Mittwoch, 30. Mai 2018

Dieser Tage raus (KW22)

Und auch in dieser Woche erscheint mal wieder ein bunter Strauß Melodien:

ALTERI - Miseria
Crustcore-Gekloppe aus Kölle: Die Nachfolgeband von Graben (mit dem Drummer von Groll) legt endlich ihren ersten Release vor. 


BRIDGE BURNER - Null Apostle
Die neuseeländischen BRIDGE BURNER geben vor allem Botch, Godflesh und Gorguts als große Einflüsse an und ergehen sich dementsprechend auch in einer eher hartkantig-brachialen und komplexeren Variante lauter Stromgitarrenmusik zwischen Grind, Mathcore und Death-/ Black-Metal.
Dabei gelingt ihnen dann ein durchaus interessanter Crossover aus Hardcore-Aura, Extreme-Metal-Derbheit und handwerklich versierter Musik, die sowohl komplex als auch brutal ist, und dem einen oder anderen potenziellen Hörer damit vielleicht sogar schon einen Ticken zu anstrengend sein könnte.



CLAWING / OFFERBEEST Split
Das amerikanische Dark-Ambient-/ Noise-Kollektiv CLAWING überraschte im Februar mit seinem Debütalbum und hat jetzt schon wieder vier neue Tracks am Start, die man sich auf einer Split mit OFFERBEEST teilt. Hinter jenem Projektnamen wiederum steckt der Niederländer Maurice de Jong, den man vor allem durch sein Industrial-Black-Metal-Ding Gnaw Their Tongues kennt, der hier allerdings ausschließlich mit Synthies agiert.

(Clawing’s Matt Finney und Maurice haben im Übrigen auch noch ein gemeinsames Projekt.) 


CONFORMCO - controlled.altered.deleted
Was die bekennenden Simpsons-Fans aus Industrial-Capitial Chicago selbst unter "Electro-Industrial" und "Gitchmode" eintüten hat meiner Meinung nach ja einen gewissen Old-School-EBM-Vibe und erinnert mich manchmal auch an das, was man Ende der 80er mal Acid-House genannt hat (Bomb the Bass).
Kurzweilig klopfender Kram!



GEOMETERS - New Disorders
Bock auf Neunziger-Vibes? Mit den GEOMETERS macht ein Trio aus New York City sowas wie ausgestorben geglaubten Alternative-Rock zwischen melancholischen Momenten und groovendem Krach.
Der Gesang tönt manchmal etwas schief, aber schlecht ist das Ganze ansonsten nicht.


GIRLS IN SYNTHESIS - We Might Not Make Tomorrow E.P.
Über dieses Anarcho-/ Post-Punk-
Trio weiß ich bisher eigentlich nicht viel mehr als den Herkunftsort (London) und die Tatsache, dass mir die bisherigen Hörproben mit ihrem kühl-krachigen Charakter (man könnt' schon von 'ner industriellen Schlagseite sprechen) sehr zusagten.
Hier lärmt sie wieder - die harsche, harte, seltsame und auch politische Seite der britischen Szene, die in letzter Zeit so viele tolle Bands hervorbringt!



GLOOP - The Tourist
Das nach wie vor grassierende Noiserock-Revival, das mir endlich wieder neuen Sinn im Leben gegeben hat (Zwinkersmiley), trägt weitere frische Früchte und kommt ferner in der Metal-Szene an: Beim Marylander Label Grimoire Records, welches als Hybridunternehmen auch gleich Studioaufnahme und Mastering selbst übernimmt, haut man diese Woche das Langspieldebüt des Powertrios GLOOP raus.
Jenes besticht mit so einer herrlich geilen Mischung aus trockener Beklopptheit und schräg-verspielter aber dennoch hart auf dem Punkt peitschender Musik, wie sie eben echt nur von Bands gekonnt wird, die an den gängigen Klischees anderer
Gitarrenmusik-Subsparten locker vorbeischiffen (und es gibt außerdem ‘n witzigen Videoclip).

HUMAN CULL - Revenant
Unentwegt allzu straight nach vorne rödelnder Grindcore kann eine recht ermüdende Sache sein, aber das 2014er HUMAN CULL Album "Stillborn Nation", das ich zufällig für eine andere Publikation besprechen musste, ist mir mit seinem verhältnismäßig dreckig und kaputt klingenden Charakter positiv in Erinnerung geblieben.
Diese Woche gibt’s ‘ne neue vom derbe knatternden Trio aus Bristol!



MOUSE ON THE KEYS - tres
Letzte Woche ist mir diese Veröffentlichung irgendwie durchgegangen, aber das ist ja kein Grund, es untern Tisch fallen zu lassen: MOUSE ON THE KEYS haben auch mal wieder ein neues Album raus!
Schon in der Vergangenheit begeisterte das japanische Trio damit, in der Besetzung mit Drummer und zwei Pianisten etwas zu machen, das eigentlich näher an sowas wie energischem Post-/ Mathrock als an Jazz ist, während im Laufe ihrer bisherigen stilistischen Entwicklungskurve dann auch noch Ambient-Elemente aus dem Laptop hinzugekommen sind.



MUDDY LAWRENCE - My Mind And Body Have Failed Me
Ein Mitglied der großartigen australischen Noise-Sludge-Grindcorer Diploid hat hiermit gerade eine EP seines Harsh-Noise/ Ambient-Soloprojekts veröffentlicht, auf der die anderen Mitglieder der Band auch noch irgendwie partiell mitwirken.



MZ.412 - Ulvens Broder
Bevor es später im Jahr zum bereits dreißigsten Jubiläum von MZ.412 noch ein Album namens "Svartmyrkr" geben wird, kommt von den ‘Black-Industrial‘-Erfindern ‘Maschinenzimmer 412‘ diese Woche mit "Ulvens Broder" erstmal eine neue 10"-EP über Cold Spring raus, auf der sie auch mal wieder mit Ordo Rosarius Equilibrio kollaborieren.



NORTHWOODS - Wasteland
Mehr oder minder sowas wie (Post-)Hardcore in meinem Sinne lärmen NORTHWOODS: Die Italiener ballern nicht einfach nur kraftvollstens nach vorne, sondern präsentieren dabei einen Stilmix, der viel Raum für funktioniere Atonalitäten und kantige Grooves von kühl-dunkler Atmosphäre lässt, dabei genauso wüste Grind-Akzente durchstechen lässt wie man ins dezent experimentelle/ progressive schielt, und somit Aggression mit Köpfchen bietet. 
Für Freunde von Breach, Botch, Unfold u.ä.


