Montag, 26. März 2018

Nyak 16 (Klangkunst im Keller)

Ein weiterer netter Abend im Mex, dem Keller des Künstlerhauses im Dortmunder Hafenviertel: Ich muss echt sagen, inzwischen ziemlicher Fan der Reihe Nyak für „intermediale und experimentelle Musikprojekte“ zu sein, die hier ohne regelmäßigen Termin quasi quartalsweise stattfindet.
Denn man kriegt doch immer wieder auch mal interessante Noise-Klangkunst u.ä. geboten. 


Eröffnet wurde die sechszehnte Ausgabe der Reihe vom Portugiesen RAFAEL TORAL. Jener experimentierte in der Vergangenheit verstärkt in der Drone-/ Ambient-Ecke, kollaborierte u.a. auch schon mit John Zorn oder Thurston Moore, legte aber irgendwann die Gitarre beiseite, um sich ganz der Erforschung des Geräusches zu widmen.
Dier Performance in drei Akten beginnt mit einem Marshall-Mini-Amp in der einen und einem Richtmikrofon (?) in der anderen Hand. Toral führt regelrecht einen Tanz auf, der sich darum dreht, aus Feedbacks vom dezenten Pluckern und bis zu breitflächigem Sägen und Dröhnen alles rauszuholen, was sich rausholen lässt.
Dann hat er einen Fender-Miniverstärker in den Händen, den er würgt, schüttelt und drückt.
Der Schlussakt passiert dann mit etwas größerem Verstärker, Wahwah-Pedal und einem anderen Kasten in den Händen.
Eine alles in allem kurzweilige Noise-Performance mit retrofuturistischem Cyborg-Charakter.


Apropos Retrofuturismus: Einen Hauch davon weht auch bei der folgenden Performance von MARTA ZAPPAROLI aus Italien.
Mit Kassetten und Tonband spielt sie Field-Recordings ab, die sie verfremdet und mischt, um Phänomenen wie Elektrosmog ein Klangbild zu geben.
Eine um ihren Hals hängende Lampe ist nahezu das einzige Licht im Raum während dieser Darbietung, die gerne mal in richtigen Harsh-Noise-Walls gipfelt.
Großartig!

Die Finaldarbietung von Armantas Gečiauskas alias ARMA AGHARTA stellt dann einen gewissen Kontrastpunkt zu den anderen beiden Künstlern dar. 
Der Litauer betritt seine Bühne mit einem Spielzeughelm und sowas wie einer Schützenuniform, untenrum allerdings nur Shorts und Barfuß, und ein Teil seines Equipments geht  eher in Richtung Kinderspielzeug.
Als er loslegt, hat das Ganze dann auch irgendwie fast schon ein bisschen was von Happy-Gabber und Nintendo-Noisecore, außerdem vor allem davon, das Kind in sich mal ganz ungeniert rauszulassen. Es ist vor allem der Spaß an Chaos und dadaistischer Albernheit, den Gečiauskas hier auslebt, der unterhalten soll.
Und das ist ziemlich eigen. Vielleicht auch schon etwas zuuu sinnlos-bescheuert. Aber evtl. liegt in derartiger Alltagsflucht ohne plakativen Hintersinn dann wiederum auch ein gewisser Reiz. 
 

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