Dienstag, 19. Februar 2019

Amenra und co. im Junkyard...

Ich hab’s gerade extra mal nachgegooglet: Es war März 2007, als ich AMENRA im relativ winzigen "Lokal ohne Namen" (aka "Fuck") in Gelsenkirchen-Buer zum ersten mal live sah (an dieser Stelle ein Gruß an Jessi). Die Band befand sich zu der Zeit im bereits vierten Jahr ihrer Aktivität, war aber fast noch nie in deutschen Breitengraden zu sehen gewesen. Für ihren „ein bisschen ja wie Neurosis“-Schlepptempo-Screamocore war die Schublade „Post-Metal“ damals noch nicht so richtig aufgemacht worden; wenn überhaupt nahm man das Ganze als angenehmen akzentuierten Kontrast zum Bollocore-Hype wahr, der soeben übern Zenit durch die Region gestampft war.
Zwölf Jahre später können die mehrfach Roadburn-erprobten, inzwischen tatsächlich Neurosis-verbandelten Belgier die noch relativ neue Junkyard-Location in Dortmund mal eben mit Vorlauf ausverkaufen…


Die Punkt 19:30 eröffnende Solokünstlerin LINGUA IGNOTA hätte ich mit ihren Jarboe-/ Diamanda Galás-Vibes jedenfalls durchaus großartig finden können, das Setting war aber irgendwie ungünstig: Da das Ganze mitten im Publikumsraum anstatt auf der Bühne stattfand, haben es viele gar nicht wirklich sehen oder gut hören können, weswegen in mancher Ecke des Ladens eher Konversation gemacht als der über weite Strecken ruhigeren Musik gelauscht wird (dem laut und selbstgefällig brabbelnden Hipsterspacken direkt hinter mir hätte ich am liebsten eine reingehauen). 

Fail! 

Beim Schweizer Trio E-L-R, wohl irgendwie Ex-Sum of R, ging dann quasi die Post ab. Denn stilistisch würde man das Ganze als irgendwo zwischen Postrock, Post-Punk und Post-Black-Metal eintüten oder so. Ich fand’s tatsächlich ganz gut, da die Band eine recht gelungene Kombi aus schraddeliger Schroffheit in der Gitarrenarbeit und episch-atmosphärischen Songaufbauten hinbekommt, allerdings muss man mal ganz ehrlich sagen, dass es so ein bisschen auch ein Fall von „One-Trick Pony“ ist, denn zwischenzeitlich hatte man dann ja doch mal das Gefühl, dass sie zum dritten und vierten mal den gleichen Song spielen… Wer sowas wie Urfaust und Myrkyr und außerdem Red Sparowes u.ä. mag, sollte das mal im Auge behalten!

Zu AMENRA habe ich ja ein etwas ambivalentes Verhältnis, weil ich schon mal leicht allergisch auf Eso-Unsinn und Artsyfartsy-Anwandlungen reagieren kann. Der Punkt ist allerdings: Die meinen das halt wirklich so und das merkt man. AMENRA sind eine dieser Bands, auf die musikjournalistische Plattitüden wie „intensiv“, „Dampfwalze rollt“ oder „ziehen einen in hypnotischen Sog“ einfach zutreffen, weswegen man sie hier auch noch mal ungeniert bringen kann. 

Auch der Musik der Belgier könnte man kritisch zwar eine gewisse Gleichförmigkeit zuschreiben, man kann ihnen aber auch ihren ureigenen, homogenst durchgezogenen Stil zugestehen. Jener hat so einen gewissen, treibenden Flow, sowohl bei Passagen mit (semi)cleanen Gitarren, als auch bei wuchtigen Brecher-Grooves, der einen einfach mitnimmt.
Das Finale mit allen Support-Musikern als zusätzliche Mitperformer auf der Bühne hatte was Gimmick-mäßiges und man hatte an dieser Stelle auch ferner das Gefühl, dass die Band gegen Ende das Tempo mehr anzog als eigentlich gewollt, irgendwie machte das die sonst so unnahbare Aura von AMENRA zum Schluss dann aber auch noch mal einen Hauch sympathisch.

Da ich diesen Monat schon die großartigen Shellac gesehen habe und ferner kürzlich noch die unbeschreiblichen Kaffee und Kuchen erleben durfte lag die Messlatte in Sachen musikalisches Entertainment jedenfalls sehr, sehr hoch, aber AMENRA ist so’n Ding, das man tatsächlich auch immer wieder mal machen kann! (Da die NRW-Show von Eisenvater und Bellrope ja leider aufgrund von höherer Gewalt ausfallen musste, greife ich gerade aber halt auch nach jedem Strohhalm der Ersatzbefriedigung…)
Sieht ein Visionsredakteur übrigens anders, denn jener ergeht sich im Innenhof der Location in Anschluss an die intensive Darbietung dann direkt noch in angeregten Ausführungen, warum das halt eigentlich doch eher nichts für ihn ist. Who cares, Alter?! Dann geh‘ doch zu Netto!

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