Freitag, 2. Februar 2018

Don Vito / Nanorisk Akatsuki / Aackr

Möglicherweise habe ich das hier so ähnlich schon mal gesagt, aber der „Djäzz Jazzkeller“, unweit des Duisburger Hauptbahnhofs, hat sich über die letzten Jahre irgendwie heimlich zu sowas wie meinem Lieblingsclub an Niederrhein und Ruhr gemausert.
Ich habe dort schon die göttlichen Minneapolis-Noiserocker Hammerhead gesehen und die japanischen Krawallurgesteine Zeni Geva plus KK Null-Soloperformance. Im Djäzz hat man wirklich ein Herz für die Randsparte(n), denn hier finden mit gewisser Regelmäßigkeit solche Events statt… 8Bit-Soundtüftler, Noise-Künstlerkollektive, lokale Trip-Hopper, speziellere Postrock-Bands, die sonst nirgends in der Gegend unterkommen…. Das sind die Sachen, die ich gerne mal im Djäzz sehe. Und die Kulturlandschaft der Pott-Kernstädte Dortmund/ Bochum/ Essen könnte sich an so einer Abenteuerlust gerne mal noch ein Beispiel nehmen, bei all dem sonstigen Überangebot an allgemeinverträglicher Hausfrauenunterhaltung und generischem Gerumpel…

Genug Lobhudelei; zur Sache: Für vergangenen Mittwoch waren im Djäzz ursprünglich mal DON VITO und die französischen Le Singe Blanc angekündigt gewesen. Letztere mussten aus persönlichen Gründen von der laufenden Tour abspringen, weswegen ein Landsmann von ihnen einsprang und lokal noch die Kölner AACKR als Opener aufs Billing rutschten.

 
AACKR hatte ich neulich ja schon mal an einem kurzweiligen Abend mit den coolen Octo zusammen gesehen und muss zu diesem zweiten Eindruck jetzt mal ganz kritisch sagen: Ist ja ganz nett, was das Duo da so an Instrumental-Rock zwischen Math-/ Post-Andeutungen und dezenten Stoner-/ Früh-Grunge-Tendenzen hinlegt, aber irgendwie eben auch nicht wirklich mehr als nur ganz nett. Was Viele oft an (gerade auch minimalistisch besetzten) Instrumental-Bands bemäkeln, empfinde ich hier tatsächlich auch mal so: Irgendwas fehlt da noch! Über die Hälfte der Spielzeit macht das Ganze zwar Spaß, aber in voller Länge ist dann irgendwann auch mal etwas die Luft raus. Es passiert ab einem gewissen Punkt nämlich keine Steigerung mehr, keine aufhorchen lassende Variation, kein hypnotisches Moment, dem man sich hingeben möchte… die vorgelegten guten und interessanten Parts verpuffen irgendwann in einer etwas nichtssagenden Gleichförmigkeit. Und ein bisschen mehr krachigen Punch dürfte die Band, wenn es nach mir ginge, gerne auch noch haben.
Als halbstündiger Opener war’s aber kurzweilig genug, auch wenn es aus Sicht des Vollerwerbstätigen von Auswärts mal wieder etwas gewagt war, die erste von drei Bands mitten in der Woche erst um zehn nach neun anfangen zu lassen…

 
Ein ganz anderes Kaliber ist dann die Halbzeitshow von NANORISK AKATSUKI!
Der (laut eigener Aussage in Bielefeld geborene) Franzose sitzt an einem schrottigen Drumset, das über Trigger mit Modular-Synthies gekoppelt ist und liefert eine Performance, die man  mit der  gebotenen Kombination aus Schlagzeuggeballer und 8bit-mäßigem Synthiesound-Geplucker und –Gedröhne auch als Einmann-Nintendocore bezeichnen könnte.
Zwischendurch auch mal eben mit Mikro in der Hand sowas wie eine LoFi-Autotune-8Bitpop-Nummer gesungen, eine weitere Nummer mit Geballer und Gesang und zum Schluss noch mal ein Song Rumsbums und Bleepblop.
In der allgemeinen Beklopptheit des Ganzen wirklich eine superkurzweilige und „technisch“ auch faszinierende Angelegenheit.
Da irgendwelche Spaßvögel die auf dem Merch-Tisch liegenden CDs für unentgeltlich hielten (was für Arschlöcher!) habe ich dem Guten dann auch mal gerne eine abgekauft.


DON VITO wiederum wollte ich schon immer mal sehen und ergriff nun endlich die Gelegenheit. Die auch schon mehr als zehn Jahre aktive Band aus dem Umfeld des inaktiven, zugegeben auch von mir schmerzlich vernachlässigtem Spezialisten-Label Discorporate Records ist nämlich ‘ne Marke für sich.
Vergleichsreferenzen? Ja puh! Man  nehme den allgemeinen Wahnsinn von Lightning Bolt, die ein mal aufgestellt nicht mehr abreißenden, Turm-hohen Gitarren-Wälle aktuellerer Swans mit Glenn-Branca-Schulterblick und ein gewisses Dance-Element, das mich an sowas wie die französischen Electric Electric oder die japanischen Nisennenmondai erinnert.
Total geiler Irrsinn im schwer zu beschreibenden Feld weit draußen zwischen ziemlichen Avantgardelärm  und funktionalem Spaß. So in etwa, ja (nicht lachen). Mit Selbstironie statt Pose und eigenwilliger Musik, die Musik sein will und keine kleinkariert-szenische Haltung.
Könnte ich mir ohne Scheiß jede Woche geben und hoffe, dass das nächste mal nicht wieder ewig dauert.
Die aktuelle LP „Comment Ça Va Light My Fire“ wurde natürlich für den Zehner, den sie nur kosten sollte, auch noch mitgenommen.

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