Montag, 5. März 2018

Corrupted - Felicific Algorithim

Tjoah, und die Tage habe ich sie dann mal aus der Post gepult, die neue CORRPUTED mit dem Titel „Felicific Algorithim“.
Das Teil war schon im Vorfeld ein leichter Stirnrunzler: Veröffentlicht über Cold Spring, einem eigentlich eher für exotischen Noise-/ Industrial-/ Dark Ambient-, sowie Neofolk und Avantgarde-Kram irgendwo dazwischen, bekannten Label aus England, gibt es dazu betont keinerlei Vorab-Snippets im Netz oder sowas, keine Download- oder anderweitige Digital-Version, sondern lediglich die eine Schallplatte, die sowohl auf 33⅓ als auch auf 45 abgespielt werden kann und soll.

(So ganz neu ist dieser Stunt in der Ecke übrigens nicht, z.B. veröffentlichten die Psychedelic-/ Noise-Urgesteine Skullflower vor drei Jahren eine Split mit ihren eigenen Nebenmarken Voltigeurs und Black Sun Roof!, die auch ausdrücklich auf beiden Geschwindigkeiten dreht - allerdings gibt es dazu einen Bandcamp-Stream/ -Download.  Aber das nur nebenbei.)

Die seit Mitte der 90er aktiven Japaner CORRUPTED sind eh eine interessante Band:
Frühe Splits mit US-Sludgcorelern wie Grief oder Noothgrush waren nachhaltig beeindruckende Lektionen in Sachen Heavyness.
Im Laufe der Jahre ging die Band allerdings vom reinen Brachial-Dröhn-Groove-Geschleppe mit Grölgrunz-Vocals etwas weg in eine Postrock-ähnliche Richtung. Im Rahmen epischer Songarrangements ergingen sie sich mehr und mehr auch in langen akustischen Instrumental-Passagen, die u.a. einen Einfluss aus traditioneller japanischer Musik zeigten. 

Dabei behielten sie immer ein etwas mysteriöses Image als DIY-Einheit bei, die ausschließlich die Musik sprechen lassen will und nur selten mal Interviews gibt, keine Gruppenfotos von sich veröffentlicht und ähnliches.
CORRUPTED wären stilistisch eigentlich prädestiniert dafür, mal als Highlight beim Roadburn aufzutreten oder sowas, aber scheinbar soll es einfach nicht sein. 

Nachdem die beiden Originalmitglieder Hevi (zuständig fürs bestialische Gegröle – anscheinend widmet sich jener inzwischen aber lieber gänzlich dem Thema Cosplay als der Musik, kein Scheiß) und Talbot die Band inzwischen verlassen haben, macht der verbliebene Chew unter CORRUPTED-Banner weiter und führt das Ganze nun in eine völlig andere Richtung: 
Was „Felicific Algorithim“ bietet, hat mit Doom-Sludge-Metal oder auch Postrock-Anflügen wirklich rein gar nichts mehr zu tun.
Tatsächlich geht der Sound der EP von rockmusikalischen Songstrukturen gänzlich weg und baut bedrohliche Dark-Ambient-Sphären auf, um zwischenzeitlich auch noch in Harsh-Noise-Rauschlärm auszuarten.
Eine Seite fängt dabei sogar mit so leisem Niederfrequenzbrummen an, dass man sich für einen Moment fragt, ob man verarscht wird.
Und das Ganze funktioniert auch wirklich sowohl auf 33⅓ als auch auf 45, wozu ich sagen muss, dass ich die schnelle Variante tatsächlich etwas schlüssiger finde, wenn man das dabei überhaupt so sagen kann.

Meinem persönlichen, aktuell sehr großem Interesse an derartigem (die Vorbestellung der Platte hatte ich, wo ich schon mal dabei war, dann übrigens direkt mal eben zu einem größeren Cold-Spring-Einkauf um Tonträger von Ramleh, Skullflower, Sutcliffe Jügend und Carsten Vollmer erweitert…) kommt „Felicific Algorithim“ somit ja wirklich sehr entgegen.
Und die Vorstellung, dass einige „wenn es nicht nachvollziehbar rifft, ist es keine Musik“-Betonköppe unter den Plattensammlern mit völliger Befremdung auf das abgespielte Teil reagieren werden, finde ich dabei ja zugegeben auch etwas amüsant. 


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