PRISON RELIGION - O Fucc I’m On The Wrong Planet
Ebenfalls bereits in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde dieses Kleinod, aber jene war ja eh schon so veröffentlichungsstark, dass ich nicht mehr ganz mitgekommen bin.
PRISON RELIGION sind jedenfalls ein Duo aus Richmond, Virginia, das ein Kaliber für sich ist. Mit hart knallenden Beats und Gebrüll drüber hat das Ganze was Hardcore-Rap-mäßiges, aber man spielt vor allem mit einem minimalistisch inszenierten Industrial-Wahnsinn in Richtung von Throbbing Gristle oder den ganz frühen Neubauten ("Kollaps") hat. Die Songlängen sind dann passend zur rüberkommenden Attitüde auch eher Punk.
What the actual fuck?!



SHITTY PERSON - Judgement
Leute, die man aus Bands wie Lesbian und Master Musicians of Bukkake kennt, machen als SHITTY PERSON wiederum etwas, das sie selbst als „Desperate-Heroin-Rock mit apathischer Neunziger-Note“ bezeichnen. 

Da ist das Stichwort Grunge dann wohl nicht weit weg, allerdings hat Mainman Benjamin Thomas-Kennedy hier zudem sein Vorliebe für Psychedelic-/ Spacerock im Sinne früher Monster Magnet und Spacemen 3 mit untergebracht.
Kommt über Svart (ein Bandcamp-Stream folgt dann mutmaßlich erst wieder mit Verspätung...).



SIXTURNSNINE - Spinning Numbers
Das Richtung Trip-Hop/ Digital Dub/ Downtempo-Electronica driftende Nachfolge-Projekt der Drone-/ Dark-Ambient-Band Melanchoholics von Rhein und Ruhr hat eine neue EP am Start!
Konserven-Beats und Synthies, live gespielter Rumpelbass und weiblicher Gesang. 



TRASH.EATER - Abstract Mechanism 
Dass Sonic Terror Recordings ein reines Digital-Label ist, ist ja Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil das Label mit Schwerpunkt Drum'n'Bass, IDM, Breakcore und co. so coole Sachen rausbringt, dass ich sie mir durchaus gerne als Tonträger mit in die primär Gitarren-lastige Plattensammlung stellen würde, Segen natürlich, weil ich dann nicht noch mehr Geld für Musik ausgebe..
TRASH.EATER aus Michigan zeigt dabei, wenig überraschend,Tendenzen Richtung Hardcore-Techno und Industrial-Noise.


THOU – Inconsolable
Als Überraschung, dass sie auch noch gaaanz anders können, haben THOU diese Woche ein Mini-Album mit primär akustischer Musik raus. Und es ist tatsächlich auch ziemlich gut.
Hat mitunter was von Swans um '90 rum oder auch Bee and Flower.


URARV - Argentum
Bjørn Dencker Gjerde alias Aldrahn kennt man durch seine Mitwirkung bei norwegischen Black-Metal-Hausnummern wie Dødheimsgard und Thorns.
Sein Projekt URARV, das diese Woche mit dem Mini-Album „Argentum“ via Svart Records die zweite Veröffentlichung am Start hat, bietet sowas wie relativ wurzeltreuen ‘2nd-Wave-Black-Metal‘, der in all dem rohen Geschredder auch noch Platz für die eine oder andere eher etwas weniger stromlinienförmige Schrägheit hat.


VIVIANKRIST - Another Exit
Und schon wieder was neues von Vivian Slaughter (Gallhammer). 
Elektro-Noise mit Unterstützung ihrer Tochter bei einem Track...


WARMDUSCHER - Whale City
“New Weird Britain”: Bei WARMDUSCHER geht ja irgendwie alles von Fuzz-Rock und Blues-Balladen über fröhlichen Funk mit wilden Videoclips bis zu B-Seiten, die sich ganz ungeniert in ulkigem Billigkeyboard-Geplucker ergehen.
Nicht ganz die gleiche Sportart wie der oft etwas derbere Psychedelic-Punk und Noiserock, den ich aus derartigen Breitengraden sonst so gerne abfeier‘, aber im Spirit eben doch die gleiche Liga!



Und sonst noch?

Auch wenn das Teil auf Bandcamp schon ‘ne Weile zu haben ist, ist der offizielle Release der Split von CHEAPANG und TEST, warum auch immer, wohl eigentlich auf diese Woche datiert. Grind on!

Apropos Grind: Bruxism Records haben gerade “GRIND YOUR TEETH TO THIS - A GRINDCORE / POWERVIOLENCE COMPILATION” raus. U.a mit HOLY GRINDER, TRAVØLTA, WRECK und 'ner Menge Bands, die ich noch gar nicht kenne...

Noch mehr Powerviolence: Die Bielefelder Baller-Punks von SICKMARK teilen sich 'ne Split mit den itaIienischen Kollegen von ANF via Psychocontrol.

Eine neue niederländische Band namens THE FLESH, mit (Ex-)Mitlgiedern von Herder, Blood Diamond und Feast, versucht sich derweil auf ihrer ersten EP an sowas wie Black/ Death-Metal mit Crust-Hardcore-Kante.

Und die ja wirklich jede Sch… wiederverwertenden SUNN O))) haben außerdem ihre erste Aufnahme ever, d.h. eine im März 1998 mit Kassettenrekorder mitgeschnittene Probe, als Kauf-Download bei Bandcamp reingestellt. 

Dienstag, 29. Mai 2018

Author & Punisher, Hey Colossus, Sumac, Trepaneringsritualen

Derartiges hätte ich ja genau so gerne mal öfter direkt vor der eigenen Haustür:
Gleich zwei Tourneen treffen sich an einem Samstagabend im gleichen Club: Die beiden, mehr oder minder szenisch übergreifend für Aufsehen sorgenden Industrial-Einmann-Bands AUTHOR & PUNISHER und TREPANERINGSRITUALEN auf der einen Seite, auf der anderen die etwas ungleiche Gitarrenmusik-Paarung von SUMAC und HEY COLOSSUS.
Für nur 15€ Eintritt im Vvkf und dann auch noch, um diesen Fazit direkt vorweg zu nehmen, mit einer perfekten Orga, bei der alles anfängt und aufhört wie geplant und angekündigt…
Dafür kann man sich dann auch schon mal aussem Pott ins nicht wirklich weit niederländische Nijmegen aufmachen, das knapp hinter der Grenze liegt (und wenn man genug Zeit und Geld hat, lohnt sich durchaus auch eine Plattenladentour durch das nette Städtchen).

