Mittwoch, 12. Juni 2019

Drone-Gitarrensphären, Dark-Ambient etc.

Dass ich neben klaren Vorlieben für brachiales Gedröhne und derbes Geballer, sowie ferner auch einem Softspot für Bumms-Tschacke-Düsch außerdem auch noch eine gewisse Affinität zu Drone-Musik, Dark-Ambient-Soundscapes u.ä. habe, das blitzt hier ja auch schon mal durch.
Oft fällt sowas allerdings eher so ein bisschen dem „so viel Musik so wenig Zeit“-Syndrom zum Opfer, bzw. eher mal durchs Raster als der ganze rockmusikalisch verwurzelte Lärm, den ich mir sonst
halt so primär reinziehe. Denn ich verbringe halt auch einfach nicht so viel Zeit mit zu Hause meditieren oder sowas. Soll heißen, die Alltagssituationen und Lebenslagen, in denen mir wirklich danach ist, mich mit gewisser Aufmerksamkeit in weite Klangflächen regelrecht metaphysischen Charakters fallen zu lassen, die waren zuletzt zugegeben eher rar gesät. Wie auch, wenn man eh schon so viel an verschiedener Musik auffem Schirm hat, in die reingehört werden will, und man dann in der einen Stunde Freizeit, die man nach Broterwerb und Sportprogramm oder eigenem Proberaum mal Abends zu Hause verbringt, dann auch schon mal ‘ne Serie gucken will oder so…
Vielleicht sollte man aber auch gerade das als Signal deuten, mehr Entschleunigung zulassen zu müssen. Der potenzielle Soundtrack dafür:


Zuletzt hier noch erwähnt wurde, dass Markus E. Lipka, auch Gitarrist und Vocalist der Hamburger Metal-Unikate Eisenvater (am sträflichsten allgemein missachtete, originellste und geilste Brachial-Band aller Zeiten!!) und des ebenfalls frisch reaktivierten Gitarren-Orchesters Rossburger Report, Anfang des Jahres als ROSSBURGER ein Gitarren-Drone-Soloalbum veröffentlich hat.
Und "Eisberg" bietet mit seinem gemächlichen Aufbau, der einen immer mehr in eine andere Welt abtauchen lässt, eigentlich auch alles, was ich von derartigem möchte.
Das Teil hat übrigens so gerade eben noch die perfekte(n) Länge(n) für eine Vinyl-Veröffentlichung. Erbarmt sich wer oder muss ich jetzt tatsächlich dafür selbst ein Label gründen?


Damit wären wir eigentlich auch schon in ähnlichen Regionen wie beim Dortmunder Drone-Solisten N, der ebenfalls alleine mit einer Gitarren in Live-Momentaufnahmen sich und seine Zuhörer in andere Sphären abrauschen lässt.
Seine neusten Releases sind 1.) das Album "Ruden" als Beitrag der schick-schlicht durchdesignten Veröffentlichungsreihe vom Netzlabels 1834.
Warum es dazu eine Bandcamp-Seite gibt, auf der man das ganze gar nicht wirklich streamen oder herunterladen kann, sondern von wo man zu seiner separaten Download-Seite samt Stream weitergeleitet wird, das versteht dann allerdings wohl auch nur besagtes Label wirklich…
Und 2.) eine Auftragsarbeit für „Urbane Künste Ruhr, die Field-Recordings im Dortmunder Stadtbereich mit in den Drone mischt.


Apropos Ambient-Drone-Gitarristen: NORMAN WESTBERG war vom Debütalbum bis Mitte der Neunziger und dann noch mal beim Neuzeit-Revival bei den Swans dabei, hat auf Jarboe-Solowerken mitgewirkt und war ferner u.a. Mitglied der Noiserocker The Heroine Sheiks (mit Ex-Cows-Oberweirdo Shannon Selberg). Was dabei gerne mal etwas untergeht ist, dass er sich seit 2012 auch an experimentellem Kram unter seinem Solo-Klarnamen versucht. Anfangs eher punkig dahingekackt, später auch mit mehr „Produktion“.
Das DIY-CDR-Debüt "Plough" ist dabei neulich erst auf seiner Bandcamp-Seite aufgeschlagen, auf der man generell so einiges findet, wie z.B. allein zwei Live-Alben und eine Resteverwertungs-Compilation vom letzten Jahr und diverse Aufnahmen aus den Jahren davor…
Als Reinhör-Tipp sei dann aber vor allem vielleicht mal das letztjährige "After Vacation" (Room40) angegeben, laut Aussage des Künstlers das erste, bei dem er sich erlaubt hat, zusammen mit Produzent Lawrence English auch mal mit einer anderen, sozusagen „ernsteren“ Methode zu arbeiten, als alles in einem Take rauszuhauen und dann direkt so zu belassen.


