Dienstag, 9. Oktober 2018

Maggot Heart, Slægt

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass MAGGOT HEART in der gleichen Woche im Dortmunder Junkyard aufschlugen, in der es auch Lucifer noch tun werden.
MAGGOT HEART-Chefin Linnéa Olsson und Lucifer-Frontfrau Johanna Sardonis hatten nämlich 2013 rum mal kurz eine gemeinsame Band namens The Oath. Was genau hinter den Kulissen zur Trennung führte hielt man unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Wenn es um die Frage geht, welches Scheidungskind einem das liebste ist, ist das für mich allerdings ein totaler No-Brainer, denn die auf dem aktuellen Longplayer Richtung Post-Punk und Dunkelrock mit Killing Joke’schen Schrägheiten neigenden MAGGOT HEART sind mir dann ja doch um Welten lieber, als diese in my book etwas fragwürdige Lucifer-Nummer der voreilig zum Szenepostergirl hochstilisierten Frau Sardonis (neuerdings auch mit ihrem Lover Nicke Andersson of Entombed-/ Hellacopters-Fame am Schlagzeug), deren „Proto-Heavy-Metal“ zwar zugegeben mit Hand und Fuß zusammengesetzt wurde, dabei insgesamt aber eben irgendwie doch auch arg konstruiert und nur mäßig originell anmutet.   

MAGGOT HEART betraten jedenfalls gestern pünktlichst um 20:00 als erste Band die Bühne und lieferten etwas über 50 Minuten gut ab.
Ein bisschen musste ich ja darüber schmunzeln, wie ein paar sichtliche Old-School-Metalheads samt Kutte in den ersten Reihen ziemlich zu Songs wie dem KJ-mäßigen Stampfer  'The Killing Hand' oder das in seinem Aufbau technoid beeinflusste 'Show Them Your Teeth' abgingen, die ihnen eigentlich eher etwas artfremd sein sollten. An anderer Stelle wiederum haben MAGGOT HEART dann allerdings auch doch viel von klassischem Hardrock im besten Sinne (1-2 Nummern würde ich sogar gewisse Alice-Cooper-Vibes zusprechen).
Überhaupt rockt die Band gut eingespielt tight und mit Schmackes (guter Drummer auch!), während erwähnte stilistische Akzente in nicht ganz alltägliche Richtungen das berühmte Salz in der Suppe sind, das es interessant hält.
An der Stelle kann man mal wieder die Stones zitieren: I know it's only Rock 'n' Roll but I like it!

 
Was die folgenden SLÆGT betrifft: Ja, die dänischen Jungspunde machen ihr Ding ohne Frage ziemlich gut.
Besagtes Ding ist ein Mittelweg aus traditionellem Heavy Metal und rasantem Black Metal nebst Keif-Vocals, der neben energischem Geprügel auch schon mal in ruhig-atmosphärische Passagen driftet.
Irgendwie ja schon ‘ne ziemliche Poser-Angelegenheit, irgendwie schon auch so ein bisschen die "Mädchen-Melodeath-Variante" davon, wie man derartige Musik inszenieren kann (Hallo, Tribulation!), aber die jugendliche Energie des Quartetts ist nicht ohne.
Allerdings, wenn ich mal ganz ehrlich bin, finde ich als alter Sack, der ich bin, diese „mit Weste überm freien Oberkörper die Flying V bzw. Explorer in die Luft halten“-Nummer ja doch irgendwie sehr befremdlich, wenn so ‘ne Kiddie-Band auf Old-School-Spirit macht. Ich werd‘ wohl nie so hundertprozentig raffen, worin genau eigentlich der Appeal liegt, fast schon karikaturenhaft irgendwelchen vorgekauten Klischees entsprechen zu müssen. Aber nuja… 

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