Dienstag, 28. Januar 2020

Apropos C.O.C. …

Der traurige Umstand des Ablebens von CORROSION OF CONFORMITY Drummer Reed Mullin (53) soll an dieser Stelle mal kurz als Anlass zu folgender Feststellung herhalten…
Ich war ja nie so ein riesiger Fan von C.O.C. im Pepper-Keenan-Modus.
Bevor wir uns missverstehen: Keine Frage, für das, was sie waren, waren "Deliverance" und "Wiseblood" gerade auch im entsprechenden zeitlichen Kontext alles andere als ungeile Alben, und ja, Keenan kann singen und echt gut klampfen usw. …
Für mich (für mich!) ist dieser ja doch etwas stromlinienförmig inszenierte Riffrock, der so’n bisschen nach speckiger Motorradrockerkneipenmusik müffelt, dann aber irgendwie doch nicht sooo gut gealtert wie der im Thrash und Hardcore wurzelnde Knüppelklassiker "Animosity" der vorangegangenen Band-Inkarnation. Und immer, wenn mir Metallica-Geilfinder und ähnliche Leute mit Stadionrock-Musikgeschmack erzählen wollten, wie unsagbar geil der "Deliverance"-/"Wiseblood"-Kram doch, "Animosity" allerdings nur adoleszentes Gerumpel ohne nennenswerte Halbwertzeit sein soll, desto mehr setzt/e bei mir dann so eine alberne Antihaltung ein. Eine augenverdrehende Antipathie gegenüber vermeintlich glatteren Musikausrichtungen und den satten Spießern ohne Checkung, die mir sowas als Krönung rockmusikalischer Handwerkskunst vorhalten wollen.
Ja, ich weiß, wie gesagt: Es ist ziemlich albern und kindisch, aber eben auch ein bisschen wahr.

Jedenfalls gibt es da was, was man CORROSION OF CONFORMITY gar nicht hoch genug anrechnen kann, das die hiesige und mutmaßlich auch internationale Rock-/ Metal-Musikpresse allerdings mal wieder nicht so richtig zur Kenntnis nehmen wollte bzw. nicht wirllich gebührend genug würdigen konnte:  
Folgend auf einen Roadburn-.Auftritt, bei dem die "Animosity"-Besetzung Mullin, Dean und Weatherman das "Animosity"-Album am Stück spielte (ich war vor der Bühne und genoss jede Sekunde davon!), veröffentlichte diese (nach einer 7‘‘ auf Southern Lord) mit dem 2012er "Corrosion of Conformity" und dem 2014er "IX" zwei Alben, die ihnen meiner bescheidenen Meinung nach ja echt nicht hoch genug angerechnet wurden.
Weil: Das Trio vollzog weder den tendenziell einfachen Move, sowas wie ein Animosity II abzuliefern, noch versuchte man in Abwesenheit von Keenan an den Stoner-Rock-Style anzuknüpfen, mit dem man zuletzt aufgehört hatte, sondern man schlug eine gänzlich eigene Brücken dazwischen ein. Punkige Schlagseiten und rasantes Gethrashe vereinten sich mit dicken Doom-Grooves und Stoner-/ Psychedelic-Rock’n’Roll. Das Ganze war unerwartet rau und kauzig, alles andere als nach Zahlen gemalt. Mit einem unfassbar natürlichen Flow kommt die Band immer wieder mal bei Passagen mit Jam-Charakter oder Sabbath-Zitaten raus und asphaltiert die Wege dorthin auch gerne mal mit richtig hartem Geballer. Irgendwie ist das alles schon mal so ein bisschen schief um die Ecke komponiert, arrangiert und intoniert, kann mit seinen abenteuerlichen Wechseln in den Gangarten auch schon mal fast irritieren, aber dennoch geht’s
wohl kaum noch authentischer.
Muss man so auch erstmal hinkriegen!
Und dass sie für die beiden Alben in diesem durchaus originellem Stil gerade auch im eigentlich passenden Sludge-Metal-Zeitgeist der Mittnuller nicht mehr Lob und Aufmerksamkeit einheimsen konnten, sondern im Grunde genommen alle Welt nur auf die Rückkehr von Pepper Keenan wartete (die ja dann auch kam)… nun ja, das zeigt dann wohl mal wieder nur die Schlechtigkeit der undankbaren Welt… (Zwinkersmiley.)


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