Donnerstag, 19. Oktober 2017

Young Widows‘ Spätwerk

Die sich in der letzten Ausgabe mit Seven That Spells beschäftigende Blogpost-Serie über Alben, die zumindest für mich schon sowas wie moderne Klassiker sind, möchte ich an dieser Stelle mit den YOUNG WIDOWS fortsetzen, von denen ich tatsächlich nicht nur eine Veröffentlichung hervorheben kann, sondern auf deren letzten zwei Werke ich eingehen möchte…

Die YOUNG WIDOWS lernte ich eigentlich erst mit ihrem bisher vorletzten Album „In and Out of Youth and Lightness“ (2011, Temporary Residence) so richtig kennen.

Vorangegangene Veröffentlichungen der YOUNG WIDOWS, die bis 2006 unter dem Namen Breather Resist noch dem Mathcore frönten und sich deshalb umbenannten, weil sich ihr Stil in einem großen Schritt spontan verändert hatte, offenbarten erst noch Post-Hardcore/ Math-/ Noiserock der etwas kantigeren Art.
2011 erfolgte dann der nächste musikalische Quantensprung…

„In and Out of Youth and Lightness“ ist ein fast schon ruhiges, sehr atmosphärisches Album, für das man eine Genrebezeichnung wie Dark Americana, Heavy Folk oder Gothic-Blues bemühen möchte. 
Den Noiserock-/ Post-Hardcore-Kern der Band kann man am Rhythmus-Fundament bzw.
im Sound-Skelett zwar noch gut erkennen, doch ist der musikalische Schwerpunkt in einen völlig anderen Kontzext verrutscht.
Aufgrund der düster-warm flirrenden Surrealität, die das Album mitunter ausstrahlt, weckt es bei mir immer wieder die Assoziation eines Fiebertraums im Auslauf…
Und ich würde sogar tatsächlich so weit gehen, dass es für mich eine der interessantesten und packendsten Überraschungen dieser Dekade war.

Der Nachfolger „Easy Pain“ erschien im Frühjahr 2014 und verblüffte noch mal: Dem sehr natürlich fließenden Dunkel-Rock des Vorgängers addierte das Trio aus Louisville, Kentucky wieder mehr Noise hinzu. Es dröhnt dissonant und scheppert krachig, der Sound ist seltsam kantig und doch sind die Songs ähnlich moody-melodisch wie auf dem Vorgänger, wenn auch etwas kompakter auf den Punkt gebracht.
Diese Mischung aus Blues-Feeling und fast schon Industrial-Reminiszenzen erinnert nicht nur ein wenig an New Yorker Neunziger-Noiserocker wie Barkmarket oder Cop Shoot Cop, sondern hat irgendwie auch ein bisschen was von den Neubauten zu ihrer besten Phase.


Danach wurde es dann auch leider erstmal wieder ruhiger um die Band. 
Evan Patterson (Gitarre, Gesang) ist auch solo und mit dem Projekt Jaye Jayle aktiv, kollaboriert ferner auch schon mal mit Emma Ruth Rundle.
Basser Nick Thieneman hat mit seiner Frau ein Projekt namens Fool’s Ghost gegründet und wirkt außerdem bei Fotocrime mit, eine in Richtung Post-Punk tendierende Band, die von  Ryan Patterson (Ex-Coliseum) gegründet wurde.
Drummer Jeremy McMonigle ist mit Familienleben und Schlagzeugunterricht geben beschäftigt.
YOUNG WIDOWS existieren zwar offiziell immer noch und wollen laut eigener Aussage 2018 auf irgendeine Art und Weise das zehnjährige Jubiläum ihres Albums „Old Wounds“ feiern, aber was darüber hinaus noch mal passieren mag bleibt abzuwarten...


„In and Out of Youth and Lightness“ und „Easy Pain“ sind jedenfalls - lange Rede, kurzer Sinn - zwei Alben, die ich ganz, ganz großartig finde!

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