Mittwoch, 29. November 2017

Dieser Tage raus (KW48)

An Musikneuerscheinungen, die ich auf dem Radar habe, ist’s vor allem mal eine auffällig elektronische und unmetallische Woche…

AZAR SWAN - Savage Exile
Schon interessant, dass man im vermeintlich etwas hipsterigen Teil der Metal-Szene mehr und mehr dazu übergegangen ist auch Musik – Achtung, schlimmes neudenglisch – zu embracen, die von Post-Punk bis Industrial-Noise mehr oder minder eher der Gothic-Ecke zuzurechnen ist. Etwas, das in solchen zuletzt sehr auf Stoner-Sound fixierten Kreisen lange Zeit eher als uncool galt, aber spätestens seit Beastmilk und co. eben nicht mehr, gruftige Pop-KünstlerInnen wie Zola Jesus sind bis in Metal-Kreise vorgedrungen und auch Stile wie Industrial-Rock erleben gerade ein Comeback…
AZAR SWAN sind eine Duoforamtion aus New York, die in Richtung dunkler Synth-Pop neigt, und deren neues Album via [aufnahme + wiedergabe] sich dabei ersten Kritikerstimmen zufolge in eine Richtung entwickeln soll, die nicht unbedingt immer die direkt zugänglichste ist. Und Übersee hat's tatsächlich auch schon die Metal-Blogosphäre aufgegriffen.
Songs von "Savage Exile" kann man auf dem Soundcloud-Profil der Band hören: soundcloud.com/azarswan

CHOKE CHAINS – Android Sex Worker
Fuzzy-noisey Rock’n’Roll: Das Los Angeles Label Hound Gawd! Records veröffentlicht dieser Tage das neue Album der CHOKE CHAINS, einer Band um Thomas Jackson Potter of Dirtbombs Fame auf den Spuren von Hawkwind und Chrome!
Bandcamp-Seiten, auf denen man zwar Merch bestellen, aber keine Musik hören kann sind allerdings ein Konzept, das sich mir nicht so ganz erschließt.


CROOKED FACE - Shroud 
Ein Typ für Power-Electronis/ Harsh-Noise/ Dark Ambient/ Spezial-Techno und Industrial bin ich ja nur teilweise (wenn auch in letzter Zeit mal wieder immer öfter). Deswegen weiß ich über CROOKED FACE gerade auch nicht viel mehr außer, dass ich sich hierbei um ein derart geartetes Projekt handelt, welches über ein Label erscheint, das sich neben Death/ Black Metal und Drone-Kram (u.a. Chaos Echoes, Death Fetishist, Krieg, Locrian, Yellow Eyes) auch scheinbar immer mehr in so eine Richtung ausstreckt.
Der semimysteriöse Label-Betreiber selbst z.B. hat diese Woche außerdem mit „Grant Eternal Joy“ unter dem Namen Komm Herre Gott ein eigenes elektromusikalisches Machwerk am Start.



DJ SKULL VOMIT - Deadly Observation
DJ Skull Vomit alias Singaya alias Tony Welter, auch Teil des Electro-Grind-Duos Eustachian, hat sich bei dieser EP auf Prspct Rvlt für seinen Punk- und Metal-beeinflussten Breakcore Unterstützung von jeweiligen Gastmusikern aus sowohl der elektronischen als auch gitarrenmusikalischen Ecke geholt. Darunter u.a. Justin Pearson (The Locust, Retox, Dead Cross), die Einmann-Black-Metal-Band Mare Cognitum, Sänger Steve Grimmett (Grim Reaper, Onslaught) und Green Jelly (kein Scheiß, genau die gibt’s immer noch). Phew…


HACKEDEPICCIOTTO - Menetekel
Einstürzende Neubauten’s Alexander Hacke und seine Ehefrau Danielle de Picciotto sind ja auch als jeweilige Solokünstler, in weitere Richtungen offene Kollaborateure, wie mit gemeinsamen Projekten sehr umtriebig. Einiges davon ist manchmal gar nicht so weit von den Neubauten entfernt, anderes wagt sich aber auch schon mal weiter davon weg.
Ihr neustes Kollektiverzeugnis ist „Menetekel“. Ein Album, das von aktuellem Zeitgeschehen wie von persönlichen Befindlichkeiten beeinflusst ist und thematisch wie musikstilistisch genauso die düsteren wie die schönen Dinge hervorheben soll, lautere Töne genauso wie ruhigere anschlägt.




