Mittwoch, 25. April 2018

Dieser Tage raus (KW17)

BAD BREEDING - Abandonment 
Yes! Ein Jahr nach ihrem zweiten Album “Divide”, welches ich ziemlich geil finde, haben BAD BREEDING schon wieder ‘ne neue EP am Start.
Den Jungs aus Stevenage, UK gelingt ein interessanter und bestechender Mix aus Anarcho-Punk-Attitüde, nach vorne rumpelnder Auf-die-Fresse-Musik mit Crustcore-Aura und noiserockigen Schrägheiten, die Vergleichsreferenzen wie frühe Killing Joke, Big Black, Flipper usw. auf den Plan rufen. Ferner vielleicht auch interessant für Amebix- und Voivod-Fans.

Wird Zeit für mitteleuropäische Tourdates! Just sayin'.


BODIES ON EVEREST - A National Day Of Mourning
Als Veröffentlichung auf Sonntag datiert, präsentiert uns die aus zwei Bassern plus Schlagzeuger bestehende Band von irgendwo aus Nordwest-England ein neues Album ihres „Dungeon Wave“-Stils, bei dem es sich um tatsächlich ziemlich Keller-mäßig LoFi-inszeniertes Groove-Gerumpel handelt, zu dem einem kaum noch eine passende Schublade einfallen möchte. Im Zweifelsfall wird’s wie so oft auf Sludge oder Noiserock hinauslaufen, vielleicht sogar auf Industrial-Reminiszenzen, und auch wenn man sich fragt, ob man das denn so wirklich von Konserve braucht, würde ich das Ganze ja wirklich gern mal live sehen und hören. 



BOSS KELOID - Melted On The Inch
Es soll Kreise geben, in denen man auf die unter Prog-Sludge und Innovativ-Stoner gehandelten BOSS KELOID aus England so große Stücke hält, als wäre der Rockmusik in den letzten Jahren nichts besseres passiert. Was ich, als ich dann mal reingehört hatte, ja echt null kapierten wollte. Man nehme ein bisschen Doom-Fuzz und ein paar schrägere Arrangements, obendrauf ‘ne dezent raue Stimme und schon tun Metaller so, als hätten sie was unerhört eigenständiges entdeckt. I don’t get it.
Was nicht heißt, dass die Briten schlechte Musik machen. Auf dem neuen „Melted On The Inch“ scheinen sie dabei noch etwas mehr in Richtung Atmo, Psychedelic und Pathos weiterzurutschen. Nicht lachen, aber es hat irgendwie auch ein bisschen was von aktuellen Opeth.


CHRCH - Light Will Consume Us All
Wenn ich mal ganz ehrlich bin, hatte ich die Sacramento-Doomer von CHRCH nach einem flüchtigen Anzapp-Eindruck vor einiger Zeit schon länger auf der „muss ich mir noch mal genauer anhören“-Liste, aber dann schlug wohl das „so viel Musik, so wenig Zeit“-Syndrom wieder zu.
Dieser Tage ist ihr neues Album via Neurot Recordings raus, und sollte mir mal wieder nach was laaaaangsam, atmosphärisch und brachial schleppendem zwischen traditionellen Doom-Wurzeln, Sludge-Härte und Ambient-Drone-Charakteristiken sein, dann ist „Light Will Consume Us All“ wohl vielleicht das Abum der Stunde, das man mal checken sollte.



DYLAN CARLSON - Conquistador 
Drone-Pionier Dylan Carlson sollte an dieser Stelle eigentlich keiner weiteren Vorstellung bedürfen. 
Sein neues Solowerk ist eine Art von Konzeptalbum, das ähnlich wie das Album „Hex“ seiner Band Earth von Western-Erzählungen inspiriert ist.
Warum dafür seine Ehefrau das Cover zieren muss, das weiß aber wohl nur er…


GROUPER - Grid of Points
Eine weitere Sache der Kategorie „ist mir zwar flüchtig geläufig, aber mehr als das bisher auch nicht“ ist GROUPER, das Projekt von Liz Harris aus Portland, die sowas wie Dreampop/ Shoegaze/ Psych-Folk macht, was zuweilen bis in die experimentellere Drone-/ Noise-Ecke mit reinreichen soll.
Muss ich wohl für in der richtigen (geduldigen, ruhigeren) Stimmung für sein, was ich eher selten bin, aber vielleicht nehme ich mir dieses neue Album ja mal zum Anlass, ausgiebiger reinzuhören.



