Mittwoch, 14. März 2018

Bernocchi/ Einheit/ Quail - Rosebud

Zugegeben: Tonträgerveröffentlichungen, die unter dem Genre-Banner “experimentell”, und dabei auf eine spontane Zusammenkunft mehr oder minder namenhafter Avantgarde-Musikprotagonisten hinaus laufen, die irgendwas zusammen improvisiert, dabei direkt eingefangen und auf den Rest der Welt losgelassen haben, können schon mal schwierig sein.
So sehr ich mich derartigem auch (immer mehr und immer öfter) zugeneigt fühle, handelt es sich dabei oft um etwas, das nach ein paar mal Hören bei Erscheinen dann auch bald schon wieder in den Untiefen der eigenen Musiksammlung verschwindet und dort mehr oder weniger für immer in Vergessenheit gerät.
Soll heißen: Ich habe zwar immer wieder Phasen, in denen mich derartiges sehr interessiert und begeistert - was an Musik langfristig bei mir hängenbleibt, sind dann allerdings dennoch
oft eher die „richtigen Band-Alben“, if you know what I mean...

Havin‘ said that: Aktuell übt das recht oft auf meinem Plattenteller rotierende „Rosebud“ ja doch eine ziemliche Faszination auf mich aus, und hätte ich es bei Erscheinen im vergangenen November schon gekannt, hätte ich es vermutlich sogar  in die Jahresbilanz mit aufgenommen.

Zum Personal: Eraldo Bernocchi ist Gitarrist und „Sound-Designer“, außerdem der Betreiber des Labels RareNoise. Schon in den 90ern arbeitete er mit Mick Harris (Scorn) oder auch mal Bill Laswell zusammen, in jüngerer Vergangenheit fiel er ferner mit Bands auf der Schnittstelle von Avantgarde/ Prog/ Jazz und Drone-Doom/ Post-Rock/ -Metal wie Obake oder Metallic Taste Of Blood auf.
FM Einheit sollte wirklich keiner Vorstellung mehr bedürfen und ist hier u.a.
mit seinen Metallfedern und weiterer Custom-Percussion, sowie Elektronik-Tüfteleien vertreten.
Jo Quail ist, auch wenn man die Dame natürlich eigentlich hätte zuerst nennen müssen, eine klassisch ausgebildete Cellistin und Komponistin, deren Musik mitunter ins atmosphärische und experimentelle driftet.

 
Und die sechs Tracks, die von diesem bunten Trio auf „Rosebud“ entstanden, sind mehr als hörenswert! 
Bei knarrenden Metallfedern, Schab-/ Säg-Geräuschen und ähnlichem im Opener ist klar, dass FM Einheit hinter diesen Elementen steckt, allerdings entschwebt der Track ab der Hälfte immer mehr in andere Sphären, in denen sich die Beiträge der einzelnen Musiker zu einem weiten Ganzen auflösen.
Das folgende "Ministry Of Disinformation" zieht dann erst doch noch mal die Industrial-Kante an und tönt etwas schräger, während die dritte Nummer zunächst von Quail vorgegeben wird, dann aber Elektronik, rudimentäre Rhythmik und verzerrte Gitarre so interessant mit einstimmen, dass auch diese Komposition noch zu was anderem und eigenem weiterzieht.
Mit "Kangoo" folgt ein Song, der gleichermaßen krautig-technoides Flair wie auch Folk-/ Klassik-Charakter besitzt, bevor das finale Doppel einen würdigen Klimax bildet: "A Moment" fällt sehr cool in eine Ambient-esque Ecke zurück und das stimmig abschließende "The Inquirer" könnte mit seinem fiebrigen Gitarrensolo vor Ambient-Drone-Hintergrund wie geschaffen für den Showdown eines Neowesterns oder Roadmovie sein. (Und in der Tat ist Bernocchi wohl großer Fan von Ennio Morricone, was man an dieser Stelle kaum überhören kann.)
 

Ein höchst faszinierendes und packendes Teil, ganz ohne Scheiß. Mehr von sowas!

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