Donnerstag, 28. Dezember 2017

Honorable Mentions 2017 (2)

Mir sind noch drei Veröffentlichungen aus diesem Jahr eingefallen (plus ein weiter zurückgreifender Hinweis), die ich nicht unbedingt in 'ne Jahres-Top-5 mit aufnehmen würde oder sowas, die aber dennoch aus folgenden Gründen hängengeblieben sind:

EGYPT - Cracks And Lines
Ich bezeichne EGYPT ja immer als „Weedeater Light“ und meine das dann noch nicht mal negativ. Die Band macht eigentlich sowas wie beschwingten Stoner-Rock/ Psychedelic-Doom - die krächzige Stimme und der recht kraftvolle Sound rücken es aber ziemlich nah an den Sludge-Metal. Und auch wenn die relativ konventionellen Songs des Trios nix sind, wovon ich jedes Album im Regal bräuchte, ist „Cracks And Lines“ dennoch eines, das sehr viel Spaß macht und in diesem, bei mir persönlich etwas schwierigem Sommer so einige male lief, während die Band dem auch live mal wieder gerecht wurde
Hier passt der olle Stones-Slogan „I know it's only Rock'n'Roll but I like it.“


HACKEDEPICCIOTTO -  Menetekel
(Danielle de Picciotto & Alexander Hacke)

Darf ich mal kurz etwas ausholen und abschweifen? Ja? Okay: Ich bin ja 1.) durchaus Fan von Einstürzende Neubauten und 2.) sehr Doom-affin, wozu genauso eine Liebe zu frühen Saint-Vitus-Alben gehört, wie gerade auch ein anhaltendes Interesse an den experimentelleren Auswüchsen dieses Genres wie Drone und co.  
Warum ich erst dieser Tage darüber gestolpert bin, dass Alexander Hacke von den Neubauten 2009 eine Veröffentlichung namens „Doomed“ rausgehauen hat, auf der er sowas wie ein Drone-Doom-Stück in einer Studio- und einer Live-Version präsentiert, außerdem ein Cover der Vitus-Hymne „Born Too Late“, und das dann auch noch mit dem von mir sehr geschätzten Ex-Neubau F.M. Einheit als Gastarbeiter und Basser Algis Kizys (u.a. Ex-Swans!), das zeugt dann wohl mal wieder davon, dass bei anderen Musikjournalisten was ganz schlimm falsch läuft, wenn sowas interessantes keine weitere Verbreitung findet...
Anyway: Auch zusammen mit seiner Frau Danielle de Picciotto macht Hacke schon länger Musik, und das dieses Jahr unter dem Gruppen-Alias HACKEDEPICCIOTTO veröffentlichte (in so manchem Katalog aber weiterhin unter „Danielle de Picciotto & Alexander Hacke“ laufende) „Menetekel“ ist ein wirklich tolles Album.
Mit Saiten-, Streich- und Blas-Instrumenten und natürlich ihren Stimmen ist das Paar irgendwo zwischen Drone-Klanglandschaften, Krautrock-Reminiszenzen, esoterischem Neofolk und 'nem Hauch von Weltmusik unterwegs und hat dafür definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient als nur die von totalen Nischen-Kunstverstehern.
Ich finds ja echt sehr toll!


SLOW DEATH – Hate Filled World
Copy & Paste von einem Blogpost letzten Monat: Das Label Corpse Flower Records sollte man im Auge behalten! Schon die Bandzusammenstellung ihres Celtic Frost-Tributsamplers war mit u.a. den Horror-Stoner-Deathmetallern Acid Witch (Edit: deren aktuelle ich irgendwie immer noch nicht gehört habe), den Noiserockern Child Bite (mag ich!), den Funeral-Doomern Evoken (wohl sowas wie meine Lieblingsband dieser Ecke!), und einem obskuren LoFi-Projekt mit Neurosis-Beteiligung mehr als geschmackvoll und mit dem Signing von SLOW DEATH beweist man definitiv ein ferneres Gespür für die coolsten Akzente in einer unüberschaubaren Szenelandschaft:
Bei besagtem Quartett fanden sich nämlich Mitglieder von u.a. Cable und Disappearer zusammen, um ihre Vorlieben für straighten Extrem-Metal punkiger alter Schule, atonalen Noiserock und Horrorfilmreferenzen zu vereinen.
Das Ergebnis kann sich mehr als hören lassen, denn irgendwo zwischen rotzigem Asi-Rock’n’Roll, Grind, Thrash/ Black Metal und dem einen oder anderen recht dissonanten Part überzeugen SLOW DEATH auf ganzer Linie.
Wer sind eigentlich Midnight, Mantar oder Kvelertak? Das hier sollte in einer gerechten Welt als der aktuell hotteste Shit an „Bier über sich selbst ausschütten und Kopp gegen die Wand“-Musik gelten!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen