Freitag, 3. August 2018

25jähriges: Voïvod - The Outer Limits

Heute eïn Vïerteljahrhundert alt: VOIVOD’s "The Outer Limits"!



Dass dem 1993er "The Outer Limits" - quasi das Finale der „klassischen Phase“ VOIVODs - allgemein so ein leicht stiefmütterlich-unterbeachteter Status anhaftet, während nerdy Fanboys wie ich immer wieder gern mal betonen, wie gut es dabei doch eigentlich ist, das hängt wohl vor allem auch damit zusammen, wo die Band damals stand...

Nach den punkig-rumpligen Anfängen hatten die Frankokanadier ihren Thrash Metal auf den Mörderalben "Killing Technology" (1987) und "Dimension Hatröss" (1988) in immer experimentellere Bahnen gelenkt. Progressiv-komplexe Songstrukturen, schräg-dissonante Gitarrenriffs und spaceig-atmosphärische Anwandlungen waren bei aller aggressiven Rasanz mehr und mehr an der Tagesordnung.
Was ’89 im von Vielen als ihr Magnum Opus angesehenem "Nothingface" mündete, welches - u.a. auch von Igor Stravinsky beeinflusst - endgültig dahin abrauschte, sowas wie die VOIVOD-Variante eigenwillig-hartkantigen Progrocks zu sein, der im Kern aber die kauzigen Punk-/ Metal-Wurzeln der Band intakt ließ.

Im nächsten Jahrzehnt sollte der durchaus etwas stilbrechende Nachfolger "Angel Rat" allerdings nicht nur auf Gegenliebe stoßen. 

Mit dem vor allem auch für seine Arbeit mit Rush bekannten Produzenten Terry Brown hatten VOIVOD ihren Sound sozusagen gehörig geglättet.
"Angel Rat" kam ‘91 als interessantes Teil zwischen Psychedelic-/ Progrock, eher klassischem Hardrock/ Heavy Metal und in der Wahrnehmung Einiger auch Alternative daher.
Es war allgemeinverträglich-zugänglicher, melodischer, atmosphärischer, verlor dabei aber irgendwie wohl auch so ein bisschen den Anschluss an den Zeitgeist (obwohl man sooo weit weg von etwa 'Come As You Are' dann ja bei genauerer Betrachtung eigentlich auch nicht wirklich tönte). 
"Angel Rat" blieb hinter den kommerziellen Erwartungen der Plattenfirma zurück, die Kritiken waren nicht durchgängig so gut wie beim Vorgänger und natürlich war das Ganze so manchem daraufhin „$ellout“ murmelndem Metal-Fan nicht mehr hart genug.
Band-intern hatte es eh bereits gekriselt, denn Bassist Jean-Yves Thériault alias Blacky verließ die Band zwischen Produktion und Veröffentlichung.

U.a. auch, da man ihn nicht direkt mit einem festen Nachfolger ersetzen wollte, stellte man erstmal sämtliche Live-Aktivitäten ein und arbeitete am achten Album mit einem Session-Basser (Pierre St-Jean).

Und "The Outer Limits" nahm dabei dann tatsächlich auch noch mal eine interessante, kleinere Wendung:
Der Opener 'Fix My Heart' ist sowas wie eine schmissige Rock’n’Roll-Nummer, die ein bisschen den Eindruck erweckt, als wolle man den die "Angel Rat"-Wolkenstadt schnell wieder verlassen, allerdings auch nicht so ganz ohne was aus ihr mitzunehmen. Das folgende 'Moonbeam Rider' schlägt in eine ähnliche Kerbe, irgendwie schon beschwingt-poppig, aber clever arrangiert, und mit diesen um den schief tönenden Akkord aufgebauten Riffs, wie sie eben nur der 2005 leider verstorbene Ausnahmegitarrist Denis "Piggy" D'Amour gespielt hat.
'Le Pont Noir' dürfte mit seinen ruhigeren Parts und Steigerungen der "dramatischste" Song der Band sein.
Danach wird's richtig heavy, denn sowohl das Pink Floyd-Cover 'The Nile Song' (im Original vom 1969er "More" Soundtrack), als auch das direkt folgende 'The Lost Machine' (mit megageilem Riff und zunächst herrlich krummer Taktart) grooven mit massiver Schwere.
Außerdem erwähnenswert: Das Prog-Epos 'Jack Luminous‘ bringt es mal eben auf 17:26 Minuten.
'We Are Not Alone' (mit funky Basslauf und ins jazzige driftendem Part gegen Ende) beendet das Album dann auf einer eigentlich schon heiter-versöhnlich anmutenden Note.

Dabei ist das Album natürlich nicht so scharfkantig-hart wie die 80er-Referenzwerke der Band, wenn man allerdings "The Outer Limits" die Chance gibt, es tiefer zu ergründen, stellt man schnell fest, dass sich hinter der vermeintlich zugänglich-rockigeren Oberfläche doch auch so viel Finesse steckt, so viel Substanz mit Ecken und Kanten, dass es umso schmerzlicher ist, wie früh  D'Amour diese Welt verlassen musste.

The Rest is History, wie man so schön sagt.
Auch der damals u.a. mit Depression kämpfende Frontmann Denis "Snake" Bélanger verließ kurz danach
dann die Band.
Bekanntlich kamen Piggy und Drummer Denis "Away" D'Amour 1995 in einem anderen Line-Up mit generalüberholtem VOIVOD 2.0-Sound zurück, aber das ist eine Geschichte für wann andermal.
Der Fazit, um den es hier geht, ist natürlich, dass "The Outer Limits" trotz seiner etwas schwierigen Position als Krisenzeiten-Album der Band mit Sturm- und Drang-Phase hinter sich, und trotz seines musikhistorischen Kontexts, in dem es schon damals nicht mehr so ganz zeitgemäß schien, ein wirklich, wirklich tolles Album ist, das daher vielleicht nie so ganz die eigentlich gebührende Würdigung erhielt.


Als abschließende Randnotizen sollte man natürlich noch erwähnen, dass es CD-Versionen mit Brille für’s 3D-Booklet-Artwork gab…
 
...genauso wie eine einzige LP-Pressung mit gänzlich anders koloriertem Cover, für die man heute natürlich entsprechend tief in die Tasche greifen muss.
Reissue also mehr als überfällig.
 

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