Montag, 26. März 2018

Fiducia Fest mit Criminal Body & Yacht Communism

Schon zum sechsten mal fand in diesem Jahr das FIDUCIA FEST im AZ Mülheim statt. Eine sympathische Veranstaltung mit Schwerpunkt (Post-)Hardcore/ Screamo/ Power Violence etc., die auch schon in Vorjahren immer wieder mal ein gutes Billing abwarf, selbst wenn’s nicht sooo ganz meine bevorzugte Baustelle ist.
Einen Ganztagsaufenthalt wollte ich dieses Jahr irgendwie nicht hinkriegen, auch wenn einige der Baller-Bands ganz gut sind/ waren.
Für mich besonders interessant waren in diesem Jahr allerdings die Primetime-Positionen (um einen Vortrag herum mit anschließender Diskussion zum Themenkreis „Geschlechterrollen/ Sexismus im Hardcore“ von Dr. Marion Schulze aus der Schweiz) in Form von zwei Bands, die interessante Tupfer im Trend setzen, dass etwas unter dem Stichwort „Post-Punk“ derzeit der heißeste Shit im Underground zu sein scheint.

 
CRIMINAL BODY sind bereits die dritte Inkarnatikon einer Band, die mal als Alpinist anfing, mit reduziertem Line-Up als Jungbluth weitermachte und sich nach einer musikalischen Weiterentwicklung nun auch noch umbenannte.
Das spannende an CRIMINAL BODY ist, dass die drei Jungs Münster sich von ihrer Vergangenheit als infernalisch-intensive (Neo-)Crust-/ Hardcore-Angelegenheit stilistisch zwar gerade wegbewegen mögen, man die „Kernigkeit“ derartiger Musik aber wohl nicht so ganz aus ihrer DNA rauskriegt.
Ihre Musik bedient sich klar bei 80er-Wave-/ Post-Punkl-Einflüssen, das aber mit gehörigen Ecken und Kanten.
Während die Rhythm Section sich gewohnt souverän durch den Set ackert (der Basser spielt gar gelegentlich zusätzlich Fuß-Keyboard und lässt sein Instrument an anderer Stelle mit fetten Akkorden wie eine Gitarre klingen) kommt der Gitarrist und Sänger dabei in seiner neuen Rolle fast schon mal etwas ungelenk rüber, was die Sache aber noch mal sympathischer und authentischer macht.
Das Trio ist mal poppig-tanzbar und mal kernig-krachig, und zu den Highlights des Gigs gehört sogar ein Song mit halbballadeskem Charakter.
Ich fands ziemlich gut und glaube, dass da noch sehr viel Potenzial drin steckt! 

YACHT COMMUNISM schlagen mit ähnlichem Background einzelner Mitglieder in eine ähnliche Kerbe.
Allerdings ist die Musik des Berliner Quartetts trotz ihrer Punk- und Hardcore-Wurzeln noch mal einen ganzen Tacken mehr im schon regelrecht psychedelisch-ätherischen Post-Punk/ Noiserock angesiedelt. Zusammen mit dem Säuselgesang von Frontfrau Leonie hat die vor allem atmosphärische Musik von YACHT COMMUNISM etwas einlullendes, betörendes, meditatives.
Dieses Element des auch mal abgehens oder vereinzelter songschreiberischer „Pointen“ wie bei Criminal Body fehlt bei ihnen völlig. Spannend jedoch sind sie. Man darf gespannt sein, in was für eine Richtung diese vielleicht noch weiterentwickeln werde, wenn sie es tun sollten…


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