Montag, 17. Dezember 2018

Songs 2018

Auf Albumcharts habe ich dieses Jahr zwar (mal wieder) keinen Bock, dafür mach' ich jetzt aber mal doch mal, was ich als erklärter Albumhörer und Shufflekonsumenten-Verachter sonst eigentlich nie mache: Nämlich eine Auflistung der zwölf Songs, die aus diesem Jahr irgendwie am meisten hängengeblieben sind (in entsprechender Mixtape-Reihenfolge):

SEVEN THAT SPELLS - Omega
Alpha & Omega: Der Anfang des Jahres wurde mir ja durch das neue SEVEN THAT SPELLS-Album "The Death And Resurrection Of Krautrock: Omega" direkt schwerstens versüßt. Vor allem das Kernstück 'Omega' ist mit seinen fast 19 Minuten an sonorem und verspieltem, dennoch auch einfach rockendem und Spaß machenden Progrock-Wahnsinn im allergeilsten Sinne etwas, von dem ich nach wie vor nicht genug bekommen kann.
Und dieser Drummer, dieser Drummer!



CRIMINAL BODY - Days Of Future Past
Diverse AZ-Gänger, Hipster-Punks und Brachialmusikliebhaber haben im Netz ihre „sorry, aber bin raus“-Äußerungen hinterlassen, seit die früheren Jungbluth unter neuem Namen kein Neocrust-Geballer mehr machen, sondern sowas wie Post-Punk, der trotz Krachfaktor zuweilen schon ins tanzbare und - leicht schief intoniert - poppige driftend haarscharf am kitschigen vorbeischrappt. Ich wiederum war bei meiner ersten Livebegegnung damit sofort wie hin und weg, bekräftige die Band ausdrücklich darin, abseits äußerer Erwartungen das zu machen, nach dem ihnen gerade ist und staune nicht schlecht, wie einfach es manchmal dann anscheinend doch sein kann, einen ins schon regelrecht powerballadeske driftenden Song auch ohne den ganz großen Refrain so knackig auf dem Punkt zu halten.


ÅRABROT - Sinnerman
Was die norwegischen „Art-Punks“ von ÅRABROT für eine tolle Band sind, war mir ja letzten Monat schon mal einen ausführlicheren Hinweis wert gewesen.

Und ich wollt’s wohl erst nicht so richtig wahrhaben, vielleicht auch weil der Song mit seiner kruden Folk-Schlagseite so ein bisschen quer durch meine Brachialrockmusik-Komfortzone marschiert (wortwörtlich, denn das ist ja mal voll das 1A-Marschrhythmustempo), aber gerade "Sinnerman" kann echt einfach nur total alles und entpuppte sich dann ja doch als so ein Teil, das man im Auto zum mitschmettern lauter drehen muss.
Ich kenne echt keine andere Band, die wie ÅRABROT gleichzeitig so ein bisschen bescheuert, irgendwie auch bitter und emo, dabei aber dennoch regelrecht erbaulich klingt.

  
MORNE - Not Our Flame
Irgendwie ist’s ja schon
ein etwas einfacher Stunt, in der zweiten Hälfte eines episch langen Songs ewig auf dem immer gleichen Rhythmusgitarrenriff rumzureiten und sich einen ab zu solieren, aber so wie MORNE das hier machen, ist das einfach nur total geil (die erste Hälfte mit diesem Bolt-Thrower-mäßigem Geknalle im Übrigen aber auch). Zumal man einer eigentlich in Amebix-/ Neurosis-/ Grief-/ Fall of Efrafa-mäßigen Gefilden wurzelnden Band so viel "Poser-Metal" im Blut gar nicht zugetraut hätte, was ich absolut nicht als Negativattribut verstanden haben möchte.

INKASSO MOSKAU - Tafelsilber
Bäm! Bäm! Bäm! Bäm! Bäm! Bäm! Bäm! Bääääääähm! So geht kantig stampfende Albumeröffnungsnummer, wenn man eigentlich ‘ne punkige Grind-Band ist, die mutmaßlich Black-Metal- und Postpunk-beeinflusst allerdings eben auch musikalisch noch viel mehr zu sagen hat, als nur punkiges Grind-Blastgezimmer.


