Mittwoch, 24. Januar 2018

O.R.k. & LizZard

Beim ersten Konzert des Jahres ein Stück weit aus der eigenen Krachfetischisten-Komfortzone raustreten und dabei anders als erwartet überrascht werden? 
Warum nicht…

Bei meiner Ankunft im Musiktheater Piano, leider etwas ab vom Schuss in westlichsten Suburb-Zipfel Dortmunds, spielten LIZZARD aus Frankreich bereits und irgendwie auch generell mit ihrer ganzen Stunde fast schon um so 1-2 Songs zu lang, aber: Das Gesehene und Gehörte gefiel.
Ich würde die Band wohl als sowas wie knackig-hartem Alterna-/ Progrock mit starker Metal-Kante eintüten. Keine Ahnung, wie die auf Konserve so klingen, aber live war das Ganze eher erdig und energisch als so glatt und seelenlos, wie ich vielen „Prog-Metal“ sonst empfinde, eher Bauch und Eier als zu verkopft und es rummste auch schon mal ordentlich. Spielfreude, die ansteckt! 


Dann O.R.K.!  Wie ich auf die gekommen bin? Als ich was davon las, dass hier Mitglieder von u.a. Avantgarde-Krachmachern wie Obake und Metallic Taste Of Blood  mitmachen und obendrauf noch King-Crimson-Drummer Pat Mastelotto, ferner was von „Psychedelia-, Ambient- und Mathrock-Anwandlungen“, da war ich überzeugt, mit das mal zuvor ungehört ansehe zu müssen.
Der Bühnenaufbau mit einem auch an Tasten und Laptop agierendem Sänger erinnerte mich direkt irgendwie ein bisschen an Mike-Patton-Bands wie Bungle, Fantomas, Tomahawk oder Peeping Tom – und dazu gleich noch was.
Vor ihm trommelt der über 60jährige Mastelotto genauso kraftvoll wie mit betonter Lockerheit, zwischendurch sogar mal einhändig und mit der anderen Hand auf Tasten zugange oder mit einem Mikro mitsingend.
Gitarrist Carmelo Pipitone spielt eine verzerrte halbakustische, aus der er unglaubliche Sachen rausholt.
Basser Colin Edwin – bekannt durch die Schwiegersohn-Prog-Größe Porcupine Tree und für mich vor allem durch abenteuerlichere Projekte wie Metallic Taste of Blood (auf ihrem zweiten Album  ein schwer zu fassender  Mix aus Postrock/ Metal und Ambient-Dub) und Obake (Doom-Noise-Jazz?) – ist mehr so  der tiefenentspannte Ruhepol der Band.
Sieht man mal davon ab, dass vereinzelte Schlenker in der Musik durchaus an King Crimson zu Adrian Belew-Phasen erinnern, ist es allerdings vor allem der Sänger und Tastenmann, der den Gesamtsound der Band  - und das ist jetzt mein voller Ernst – irgendwie gehörig in die Nähe von Faith No More rückt. 
Leider, das muss man echt sagen, hat der wohl klassisch ausgebildete Lorenzo Esposito Fornasari (u.a. auch bei Obake dabei) nicht das stimmliche oder sonstige Charisma eines Mike Patton, sondern erinnerte mich optisch eher an Bud Bundy, aber die Mixtur aus verspielt abgehender Rockmusik, dazu schon mal pathetisch ausholenden Gesangslinien und Key-Unterstützung – meine Güte, irgendwie kommen  O.R.K. damit heutzutage fast schon dem näher, was ich mir als FNM-Comeback-Album gewünscht hätte, als FNM selbst.
Die Zugabe kam mir noch ferner entgegen, denn mit „I’m afraid of Amricans“ gab’s ‘n Mittneunziger Bowie-Cover.

 
Ganz schön gut. Ja doch, das hat Spaß gemacht! Wie man auf den Fotos sieht, hätte nur auch gerne noch ein bisschen mehr los sein dürfen…

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