Mittwoch, 25. Oktober 2017

Jucifer, Groll, Düsseldorf

Die Qual der Wahl, ob man sich nicht vielleicht doch mal Pharmakon in Kölle anguckt wurde einem durch eine Absage eben dieser abgenommen, also mal zum bestechenden Gitarrenlärmkraftpaket in Form von JUCIFER und GROLL nach Düsseldorf rüber, wo man sonst gerad‘ nix vorhatte…
Bei unserer Ankunft im mäßig gefüllten Kulturschlachthof spielt der Local Support DRONE MOUNTAIN COUNTRY CLUB schon und ist gar nicht mal so scheiße wie sein Name.
Die Jungspunde spielen wohl eine ihrer ersten Shows überhaupt, und dafür war der, zwar doch etwas generisch fett dröhnende Sludge-Doom durchaus echt okay. Passagen mit Vocals hatten was von Crowbar.

Bevor GROLL nach einer etwas verstrahlten Umbaupause loslegen, möchte der stylish gekleidete, aus Kalifornien stammende Veranstalter etwas sagen und ergeht sich in seiner Muttersprache in einem Monolog darüber, wie großartig Serpent Eater sind. Die beiden Bands teilen sich zwar ein Mitglied, aber so richtig verstanden hat die Ansage (kausal) trotzdem wohl niemand…

 
GROLL sehe ich an diesem Abend jedenfalls zum ersten mal mit ihrem neuen Basser (der in Socken zusätzlich mit Subbass-Pedalen zugange ist) und ein paar neuen Songs, bei denen die Mixtur aus Doom, Crust und Black Metal noch deutlicher zu letzterem fällt und mit schnellen Blasts nach vorne schrotet.
Wie immer eine ziemliche Bank, ich find' GROLL echt einfach gut!
Wird Zeit, dass die mal mit neuen Aufnahmen aus der Hüfte kommen, denn die letzten sind ja schon ‘ne Weile her…
Nach dem Auftritt gibt der lokale Veranstalter dann noch eben von der Bühne einen Shoutout an den anwesenden „Dusseldorf Underground“...

JUCIFER live kann der Erfahrung nach manchmal auch schon ‘ne etwas tagesformabhängige Sache sein (also bei mir jetzt). Man muss vorher wissen, worauf man sich einlässt, bzw. darf dabei dennoch keine spezielleren Erwartungshaltungen haben.  

Live ist die Pärchenband nämlich etwas ganz anderes als die JUCIFER, die mit ihren Alben von ca. 2002 bis 2008 voller eingängiger Rocksongs (der mal poppigen, mal härteren Art) eigentlich ‘ne große Nummer hätten werden müssen, aber vielleicht einfach nach Faith No More, Nirvana, L7 und co. ‘ne Dekade zu spät damit dran waren (hört Euch „When She Goes Out“, „Fight Song“ oder „Memphis“ an und Ihr wisst, was meine).
 
Um es etwas klischeehaft auf den Punkt zu bringen sind die JUCIFER im hier und jetzt live schlicht und ergreifend eine schiere Urgewalt und für den Rezipienten regelrecht eine körperliche Grenzerfahrung. Diese Band ist nur zu zweit so unfassbar laut, dass dem Typen neben mir ohne Scheiß die Brille auf der Nase vibriert und man sich selbst draußen vorm Club nur schreiend unterhalten kann. Wenn ich an dieser Stelle was davon fasel, dass der ganze Saal gebebt und gewackelt hat, ist das nicht floskelhaft-metaphorisch sondern buchstäblich-reell gemeint.
Gitarristin/ Schreierin Amber Valentine und ihr Mann und Drummer Edgar Livengoo sind dabei ein
sichtlich souverän eingespieltes Team, das sich blind (und vor allem taub) auf der Bühne versteht und ohne große Kommunikation von einem Geballer zum anderen übergeht, ihre Musik ist dabei allerdings etwas einfach nur noch völlig monströses, das zwischen brachialstem Sludge-Doom-Gedröhne und abartigstem Noisecore-Gezimmer pendelt. Von den Death-Metal-Ansätzen des 2013er Highlight-Albums „За Волгой для нас земли нет“ hört man dabei nur noch wenig raus, auch wenn mutmaßlich 1-2 Songs davon gespielt wurden. Die Vocals gehen an diesem Abend allerdings auch im infernalischen Sound komplett unter und live sind JUCIFER, wie gesagt, einfach nur noch ein urgewaltiges Lärminferno, eine Dauerdruckwelle, der reinste Sadomasochismus.
Meine beiden Begleiter sind sich danach einig, dass die Band gerade mal eben einer meiner eigenen Trümmercombos den Rang als lauteste Duoformation abgelaufen haben.
Kann ich mit leben!
War cool!

 

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