Ferner kann man wohl nicht mit dem Stichwort „Dark Ambient“ um sich werfen, ohne LUSTMORD zu erwähnen.
Der walisische Wahlkalifornier Brian Williams hat zuletzt zwei Live-Alben veröffentlicht, darunter eines, das beim Maschinenfest 2011 in Oberhausen entstand.
Außerdem ist "First Reformed" die erweiterte Version eines Soundtracks für den gleichnamigen Film von Paul Schrader mit Ethan Hawke in der Hauptrolle.


Wer wären wir allerdings, wenn wir nur an der Oberfläche der Gerne-Gallionsfigur kratzen würden, anstatt ferner in weitere Untiefen vorzudringen?
In letzter Zeit wurde mein Augenmerk öfter mal auf Cryo Chamber gelenkt, ein Label aus Oregon, USA, das seit 2012 vom gebürtigen Schweden Simon Heath betrieben wird, welcher u.a. unter dem Pseudonym ATRIUM CARCERI auch selbst musiziert (und seine ersten sechs Alben dabei über das legendäre Label Cold Meat Industry veröffentlichte). 

Cryo Chamber ist auf Dark Ambient, Deep Space Ambient und Drone mit cineastischem Charakter spezialisiert und veröffentlicht via Bandcamp und auf CD. Der Veröffentlichungszähler für das erste Halbjahr 2019 allein steht schon bei was um die zehn, weswegen mal ein paar einzelne Releases, semikuratiert von Warren Ellis rausgepickt seien:

AGER SONUS alias Thomas Langewehr aus Recklinghausen hat mit "Mithra" im März sein drittes Kältekammer-Album rausgetan.
Atmospheric Ambient mit Videogame-Soundtrack-Charakter, beeinflusst von der Geschichte des Mithra-Kults im alten Rom.


Dann wäre da außerdem das kanadische Drone-Duo NORTHUMBRIA, das die eigene Musik als „Ambient Metal“ bezeichnet. Nur mit Gitarre und Bass erschaffen sie dichte Klangnarrativen, durch die auch schon mal sowas wie Postrock-Andeutungen durchschimmern. 
Ihr aktuelles Album "Vinland" bildet eine Trilogie mit dem 2017er "Markland" und dem 2015er "Helluland", die es bei Cryo Chamber auch als 3CD-Bundle gibt. 

Die hinter SPHÄRE SECHS steckenden Christian Stritzel und Martin Stürtzer wiederum experimentierten und improvisierten sich mit analogen Synthies auf ihrem vierten Album "Transient Lunar Phenomenon" was Richtung Dark Space Ambient/ Drone zusammen.

Gitarren-Ambient-Drone plus Poesie macht dann noch Bruce Moallem alias GOD BODY DISCONNECT, dessen aktuelles CC-Album "The Mist Between Mirrors" eine Reflektion von Einsamkeit ist.

Kommen wir, weil es so schön mit reinpasst, last but not least aber auch noch mal eben, die Kältekammer wieder verlassend, zu RUTGER ZUYDERWELT. 
Der natürlich vor allem auch unter Machinefabriek firmierende Rotterdamer Klangkünstler hat unter seinem Klarnamen ein halbstündiges Ein-Track-Kooperationsalbum mit MARISKA BAARS draußen, das man selbst wie folgt erklärt:
‘eau’ is not really a song, or a composition. Well, technically it is, but it functions more like an atmosphere that fills the space. Just let it play (on repeat…) and let the sounds hang in the room - let them co-excist with any other sound that’s there. Open a window if you wish! Or, experience the trip on headphones, let these soft tones, gentle voices, buzzes and crackles tickle the inside of your skull.“

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