Dienstag, 6. Februar 2018

Gewalt & Friends of Gas

Wenn man wollte, könnte man zum Thema GEWALT wohl ‘ne Menge Plattitüden aus der Kiste klischeetriefender Musikjournalistenfloskeln rausschütteln.
Z.B. sowas wie „Der alte Mann will’s noch mal wissen!“ oder „das Comeback des unverbesserlichen Underground-Stars, der einfach nicht anders kann“.
Bei Die Zeit redete man in dem Zusammenhang längst von „Midlife Crisis“, dem „gefallenen Helden der Indie-Szene“ und der „Schönheit des Schalldrucks“...

 
Die Band Surrogat war um die Jahrtausendwende ein Thema. Ein von außen manchmal irritierendes und eines, das für Mainman Patrick Wagner irgendwann ins Leere lief. Es musste eine Dekade verstreichen, bis er mit GEWALT wieder musikalisch in Erscheinung trat. Medieninteresse ist da. Dass sich der Publikumszuspruch weit über einen gewissen Altherren-Musiknerd-Level hinausentwickeln wird, das darf man bezweifeln. Aber das ist völlig okay (glaube ich).

Was man auch an diesem Abend sieht. Der Altersdurchschnitt im Düsseldorfer Zakk ist wesentlich höher als der, der eigentlich schon einen Ticken zu spät auf die Bühne kommen Vorband bzw. Co.-Headliner FRIENDS OF GAS.

 
Post-Punk-Jungspunde aus München, die einen Achtziger-Sound in die Neuzeit ziehen. Drückend, atmosphärisch, hypnotisch, tanzbar. Das Frontmädel kann mit ihrem krächzigen Gesäusel gewöhnungsbedürftig sein, aber die Band ist sehr gut, besonders bei den Stücken in eher etwas zurückgelehnter groovendem Tempo.
Für mich  persönlich hätten es auch zwei Songs weniger anstatt einer vollen Stunde inkl. zur Zugabe noch mal zurückkommen getan, aber wie gesagt: Zwar nicht so hundertprozentig mein Sound, allerdings dennoch ziemlich gut!

Umbaupause, Schlagzeug von der Bühne, als einziges Licht nur rotierende Blaulichter und erstmal 2-3 Minuten reines Drumcomputer-Gerummse auf einer leeren Bühne, bevor es wirklich losgeht.
Dann Wagner in zerfetztem, beschmierten Outfit auf der Bühne, mit dem Fuß die Drumbeats einschaltend, rechts und links von ihm Gitarristin und neuer Basser (Chris B. von Heads.) in schicker Abendgarderobe.
Die Instrumentierung weckt zwangsläufig gewisse Assoziationen zu Big Black oder The Austerity Programm. Die Saiten sägen über den hämmernden Maschinenrhythmen herrlich dick und dissonant, Musik und Mundwerk haben was unmittelbares. 

 
Eine süffisante Karnevalsansage sorgt zwischenzeitlich fast zur Eskalation mit dem Düsseldorfer Publikum (das teilweise eh dezent nervte). Und als es zwischendurch doch mal etwas Light-Show gibt, bittet der während der Darbietung manchmal eher schon etwas ungelenk zappelnde Wagner den lokalen Lichtmann, das wieder runterzudrehen. 
Von der ironisch-überhöhten Selbstläufer-Größenwahndarstellung, die Surrogat immer nachgesagt wurde, sind bei GEWALT – passend zum zerfetztem Anzug - dabei maximal  nur noch erahnbare Bruchstücke geblieben, genauso wie die Musik zwar gleiche Ansatzpunkte zeigt, mit ihrem Drumcomputer-Gepumpe aber doch auch was anderes ist (was mitnichten was schlechtes sein muss).
Vielleicht ist es ja die Umkehrung in sowas wie ein ebenfalls ironisch angeknicktes Kleinkunst-Image. (So, liebes Feuilleton, jetzt toppt bitte erstmal das! Zwinkersmiley!)
Die momentane Veröffentlichungspolitik, eine Reihe von 7“-Singles rauszutun, aber noch lange kein Langspielalbum anzudenken, würde dazu auch schon wieder irgendwie passen.
Eine Billanz ihrer bisherigen Veröffentlichungen in Blogpost-Form wird in naher Zukunft vielleicht mal an dieser Stelle folgen.


Den Konzertabend resümierend kann man jedenfalls erstmal feststellen, dass GEWALT mit ihrem deutschsprachigen Drumcomputer-Noiserock eine eigene Ecke besetzen, in der sie uns gerne noch lange erhalten bleiben dürfen!

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