PIG DESTROYER - Army Of Cops
Apropos Grind'n'Groove: Im Netz wurde diese Vorabvideosingle zum diesjährigen Album der Ausnahme-Grinder ja viel gescholten, und ja, auch ich finde den aufgeblähten Sound etwas drüber und andere PIG DESTROYER Alben zwingender als das dennoch schnafte "Head Cage".
Ändert allerdings nix dran, dass "Army Of Cops" trotz seiner Bollocore-Schlagseite ein durchaus clever arrangiertes Stück Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Musik ist, das total bockt.




GNOD - Donovan's Daughters
Ich wünschte ja wirklich, ich würde das ganze Album so gut finden wie den eröffnenden Viertelstünder, aber gegen "Donovan's Daughters" verblassen die folgenden vier Tracks von GNOD’s "Chapel Perilous" leider regelrecht.
Dieser kühl-industriell hackende Noiserock der Anarcho-Briten, der auf der Mitte ein mal fast zusammenfällt, um dann noch mal zum Dampframmen-Modus anzuziehen, ist wohl gerade auch in dieser ausgewalzten Konsequenz irgendwie total mein Ding.


GEWALT - Guter Junge / Böser Junge
Apropos Noiserock mit Industrial-Kante. 

Das ist gut. Das ist rechtschaffend. Das ist verkommen. Das ist Angst vor dem Tod.



NOISEPICKER - This Is How The World Will End
Eigentlich ist das Songmaterial auf NOISEPICKER’s "Peace Off " ein in seiner Kompaktheit ziemlich gelungenes Gesamtwerk ohne Tiefpunkte, das dann selbst in einer
etwas 'entknoteten' Live-Situation immer noch erstaunlich gut funktioniert.
Dennoch hat es mir der Kontrast zwischen atmosphärischen Passagen und krachigen Ausbrüchen, den ‘This Is How The World Will End‘ zeichnet, vom besagten „Tom Waits meets Voivod im The-Obsessed-Modus“-Album ganz besonders angetan.


MELVINS - Don’t Forget To Breathe
Man muss es ihnen ja echt lassen: Mit diesem kauzigen Kriecher eines seltsam-psychedelischen Songs aus der zweiten Reihe von ihrem, natürlich auch mal wieder etwas eigenwilligeren aktuellen Album "Pinkus Arbotion Technician", ist den guten alten MELVINS tatsächlich sowas wie ein heimlicher Ohrwurm geglückt.
Und dass der Videoclip dazu von AmRep-Hazelmyer’s Tochter zusammengebaut wurde, verdeutlicht einem dann wohl auch ferner mal wieder wie alt man selbst schon ist…




CHRISTIAN FITNESS - Hamsterland
Zwischen den Alben seiner eigentlichen Hauptband Future Of The Left (bekanntlich wiederum die Nachfolger von Mclusky) ist bei Andrew Falkous immer wieder auch mal ein Release seines halb im Wohnzimmer produziertem Projekts CHRISTIAN FITNESS drin, bei dem er seinen schon an anderen Stellen ins arg bekloppte abdriftenden Weirdo-Punk noch mehr auch in Hip-Hop-Schulterblicken und pompösen Pop-Akzenten ausarten lässt. Eine mit gewisser Contenance zur Schau gestellte Schrägheit, wie sie wohl eben wirklich nur Briten hinkriegen. 
Beim aktuellen "Nuance - The Musical" bin ich vor allem von der versöhnlich tönenden Schlussnummer mit orchestralen Einlagen begeistert, die ich mir wirklich jeden Tag schon zum aufwachen anhören könnte.


SANDRIDER - Banger
Seit dem 2013er "Godhead" ist das mit SANDRIDER und mir ja wirklich die ganz große Liebe, aber mit dem aktuellen Album "Armada" habe ich ein mittelschweres Problem: Wenn der vierte Song 'Banger' verklungen ist, ist’s echt schwierig sich die noch folgenden sechs auch noch anzuhören. Denn man hat soeben einen riesigen Megahit vernommen.

Dass besagte Nummer dabei mit einem regelrecht formularischen Strophe-/ Refrain-Arrangement aus der Standard- Rocksong-Schablone, einem arg Richtung Emo schielendem Chorus und sogar Clap-Sounds daherkommt, das macht alles nix, denn SANDRIDER kriegen das alles völlig unpeinlich hin und haben mit diesem lebendigen, ganz eigenem, dröhnig-drückenden Sound, wie nur sie ihn rausgebraten kriegen, das Satz in der Suppe drin, das den meisten generischen Stoner-Bands eben eher abgeht.
Und jetzt alle: Bury me in the niiiiight!

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