Montag, 4. Dezember 2017

Eng, düster und bang

Vielleicht liegt’s mit an diesem „ist auch mal was anderes als das, was man sonst hauptsächlich so hört“-Faktor, aber „Eng, düster und bang“ mauserte sich über den Herbst immer mehr zu einem meiner Favoriten des Jahres und landet seit einigen Wochen alle paar Tage wieder auf meinem Plattenteller.


 

KIKU ist ein Projekt von Yannick Barman (von Haus aus eigentlich Trompeter) aus der Schweiz, das sozusagen die Grenzen zwischen Jazz, elektronischer Soundmanipulation und irgendwie auch einem Hauch von Rock-Spirit auslotet.  Black Cracker ist ein amerikanischer Underground-Rapper und –Lyriker im Berlin-Exil. Und Blixa Bargeld, nun ja, ich glaube, den sollte ich hier wohl am wenigsten jemanden vorstellen müssen…
(Letzterer war – zumal derzeit eh mal wieder auf einem Neubauten-Trip inkl. gutem Konzerterlebnis - zugegeben auch der Aufhänger, warum ich überhaupt in dieses bereits zweite Album besagter Personalzusammenstellung reingehört habe, nachdem 2015
bereits  ein Album in dieser Konstellation unter dem Titel „Marcher sur la têteerschien.)

Der Ansatz von KIKU, in erster Linie Musik zu machen und dabei nicht wirklich auf eine bestimmte Stilkategorie o.ä. zu schielen, geht hier jedenfalls tatsächlich auf.
Auf dem Papier mag sich eine jazzig wurzelnde Kombination aus Elektronik und live gespielten Instrumenten, Beats und Bläser, obendrauf einem Wechsel von englischem Sprechgesang und deutscher Sanges- und Erzählstimme (textlich abgeleitet  von Jean Paul, „Erstes Blumenstück, Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei“) etwas wirr anmuten, aber die Zusammenführung all dieser Kontraste funktioniert auf  „Eng, düster und bang“, in einem dynamisch sehr breiten Spektrum, erstaunlich gut.
Es gibt auf dem Album z.B. ein paar bissige Akzentuierungen.  So kracht die zweite Nummer "Ich lag einmal vor der Sonne auf einem Berge" im letzten Drittel etwas lauter und hektischer los und Blixa lässt sich zu einigem seiner berüchtigten Shrieks  hinreißen.  2LP-Seite C beginnt mit pumpender Dance-Kante und  der Titeltrack gibt sich gar völlig ungeniert einer Stakkato-Bratgitarre hin.
Die allgemein durchaus ein wenig in die Trip-Hop-Ecke driftende Gesamtaura des Teils unterstreichen solche Ausbrüche dabei dann sogar eigentlich noch eher, anstatt irgendwie zu weit rauszugehen.
Ich tue mich ansonsten tatsächlich schwer damit, für „Eng, düster und bang“ irgendeine passende Schublade aufzumachen, aber wie gesagt läuft das Teil, seit ich im Erscheinungszeitraum bei Bandcamp reingehört und mir dann direkt die 2LP bestellt habe, nach wie vor immer wieder bei mir. Und das sagt dann ja auch einiges darüber aus…

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