Freitag, 1. Februar 2019

Doomy February

Wirklich nur ca. 1-2 Sekunden lang hatte ich drüber nachgedacht, für die Einleitung einen zur Jahreszeit passenden Kalauer Richtung „Krachig-kerniger Doom statt Karneval am Kölner Dom“ zu konstruieren, aber da ich hier nicht ohne weiteres einen brachial dröhnenden Tusch-Soundeffekt im Schlepptempo integrieren kann, klemmen wir uns das mal…
Diesen Monat sind jedenfalls gleich mindestens drei antizipierte Alben von Bands aus hiesigen Breitengraden auf der Startrampe, die mehr oder minder in die Schublade „Sludge-/ Drone-/ Doom-Zerbröselung“ passen: 


BELLROPE - You Must Relax
VÖ: 22.02. | Exile on Mainstream Records

Ist ja auch schon ‘ne etwas weirde Geschichte:
BLACK SHAPE OF NEXUS lösen sich auf (mutmaßlich wegen dem, was man so als „kreative Differenzen“ bezeichnet) und wenig später tauchen 5/6 der Band unter neuem Namen wieder auf. Der nächste macht dann allerdings aus Zeitgründen auch noch bald den Abgang, gefolgt vom zweiten, und auf ein mal ist ein B.SON-Gründungsmitglied aushilfsweise wieder mit drin...


Müsste ich jedenfalls eine Liste meiner zehn liebsten Rumms-und-Dröhn-Alben aus diesem Jahrzehnt in Stein meißeln, dann wäre Black Shape of Nexus‘ "Negative Black" ja auf wirklich jeden Fall mit drin. Und das nicht im unteren Drittel.
Dass B.SON kein generisch-straightes Stilschablonen-Abspulen in Klischeeverpackung fabrizierten, bzw. immer so ein bisschen ihren eigenen Weg nicht nur mit dem Quadratschädel durch die Betonwand, sondern auch mal etwas verquer um die Ecke verfolgten, das dann gerne auch noch inkl. der einen oder anderen Extraportion an Noise, das hat ihnen in meinem Herzen für immer einen ganz großen Platz eingeräumt.
Und das soll jetzt wirklich kein Lästern oder Dissen sein (gerade auch weil ich den entsprechenden Autor persönlich kenne), aber umso bezeichnender und amüsanter fand ich in dem Zusammenhang dann auch noch die Randnotiz, wie jemand, der sich im Rahmen eines inzwischen eh weitgehend profillos gewordenen Magazins eher zweifelhaft als Stoner-/ Doom-/ Metal-Experte zu positionieren versuchte - obwohl man fünf Minuten vorher noch mit ins Hype-Horn für so einen Abiparty-Unrat wie Deichkind getutet hatte - dann auch ganz ungeniert seine Überforderung mit dieser "Anti-Musik" zu Protokoll gab.
Würde ich auf meiner Seite dann auch noch sowas wie eine Lieblingssong-Ansammlung der letzten Jahre kompilieren, dann wäre der hypnotisch-repetitiv und ziemlich noiserockig groovende 'Facepunch Transport Layer' vom etwas facettenreicheren Nachfolger "Carrier" wiederum auf jeden Fall auch noch darunter.

Aber genug der B.SON-Vergangenheit, denn wir sind in der BELLROPE-Gegenwart!
In dieser rumpeln jetzt zwei Bässe neben einer Gitarre statt umgekehrt. 

„Amp hauling, amp abusing.“
Man zelebriert epochale Krachkonzerte und keine „Rituale“, hat aber im Gegensatz zu den ganzen Kaspern, die sich derartiges total spirituell und okkult auf die Fahne schreiben wollen, tatsächlich meditative und endzeitliche Qualitäten. 
 

"You Must Relax" erscheint am 22.02. über Exile on Mainstream.



Verpasst die Band dieser Tage auf keinen Fall auf Minitour mit the one and only migthy Eisenvater:
6.02.:
Dresden, Chemiefabrik
7.02.: Berlin, Tiefgrund
8.02.: Jena, Rosenkeller
9.02.: Stuttgart, JuHa West


BLCKWVS - 160
VÖ: 22.02. | This Charming Man Records

Black is' halt beautiful - von "Black Shape of Nexus 2.0" zu den Blackwaves:
Auch die über Bielefeld, Hamburg, Dortmund und Münster verstreut lebenden BLCKWVS sind sowas wie ‘ne Drone-/ Sludge-Doom-Band mit experimenteller Kante. Und ich weigere mich, hier vielleicht noch einen Begriff wie "Post-Metal" oder "Stoner" mit dazu zu tun, denn diese stehen inzwischen ja häufig eher für gepflegte Langeweile. BLCKWVS sind nämlich alles andere als langweilig, sondern mächtig, dynamisch, interessant.
Ein dröhnender Bass und eine bratzende Orgel nehmen in ihrem Sound gleich viel Platz ein wie die brachiale Gitarre, die Drums klopfen oft was anderes als Standard-Rockrhythmen, Songarrangements bewegen sich auch mal zügiger nach vorne, anstatt gemächlich auf der Stelle zu treten.


Die Fertigstellung ihres neuen Albums hat gedauert. Was u.a. daran liegt, dass man dieses mal kein vorwiegendes Instrumental-Album mit ein oder zwei Gast-Stimmen kreiert hat, sondern "160" in einer rein instrumentalen Fassung erscheint und in einer, in der verschiedene Shouter und SängerInnen sowas wie eine durchgängige Narrative addieren.
Szeneprominentester Teilnehmer ist Ex-Morgoth-Frontmann Marc Grewe, weiterhin gesellen sich Zeitgenossen aus Reihen von u.a. (Dolch), Heads., Space Chaser, Black Vulpine und der schnarchigen Fransenponcho-Karnevalstruppe Kadavar dazu.


Bock drauf! Wirklich schwerstens Bock drauf! Bald auch bei Bandcamp...



EREMIT - Carrier Of Weight
VÖ: 25.02. | Transcending Obscurity Records

So mancher hauptberuflicher Musikpromoter dürfte gerade mutmaßlich neidisch werden, was für ein Buzz um EREMIT im hiesigen Underground schon so stattfindet, noch bevor das erste Album überhaupt offiziell veröffentlicht wurde (während man im Übrigen das nächste auch schon in der Oldenburger Tonmeisterei aufgenommen hat).
Live-Augen- und Ohrenzeugen (wie z.B. Grim van Doom’s Lansky – Hi!) überschlugen sich schon letztes Jahr förmlich, wie unglaublich mächtig diese Band aus Osnabrück doch wäre.
Und die Pre-Orders für "Carrier Of Weight" scheinen ebenfalls nicht ohne zu sein.

EREMIT stehen für fuzzy Breitwand-Doom mit Atmo wie Aggro-Faktor, 
stampfendem Groove und krassen Vocals, und sind dabei auch durch das Conan-Schwert im Logo ersichtlich ganz klar mehr Metal als irgendwas mit –core oder Post–.
Auch wenn andere Rezensenten das Ganze schon mit in die Funeral-/ Death-Ecke tüten wollten, ist's schwerpunktmäßig dann ja doch am ehesten Sludge mit dreckig brodelndem Sound.

Gibt's dann dieser Tage wohl über den europäischen Store des indischen Labels Transcending Obscurity, die Vinyl-Version schifft allerdings erst ein paar Wochen nach dem digitalen Release raus.
Das Coverartwork stammt übrigens von Bell Witch's Mariusz Lewandowski.
Nächstes Jahr dann beim Roadburn?



OUR SURVIVAL DEPENDS ON US - Melting the Ice in the Hearts of Men
VÖ: 08.02. | Ván Records

Ja, die hätten wir auch noch. Und ja, die sind vo außen ja erstmal doch irgendwie so ‘ne ganz seltsame Truppe. Waldmenschen-Eso-Hippies, 'Let my people go' im Neurosis-Modus, Okkultismus-Klischees und ein Troglodyt mit Burzum- und Watain-Patches spielt mit einem Gewerkschaftler (durchaus lesensenwertes Interview) in einer Band.
Die auch visuell äußerst stimmungsvolle Vorab-Videosingle 'Gold and Silver' (s.u.) kam dann jetzt überraschenderweise ferner schon regelrecht glatt und fast proggy daher.
Nicht sooo ganz my Cup of Doom, aber.
Es gastieren übrigens Alan Averill (Primordial) and Victor Santura (Dark Fortress / Triptykon).

Behaltet bei Interesse mal vanrecords.bandcamp.com bzw. oursurvivaldependsonus.bandcamp.com im Auge, wo das Teil die nächsten Tage dann sicherlich noch aufschlagen wird.



Und sonst noch?

Die neue CANDLEMASS mit dem Titel "The Door to Doom" erscheint am 22.02. über Napalm Records.
Kein Geringerer als Black Sabbath’s Tony Iommi macht bei einem Song mit!

Auf Heavy Psych Sounds erscheint dann außerdem ‘ne neue der DEAD WITCHES, in dessen Zusammenhang der Name Electric Wizard mehr als ein mal gedroppt wird.

Doch lieber noch mehr kernig-krachiger als episch-melodischer oder stoner-vernebelter Doom?
Dann erscheint am gleichen Tag auch noch ‘ne Split von HELL und PRIMITIVE MAN über Translation Loss Records.


Düsterst und dreckigst? Checkt mal das selbstbetitelte Debüt der selbsternannten Nihilisten TERRE aus Belgien.


Einen noch abstoßenderen Namen als MISCARRAGE kann man wohl nicht haben. Der entsprechend abstoßende Ultradüster-LoFi-Rumpel-Gurgel-Black-Doom von "Imminent Horror" ist am 22. via Sentient Ruin Laboratories raus.

Erscheint ebenfalls am 22.02.: Die süddeutschen (?) WERIAN schreiben sich "Experimental Doom Black Metal" auf die Fahne und sind mit dem neuen Album "Animist" via Eisenwald dabei.

Und außerdem mal auf dem Radar haben könnte man NŪR. Jene sind eine isrealische Schlepptempo-Düstercore-Band auf der „NeurIsis of Luna-Ra“-Schiene mit dem relativ exotischen Faktor, dass der Drummer auch Haupt-Brüller ist.
Ab 02.02. ist ihre selbstbetitelte Debüt-EP über das schwedische Label Suicide Records am Start.
 

Ach ja, zwinker: Diesen Monat gibt’s dann im Übrigen auch noch die Premiere einer Serien-Adaption von DC ComicsDOOM PATROL!
Gemessen an der Qualität von dem, was es in jüngerer Vergangenheit unter DC-Banner in bewegten Bildern sonst noch so alles gab, habe ich aber fast schon eher so’n bisschen Angst davor…

 

Im Industrial-Post findet man dann übrigens auch noch das Soloprojekt eines Year Of No Light-Mitglieds mit Gastbeiträgen diverser Drone-Hausnummern, ferner Veröffentlichungen des artsy-elektronisch orientierten Tape-Labels, das einer von den Roadburn Records-gepowerten Irrsinns-Sludgern Drunk In Hell betreibt, sowie den neusten JK Flesh-Track.

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