Da es irgendwie passt, ist zu Beginn das Equipment aller vier Acts (!) auf der Bühne.
Keine Ahnung, ob es irgendwie dem heißen Wetter geschuldet ist, aber als TREPANERINGSRITUALEN im wie angekündigt straff durchgezogenem Zeitplan um 19:30 loslegen, ist das direkt neben dem Nijmeger Hauptbahnhof gelegene Doornroosje (zunächst) noch nicht so richtig voll.

 
Plural im Übrigen, weil Thomas Martin Ekelund bei seiner Halbplayback-Show neuerdings von einem Live-Percussionisten begleitet wird.
Der Schwede hat die erste Hälfte des Gigs einen Sack auf dem Kopf.
Von 'Death & Ecstasy' dem Opener/ Intro des aktuellen Albums "Kainskult" gibt’s ‘ne etwas verkürzte Fassung, die direkt in 'Maðr Malformed' übergeht.

 
Ein paar Nummern mit Gewaber aus der Konserve, Ekelund’s Gegrolle und Getrommel seines Sidekicks später landet der schweißtriefende Sack irgendwann auf dem Boden und der halbstündige Auftritt endet mit einer Nummer, die im Gegensatz zum ansonsten dargebotenen Material nicht "Kainskult" stammt und eine sehr treibende Note hat.
Es war auf jeden Fall eine unterhaltsame Sache.

 
Den Trepaneringsritualen-Stuff von der Bühne zu entfernen geht schnell, auch wenn sich einige Stagehands etwas sträuben.
AUTHOR & PUNISHER ist als nächstes dran.
Tristan Shone hat seine allgemeine Konfiguration an Gerätschaften inzwischen etwas umgebaut und dabei einen Hauch abgespeckt, aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch.
 
Und es ist ja irgendwie echt ein bisschen so eine typische Ungerechtigkeit des Universums, dass Tristan Shone mit seinem spezielleren Ding mutmaßlich nie ein größeres Publikum finden wird,  denn was er als AUTHOR & PUNISHER ist nicht nur anders als anderes, sondern dabei auch generell einfach nur geil.
Wenn er mit Hebeln, Pedalen und Kehlkopfmikro  mit seinem selbstgebauten Kram Lärm macht ist das Industrial-Musik im buchstäblichsten Sinne, aber das Ganze wird durch die manuelle Komponente mit Mensch im Zentrum (Rhythmen z.B. sind ja nicht programmiert, sondern werden von Shone mit einer Art Joystick rausgehämmert) zu faszinierendem Cyborg-Metal, der mehr Seele und Authentizität  besitzt als jedwede Retrorock-Retortentruppe, epischer und brachialer ist als die meisten Metal-Bands und eben auch „natürlicher“ als das meiste an anderweitiger Maschinenmusik.
Ich find’s ja super.

 
Danach gibt’s wieder eine zackige Umbaupause von nur einer Viertelstunde, denn es steht ja eh schon alles auf der Bühne…
 
Für eine Band, die etwas übertrieben ausgedrückt gefühlt fast schon zu den Urgesteinen der britischen Weirdo-Rock-Szene oder wie auch immer man das nennen möchte gehört (ihre ersten Veröffentlichungen erschienen 2004), sehen die Jungs von HEY COLOSSUS teilweise übrigens noch ganz schön jung aus. Und für eine Band, die mitunter auch unter „Noiserock“ eingetütet wird, sind sie ja dann doch die mit Abstand unkrachigste Band des Abends.
Mein Kollege nimmt das Ganze als sowas wie eine Mischung aus Polvo und Grinderman wahr, mich wiederum erinnert der Frontmann an Pissed Jeans‘ Matt Korvette.
Die drei Gitarristen der Band ergänzen sich auf interessante Art und Weise, die Band startet mit dem Opener des aktuellen Albums "The Guillotine" auch eher dunkel-ruhig und schräg, aber gelegentlich wird’s auch mal lauter oder schneller.
Summa summarum eine seltsame Band, aber das im besten Sinne!

 
Mit lediglich ca. fünf Minuten Verspätung bei Blick auf die veröffentlichte Timeline schließen SUMAC den Abend ab.
 
Da der eigentliche Basser des 'Powertrios' (Brian Cook von Russian Circles) anderweitig verpflichtet ist, hilft live mal wieder kein Geringerer als Joe Preston (Thrones, Ex-Melvins u.a.) aus, dessen Präsenz allein ein Happening aus dem Auftritt macht.
Genauso wie andere Bands und Projekte von Aaron Turner (u.a. Isis, Mammifer, Old Man Gloom, …) werden SUMAC in diesem Leben keine Lieblingsband mehr von mir werden - den immer wieder mal in kontrolliertem Chaos ausartenden Prog-Sludge der Band live zu sehen und hören ist allerdings dennoch ‘ne Nummer für sich.
Der Drumsound hätte ruhig noch etwas druckvoller und ausdifferenzierter aus der PA kommen können, gerade auch weil Nick Yacyshyn (außerdem bei Baptists) ein wild draufkloppender Könner vorm Herrn ist, abgesehen davon war’s aber ‘ne kurzweilige Stunde Lärm.

 
Und wie gesagt: Die Orga im Doornroosje war genauso super, wie dieses bunte Package etwas abseitigerer Musik. Wieso kriegt man sowas bei uns in der Gegend nicht auf die Kette?

Plattenläden: Nijmegen

Hier noch mal eben ein klitzekleiner Städte-Report für die Vinyljunkies unter Euch bzw. uns, denn natürlich haben wir vorm Konzert am vergangenen Samstag mal gecheckt, was Nijmegen an der Front so zu bieten hat…

SENOR HERNANDEZ
Der erste der drei besonders erwähnenswerten Läden ist eigentlich primär ein Comicladem mit sehr (!) großer und cooler Auswahl, der allerdings auch eine Ecke mit Schallplatten hat. Der Schwerpunkt liegt dabei im Bereich Doom, Sludge, Drone, Black Metal und co., inkl. Extrafach für Releases des Roadburn-Hauslabels Burning World Records.
Kann man ohne Frage mal vorbeischauen, auch wenn die Preise der Platten mitunter eher hoch angesetzt waren.
Website: www.senorhernandez.com


VINYLARCHIEF
Stunde Zeit übrig? Dann mal als nächstes rüber zum Vinylarchief!
Ein riesig langer Schlauch von Ladenlokal, voll mit dicht vollgepackten Kisten an Second-Hand-Platten.
Das Durchwühlen der jeweiligen Metal-, Punk- und Krautrock-Ecken brachte durchaus das eine oder andere Schätzchen hervor, allerdings weiß man auch hier, was man für ‘ne Platte preislich mitunter so nehmen kann und stapelt dabei auch eher schon mal ‘n Schein höher als tiefer (just sayin‘)…
Website: www.vinylarchief.com

WAAGHALS
Der dritte coole Laden liegt ebenfalls im gleichen Innenstadtradius und hat neben der relativ umfangreichen Rock-/Pop-Abteilung vor allem im Untergeschoss einiges zu bieten. Unter „Metal“  und „Industrial/ Wave“ gibt’s genauso was zu entdecken, wie auf der gegenüberliegenden Seite an Drum’n’Bass, IDM, Electronica und co.

