Dienstag, 26. Februar 2019

Entspann Dich halt mal!

Wenn Erwartungen tendenziell ziemlich hoch sind, werden sie ja gar nicht mal so selten schon mal eher enttäuscht. Vorfreude ist daher eigentlich auch etwas, das ich mir weitgehend abgewöhnt habe. ;)
(Das letzte mal vorfreudig war ich, als Eisenvater und BELLROPE zusammen in der Gegend spielen sollten, es dann aber aufgrund höherer Gewalt doch nicht stattfinden konnte, also q.e.d.)
Umso so schöner ist es dann auch, wenn von ‘ner Band ein Tonträger rausgehauen wird, der einen auf seine alten Tage noch mal ziemlich direkt so richtig begeistern und mitreißen kann, ohne dass man wie ein notorischer Musiknazi-Meckeropa irgendwas zum dran aussetzen finden möchte…


Vielleicht war die Auflösung von Black Shape Of Nexus und Neugründung von BELLROPE für die weiterhin beteiligten ja irgendwie nötig, um mit gewisser Frische weiter zu lärmen, aber das kann man von außen nur mutmaßen. Offensichtlich ist jedenfalls, dass  BELLROPE sich auf ihrem ersten Album unter neuem Banner in wirklich nix verrennen, sondern in Zeiten, in denen nahezu jeder eine weitere Stoner-/ Sludge- / Drone-/ Doom-Band von der Stange gründen muss, einen ureigenen Signature-Stil zementieren, mit dem sie Godzilla-mäßig alle/s andere/n platt stampfen.



Der Opener 'Hollywood 2001 / Rollrost' ist eher sowas wie ein Noise-Stück, hat als kürzester Track von dreieinhalb Minuten den Charakter eines Intros und ist dabei eigentlich schon mal ganz geil.
Für diesen etwas abweisend und experimentell anmutenden Start sind die folgenden vier Songs dann eigentlich fast schon überraschend auf dem Punkt:
Der knapp an der Zehn-Minuten-Marke schabende Brachialst-Groover 'Old Overholt‘ geht in einer wie von B.SON gewohnten Manier schon mal gut rein.
Auch dem direkt noch mal einen draufsetzenden Titeltrack und dem von den Treedeon-Leuten Arne H. und Yvonne D. gebrüllten und gesungene 'TD200' – beide fast elfeinhalb Minuten – gelingt jeweils der Kunstgriff, trotz aller monströs rollender Lämerei einfach nur eingängig-geil zu sein.
Und das Grand Finale 'CBD / Hereinunder' (17:56 Minuten) ist bis zum rasanten Endspurt ein erwartungsgemäß mächtiges Teil zwischen Doom-Brocken und schmissig treibendem Kopfnickerwahn.

Der BELLROPE’sche Stilmix hat dabei durchaus rockige Stoner-Elemente im Groove und im Riffing und auch sowas wie psychedelisch-meditative Anwandlungen, auf ihre grobe und kantige Art haben die in Mannheim residierenden Herren dabei allerdings am massiven Kern irgendwie doch mehr mit einer Band wie Unsane gemein, als dass ich sie heutzutage in eine Schublade mit etwa Electric Wizard stecken wollen würde, deren artverwandt krachiges "Dopethrone" halt auch schon fast zwei Dekaden her ist.
"You Must Relax" ist – so sehr ich sonst drauf bestehen möchte, in Musik keinen Wettbewerb um Rangplätze sehen zu wollen – ganz ohne Frage das bisherige Highlight des noch jungen Jahres, an dem es erstmal vorbeizuziehen gilt. Und das wird gar nicht mal so einfach!

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