Samstag, 19. Oktober 2019

To the Night Unknown... in Paderboring...

In meinem Freundes-/ Bekanntenkreis verdreht man mutmaßlich schon (nicht ganz zu Unrecht) die Augen darüber, wenn ich mal wieder beteuern muss, keinen Bock mehr auf "Meddl e.V." und "Kirmes-Events" zu haben. Deswegen lasse ich mir das jetzt auch gerne vorhalten, wenn ich zur Kenntnis gebe, vergangenen Freitag auf meine alten Tage tatsächlich noch mal, die berüchtigte Tortur des Freitagsverkehrs aus Dortmund raus auf mich nehmend, zum "Metal Inferno Festival" im ostwestfälischen Erzbistum gefahren zu sein.
Nützte halt alles nix: MORNE auf Tour zu ihrem starken aktuellem Album "To the Night Unknown" zu sehen hatte ich dann ja doch schwer Bock, schließlich bekamen sie im Festival-Billing tatsächlich 'ne frühe Stunde Spielzeit und es könnte evtl. dauern, bis sie mal wieder übern großen Teich kommen...

Bei meiner Ankunft in der Kulturwerkstatt fangen HIGH FIGHTER auf einer der zwei Bühnen gerade an. Zum Reinkommen durchaus passend, weil ganz okayer Pseudo-Sludge-Metal vom Doom-Part über Stoner-Grooves bis zum Doublebass-Geboller. Mit der durchaus gekonnt dargebotenen Vocal-Bandbreite von Growl'n'Keif bis zum soulig-melodischen Geschmetter ist's mir dann aber irgendwie ein bisschen too much. Sowas funktioniert halt nur bei sehr wenigen Bands für mich.
Ich checke zwischendurch auch mal eben noch den anderen Saal (ja, vielleicht ist das auch schon ADHS) und der dort gebotene Goth-/ Power-Metal (?) mit Träller-Elfe im Korsett und dünn zirpendem Rasierapparat-Gitarrensound ist dann allerdings sogar so schlimm, dass ich das keine Minute aushalte und mir lieber doch noch mal weiter HIGH FIGHTER gebe...

Dann ist es auch schon so weit und MORNE fangen mit geringfügiger Umbau-/ Soundcheck Verspätung schon vor der Prime-Time an. 
Gänsehaut gleich beim Intro zu 'To the Night Unknown' und wie auf Platte folgt direkt im Anschluss dieser Waaaaahnsinnssong 'Not Our Flame'.
MORNE vereinen Amebix-Crust mit Bolt-Thrower-Doublebass und haben dabei dann auch noch eine Neurosis-mäßige Aura. Die epische zweite Gitarrensolo-Hälfte von 'Not Our Flame' schreit einem förmlich "Meeeetaaaal \n/" ins Gesicht, aber irgendwie ist das auch gerade das geile. 
Im weiteren Verlauf von MORNE's Set bin ich nicht mehr so Songtitel-sicher, aber das Quartett aus Boston fährt noch genauso 'ne doomige Nummer wie ziemliches Gebretter auf.
Der Sound in der Kulte, wie sie Einheimische nennen, ist derweil nicht besonders laut, dabei allerdings irgendwie etwas zu hell-scheppernd. Man kann nicht alles haben, was? 
Apropos: Dass es kein 'Asylum' zu hören gibt ist etwas schade, aber so geil wie damals, als sie Triptykon auf der Roadburn-Hauptbühne folgten und damit eröffneten, kann es in diesem Leben eh nicht noch mal werden.
Summa summarum gute Idee gewesen, für 'ne Stunde MORNE nach OWL 'rüberzufahren, denn es hat mir ganz ohne Scheiß den gerade ziemlich leeren Akku mit positiver Energie aufgeladen.

Ich versuche danach kurz, auch mal ENDSEEKER auf der anderen Bühne zu gucken, merke dann aber direkt, dass ich vom MORNE-Gig zu euphorisiert bin, um mich von (durchaus passablem, aber...) Standard-Death-Metal runterziehen zu lassen.
Aus ähnlichen Gründen klemme ich mir auch MOTORJESUS lieber gleich komplett.
Weiterhin: OLD MOTHER HELL auf der einen Bühne kann man mit ihrem erdigen Epic-Metal durchaus machen, allerdings habe ich gerade halt mal wieder eine meiner "bloß kein' Kühnemund'schen Echtmetall"-Phasen...
SHIRENC PLAYS PUGENT STENCH dann gegen Ende auch noch. Nuja, Sache für sich. Klar, kann man sich auch mal 'ne Runde an den herrlich räudigen alten PS-Songs erfreuen. Aber so'n bisschen Kirmes und alternder Schlagerstar (in Rechtsstreitigkeiten mit Ex-Bandkollegen) ist das eben irgendwie auch...

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