Website: http://www.waaghals.com/

Honorable Mention: Wenn man eh schon mal auf Plattenstreifzug durch Nijmegen ist, kann man auch mal KROESE checken.
Das Programm besteht hauptsächlich aus viel eher mainstreamiger Neuware, aber in vereinzelten Kistchen mit reduzierter Zweite-Wahl-Ware oder Gebraucht-Ware habe ich ein paar ganz nette Sachen ausgemacht.
Website: /www.kroese-online.nl

Zu Obscuur Vinyl Revolution (facebook.com/obscuurvinylrevolution) haben wir es dann nicht mehr geschafft. Aber was nicht ist kann ja beim nächsten mal vielleicht noch werden und dann gibt’s hier ein vervollständigendes Update…

Freitag, 25. Mai 2018

25jähriges: Sound of White Noise

Vor 25 Jahren, am 25.05.1993, veröffentlichten ANTHRAX ihr sechstes reguläres Studioalbum „Sound of White Noise“. 
Vermutlich die längste Liebesbeziehung, die ich je hatte.

 
Darf ich mal ausholen? Okay:
Ich spare mir jetzt mal eine allzu autobiographisch abschweifende Einleitung, weil interessiert keine Sau, aber irgendwann waren es dann halt mal irgendwie ANTHRAX gewesen, die sich bei mir als Lieblingsband etablierten, als ich von der Welt des Hardrock und Metal in schon sehr jungen Jahren förmlich völlig aufgesogen wurde.
Es muss was mit ihrem Gesamt-Image und –Konzept zu tun gehabt haben, dass sie eher Batman-Boxershort als Schnürlederhosen trugen, dementsprechend eher auch schon mal Songs über Comicfiguren anstatt irgendeinen Satans-Quatsch schrieben ,einiges an ungeniertem Humor durchblitzen ließen und auch musikalisch schon mal einen Schritt weiter aus der Komfortzone raustraten als die anderen.
„Among The Living“ war zur damaligen Zeit ein unfassbar geiles Album, aber die Band blieb dort nicht stehen. Neben albernen Scherz-Songs wie ‘I’m The Man‘ passierte dann nämlich tatsächlich auch ein richtiger und ziemlich legendärer Rap-Metal-Crossover (‘Bring The Noise‘ mit Public Enemy), während man genauso Songs von Sabbath oder Kiss wie von Discharge coverte.
ANTHRAX hatten im Gegensatz zu diversen Peer-Bands so eine augenzwinkernd nach allen Seiten offene, statt in ihrem Ding eingefahrene Aura, die mich irgendwie ansprach.

1992 trennten sich ANTHRAX von ihrem Sänger Joey Belladonna. 1993 kam man zurück mit dem Sänger, um den auch Metallica zuvor schon mal erfolglos gebuhlt hatten: John Bush von Armored Saint.
Und irgendwann kurz nach Erscheinen des Teils kam ich mit der Totenkopfprägecover-Limited-Edition der CD aus einem kleinstädtischen Plattenladen…

Zu sagen, dass „Sound of White Noise“ sowas wie eine weitgehende stilistische Kurskorrektur war, wäre im Übrigen auch etwas übertrieben, denn 1.) gab’s darauf noch genug typisches Geriffe in höheren Tempolagen zu hören (was diverse Old-School-Metal-Nörgelköppe wohl nie so richtig wahrhaben wollten) und 2.) hatte sich schon das 1990er ANTHRAX-Album „Persistence of Time“ von etwas dunkleren und ambitionierteren Seiten gezeigt, die in ziemlichem Kontrast zum Vorgängerwerk „State Of Euphoria“ standen. (Welches sich wiederum etwas heiterer tönend auf der wenig originellen Thrash-Metal-Schiene festgefahren, und dabei die bissigeren Ecken und Kanten von „Among The Living“ etwas abgefeilt hatte.)
Aber: „Sound of White Noise“ wagte tatsächlich den Schritt in die 90er.
John Bush hat(te) eine dunklere und kraftvollere Stimme als sein zum Falsetto-Gejaule neigender Vorgänger, was der Band die Möglichkeit gab, sich in etwas „ernsteren“  Gangarten auszuprobieren und ein bisschen in die gerade cool gewordene Welt von Alternative, Grunge, Groove-Metal und Industrial-Rock aufzuschließen, ohne sich völlig ihrer Wurzeln zu entledigen oder einen peinlichen Zeitgeist-Stunt aufzuführen. Was auf eine sehr kohärente Weise gelang, denn „Sound of White Noise“ ist ein Album wie aus einem Guss.
Da kann auch der damals wie heute etwas seltsame Gitarrensound nix dran rütteln.

Der Album-Opener ‘Potter’s Field‘ ballerte nach dem etwa eigenwilligen Intro ziemlich gnadenlos, zeigte dabei aber direkt eine Marschroute auf, die nicht einfach nur gängigen Stilmustern folgte, sondern sich an einem interessanteren Aufbau versuchte.
Es folgt das hymnische ‘Only‘, wohl einer der bekanntesten Songs der Band.

 
(Dass sie den Song heutzutage Belladonna singen lassen ist ein Verbrechen an der Menschheit, aber wir kommen vom Thema ab…)
Das folgende ‘Room for One More‘ ist meiner Meinung nach so ein Song, aus dem man mit einer etwas kraftvolleren Produktion noch hätte mehr rausholen können, denn irgendwie fand ich die Nummer live schon immer noch mal einen ganzen Tacken bestechender als von Konserve.




Ein Song am energisch-härteren Ende der Albumbandbreite war dann außerdem noch die weitere Auskopplung ‘Hy Pro Glo‘.


