Samstag, 9. November 2019

Noiserock-November Review-Rundumschlag (1)

Noiserock-November! Diesen Monat kamen bisher bereits raus:

BEDTIMEMAGIC - Pillow Talk
Dafür, dass die Bostoner Duoformation BEDTIMEMAGIC auch schon 'ne Weile dabei ist, dafür hat man sich dann ja doch ziemlich viel Zeit mit diesem Langspieleinstand gelassen.
Musikalisch orientiert man sich dabei ziemlich am kantig rumpelbratenden Unsane-Sound, rückt jenen allerdings ein Stück weit in Regionen auch mal etwas wirrer um die Ecke lärmenden Post-Hardcores.
Dabei entpuppen sie sich auf voller Distanz des Tonträgers zwar so ein bisschen als One-Trick-Pony, was aber wohl auch mit in der Natur der etwas eingeschränkten Instrumentierung liegen dürfte.
Wer auf Krachmaten von Karp über Ken mode bis Keelhaul steht sollte hier mal ein Ohr riskieren.


BRONZED - Bronzed EP
Das noise...eh, neuste Ding aus der Leeds-Clique sind BRONZED. Mitglieder von Cattle und The Physics House Band fabrizieren auf dieser selbstbetitelten Debüt-EP drei Songs lang aggressiv-brachialsten, angeschrägten Post-Punk, der mit der rauen Energie einer Live-Aufnahme wie eine Disco-Beat-Version von Unsane nach vorne stolpert. 
Geil?!

BUMMER - Thanks For Nothing (7'')
Das BUMMER-Langspielalbum "Holy Terror" fand ich seinerzeit ja leider nicht ganz sooo zwingend wie das jeweils noch viel irrer klingende Material der "Spank" EP oder der Split mit den ebenfalls sehr brauchbaren Pinko.
Auf diese 7'' hat man mal eben zwei neue Songs auf die A-Seite und auf die B-Seite ein neulich schon mal digital veröffentlichtes Cover von Marilyn Manson's "The Beautiful People" und 'ne Demo-Version der "Holy Terror"-Nummer 'King Shit' gepresst. Und das hat alles tatsächlich wieder etwas mehr vom tollwütigen Wahnsinn metallischen Rüpelrocks ohne Selbstkontrolle, den ich auf dem Langspieler irgendwie vermisst habe. 
Willkommen im Neandertal!


CUNTS - Cunts
Typen von u.a. Retox, Qui und Hepa.Titus (nein, nicht Kevin selbst) haben sich als CUNTS zusammengetan, um sowas wie weitgehend schnörkellosen Rotzrock und ruppigen Hardcore-Punk zu fabrizieren, der zwischen 'nem Hauch von early Turbonegro-Aura, noisigem Feedback-Gequietsche und gelegentlichen Highspeed-Ausbrüchen bis in grindige durchaus Laune machen kann, hat man denn Bock auf sowas (ich gerad' mehr so mittel).
Kommt über Ipecac.


DJUNAH - Ex Voto
Warum genau man DJUNAH an anderen Stellen unbedingt in die Schublade #Noiserock stecken muss, verstehe ich ehrlich gesagt nicht so wirklich, denn ich würd's eigentlich eher nicht tun. Da "Ex Voto" allerdings dennoch ein wirklich gutes Album härter, schmutziger, durchaus AmRep-/ SubPop-kompatibler Rockmusik ist, sei trotzdem mal drauf hingewiesen.
Handwerklich ist das Duo ziemlich gut und die nicht nur Gitarre spielende und singende, sondern teilweise auch noch dazu mit den Füßen Pedal-Bass spielende Donna Diane ist eine durchaus talentierte Songwriterin, die verschiedenste eigenständige Gangarten drauf hat und dabei auch gerne mal eher rau als gefällig tönt.
Man hat echt schon schlechteres gehört! 


Re-Release
EASY ACTION - Friends of Rock & Roll
Eigentlich macht sowas mehr als Vorankündigung denn als Rückbetrachtung Sinn: In Zusammenarbeit mit AmRep-Hazelmyer, der welche seiner berüchtigten handgemachtgen "Art Editions" dazu fabiziert hat, die dann natürlich auch wieder an einem Mittag US-Zeit direkt ausverkauften, haben Reptilian Records das 15 Jahre alte "Friends of Rock and Roll" von EASY ACTION neu aufgelegt.
EASY ACTION? Das war 'ne Band von John Brannon (Negative Approach, Laughing Hyenas) und dass der Bandname auch der Titel eines frühen Alice-Cooper-Albums ist kommt dabei nicht von ganz ungefähr, denn man rockt mit Detroit-Vibe.
Die "Crimson Vinyl" Edition ohne Haze-XXL-Voodoo müsste noch erhältlich sein.

FAKING - No Comfort
Irgendwie liebe ich dieses unbestimmte Post-Hardcore-/ Noiserock-Berumudadreieck, das solche Bands wie FAKING ausspuckt, die wie Fugazi mit sich gelegentlich abzeichnenden Unsane-Eiern oder 'ne Kraftmeier-Version von Jesus Liz klingen und mich an Zeiten erinnern, in denen sowas wie Helmet und Quicksand die Bands waren, die von der kleinen aber feinen gemeinsamen Schnittmenge der Visions-, Ox- und RockHard-Leser gehört wurden.
"No Comfort" mag jetzt vielleicht kein nachhaltiger Album-des-Jahres-Kandidat sein, aber in dem Moment, in dem es läuft, finde ich es ziemlich super...


LIVE SKULL - Saturday Night Massacre
Sie kommen halt alle wieder... Im Anschluss an ihr Mitwirken beim Jubiläum des BC Studios und parallel zu Remaster-Reissues ihrer alten Alben gibt's nun tatsächlich auch ein Neuzeit-Album der ursprünglich 1982-1990 aktiven LIVE SKULL, damals auch mal "New York No-Wave"-Peers von Swans und Sonic Youth.
LIVE SKULL waren in diesem Kontext schon immer die konventionellere Rockband, von außen betrachtet wiederum dann allerdings wohl dennoch eine mit experimentell angehauchtem Gitarrensound.
Heutzutage mag sich der schraddelige Psych-Garagenrock der Altherrentruppe zugegeben nach nichts groß besonderem mehr anhören, aber man merkt schon, dass hier Könner am Werk sind.


MARTIN BISI - Soliste
Apropos BC Studio: MARTIN BISI himself hat wohl das Momentum der aktuellen Aufnerksamkeit auf ihn ausgenutzt, sich selbst ein Soloalbum plus Live-Umsetzung zu gönnen.
Dabei macht er seinem Image als früher Weggefährte von avantgardistischen Indierock-Vorreitern wie Sonic Youth und Undergound-Ikonen wie Lydia Lunch alle Ehre, denn "Soliste" ist ein ziemlich schräger Trip ins Zappa-esque zwischen Psychedelic-Rock und Alptraum-Oper. Wer die fast zwanzigminütige Schlussnummer durchsteht, der ist auf jeden Fall schon im Expertenlevel unterwegs.


to be continued

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