Sonntag, 6. Oktober 2019

Black/ Death/ Doom Review-Resterampe Herbst 2019

Wenn man dann passend zum nahenden Winter doch mal wieder Zeit und Lust hatte, sich durch ein paar aktuelle Metal-Alben aus der Düsterklischeekiste zu hören… 
Glaubt jetzt bitte bloß nicht, dass sowas hier zur Gewohnheit werden könnte, aber die folgenden drei sollte man aktuell mal gehört haben:

BLUT AUS NORD - Hallucinogen 

Von der seltsamen Franzosentruppe BLUT AUS NORD fand ich ja eigentlich die Phase so ca. 2003 bis 2007 am spannendsten: Auf dem Referenzalbum "The Work Which Transforms God" überraschten sie erstmals mit stampfenden Godflesh-Anwandlungen, die begleitende "Thematic Emanation of Archetypal Multiplicity" EP erging sich gar ferner bis völlig in Electronica, das ebenfalls geile "MoRT" versuchte sich an einer Art von Anti-Musik und "Odinist: The Destruction of Reason by Illumination" war noch mal eine gelungene Fortführung der Gangarten von "...Work Which Transforms God". Noch mal besser wurde es bei ihrem folgenden Wechselspiel zwischen konventionelleren Black-Metal-Werken und avantgardistischem Space-Metal dann erstmal nicht mehr (die "777"-Trilogie ist allerdings durchaus auch ganz cool). 
Zuletzt waren sie aufgrund geschmacklicher Verschiebungen eher so ein bisschen von meiner Interessenliste geflogen (zum 2017er "Deus Salutis Meae" kann ich echt gar nichts sagen...); als ich dann aber doch mal in "Hallucinogen" reinhörte, wusste mich das Ganze durchaus zu packen. Denn die eigentlich relativ konventionellen Metal-Stilmuster samt Klimper-Interludium, Doublebass-Geboller und Hyperblast-Abfahrten würzen sie mit Gimmicks wie aus dem Hintergrund erhallenden Vocals mit sakralem Charakter.
Ich wäre vorsichtig damit, dem hier irgendwie allzu sehr ein „Avantgarde“-Etikett anheften zu wollen - das Ganze ist nicht mehr und nicht weniger als schönes (Black-)Metal-Entertainment mit meinetwegen durchaus progressiver Aura. Und auch, wenn die erwähnte Band-Phase ca. 2003-2007 unübertroffen bleiben wird, ist das für sich dann ja doch auch 'ne ganz geile Sache.


COFFINS - Beyond the Circular Demise
Bei meinem ersten Live-Kontakt mit COFFINS (es war ein Roadburn Festival und die Band ein Trio) fand ich das Ganze ja nur so lala. Beim nächsten mal (es muss ein PartySan gewesen sein und die Band nun ein etwas umbesetztes Quartett) bliesen sie mich allerdings dann auf ein mal völlig um, denn sie hatten in diesem Line-Up irgendwie an Energie und Inbrunst zugenommen, strahlten ferner so einen gewissen authentischen Wahnsinn aus, wie ihn nur japanische Krachmacher hinkriegen.
Man tütet COFFINS ja allgemein unter Death-Doom ein, aber sie haben dabei eigentlich auch ‘ne ziemliche Crust-Kante. Die auch auf "Beyond the Circular Demise" direkt nach der eröffnenden Blastbeat-Salve wieder durchkommt und auch das ist, was ich an ihnen so geil finde. Als würden sich Celtic Frost und Autopsy zum Faustkampf in einer dunklen Nische treffen, wo sie dann aber mal eben von Doom (der UK-Band) aufgemischt werden.
Sicher sind COFFINS dabei so 'ne „braucht man jetzt echt nicht jedes Album von im Regal“-Band, aber wenn sie mal laufen, dann finde ich ihren neandertalig-räudigen Röchelröchel-Rumpelrumpel-Style auf seine unnachahmlich viehische Weise ja irgendwie einfach nur total großartig.


MORAST – Il Nostro Silenzio 
Ich find‘ MORAST ja generell super, weil sie es schon auf ihrem "Demo"-LP-Debüt ganz gut hinbekommen hatten, das einerseits tiefschwarz-atmosphärische, anderseits brachial stampfende von "Monotheist"-Celtic Frost oder Triptykon auf ihre eigene Art und Weise gut auf den Punkt zu bringen. Der Gitarrist lärmte zuvor im Übrigen auch mit Nightslug, die während ihrer relativ kurzen Existenz eine der geilsten Bands überhaupt waren und von MORAST nicht getoppt werden können - trotz der Tom-Warrior-Assoziation sind MORAST allerdings auch ein ganz eigenes Monstrum, das fasziniert und begeistert.
Auf "Il Nostro Silenzio" scheinen sie sich weiter gefunden zu haben: Das Material des Albums kriecht genauso mit atmosphärische Untiefe wie mit wuchtigem Punch und die Produktion ist so gut und trotzdem krachig-rau, dass es super passt 
Unbedingt mal live sehen, falls noch nicht geschehen, denn das Quartett entfaltet dabei trotz aller Brachialität und Angepisst-Vocals wirklich einen hypnotischen Sog.

...to be continued...?

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