Dann wären da z.B. auch noch ‘1000 Points of Hate‘ und ‘Burst‘ mit seinem etwas harcoreigen Wahnsinns-Refrain…
Der Song allerdings, der ANTHRAX wohl von Kuttenträger-Betonköpfen als verräterische Grunge-Annährung oder sowas übelgenommen wurde, war das ruhigere ‘Black Lodge‘, an dem David Lynch’s Hauskomponist Angelo Badalamenti mitwirkte.
Von der Nummer existiert im Übrigen eine noch viiiieel geilere Fassung als die Albumversion (veröffentlich auf einer EP für den japanischen Markt), die ganz ruhig startet und dann förmlich explodiert, welche man allerdings tatsächlich leider nicht (mehr) bei Youtube findet... Dann, wenn es wirklich mal drauf ankommt, wird man vom Internet im Stich gelassen.


Im Hier und Jetzt habe ich mich ja sogar irgendwie an die etwas seltsame (Gitarren-)Produktion gewöhnt, die für mich lange etwas ‘ausbaufähig‘ klang, aber eigentlich völlig in Ordnung ist.
Der 95er Nachfolger „Stomp 442“ ist ja im Übrigen ein ziemlich unterschätztes Album, aber darüber reden wir wann andermal.  

Summa summarum bin ich noch heute der Ansicht, dass die mit diesem Album startende und mit der 2004er Neuaufnahmen-Compilation „The Greater of Two Evils“ endende John-Bush-Ära von ANTHRAX zum besten gehörte, was Metal in den 90ern bzw. um die Jahrtausendwende zu bieten hatte, was aber so ein bisschen was von Perlen vor die Säue hatte.
Danach wurde die Bandbiographie bekanntlich eher so ein bisschen unrühmlich.
All jenen, die Joey Bellodonna‘s doppelt- und dreifache Rückkehr zur Band begrüßt haben, möchte man deswegen jedenfalls „Du hast sie doch echt mal nicht mehr alle stramm sitzen“ entgegenbrüllen. Und mit dem nach Zahlen gemalten Thrash-Retroversuchen im Plastiksound, an denen
sich die Band neuzeitlich versucht, will ich nix zu tun haben, denn sowas ist einfach nur langweilig und abturnend.  

Donnerstag, 24. Mai 2018

Tongue Party - Looking for a Painful Death

Das aktuelle Album, das in der Krach-und-so-Redaktion zuletzt am meisten und häufigsten in spontaner Dauerrotation für begeisterte Fäuste in der Luft sorgt, ist TONGUE PARTY’s "Looking for a Painful Death"…



Vor drei Jahren veröffentlichte diese Jungspundtruppe aus Minneapolis ein selbstbetiteltes Debüt-Minialbum, mit dem sie sich in Noiserocker-Fankreisen direkt als serhr vielversprechende Sache etablieren konnte.


Darauf
dann erstmal ausgeruht hat sich die Band allerdings mitnichten, denn nach einer weiteren Tape-EP ("Drugs, Probably") und einer Split mit den britischen USA Nails, hat man Anfang diesen Monats dann auch mal die erste reguläre Langspielplatte "Looking for a Painful Death" über Learning Curve Records rausgehauen.
Und jene verleitet mich echt dazu, altbackene Floskeln wie „bläst alles um, ballert alles weg, lässt keinen Stein mehr auf dem anderen“ etc. aus der musikjournalistischen Mottenkiste zu holen, weil meine Fresse, geben diese Jungs Gas!




In Grundzügen hat die Musik von TONGUE PARTY ja ziemlich was von Helmet
Womit man dann natürlich direkt wieder beim Stichwort Neunziger-Noiserock wäre, den man als Band aus AmRep-Capital Minneapolis mutmaßlich in die DNA injiziert bekommt.
Ähnlich wie Wrong an der Grenze zur Coverband agieren tut man allerdings nicht.

Was TONGUE PARTY hier mit einem Schuss von Thrash-Metal im Stilmix rausballern ist nämlich doch ein bisschen frischer, entrückter, wilder und trotz gewisser Präzision im Punch unbekümmert-chaotischer (im besten Sinne!), als es die doch recht mathematisch-kalkuliert lärmenden Helmet je waren.



Als interessante Randnotiz teilt sich das Zwillingsbrüder-Duo Adam und Brandon Hile (Gitarre und Schlagzeug) die ungekünstelten Vocals, zwischen denen man keinen wirklichen Unterschied hört, während das Powertrio von vorne bis hinten mit einem beachtlichen Energiepegel durchballert.
Bei all den drückenden Uptempo-Kloppereien sind die Songarrangements dann auch noch genauso auf dem Punkt, wie sie eben ferner nicht mit ideenloser Gleichförmigkeit langweilen, sondern auch noch immer wieder Platz für den einen oder anderen Break, Anflüge psychedelischen Krachs und geil stampfende Midtempo-Grooves lassen.
Ein biiisschen erinnert mich das dann ja auch schon mal an Prong zu „Beg To Differ“-/ „Prove You Wrong“-Zeiten, nur vertreten TONGUE PARTY natürlich eher so ein bisschen die dreckig und wüste Hardcore-Punk-Seite davon, als die des etwas klinischen Thrash Metals.


Lange Rede, kurzer Sinn: Total geiles Album!



Mittwoch, 23. Mai 2018

Octo, Cinema Cinema

Zu Beginn der kürzeren Woche direkt mal eben in den besten Laden an Niederrhein und Ruhr, denn wenn OCTO in der Gegend spielen kann man sich auch auf einem gefühlten Montag schon mal dahin aufmachen…
 
Heißt Punkt neun gab’s gestern im Duisburger Djäzz die Doppel-Dröhnung Bass: Das Kölner Trio OCTO besticht live mal wieder mit einer kurzweiligen Darbietung tighten Instrumental-Rocks, der aufgrund seiner Bass/ Bass/ Drums Besetzung was trockenes hat, dabei allerdings mit krachend treibendem Punch begeistert.
Der eine oder andere Knick in der Rhythmik ist das Salz in der Suppe und der eine oder andere etwas melodiöse Lauf die ‘postrockige‘ Cocktail-Kirsche auf dem Dessert.
Immer wieder gern!