HASHTEROID - s/t
Der Name impliziert Stoner-Sludge, HASHTEROID aus Vancover machen allerdings eher sowas wie Highspeed-Rock’n’Roll mit starker Thrash-Metal-Kante, beachtlichem Energiepegel und punkiger Hipster-Aura, bei dem man genauso Skateboards vorm geistigen Auge herfliegen sieht, wie man sich die Band nicht nur auf dem Roadburn, sondern auch auf den Bühnen konventionellerer Metal-Festivals vorstellen könnte.
Die Vinyl-Version soll im Juni via Cursed Tongue Records kommen, aber eigentlich ist’s echt nur noch ‘ne Frage der Zeit, bis das Trio von ‘ner größeren Label-Marke aufgegriffen wird, denn die machen echt ganz schön viel richtig.



HUNDRED YEAR OLD MAN - Breaching
Natürlich könnte man jetzt auch miesepetrig-elitär einen Vortrag darüber halten, dass “Post-Metal“ eigentlich schon durch war bevor er angefangen hatte, und dass man
wie der vom Kriech erzählende Oppa ja doch nur immer wieder zu seinen Neurosis-Alben zurückkommt, als in diesem Leben noch mal was von The Ocean, Isis, Rosetta, Mouth of the Dingsbums oder sonstwem aus der Ecke gehört haben zu müssen… ja, könnte man. Ich bin aber derzeit wohl doch eher wohlwollend drauf und kann mir nach bisherigen Hörproben von HUNDRED YEAR OLD MAN‘s „Breaching“ immerhin vorstellen, dass dieses Leedser Sextett mit seiner Mischung aus orchestral anmutenden Postrock-/ Metalgaze-Soundwällen und kantig-brachial groovendem Post-Hardcore live vielleicht ziemlich was hermacht!


LLNN - Deads
Auf die Idee, Schlepptempo-Brachial-Brüll-Metal mit breitflächigen Synthies zu kombinieren, die einen Hauch von Vangelis, John Carpenter und „Terminator“ dazutun, muss man auch erstmal kommen.
Bei den dänischen LLNN funktionierte das allerdings bisher sowohl live als auch von Konserve ziemlich gut und ich bin gespannt aufs neue Album!
(Mixed by Bredahl, mastered by Madsen.)



MALTHUSIAN - Across Deaths
Ja huch, relativ unerwartet und spontan was neues von MALTHUSIAN!
Die irische (Blackened) Death-Metal-Kappelle, die sich den Drummer mit den semi-aktiven bis aufgelösten Post-Black-Metal-Meistern Altar of Plagues teilt, beeindruckt nach wie vor mit einem mächtig klingenden und relativ eigenständig knatterndem Stil, dem tatsächlich auch ‘ne Menge handwerkliche Substanz zugrunde liegt. (Im Gegensatz zu anderen Extrem-Metal-Kapellen, die ultrabrutal und tiefst-atmosphärisch zugleich sein wollen, und dafür einfach nur den Reverb-Faktor ihres Sounds auf Zwölf drehen...)


MAYUKO HINO - Lunisolar
Die passende Promosprech-Floskel hierfür wär’ wohl sowas wie “The Queen of Japapanoise is back!”…
Mayuko Hino war Mitglied der legendären C.C.C.C., bei denen sie in den frühen Neunzigern als ehemaliges Bondage-Porn-Model auch mit zusätzlichen Show-Elementen wie Nacktauftritten und BDSM-Performances für Aufsehen sorgte.
Mit „Lunisolar“ via Cold Spring ist gerade ihr zweites Soloalbum nach dem 2014er "アカシック・レコード" raus, auf dem sie Lärm mit selbstgemachten Instrumenten, dezenten Metall-Percussion und Theremin-Oszillatoren fabriziert.



PINIOL - Bran Coucou
Für Prog-affine Nerds nicht ganz uninteressant sein dürfte die Tatsache, dass PinioL die Kombination zweier Trios sind (in King Crimson-Kreisen eine ja nicht so ungängige Praxis) und sich auch „Zeuhl“ mit auf die Fahne schreiben.
Die durch einen Keyboarder in der Mitte zur Big-Band zusammengeklebten Poil und Ni fabrizieren auf „Bran Coucou“ dann auch sowas wie Weirdo-Prog-/ Math-Rock, der im jazzig angehauchten Wahnsinn die entsprechenden Vorbilder hörbar durchschimmern lässt.
Nicht schlecht! 



PRIMITIVE MAN - Steel Casket
Über das niederländische Kassetten-Label Tartarus Records veröffentlichen die amerikanischen Sludge-Doom-Punks zwei lange Tracks, bei denen sie sich mal ganz ihren Noise-Interessen hingeben.
Muss ich jetzt doch noch auch mit den Noise-Tapes sammeln anfangen? First World Problems…

tartarusrecords.com/album/steel-casket

SCUMWORM - EP
Unter der Selbsteinschätzung „Grindcore/ Powerviolence/ Sludge“
präsentieren uns diese Spanier rau produziertes Geschepper, Geschrei und Geröchel mit einigen coolen Rock’n’Roll-Riff-Momenten.
Wer’s derbe und dreckig braucht ist hier ziemlich richtig!



THE ARMERD - Only Love
Wen es bei ‘ner Band zum Konzept gehört, keinen festen Drummer zu haben, ist mir das ja irgendwie schon etwas suspekt. Auf ihrem neuen Album haben THE ARMERD aus Detroit Ben Koller (Converge, Mutoid Man, All Pigs Must Die) auf diese Position geholt und das Ganze dann auch noch von seinem Converge-Kollegen Kurt Ballou produzieren lassen.
Trotzdem möchte man den experimentelleren Punk/ Hardcore/ Metal so angehen, als hätte man nie eine andere Punk-/ Hardcore/- Metal-Band gehört, und aggressive Musik somit gänzlich neuinterpretieren. Äh ja, is‘ klar, Jungs.

http://music.throatruinerrecords.com/album/only-love 

ZOHASTRE - Pan And The Master Pipers
Ein aus Drummer und Elektroniker bestehendes Duo? Das ist ja spannend! 
Die wohl auch als „zOH/astre“ stilisierte Band aus Frankreich und Italien wirft Drone-Noise-Experimente mit Rockmusikversatzstücken durcheinander und erzeugt mit Elektroakustik, Dudelsack und dienlichen Schlagzeugrhythmen eigenwillige Space-Trance-Kompositionen mit rituellem Charakter.
Wie gesagt: Spannend!



Und sonst noch? Ganz schön viel!

PHARAOH OVERLORD, ein Ableger der finnischen Weirdos von Circle, veröffentlicht wohl dieser Tage was neues unter Mitwirkung der Krautrocker Faust und der Death-Metaller Demilich via Hydra Head Industries, aber ein Bandcamp-Stream oder ähnliches ist dazu bisher noch nicht aufgetaucht.

Der Post-Punk auf einem Metal-Label-Release dieser Woche ist WEATHERED STATUESBorderlands auf Svart Records. Letztere updaten ihre Bandcamp-Seite dazu wie gewohnt eher später als früher.

Die Stoner-Sludge-Doomer von CONFUSION MASTER veröffentlichen ihr neues Album "Awaken" über Exile on Mainstream Records.

Stoner-Freunde sollten vielleicht ferner das dieser Tage auf STB Records kommende Langspieldebüt von LET IT BREATHE cheken.

Die Thrasher von POWER TRIP hauen ‘ne Compilation mit Album-Outtakes, 7“-Singles, Sampler-Beiträgen u.ä. raus.
 
Wenn es Metal-Geklöppel sein darf, kommt wohl auch noch ein neues Album von AURA NOIR und ‘ne Early-Days-Compilation von PUNGENT STENCH. 

 
Aficionados instrumentalen Postrocks freuen sich derweil vielleicht auch noch auf die neue/n von GOD IS AN ASTRONAUT und/ oder TOUNDRA.


Und auch die schottische Prog-/ Post-/ Gothrock-Duoformation MIDAS FALL hat diese Woche ihr neues „Evaporate“ via Monotreme Records am Start.

Ambient? “The Sky Torn Apart” von PAUL SCHÜTZE kommt Freitag bei Glacial Movements raus.

An der Reissue-Front ziehen Southern Lord das 1988er “No More Censorship” von den Washington-Punks SCREAM aus dem Hut, woran nennenswert ist, dass es das erste Album ist, auf dem Dave Grohl getrommelt hat.

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