Dienstag, 25. Dezember 2018

Grindcore 2018 (6)

Würde ich die Top 3 Grindcore Alben 2018 listen, würde das wahrscheinlich so aussehen:

#03: CLOSET WITCH – Closet Witch 
Derbst infernalisch-intensives Emoviolence-Geballer zwischen Chaos und Katharsis, das neben vergleichbaren Bands wie Svffer oder Cloud Rat betrachtet noch mal 'ne ganze Schüppe drauflegt. 

#02: INKASSO MOSKAU – Die Sünde
Dass diese Osnabrücker Grind-Punks auf ihrem zweiten Album unter Vermeidung von 08/15-Songarrangements an Atmo und Groove zugelegt haben, war wohl genau der richtige Schritt. 

#01: SUFFERING QUOTA – Life in Disgust
Schlicht und ergreifend alles richtig gemacht. 

Aber darum geht's eigentlich gar nicht, sondern darum, dass ich noch ein paar Sachen auf dem Grind-Notizzettel hatte, die - nicht nur der Vollständigkeit halber - nicht unerwähnt bleiben sollen:

CO - The Kane Sessions
Was Eye And Ear Control Records als "Blast-Prog" bezeichnen und in der Nähe von Keelhaul sehen passt vielleicht nicht so 100%ig in die Schublade Grindcore, dann wiederum irgendwo zwischen den ganz frühen (!) Mastodon/ Lethargy/ Today Is The Day/ Sulaco, Art Of Burning Water u.ä. in diese doch am ehesten.
Noch krawalliger wird's nicht.


DAGGRA - Setsuna
Mit ihrer düsteren und dezent technischen Death-/ Black-Metal-Kante klingen die texanischen DAGGRA im Rahmen ihrer kurz gehaltenen Songs ja irgendwie so ein bisschen wie 'ne chaotisch-punkige Grind-Version von Behemoth (kein Scheiß).
Stilelemente wie das Gegniedel beim Titeltrack sind mir persönlich zwar etwas too much, aber ich habe dieses Jahr wohl auch schon uninteressantere Extrem-Metal-Releases gehört.

ERNIA - Ernia
Nach der mitgelieferten Beschreibung hatte ich hinter ERNIA ja was wesentlich stärker gen Tech-Death neigendes erwartet und war umso positiver überrascht, dass der Hyperblast-Grindcore der Spanier zwar eine spielfreudig-metallische Kante mit Death-/ Black-/ Doom-Akzenten demonstriert, dabei trotz aller Avantgarde-Ambitionen aber eben doch mit intakten Crust-Kern nach vorne rast.
Kann man echt machen!

ESCUELA
..sind eine dieser aktuellen "sollte man als Genre-Aficionado auffem Schirm haben"-Bands. Das Quartett aus dem Bundesstaat New York kesselt zum Powerviolence neigend mit Hyperblasts und Stampfstampf-Parts nach vorne, während auch die Instrumentalisten neben Frontfrau Katerina mit in Mikros brüllen.
In diesem Jahr kamen Splits mit Violent Opposition und mit Reeking Cross raus, die beide noch mal 'ne ganz Spur besser produziert ballern als das etwas mumpfig-schepprig klingende Debütalbum von 2016.


GRAF ORLOCK - Examination of Violent Cinema Vol​.​1
Auch wenn man argumentieren könnte, dass es ja doch noch so ganz andere Probleme in der Welt gibt, über die man seinen Unmut in die selbige hinausbrüllen könnte und sollte, ist eine Kritik am zeitgenössischen Hollywood-Kino durchaus ein Motto, mit dem man sich ebenfalls ganz gut identifizieren kann.
Jenes ist das Konzept hinter dem fünften Langspielalbum der kalifornischen Cinematic-Grind-/ Hardcoreler mit zwangsexmatrikuliertem Filmstudenten-Background, die schon immer so ein bisschen ihr ganz eigenes Ding waren.


NORDIC WALKING
Warum es dieses Debüt nach einem einminütigen Preview bei Bandcamp bisher nur via Youtube zu hören gibt, weiß ich nicht.
Ich find' aber die Erkenntnis schön, dass es in meiner näheren (geographischen) Umgebung eben nicht nur mäßig inspirierte Stonerrocker, Hipstercoreler und Traditionsmetaller gibt, sondern endlich auch mal brauchbaren Baller-Nachwuchs.
NORDIC WALKING machen bei ihrem Grind/ Powerviolence mit atonaler Schlagseite nämlich verdammt viel richtig!




REGIONAL JUSTICE CENTER - World of Inconvenience
Kann man so kurz fassen, wie die Songs gehalten sind: RJC sind 'ne Fastcore-Truppe aus Seattle, deren Konzept tatsächlich Kritik am amerikanischen Justizsystem ist.

Und sonst noch?

Horror Pain Gore Death Productions
hau(t)en zum Jahresende noch mal ganz schön was raus: 
POUGHKEEPSIE's "Macrocosmic Demise" EP bietet deftigen Pigsqueal-Deathgrind zum Handwedeln, STRANGULIATORIUS' "Rope, Soap, Tabouret" geht zwar eher in Richtung crusty Death-Doom à la Coffins, weil das aber geil ist drücken wir das Auge mal nicht zu kleinkariert hinter der Grindcore-Brille zu und "Smoke Crack In Hell" von CRACK HOUSE ist was ziemlich beklopptes zwischen Grind, Crust-Punk und Thrash'n'Roll, das Freunden von Ghoul und co. gefallen dürfte. 

FLUORIDE's selbstbetitelte von 2017 sollte man kennen, falls dem bisher noch nicht so war, denn das Philadelphia-Trio schließt gut zu Closet Witch, Cloud Rat und Svffer mit auf.

Plakativer als "NAZI KILLER" geht's wohl auch nicht, aber auch deren selbstbetitelte Debüt-EP über Samizdat Records aus Leicester, UK liefert recht brauchbares Powerviolence-Geschepper.


1 Kommentar:

  1. love it, hab ich schon vermisst zu den Feiertagen :D (Fehlt nur noch ne massive noiserock Liste ;-) aber die ist bestimmt eh schon in der Mache)

    AntwortenLöschen