 
Was die headlinenden CINEMA CINEMA aus Brooklyn, New York betrifft… ich glaub‘ das ist die erste Band seit Ewigkeiten, die ich möglicherweise irgendwie nicht so richtig verstanden habe.
Das Duo legt zwar einen alles in allem so actionreichen Auftritt aufs Parkett, dass man es nur sympathisch finden (oder vielleicht auch gar schon als etwas überambitioniert mit Kanonen auf Spatzen schießend deklarieren) kann, aber der Funke will nicht so 100%ig zu mir überspringen.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass der gesamte Gig eine einzige undefinierbare Suppe aus krachigen Jam-Passagen mit breiigem Gitarrensound und dem immer wieder gleichen Boogie-Riff ist, mit bruchstückhaft eingeworfenen Vocal-Parts (manchmal auch lediglich sporadischen Urschreien) und dem gelegentlich raugedudelten Blues-Lead. Als würde man 3-4 mal hintereinander den gleichen Song spielen und die Übergänge durch semiimprovisiert-kontrollierten Krach zusammenschmelzen.
Die Band gibt wirklich alles, flippt ziemlich wild aus, und ist so dermaßen supergut eingespielt, dass man nicht mal was dagegen sagen will, aber musikalisch ist die seltsame Summe der recht straighten Teile in die irgendwie falsche Richtung dermaßen daneben, dass ich auch nicht mehr weiter weiß.
Das einzige was rückblickend davon hängenblieb ist, dass sich eine wie Led Zep auf Speed-Überdosis anmutende Nummer thematisch um eine „Lady Abortion“ drehte (wtf?!)…

 

Dienstag, 22. Mai 2018

Dieser Tage raus (KW21)

Das von meiner Seite aus am meisten antizipierte Album der Woche dürfte das Debüt von HEX sein, einer neuen Band mit Leuten der leider ja schon länger auf Eis liegenden Shora.
Doch der (mehr oder minder) alphabetischen Reihe nach:
(Update: Neue VIRGINIA CREEP EP, hell yeah!)

BAPTISTS - Beacon of Faith
Auch wenn mir der Name vorher schon geläufig war, blinken die BAPTISTS etwas heller auf meinem Radar, seit ich Sumac gehört habe. Mit jener Aaron-Turner-Band teilen sich die kanadischen Hardcoreler nämlich den Drummer. Und was jener bei Sumac so auf die Felle zaubert, bzw. die Rhythm-Section besagter Band ist eigentlich sogar das, was ich an jenen primär interessant und bestechend finde.
Diese Woche gibt’s ein neues Album seiner eigentlichen Hauptband BAPTISTS via Southern Lord.


BIG UPS - Two Parts Together
Das dritte Album der New Yorker Punctual-Punks/ Nerdcoreler BIG UPS ist diese Woche am Start um all jene zu verzücken, die mit Anflügen von Emo genauso was anfangen können, wie mit ins math-/ noiserockige neigendem Post-Hardcore (Drive Like Jehu, Unwound und co.).
Ja, da habe ich wohl tatsächlich mal Bock drauf!



BLOWN OUT - Sun Rot
Die britischen BLOWN OUT sind ja eine dieser Bands, bei der man langsam aber sicher auch schon etwas schwieriger durchblickt. Gefühlt wird ständig irgendwas noch mal irgendwie gerevisited oder sowas und die letzte (Split-)Veröffentlichung liegt gerade mal zwei Monate zurück.
Dabei sollte man meinen, dass Typen, die in diversen weiteren Underground-Markennamen mitwirken (11Paranoias, Bong, Drunk In Hell, Khünnt und Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs), so viel Langeweile gar nicht mehr haben können.
Jedenfalls haut das Spacerock-Trio mit „Sun Rot“ zwei lange Songs, die 2014 in Tape-Form bei Box Records schnell ausverkauften, diese Woche über Riot Season erstmals auch auf Vinyl raus:



CHEER-ACCIDENT - Fades
Ganz schön volle Gästeliste auf dem neuen CHEER-ACCIDENT-Album: Durch Bands wie Sleepytime Gorilla Museum oder Faun Fable bekannte Zeitgenossen (Dawn McCarthy, Nils Frykdahl, Carla Kihlstedt) leihen der
Chicagoer Mathrock-Institution hier ihre Stimmen, dazu kommt neben diversen Streich-und Blasinstrumenten auch noch Youtube-Rapsensation Bethany Schmitt (Buttress) und am Mischpult saß Todd Rittmann (Dead Rider, U.S. Maple).
Anstrengender Kram!


DETIETI - Frogressive Punk
Progrock, Metal, Funk, Punk und gerne auch mal ein Hauch von Kirmesmusik... Die recht eklektisch aufgestellten Moskauer DETIETI haben genauso was von King Crimson wie von Mr. Bungle.
Und irgendwie wirkt diese knallbunte Wundertüte damit etwas aus der Zeit gefallen, aber das muss ja nix schlechtes sein.


DOPETHRONE - Transcanadian Anger
Bei DOPETHRONE weiß man eigentlich recht unmissverständlich auch schon vorher, was man kriegt: Stoner-Sludge-Metal mit dem Extra-Schuss an partytauglichem Rock’n’Roll.
Muss ich in der richtigen Stimmung für sein, und wenn man mal ehrlich ist war in der Vergangenheit auch nicht jeder Release der Kanadier so wirklich zwingend ("Dark Foil" wiederum ist wohl mein bisheriger Favorit), aber wer auf Weedeater, Bongzilla, Fistula, Iron Monkey, Church of Misery u.ä. steht, wird hier wohl mal wieder ganz gut aufgehoben sein.


END CHRISTIAN - Bach Part I
Keine Ahnung, wie und warum mir das letztjährige Debütalbum entgangen ist, aber Richard Hoak, der leicht irre Drummer der Knüppel-Kings Brutal Truth und Total Fucking Destruction und Vincent Rosa, Basser der Metalcore-Pioniere Starkweather haben in einer Band zusammengefunden, um… experimentell-elektronischen Pop mit jazzigem Charakter und Schulterblicken Richtung Ambient und Drum’n’Bass zu machen?!
Mainman Christian (kennt man wohl ebenfalls von Prog-Ding Hex Inverter) hat außerdem noch Dälek-Elektronikfriemler Alap Momin und mit Gillian Dreadful eine Dame mit Violine zur Crew addiert, während auf dem neuen Album (beim Song ‘Great Escapes‘) auch kein Geringerer als Justin Broadrick gastiert. Interessante Kiste!



