Montag, 26. Februar 2018

Maggot Heart & Reveal

Vergangenen Freitag verschlug es mich ins Oberhausener Helvete, um mir mal MAGOOT HEART zu geben.
MAGGOT HEART sind ein interessantes Thema: Bandleaderin Linnéa Olsson, eine schwedische Wahlberlinerin und nicht zu verwechseln mit der schwedischen Cellistin Linnea Olsson, trat vor ein paar Jahren prominenter mit The Oath in Erscheinung. Einem kleinen Hype, der schnell Geschichte war. 
Danach war sie  - ebenfalls irgendwie so ‘ne Hype-Sache -  aushelfende Gitarristin der finnischen Gothrocker Beastmilk, die sich während der Phase in Grave Pleasures umbenannten.
Aus dieser Zeit ist auch die Anekdote überliefert, dass sie sich weigerte mit einem Rock-Hard-Mitarbeiter zu reden, weil er ein Shirt der Retro-Langweiler Blues Pills trug (eigentlich schon wieder geil!)...
Genug Gründe für Skepsis gab es also. Was mich in Bezug auf ihre neue Band MAGGOT HEART aber doch so ein wenig kriegen konnte, war die zufällig passend zum „#metoo“-Zeitgeist auftauchende Videosingle „Show Them Your Teeth“, die mit einem laut eigener Aussage technoid inspirierten Songarrangement ein bisschen aus dem rausfällt, was ich von außen unter „trve-cool“ eingetütet hätte.

Von einem „Hype“ ist an diesem Abend, trotz der schnell ausverkauften Debüt-EP der Band, im Übrigen auch nicht wirklich was zu spüren, denn der Konzertkeller der Metal-Kaschemme ist überschaubar besucht.

 
Um zum eigentlichen Kern zu kommen: MAGGOT HEART bieten dann auch vor allem das, was ich ganz unironisch als eine „gute Rockshow“ verbuchen würde.
Der zwischen klassischem Hardrock/ Heavy Metal, Rumpel-Punk und atmosphärischem Post-Punk/ Dunkelrock pendelnde Stil der Band wirkt an den Ecken und Kanten noch so ganz homogen abgerundet, was aber vielleicht auch mit dem Charme des Ganzen ausmacht (sieht man mal vom etwas deplatzierten „Uhuu Uhuu“-Part des letzten Songs ab). Zumal es neben den stilistischen Spitzen in verschiedene Richtungen auch mehr Biss zu spüren gibt, als etwa bei den ultraglatten Beastmilk.
Egal wie bewusst oder nicht blitzt dabei ferner auch schon mal ein Hauch von Riot-grrrl-Rotzigkeit Marke L7 durch. Es mag ein etwas anachronistisches und unzutreffendes Klischee sein, aber diese Assoziation ist irgendwie da. 

Insgesamt 'ne ziemlich coole Sache, sollte man im Auge behalten!
 

Was die folgenden und abschließenden REVEAL betrifft, hatte ich ja nicht mit einer derart positiven Überraschung gerechnet, aber hui! 
Der eher altgeschulte Thrash/ Death/ Black Metal der Schweden steckt nämlich mit min. einem Bein bis zum Bauchnabel im modrig-dreckigen, hässlich und asozial rumpelndem Punk, nimmt von dort aus aber auch schon mal die Abzweigung über etwas proggig-verdrehte Songparts.
Mir kamen bei der etwas kaputten Performance des Quartetts u.a. andere jüngere Bands ähnlicher Ecken wie die schon aufgelösten Psychedelic-Deather Morbus Chron, die dänischen Reverie (machen die eigentlich noch was?) und ein bisschen auch die verschrobenen Norweger Okkultokrati in den Sinn, aber doch sind REVEAL ein ganz eigenes Monster.
Es gibt sie also doch noch - in der Metal-Szene wurzelnde Bands, die eben nicht nur einfallslos auf den sicheren Wegen wandeln, sondern sich auch gerne mal dort wo’s wehtut dreckig machen.
Muss ich nun wohl dringend noch auf Konserve checken…

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