damals noch wesentlich traditioneller ausgerichteten Wacken Open Air spielte.
Selbst die Gerne-Urväter Napalm Death blieben davon nicht unbeeindruckt und zogen nach ihrer experimentelleren Groove-Phase der Mitt- und Spätneunziger auch wieder
das Turbotempo an.

2003 erschien mit „Helvete“ dann Album Nummer drei. 

Und auch wenn das 98er Langspieldebüt „Inhale/Exhale“ und besagtes „Human 2.0“ - das auch mich mit seiner höchst rohen Energie und vereinzelten musikalischen Schlenkern (wer die Midtempo-Nummer ‘The Professional League‘ nicht geil findet, hat vermutlich generell noch nie irgendwas kapiert) schwer faszinierte - die irgendwie ‘bedeutsameren‘ Alben gewesen sein mögen, so wurde „Helvete“ direkt mein Lieblingsalbum von NASUM.

Ja, es gibt natürlich den einen oder anderen Nörgel-Fan, dem der Sound von „Helvete“ zu glatt war oder sowas. In der Tat rattert das Album nicht ganz so bohrend-roh durch die Krachbotanik wie der Vorgänger, sondern klingt etwas voller und entgrateter. Sich daran aufzuhängen ist allerdings ziemlicher Bullshit.
Zumal die Band hier gleich zu Anfang mit dem kurzen Gebretter von ‘Violation‘ (38 Sekunden!) und der dann noch ins komplett Irrwitzige abrauschende Schüppen an Geschwindigkeit, Brutalität und spielerischem Detail drauflegenden Folgenummer ‘Scoop‘ – man verzeihe mir diese komplett abgelutschte RockHard-Floskel – wirklich überhaupt keine Gefangenen macht.

‘Scoop‘ gipfelt dann auch noch in einem dieser unglaublichen Brecher-Groove-Parts, der wie die Kirsche auf der Torte ist.
Auf „Human 2.0“ war ‘Shadows‘ sowas wie der herausstechende Hit mit atmosphärischer Schlagseite gewesen, auf „Helvete“ setzte man diese Richtung im etwas ungewöhnlicher arrangiertem ‘Stormshield‘ fort.

Meine persönlichen Lieblingsmomente des Albums passieren allerdings vor allem in der zweiten Hälfte.
‘The Final Sleep‘ ist NASUM’s Version eines Doom-Songs.

Und die wie eine Komposition ineinanderüberfließenden ‘Breach of Integrity‘ und ‘The Everlasting Shame‘ sind mit ihrem speziellen Flow, der schwedischen Extremmetall-Eigenart von einem Schuss Melodie im Riffing und allgemein aggressivem Wahnsinn mit die geilsten 03:38 Minuten, die in diesem Musiksubgenre-Kontext je entstanden sind.

 
Bekanntlich erschien das letzte reguläre NASUM-Album „Shift“ 2004 (und hielt das Niveau, auch wenn es nicht ganz an seine Vorgänger heranreichen konnte), bevor Gitarrist und Shouter Mieszko Talarczyk im Thailand-Urlaub mit nur 30 Jahren Opfer einer Tsunami-Welle des Sumatra-Andamanen-Bebens (und dabei von seiner schwerverletzten Freundin überlebt) wurde.
Als der Mann, der um die Jahrtausendwende nachhaltig neues Feuer in den Grindcore brachte, wird er aber wohl unvergessen bleiben!

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