Mittwoch, 10. April 2019

USA/Mexico zum zweiten

Ob man das, was im Kopf von Craig Clouse wohl mitunter so vor sich gehen mag, wirklich wissen will oder eigentlich lieber doch nich', das ist dann eigentlich auch schon wieder so eine Frage für sich...
Angeblich war er Mitte der 90er ja mal bei den AmRep-Noiserock-Göttern Hammerhead (nicht zu verwechseln mit...) im Line-Up gewesen, kurz bevor diese sich dann doch erstmal auflösten.
Über die Nuller Jahre residierte er dann in London, wo er mit einer Band namens Todd aktiv war. Und Todd waren wirklich speziell. Brachialst-Noiserock, der mit viel Punk-Attitüde regelrecht die Grenzen zu Sludge-Doom, Industrial-Metal und Grindcore eintrat und im Verlauf des Band-Bestehens den Kurs fuhr, dabei eigentlich immer verschrobener und krasser zu werden, anstatt irgendwie allgemeinverträglicher (man höre z.B. das letzte Album "Big Ripper", das Teile der Musikpresse seinerzeit einfach nur noch überforderte).
Parallel dazu gab's auch schon Shit and Shine, sein Quasi-Soloprojekt mit wechselnden Kollaborateuren, das bis heute aktiv und sozusagen eine experimentelle Freiform-Spielwiese ist. Schon bei frühen Releases ging alles von Krach-Erruptionen mit sehr kurzen Spielzeiten bis zur epischen Lattitudes-Session "Ladybird": Ein Drumbeat, ein Drone-Riff, und das für über 40 Minuten am Stück. Live auch gerne mal im perkussiv-betonten Big-Band-Line-Up aufgeführt, wie kürzlich noch mal beim 20 Years Exile On Mainstream Festival. Clouse war wohl zögerlich, das noch mal zu bringen, denn eigentlich ist er mit
Shit and Shine längst zu anderen Sphären weitergezogen. Zuletzt kam er dabei zur Irritation von Gitarrenfreunden nämlich bei sowas wie Acid-vernebeltem Retro-Techno raus.
Macht allerdings auch nix, denn da, wo Todd einst aufgehört haben, macht er ja - inzwischen wieder in Texas lebend - nun mit USA/MEXICO weiter!

USA/MEXICO tauchten im Juni 2017 sozusagen als Ableger von S-a-S auf der Bildfläche auf, denn sowohl Mitstreiter Nate Cross (auch When Dinosaurs Ruled The Earth, Expensive Shit, Marriage), als auch kein Geringerer als Drummer King Coffey von den legendären Butthole Surfers (außerdem Gründer von Trance Syndicate Records) hatten jüngst auf Shit and Shine Veröffentlichungen wie dem jazzigen "Chakin'" mitgewirkt. 
Und das über 12XU (USA) und Riot Season (UK) rausgehauene Debütalbum "Laredo" hatte es schon ziemlich in sich.
Dieser Tage wurde der Nachfolger "Matamoros" in die Welt gesetzt und es passt ins Bild, dass man als Zweitwerk dann auch mal eben im Vorbeigehen den noch kruderen Brocken serviert.


Ganze fünf Tracks reichen hier nämlich schon aus, um eigentlich schon auszureichen.

Auch "Matamoros" lärmt mit einem nervenzerrenden LoFi-Ausmaß an Distortion und Sludge-doomiger Heavyness.
Der eröffnende Titeltrack fräst und sägt, stampft und rumpelt wie es fieser kaum noch geht, während die gequält-nöligen Vocals irgendwie an die Cherubs erinnern. Zufälligerweise ist der noch wuchtiger dröhnende zweite Track dann auch ein Song von eben deren Debütalbum "Icing", der von CherubsKevin Whitley himself als Gastsänger auch in dieser Version gejault wird. Sachen gibt’s?!
Dass es dann tatsächlich sogar doch noch fieser geht, zeigt das folgende 'Eric Carr T Shirt', das auf eine so ekelhafte Art und Weise vor sich hin kriecht, dass diverser Black-Metal-Kindergarten daneben gehalten nur noch wie der Karneval wirkt, der er halt ist.
„Zur Auflockerung“ ballert 'Vaporwave Headache' unterhalb von drei Minuten im Uptempo auf die Zielgeraden zu, welche dann wiederum aus dem siebzehnminütigen 'Anxious Whitey' besteht, ein weiterer ultraverzerrter Noise-Doom-Groover am Rande der Zumutbarkeit.
Diverser Extrem-Metal ist wie gesagt belächelnswerte Schöngeister-Musik gegen diese fünf Batzen groben, verstörenden Lärms.


Bei etwaigem Vinyl-Kaufinteresse empfehle ich den finnischen Kaos Kontrol Nega Mart, wo im Übrigen eine Bestellung ab 50 Euro versandkostenfrei ist. Darauf zu kommen, ist bei den angebotenen Sachen so schwierig nicht.
Demnächst möchte sich Kaos Kontrol aufs kleinere Label-Dasein konzentrieren und die Mailorder-Aktivitäten zurückschrauben, also „zuschlagen, solange der Vorrat reicht
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