HAUNTED HORSES - Cold Medicine
Und kein Ende mehr, in Bezug aufs derzeit allgegenwärtige Stichwort „Post-Punk“ und außerdem Bands, die eine unkonventionellere Instrumentierung als das Standard-Rockband-Setup mitbringen: HAUNTED HORSES sind ein Duo aus Seattle, das auf der neuen EP "Cold Medicine" wiederholt etwas sehr maschinell anmutendes hat, dabei aber doch auch ziemlich kaputt klingt.
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H E X - s/t
Das Debüt von H E X wirft schon länger derartige Schatten voraus, dass es für die Band schwierig werden könnte, diese Erwartungshaltungen nicht zu enttäuschen…
Hier finden sich nämlich nicht einfach nur Mitglieder verschiedener Schweizer Bands ein, sondern darunter auch zwei (?) von den göttlichen Shora, die nach einer Split mit Merzbow, dem perfekten Album „Malval“ und immerhin auch einem Roadburn-Auftritt (2009) irgendwie nie wieder noch mal wieder weiter in die Pötte gekommen sind, obwohl sie sich auch nie aufgelöst haben oder sowas.
Dieses selbstbetitelte Album erscheint nun im Grunde genommen auch schon 1-2 Jahre später als ursprünglich mal angekündigt über Hummus Records (das Label vom Coilguns-Clan) und bietet Musik, die mit dem Background von Metal/ Hardcore und Postrock in Industrial-/ Cold-Wave-Gefilde neigt.
Ich bin echt sehr, sehr gespannt drauf!



HOLY GRINDER / AGATHOCLES Split
Nur wenige Wochen nach der letzten Split mit Beteiligung der kanadischen HOLY GRINDER hätte ich jetzt nicht schon wieder die nächste gebraucht, zumal sie hier auch nur Live-Aufnahmen beisteuern. 
Allerdings teilen sie sich diese mit den Griechen-Grindcorelern AGATHOCLES, die ihrerseits ja schon relativ legendär sind.


LITHICS - Mating Surfaces
Darf es Schräg-Indierock sein, der sehr gekonnt zwischen hektisch nach vorne stolperndem (Post-)Punk und atonal abgekanteten Mathrock-Tendenzen balanciert?
Die LITHICS aus Portland, Oregon wecken bei mir Assoziationen, die quer durch den Garten von The Fall über Talking Heads und Devo
bis Sonic Youth reichen.
Warum ich sowas erst jetzt im hohen Alter immer mehr für mich entdecke ist dann allerdings wohl eines dieser Mysterien des Universums… oder vielleicht auch einfach nur meine allgemeine Müdigkeit in Bezug auf die spießige Metal-Szene…



MICHAEL VALERA - All Perfect Days
Denovali Records hat in den letzten Jahren ja schon irgendwie einen seltsamen Weg eingeschlagen. Sieht man mal vom gelegentlichen neuen Celeste-Album und dem allgemeinen Wahnsinnsreibach mit Neupressungen ihres Backkatalogs ab, geht beim Bochumer Label ansonsten ja fast gar nix mehr in Bezug auf härter und lauter tönende Musik, sondern man hat sich immer mehr in Richtung Ambient, Experimentalelektronik und artverwandtes vertieft.
So ist MICHAEL VALERA‘s "All Perfect Days" wohl auch das, was dieser Tage als mehr oder minder typischer Denovali-Release durchgeht, auch wenn es sich dabei um nix rein elektronisches, sondern Gitarren-erzeugte Ambient-Drone-Musik handelt.



MIKI YIU - Mills
Die in Düsseldorf lebende Soundkünstlerien MIKI YIU wiederum könnte eigentlich fast schon wieder was für's heutige Denovali-Programm sein, denn sie erzeugt u.a. mit Solar-Oszillatoren interessante, sonore Ambient-Klanglandschaften, die tatsächlich auch was eher helles und warmes anstatt düsteres haben.
Wirklich nicht uncool!


NERVOUS TWITCH - Promised Me The World
Hörbar Ramones-beeinflusster und mit 60er-Surf-Vibes flirtender Garage-Punk/ Rock’n’Roll, der sowohl etwas spröde inszeniert, als auch recht poppig daherkommt, mag zwar nicht sooo mein Metier sein - was dieses Leedser Trio hier inkl. Videoclip als sog. Singleauskopplung aus ihrem aktuellen Album präsentiert, besitzt allerdings durchaus einen gewissen Charme.  



夢遊病者 - 一期一会 
Wenn ‘ner (Black-)Metal-Band nachgesagt wird, total ‘Avantgarde‘, jazzig und ungewöhnlich zu sein, ist das nicht selten mit Vorsicht zu genießen, weil oft heißer (auch nur mit Wasser) gekocht als gegessen.
So geht’s mir auch mal wieder ein bisschen mit dem internationalen Trio 夢遊病者 (Japan, Russland, USA), übersetzt „Schlafwandler“, das hinter dudeligen Wirrwarr-Arrangements mit Wischiwaschi-Sound bei all dem Gekloppe, Gekeife und Geriffe eben doch nicht verstecken kann, in erster Linie erstmal ‘ne (Black-)Metal-Band zu sein.
Weil das Ganze trotz aller Hektik einen leicht surrealen Charakter hat, der mich zuweilen etwas an Terra Tenebrosa oder auch Velvet Cacoon/ Clair Cassis erinnert, ist es mir aber dennoch mal eine Erwähnung wert.



SPLIT CRANIUM - I'm The Devil and I'm OK
Das erste Album von SPLIT CRANIUM habe ich 2012 wohl auch irgendwie verschlafen. Dann wiederum bin ich aber wohl auch nicht der größte Fan von Aaron Turner (Isis, Sumac, …), dessen Bands und Projekte sich stilistisch zwar häufig in „müsste eigentlich meiner Krangenweite entsprechen“-Regionen aufhalten, mich jedoch in den meisten Fällen trotzdem nicht so richtig begeistern.
Bei SPLIT CRANIUM macht er gemeinsame Sachem mit diversen Finnen, die man u.a. von den Krautrockern Circle oder den Traditionsmetallern Steel Mammoth kennt, um dem Crust-Punk zu frönen.
Album Nummer zwei erscheint diese Woche über Ipecac Recordings.



SUZISUZI - Microphone's Counter Attack!
Die japanischen SUZISUZI bestehen zur Hälfte aus Mitgliedern von Yellow Machinegun, die man hierzulande wohl vor allem durch ihre Split mit S.O.D. vor gefühlten hundert Jahren kennt.
SUZISUZI's zweites Album "Microphone's Counter Attack!“ bietet spaßigen Hardcore-Punk mit deftiger Thrash-Metal- und Grind-Kante und kann auf Soundcloud komplett gehört werden.


