Freitag, 3. November 2017

Maschinenfesttag mit Lustmord, Sutcliffe Jügend, u.a.

Zum „Southern Lord Showcase“ in Amsterdam hatte ich es dann doch nicht geschafft und die Melvins hatten das Gebäude 9 in Köln vor meiner Nase bereits ausverkauft, allerdings war das wohl bei der Freizeitplanung auch so ein bisschen Glück im Unglück, denn LUSTMORD und SUTCLIFFE JÜGEND mal am gleichen Abend zu sehen, hatte ohne Frage auch mal was für sich...
 
Das dreitägige MASCHINENFEST findet schon seit 2010 immer wieder in der Oberhausener Turbinenhalle statt und hat sich als  Event für Sparten in der Sparte etwas krachigerer elektronischer Musik etabliert.
Den Sonntag davon war ich aufgrund des bestechenden Billings dieses Jahr dann mal dabei.
Was einige der gesehenen Acts betrifft, können wir es mal abkürzen, dass der mit Ethno-Akzenten durchsetzte Industrial von META MEAT (nicht lachen, aber es hatte schon einen Hauch was von Safriduo…), das Rhythmic-Noise-Gestampfe vom Laptop-Duo S.K.E.T. und der Industrial-Techno von MONOLITH (letztens noch beim Muk.E gesehen…) allesamt nicht sooo mein Ding waren, aber so für "zwischendurch mal was anderes" doch schon okay gingen. 

Breakcore-Artist GORESHIT setzte ein paar zusätzliche Abwechslung bringende Akzente, auch wenn ein „Klassikmusik-Sample plus Amenbreaks“-Song schon ein bisschen sehr offensichtlich sowas wie ‘n Kreisklassenvariante von Venetian Snares war.
 
Als Überraschung und heimliches Highlight entpuppten sich allerdings erst mal HORSKH. Und das, obwohl der Sound der Franzosen eigentlich prädestiniert für Witze der Marke „die Neunziger haben angerufen…“ wäre.
Eigentlich ist Musik, die man unter „tanzbarer Electro-Industrial“ eintüten kann, ja nicht sooo wirklich mein Ding, allerdings ziehen diese Franzosen eben sowas über die Grenze zu Rock-/ Metal-Strukturen, die an die ganzen Epigonen von NIN u.ä. erinnern, sprich an Zeiten, in denen die Symbiose aus elektronischer Gruftmucke und Metal-Gitarren was neues und aufregendes war.  
Zur Gitarre griff der Shouter und Synthie-Ein-/Ausschalter der Duoformation neben seinem Live-Schlagzeuger zwischenzeitlich nämlich auch noch für zwei Songs, aber auch ohne diese war das Ganze live tatsächlich dermaßen am braten und knallen, dass die Halle gut am beben war.
Das hat echt sehr viel Spaß gemacht! Wer hätte das gedacht?

Schluss mit lustig war natürlich bei der SUTCLIFFE JÜGEND.
Und das britische Power-Electronics-/ Industrial-Noise-Urgestein hat mich dann auch völlig umgehauen. 

Kevin Tomkins (Vocal-Vortrag und gedrehte Knöpfe) kommt wirklich irgendwie wie ein in die Jahre kommender Serienkillertyp rüber, während Paul Taylor (andere gedrehte Knöpfe und Gitarrenkrach) so angepisst ins Publikum bzw. Leere starrt, das sich jeder Pseudomisanthrop in irgendeiner Black-Metal-Band von dieser asozial-abweisenden Aura gerne so manche Scheibe abschneiden würde.
Der dargebotene Lärm bzw. die gesamte Performance hat etwas unbehagliches, aber irgendwie auch eingängiges. 

Und dieser Song, ja meine Fresse, dieser Song von ihrem aktuellen Album. Offensichtlich war’s ein perfekter Zeitpunkt, um SUTCLIFFE JÜGEND zum ersten mal zu sehen.
One for the books, ganz ohne Scheiß!

 
LUSTMORD hatte dann noch die Ehre, das Festival dann kurz nach Mitternacht zu beenden. Ca. eine Stunde lang saht man den vor einer Leinwand am Laptop stehendem Waliser Brian Williams dabei zu, wie er dem Arbeitsgerät düstere Klangcollagen entlockte. Interessanterweise verblieb er dabei nie zu lange beio einem Thema, sondern das Ganze blieb ständig in Bewegung, zog manchmal früher als erwartet weiter zum nächsten Sound, um schlussendlich wieder ca. bei Anfang anzukommen. Hinter ihm Projektionen von Wolken, dann auch von Feuer, dann gings ins Weltall…
Obwohl ich derartiges in einem Festival-/ Stehkonzert-Rahmen manchmal auch etwas schwierig finden kann, war’s tatsächlich ganz schön packend und cool.

 
 
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen