Montag, 15. April 2019

Saaaiint Vitus! Hear his distant Scream...

Die #FirstWorldProblems-Qual-der-Wahl am Sonntagabend für den Nicht-Tatortgucker: In der Nachbarstadt die wirklich, wirklich großartigen Arabrot, von denen ich durchaus echt ein bisschen Fan bin, im Vorprogramm der ebenfalls nicht ganz zu verachtenden Mono sehen? Oder doch in die Hangarhalle des Dortmunder Nordstadt-Schrottplatz zu den Doom-Göttern SAINT VITUS einkehren? 
Da ist man vor allem auch wegen eben solchen Fragen schon bewusst nicht zum Roadburn Festival gefahren, muss sich am gleichen Wochenende aber doch wieder damit rumplagen... ;)
Die Würfel fielen dann jedenfalls für letztere. Auch wenn man sie vor eineinhalb Jahren schon mal in gleicher Besetzung an gleicher Stelle sah.
Da sich die Band, ursprünglich unter dem Namen Tyrant, bereits 1979 (!) gründete, feiert man mit dieser Tour das Vierzigjährige.
Und tatsächlich bin ich in Bezug auf SAINT VITUS ja vor allem Fan der frühen Sachen mit Ur-Sänger Scott Reagers, der zum insgesamt dritten mal im Laufe der bisherigen Bandbiographie wieder mit im Line-Up ist.

Den "Special Guest"-Slot als Opener bestreiten an diesem Abend allerdings erstmal DOPELORD.
Die polnischen Stoner-Doomer fangen zu meiner Überraschung tatsächlich pünktlichst (!) um 20:00 im zu meiner Überraschung sehr (!) gut gefüllten Junkyard an (es schien tatsächlich wesentlich voller als beim letzten mal zu sein).
Man fragt sich zwar ein bisschen, ob die Jungs alle aus dem gleichen Beardo-Hipster-Klonlabor stammen, musikalisch wandelt man allerdings absolut passabel auf Sabbath’schen Pfaden zwischen psychedelischen Anwandlungen, schweren Riffs, rollendem Groove und eingängigen Gesangsmelodien.
Kann man echt machen! Eine halbe anstatt ca. ‘ne Dreiviertelstunde hätte es zwar auch getan, aber kann man echt machen!


Viertel nach neun kommen dann SAINT VITUS auf die Bühne! 
 
Wie gesagt bin ich bei denen ja vor allem Fan der frühen Sachen mit Scott Reagers. Was nicht mal wirklich primär an Reagers liegt, sondern vor allem daran, dass diese so eine rohe Energie haben, die das Ganze eigentlich schon recht nah an Hardcore-Punk rückte. (Man war damals schließlich nicht ganz ohne Grund auf SST Records und coverte später sogar noch Black Flag’s ‘Thirsty and Miserable ‘…)
Abgesehen davon ist’s irgendwie geil, ihn und Gitarrist und Bandleader Dave Chandler dieser Tage wieder nebeneinander zu sehen: Zwei alte, grauhaarige, graubärtige Männer, die voller Leidenschaft authentisch in ihrem Ding aufgehen. 
Reagers klingt stimmlich kein bisschen anders als damals. Er schmettert und schallert als gäbe es kein Morgen.
Der markante Gitarrensound von Chandler’s simpel-dröhnigem Spiel wiederum geht einem regelrecht durch Mark und Bein. Keine Ahnung, wie genau der das eigentlich macht, aber es ist
irgendwie schon was besonderes.
Die Rhythm-Section dahinter spielt knackig-tight und wild. Ist Drummer Henry Vasquez eigentlich mit Gene Hoglan verwandt? Eine gewisse, auch optische Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen…

Neben Band-Standards wie ‘War Is Our Destiny' und 'White Magic/ Black Magic' gibt’s dann auch die eine oder andere Nummer vom neuen Album zu hören, das kommenden Monat erscheint, und ich sach mal das Ding ist gekauft.
Dass man mit 'Saint Vitus' vorerst abschließt, um als Zugabe 'Born Too Late' zu spielen, das hatte man so erwartet - dass es danach aber sogar noch weitere Nachschläge gibt und die Band zum Schluss gar noch mal eben was im hardcoreigen Uptempo rausballert (!), damit wiederum hatte man eher nicht gerechnet.
Wie geil?!
Einziger Wermutstropfen: Mein Lieblingssong 'The Psychopath' wurde wieder mal nicht gespielt. Ich kann es verschmerzen, denn das war durchaus wirklich einfach nur total geil!

 

Keine Kommentare:

Kommentar posten