Mittwoch, 21. November 2018

All I really, really, really want to see…


#FirstWorldProblems³: Man hätte vergangenen Dienstagabend auch mal zum Duisburger Djäzz fahren können, um sich die eigentümlicheren Berliner Indierocker Kala Brisella anzusehen. Oder nach Oberhausen zu Napalm Death mit gefühlt fünf eher uninteressanten Vorbands.
Da ich mir allerdings regelrecht kurzschlussmäßig ‘ne Karte für die erste Reihe des Bochumer Schauspielhauses geschossen hatte, wo EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN ihr "Best of"-Programm hinbrachten, wurde es das gediegene Sitzkonzert, obwohl ich mir die gleiche Nummer auch schon letztes Jahr in Duisburg gegeben hatte.


Ach ja, Neubauten… Eigentlich wollte ich ja längst noch was ausführlicheres über den Re-Release ihres Supporters-Albums "Gründstück" samt DVD gebloggt haben und über das "Risha"-Ding von Alexander Hacke und David Eugene Edwards (Wovenhand), war dann allerdings irgendwie doch nicht dazu gekommen. Wie gesagt, #FirstWorldProblems³.


Aber jetzt auch mal meckern? Okay: Dass Blixa Bargeld (im Übrigen barfuß unterm Anzug) einige der gleichen Ansagen und Witze im Autopiloten abspulte, die man auch letztes Jahr in Duisburg schon etwas eloquenter und spontaner wirkend gebracht hatte, darüber kann man als Publikumswiederholungstäter natürlich genauso die Augen verdrehen wie darüber, dass man diese Nummer, von der Bühne zu gehen und sich zurückjubeln lassen, durchaus auch überreizen und ein mal zu oft an einem Abend durchziehen kann.
Die Momente, in denen N. U. Unruh irgendeinen Schrottinstrument-Krachschepper-Kram veranstaltet, während der Großteil der Geräusche dabei eigentlich aus den Tasten von Live-Keyboarder Felix Gebhard kommt (dessen Socken außerdem farblich mit dem Hemd abgestimmt waren, aber das nur nebenbei…), sind dann auch so ein Ding, wo man anführen könnte, dass die Band ihren „geniale Dilettanten“-Charme eben noch nicht so ganz eingebüßt hat, aber so leicht zum Augenrollen  war das in der Ausführung an diesem Abend in meiner Wahrnehmung auch.
Dass man dann zum Schluss gar auch noch irgendwie so ein bisschen antiklimatisch rausgeschmissen wird und dabei 1-2 erwartete Schlusssongs nicht zu hören bekommt – seltsam?!
Und dann war da noch die Trulla hinter mir, deren permanentes, überenthusiastisch schnatterndes und gackerndes „Yeah, wow, huu! (...)“ trotz aller Sympathie für authentische Begeisterungsfähigkeit irgendwann einfach nur noch nervte.
All das sind Gründe, warum ich mir im Gegensatz zur letztjährigen Duisburger Show nicht auch noch den überteuerten USB-Stick mit dem Konzertmitschnitt holen musste. 

Bevor wir uns missverstehen ist’s jetzt aber auch nicht so, als würde ich den Konzertbesuch unter ‘ner unnötigen Pleite verbuchen. Duisburg letztes Jahr war  zwar im Direktvergleich und persönlichem Empfinden der klar gelungenere Konzertabend, allerdings gingen die fast zwei Stunden in Bochum auch kurzweiligst rum.
Besonders positiv fiel mir auf, dass gar nicht mal weiter vorne in meiner Neubauten-Rangordnung  stehende, vermeintlich ruhigere Tracks wie 'Sonnenbarke' live noch mal ein völlig anderes Potenzial entfalten und dabei eine beachtlich krasse Crescendo-Kurve zeichnen.
Und 'Sabrina' ist einfach einer dieser in magischem Ausmaß unfassbar geilen (oder auch wirklich einfach „schönen“) Songs, die man wirklich einfach mal live gehört und erlebt haben muss. 
Von daher war’s absolut lohnend, sich das noch mal gegeben zu haben. Sollten sie nächstes Jahr wieder unter gleichem Motto in eine Lokalität der Gegend kommen, werde ich dann aber wohl doch auch mal aussetzen...

Randnotiz: Beim Besuch meines Lieblings-Second-Hand-Plattenladens in Bochum, Bahlo Records, von AmRep-Noiserock bis Grindcore-Großtaten ein paar Sachen für mehr als faire Preise von der Suchliste gestrichen. Auch dafür hat sich der Besuch der Nachbarstadt dann auch mal wieder gelohnt…

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