INTERCOURSE - I Honestly Don't Care When Or How I Die Anymore 
Die sich selbst auch als “Outsider-Hardcore”-Band sehenden INTERCOURSE haben spontan zwei Songaufnahmen rausgehauen, deren ursprünglich angedachten Compilation-Veröffentlichungen dann nicht passierten.
Andere packen die mit Derb-Noiserockern wie Grizzlor verbandelte Truppe aus Connecticut ja wiederum eher in die Schublade eingenwilligerer Grinder wie Nosebleed. So oder so...


JK FLESH - Exit Stance
Das 2012er Album „Posthuman“ von JK FLESH war seinerzeit ja mal sowas wie ‘ne ganz coole Godflesh-Ersatzdroge. Es folgte eine Split mit Prurient auf Hydrahead, auf der sich das Ganze dann eher
noch mal weiter Richtung IDM/ Breakcore verschob.
Nun gibt es Godflesh
selbst ja inzwischen wieder und Justin Broadrick veröffentlicht unter seinem JK FLESH Soloprojekt in erster Linie reine Beat-Rummserein, die auch gerne mal völlig ungeniert in die Richtung von (Dub-/ Industrial-)Technomusik nach Four-to-the-Floor-Schema gehen.
Diese Woche ist die neue EP „Exit Stance“ über das Label Downwards raus.



LITANY FOR THE WHALE - Mara
Eigentlich ein Nachzügler vom vergangenen Freitag, fand ich von der Liste an abgecheckten Nachzüglern in der allgemeinen Veröffentlichungsflut der letzten Zeit diese EP von LITANY FOR THE WHALE immerhin so interessant, dass ich sie doch auch mal noch erwähnen wollte.
Man könnte die wohl auch schon zehn Jahre aktive Truppe aus Santa Rosa, Kalifornien am ehesten in die Post-Hardcore-/ Screamo-Eckle stecken - dass sie in dieser aber sowohl breitbeinig mit gewisser Metal-Kante stehen, als auch stilistisch noch weite Sachen ausprobieren anstatt die ganze Zeit nur auf dem gleichen Gelärme rumzureiten, das macht die Sache irgendwie sympathisch.


PRURIENT - Rainbow Mirror
Apropos PRURIENT:
Auch hier sind wir noch mal beim Thema Power-Electronis/ Harsh-Noise/ Dark Ambient/ Avantgarde-Industrial-Techno oder wie auch immer man das nennen möchte.
Die 2015er Doppel-CD bzw. Dreier-LP „Frozen Niagara Falls“ fand ich ja eigentlich ganz cool, habe aber zugegeben wirklich nur selten die Zeit und Muße mir ein derart geartetes Mammutwerk eineinhalb Stunden lang reinzufahren.
"Rainbow Mirror" setzt dem noch mehr als einen drauf, denn hierbei handelt es sich um eine 4 CDs (via Profound Lore) bzw. 7 LPs (!!! – über das eigene Label Hospital Productions) umfassende Veröffentlichung.
Alter Vatter…


RMFTM - Subversive III: De Spelende Men
Die neuerdings abgekürzten Radar Men From The Moon aus Eindhoven legen ihr neues Album via Fuzz Club Records vor.
Ob die Anleihen von „Cold Industrial Techno“, an denen sich die Psych-Rocker darauf ausprobieren der grandiosen Kooperation mit Gnod geschuldet sind, die ja ebenfalls etwas kühl-maschinell ausfiel – keine Ahnung. Dass sich ein Teil des Gitarrenmusik-Undergrounds derzeit allerdings dann doch mal wieder in so eine Richtung entwickelt anstatt nur irgendwelchen vermeintlich warmen Retro-Schnarch wiederzukäuen oder auf den ausgelutschtesten Stonerfuzz-Pfaden zu wandern begrüße ich persönlich allerdings sehr…



Und sonst noch?

Eine neue 2-Song-EP in digitaler und 7“-Form von GEWALT, die sich weiterhin weigern ein Langspielalbum zu machen, gibt’s auch noch: gewalt.bandcamp.com
Außerdem inkl. Livesession-Videoclip:



Doch noch etwas Black Metal? Vendetta haben gerade eine Split von ULTHA und PARAMNESIA als Tape, auf Vinyl und digital am Start:


Auf dem derzeit seeehr aktiven Label Art Of Catharsis ist auch schon wieder einiges los. Ins jazzige driftende Experimentalrocker (The Physics House Band) haut man dabei genauso raus wie eine Split ganz derber Krachmaten (Siberian Hell Sounds / Convulsing).

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