Freitag, 13. April 2018

Abjection Ritual - Soul Of Ruin, Body Of Filth

Ist mir dann doch auch mal ein längeres Einzelpost-Review wert:
Das vergangene Woche rausgekommene  Zweitwerk des Unterwerfungsrituals auf Malignant Records ist fast schon sowas wie das Album für Leute, denen heutige Neurosis inzwischen zu wenig nach den Neurosis der Neunziger klingen…



Was es zusätzlich interessant macht: Eigentlich ist ABJECTION RITUAL ein noch relativ junges und unbekanntes, im Death-Industrial/ Power-Electronics/ Noise wurzelndes Projekt, das auf diesem neuen Album einen unerwarteten Crossover mit dem wagt, was man wohl so als Sludge-Doom oder Post-Metal etikettiert.
Und keine Ahnung wie gewollt oder zufällig das Ganze so gefallen ist, aber „Soul Of Ruin, Body Of Filth“ tönt teilweise schon gar nicht mehr sooo weit von einem sog. ‘Rip-Off‘  entfernt, der einem so manchen Déjà-vu-Moment Richtung “Souls At Zero”, “Enemy Of The Sun” oder “Through Silver In Blood” ins Gedächtnis ruft.

Dass „Soul Of Ruin, Body Of Filth“ mit einer Frauenstimme beginnt, erinnert ja schon irgendwie ein bisschen an die Neurosis-Übernummer ‘Raze the Stray ‘.
Die Vocals in folgenden Songs klingen dann
teilweise sogar ziemlich nach den Herren Kelly und Von Till...
‘Body of Filth‘ beginnt mit Tribal-Drums und ergeht sich gegen Ende noch kurz in Tiefton-Grooves, ‘Blood Mother‘ ist ein brachial schleppender Sludge-Metaller mit Einbruch in einen komischen Industrial-Noise-Part. Auf den reinen Industrial von ‘Deathbed Conversion‘ folgt mit ‘Ruin‘ ein Track mit melodiös angehauchter Gitarrenarbeit und fiesen Gekrächze, der in der zweiten Hälfte auf ein mal was von Yob hat. ‘Carnassial Passage‘ ist wieder ein (etwas lang geratenes) Noise-Stück ohne Rocksongstrukturen und das fast zehnminütige Finale ‘Old Sins‘ klingt inkl. Einbruch in ruhigere Gefilde wieder ein mal schwer nach Neurosis. 

Die
besagten Oakland-Originale hatten zur entsprechenden Phase ja selbst auch eine stärkere Industrial-Kante, setzten Synthies für Ambient-/ Noise-Elemente und Sprachsample-Intros ein - was etwas ist, auf das ABJECTION RITUAL einen größeren Fokus legen.
Hier liegt dann allerdings auch einer der Knackpunkte und Unterschiede, der irritieren kann: ABJECTION RITUAL scheint erstmal nicht daran zu liegen Songs zu kreieren, die im konventionelleren Rock-Sinne ‘rund‘ sind. Das Material auf “Soul Of Ruin, Body Of Filth” hat eine etwas ‘unfertig’ und chaotisch anmutende Aura, anstatt bis zur episch ausgewalzten Reife durchdacht komponiert worden zu sein. Der logische Flow einer guten Metal-Band fehlt dem Ganzen irgendwie, aber das etwas mysteriöse Projekt aus Pennsylvania ist halt auch eben nicht primär eine Rock-/ Metal-Band, sondern wurzelt wie schon erwähnt in krasserer elektronischer Krachklangkunst. 

 Was dieses Album zu einem durchaus gelungenem Crossover-Experiment macht, denn „Soul Of Ruin, Body Of Filth“ hat tatsächlich viel von dem, was mich einst Neurosis-Fan werden ließ und vielen weiteren Bands, die sich an ähnlichem versuchen, dann doch eher abgeht. 
Alle doch sehr starke Nähe zur mehrfach erwähnten Vorreiter-Combo hin oder her brechen ABJECTION RITUAL hiermit tatsächlich ein bisschen interessant die Szenerie der "Post-Metal-/ Doom-Sludge-/ Downtempocore"-Ecke auf, in der man momentan ja ehrlich gesagt auch schon wieder mehr eingefahrene, generische, sterile und/ oder anderweitig eher langweilende als wirklich aufregende Bands ausmachen kann.
Das Ding gibt’s nur als CD? Wir brauchen eine Vinyl-Version!  


(Interessante Randnotiz noch: Mit Bodychoke gab es ja schon mal eine teilweise Neurosis recht ähnliche Avantgarde-Metal-/ Noiserock-Band eigentlicher Power-Electronics-/ Industrial-Noise-Krachmaten, deren Musik die meisten anderen Epigonen derartiger Stilgefilde bis heute in die Tasche steckt. Man kann nicht oft genug erwähnen, wie unfassbar geil die waren...)

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