Sonntag, 3. Dezember 2017

Why Love Now – ja warum eigentlich jetzt?

Kategorie „Highlights des Jahres“, erster Eintrag:
PISSED JEANS – Why Love Now




Zugegeben, irgendwie ist „Why Love Now“ schon so ein bisschen Fast-Food.  Dieser ironisch gebrochene Hochglanz, dem PISSED JEANS gerne entsprechen, ist zwar was anderes als die Klischees, die viele andere Punk-/ Rock-Bands gerne mal abbilden, es kann einen aber dennoch auch schon mal auf dem falschen Fuß erwischen.
Gefährlich aber gekonnt balanciert die Band selbstbewusst wie selbstironisch manchmal fast schon zwischen Gefälligkeit und Gaga, hat dabei aber schlicht und ergreifend doch mehr Eier als die meisten anderen.
Das beste Beispiel dafür ist die Videosingle „The Bar Is Low“.



 
Das visuelle jetzt mal völlig beiseite: Bei genauerem Hinhören ist der Aufbau dieses nach Indiedisse schreienden Songs mit dem höchst albernen Clip nämlich sogar ein bisschen cleverer, als man erst dachte.
Zum Beispiel dadurch, dass der Refrain eigentlich nur ein mal in der Mitte des Songs kommt, mit einer leicht gesteigerten Wiederholung, während alles davor auf ihn zuarbeitet, und der Song sich danach wieder abbaut.  

Es ist eben doch nicht so ganz das typische Schema, nach dem man einen auf Hüpf-  und Mitgröl-Hit geeichten Song arrangieren würde, auch wenn die Nummer die grundsätzliche Anlage dazu hätte.

So ist’s irgendwie auch mit dem ganzen Album. Welches von „Waiting On My Horrible Warning“ musikalisch wie textlich eher etwas zäh eröffnet wird.
LP-Seite 1 endet dann auch noch mit „I'm A Man“, einer wirr-jazzigen Kooperation mit Romanautorin Lindsay Hunter, die auf eine schrill-humoristische, aber auch seltsam-prophetische Art und Weise ja schon irgendwie das nun, ein halbes Jahr später, allgegenwärtige Thema um „sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ u.ä. vorwegnahm.

 

Um die Sache abzurunden: Dass PISSED JEANS mit einem Track wie dem herrlich treibenden „It’s Your Knees“ dann gar in fast schon etwas metallische rutschen, kommt mir natürlich eher noch entgegen.
„Why Love Now“ ist dabei vielleicht nicht das verblüffendste Album, das man dieses Jahr gehört hat, vielleicht auch nicht das mit dem größtem musikalischen „Klassikerpotenzial“ , aber als hier und da ins alberne driftende Sache, die zwischen den Zeilen dennoch was zu sagen hat, und dessen simpel-punkige Noiserock-Musik manchmal eben doch den Extrakniff mitbringt, der’s interessant hält, dafür schätze ich es sehr.

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