Dienstag, 5. Februar 2019

Moving Noises 2019

Je älter ich werde und dabei aller Übersättigung und Spießeranwandlungen zum Trotz dennoch unverbesserlicher Musiknerd bleibe, desto mehr scheine ich mein Heil zur Zerstreuung bei Microgenre-Veranstaltungen, Kunst-Events und Sitzkonzerten zu finden – und das MOVING NOISES ist alles davon bei denen man sich dann teilweise auch schon mal herrlich künstlich darüber aufregen kann, dass sowas tolles nicht mehr Leute interessiert, man auf der anderen Seite dann aber eigentlich insgeheim doch froh drüber ist, dabei abseits von Wackenspacken, Trve-Kuttenhonks, Moshpitsportlern, Trendhophipstern, Musikbiz-Wichtigtuern und ähnlichem Debilovolk unter sich zu sein. Ja, ich steh‘ dazu…

Und auch das MOVING NOISES Festival 2019, das vergangenen Samstag in der Bochumer Christuskirche über die Bühne ging, war mal wieder ziemlich super. 


Ein paar Erkenntnisse: Offensichtlich ist es in der Drone-Ecke jetzt doch auf ein mal schwer angesagt, live mit Konservenzusätzen zu arbeiten: Dass NADJA mit Drumcomputer aufwarten ist man ja gewohnt, aber auch Saxophonist ZENJUNGLE, Gitarren-Droner THE STAR PILLOW und Gizeh-Records-Hausband A-SUN AMISSA hatten Beats und/ oder industrielle Klangcollagen scheinbar aus dem Nichts kommend zu bieten. Selbst die etwas nichtssagende Cymbals-Soloperformance von Tomas Järmyr (WERL, ansonsten auch Motorpsycho, Zu und Yodok III) wurde von Instant-Hintergrundgewaber gestützt. 
Ein Trend, dem ich irgendwie etwas ambivalent gegenüberstehe… Unterm Strich zählt natürlich das Gesamte und das war in fast allen Fällen sehr stimmungsvoll und einnehmend, generell habe ich ja zudem auch durchaus
was für Maschinenrhythmen und Geräuschcollagen übrig, aber irgendwie fühlt sich das in einer gerade auch von Momentaufnahmen und Handwerk lebenden Ecke in dieser Ballung etwas seltsam an… 
Sonst noch? Die zwischendurch auch mal ziemlich laut bretternde N + [BOLT] Performance war super, SCATTERWOUND’s Auftritt mit avantgardistischer Flügel-Unterstützung auch. WERL (= Aidan Baker & Tomas Järmyr, an diesem Abend plus Bläserunterstützung) hätte ich in der Theorie auch super finden können, aber am Ende eines langen Tages auf harten Kirchenbänken wollte der Funke an der Stelle nicht mehr so ganz überspringen.
Macht aber nix, denn es war auch so mal wieder ein toller Festivaltag/ -abend gewesen!
(Pic: N+[bolt])

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