Freitag, 21. Juni 2019

Triumphzug

"Mensch Ruhrpott, manchmal geht’s ja doch! So ein mal im Jahr gibt es einen Abend, der mir allen kulturpessimistischen „weit und breit nur ignorante Sodom-Fans, was geht’s mir hier doch auf den Sack“-Zynismus wegbläst." schrieb ich im Februar noch zur "dESTRUKTIVA 11.5",
Zum vergangenen Donnerstagabend in der Essen-Altenessener Zeche Carl möchte ich glatt noch mal die gleiche Einleitung drübersetzen und dringend damit brechen, in nächster Zeit mal weniger bloggen zu wollen, aber das hier schreibt sich grade auch echt von selbst...

Warum? Weil mir das Herz aufgegangen ist, dass VALBORG, als eine dieser mir sehr am selbigen liegenden "ich sage doch seit Jaaaahren, dass die total geil sind, aber irgendwie will das sonst keiner raffen"-Bands, inzwischen doch da angekommen sind, nicht einfach nur die seltsamere Kauz-Truppe des Abends zu sein, sondern auch einiges an frenetischem Jubel und lautstarken Songwünschen vom Publikum zu bekommen.
Wer hätte das gedacht? Ich nicht. Schließlich reichte es an gleicher Stelle unter ähnlichem Headliner-Banner vor drei Jahren mehr so für'n Anstandsapplaus, während mancher Konzertbesucher irritiert bis kritisch dreinschaute. Inzwischen aber tatsächlich auch Leute, die abgehen und mitgrölen. Geil! Wurde auch Zeit!
Dass ich mir das Bonner Trio dabei inzwischen auch mit nervigen Hipstertypen und deppigen Burzumshirt-Honks teilen muss... nuja, das ist dann halt so.
Ein Großteil des Gigs bestand aus Material des vorletzten Albums "Endstrand", was mir sehr entgegenkam, denn seit ungefähr diesem hatte ich die Band tatsächlich nicht mehr live gesehen. Vom wieder mal großartigem aktuellen Album "Zentrum" ballert man den 'Alphakomet' raus, der Brecher 'Werwolf' brät brachial durch die Zeche und auch das 'Massaker in St. Urstein' rammt nach vorne. 
Die Band konzentriert sich also eher auf rabiate statt atmosphärische Nummern, was im Rahmen wohl Sinn machte.
Super! Einfach nur super!
Ach ja, soll natürlich nicht unerwähnt bleiben:
Der Local Support MADNESS ging mit seinem ursuppig-teutonischem Rumpel-Thrash voll okay. Hätte ich jetzt auch nicht noch länger haben oder mir 'ne Platte von kaufen müssen, aber als halbstündiger Anheizer war das Ganze tatsächlich ziemlich amüsant. 
Wenn jetzt der Sound noch etwas besser mitgespielt hätte...

Headliner war natürlich Tom Gabriel Warrior's TRIUMPH OF DEATH plays a tribute to Hellhammer o.s.ä. und das war in etwa das erwartete.
Das Ultragepose von Bassistin Mia Wallace (really?) gleicht aus, dass der Drummer fast ein bisschen lustlos rüberkommt. Jener wiederum bekommt ausgerechnet bei der einen Celtic-Frost-Nummer des Sets ('Visions of Mortality') einen Übergang nicht ganz korrekt hin, aber immerhin dabei auch die Kurve, dass es nicht groß auffällt
'Reaper' stampft mächtig, zwischendurch schreit ein Fan nach 'Crucifixion' obwohl es schon gespielt wurde und die abschließende, mitunter extradoomige Version von 'Triumph of Death'* kommt ebenfalls ziemlich geil.
Herr Fischer zeigt sich mal wieder gut gelaunt und mit dem gewohnten Fünkchen Selbstironie und an der zackigen Orga des ganzen Abends (alle Bands über das gleiche Schlagzeug statt langer Umbaupausen) kann man wirklich gar nix meckern.
Man kann den Feiertagsabend auch weniger kurzweilig verbringen.
Nächstes mal aber gerne auch mal wieder das neuzeitliche Triptykon-Gedröhne statt der Retrorumpelparade...

*Apropos extradoomige Version von 'Triumph of Death' - man kann bei der Gelegenheit ja noch mal eben hervorheben, wie geil auch jene ist:

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