SVALBARD - It's Hard To Have Hope
SVALBARD sind ‘ne relativ junge Punk-/ Metal-Band aus Bristol, um deren neues Album an einigen Stellen der Blogosphäre, Musik- und Sozialmedienlandschaft ungelogen schon seit Wooochen ein derartiges Gewese veranstaltet wird, dass man fast schon den Terminus „Hype“ bemühen möchte.
Aber Antihaltung beiseite fährt die Truppe einen ganz netten Zeitgeistcore-Style irgendwo zwischen (Neo)Crust-Gekloppe (inkl. Grind-Akzenten) und Screamo-/ Post-HC-Anleihen auf, den ich mir im AZ um die Ecke wohl durchaus ansehen würde.



VULTUREPEAK - Snake Body
In meiner liebsten Facebook-Gruppe von und für Gitarrenkrachmusik-Nerds wurden VULTUREPEAK dem Volk als etwas „für Fans von Deadguy, Botch und Kiss It Goodbye“ angepriesen.
Das hinkt vielleicht einen Hauch, aber die Duoformation aus Nordost-Pennsylvania macht echt Alarm für fünf, lärmt dabei eher etwas dreckig und räudig, als zu sehr in einen progigen Mathcore-Sound oder beliebige Metalcore-Stumpfheit abzurutschen und macht mit dieser Ansammlung verspielt-aggressiver Songs, denen man die Minimalbesetzung wirklich nicht anhört, echt ganz schön Laune (wenn man das so sagen kann)!



VIRGINIA CREEP - Dark Corners
Nach der ersten 3-Song-EP vor eineinhalb Jahren hatte ich ja irgendwie gehofft, dass VIRGINIA CREEP als nächstes mit einem Langspielalbum aus der Hüfte kommen werden, aber ich nehme im Zweifelsfall auch erstmal noch eine EP mit nur drei Songs...
Zumal das, was die rockigere Band um Pig Destroyer's J.R. Hayes hier macht, wiederholt wirklich total geil ist!


WAYFARER - World's Blood
Da man von Profound Lore Records einen gewissen Qualitätsstandard gewohnt ist, gehe ich ungehört davon aus, dass der Atmospheric-Black-Metal dieser Band aus Denver, Colorado - nicht zu verwechseln mit einer Metalcore-, einer Poppunk-, einer Folk-Band oder einem Dubstep-Typen, die ebenfalls allesamt jeweils unter dem Namen WAYFARER  firmieren - den man in einer Liga mit Falls of Rauros und Panopticon verortet, was taugen wird.
Die hier mitschwingende Etiketten-Mixtur aus Prog-Faktor und so einer Art von Rocky-Mountains-Western-Pagan-Metal ist für mich zwar ‘ne irgendwie etwas abstruse Sache, aber bei Release noch mal reinhören werde ich wohl trotzdem mal…



Re-Releases:

Bei Neurot Recordings sind diese Woche Neuauflagen des 1987er NEUROSIS-Debüts „Pain of Mind“ und von „A Mind Is A Terrible Thing“ der Anarcho-Punk-Band CHRIST ON PARADE, in der Neurosis‘ Noah Landis zuvor mitwirkte raus.

Die Noiserocker DISTORTED PONY werden auf Europatour eine Wiederveröffentlichung ihrer ersten 7“ „Concrete Bruises“ beihaben, die es schon jetzt auch bei Bandcamp gibt.


Und sonst noch so?

LORD VIGO aus dem Landkreis Kaiserslautern bringen diese Woche mit "Six Must Die" ihr drittes Album an Epic-Doom-Metal über No Remorse Records raus.
Das Ganze ist von John Carpenter‘s "The Fog" beeinflusst, während die Videosingle "Doom Shall Rise" auch eine Hommage an das italienische Horrorkino der 70er und 80er ist.



Klassischen Doom Metal servieren auch die Portlander WITCH MOUNTAIN auf ihrem neuen, selbstbetitelten Album über Svart Records.
Auch wenn ich persönlich sowas gerade auch mit weiblicher Singstimme immer wieder mal cool finde, ist allzu traditionell und retro ausgerichtete Musik bei mir ja allerdings etwas, das mich, selbst wenn sehr gut gemacht, trotzdem auch schnell langweilen kann…


Außerdem: Aktuelle Adult-Swim-Digitalsingle von SLEEP!

Es könnte ein Nachtrag zur „Briten-Noiserock-Bestandaufnahme Bristol“ sein, die hier kürzlich gepostet wurde: Eine junge Band namens LICE veröffentlicht diese Woche ihre neue EP „It All Worked Out Great Vol.2“ über das Label Balley Records aus dem Idles-Umfeld.
Zur Nummer ‘Little John Waynes‘ gibt’s ‘n Videoclip und der bluesige Schräg-Indierock hat irgendwie was von Jesus Lizard oder Killdozer.
 

Und bei Bureau B erscheint mit "Kräuter der Provinz“ ein neues Album des Neo-Kraut-Kollektivs DATASHOCK aus "Saarbrücken / Köln / Hamburg / Darmstadt / Berlin".

Zohastre + Ludwig Kirchhoff

Das Mülheimer Makroscope ist eine dieser kleinen Oasen des Ruhrgebiets, in der mit relativer Regelmäßigkeit interessante Musik- und Performance-Kunst-Events stattfinden, die immer wieder einen Besuch wert sind...
 
Der vergangene Samstag wurde vom Live-Debüt der lokalen LUDWIIG KICHHOFF eröffnet. Ein Duo mit Laptop und Gitarre, das mehr oder minder gekonnt auf der Grenzen zwischen Geräusch und Musik balanciert.
Die Darbietung fiel ziemlich lang aus, allerdings waren die gezauberten Klanglandschaften dafür interessant und kurzweilig genug.

 
Das französisch-italienische Duo ZOHASTRE ist allerdings ein anderes Kaliber. Wäre der allgemeine Vibe des Abends nicht so Sitzkonzert-mäßig gewesen, was mir in meinem Alter inzwischen durchaus schon entgegenkommt, ich hätte echt das Tanzbein geschwungen.
Ein treibendes Live-Schlagzeug stützt elektronisch erzeugte Lärm-Flächen, Vocal-Loops und Dudelsack-Samples.
Weit entfernt von sowas wie Lightning Bolt war das Ganze auf seine eigene Art nicht mehr.
Würde ich mir definitiv bei nächster Gelegenheit wieder ansehen! 

Checkt die aus!
 

Freitag, 18. Mai 2018

"Rocket Recordings 20" konserviert (Gnod, Temple of BBV)

Vom Indoor-Festival anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums von Rocket Recordings, das kürzlich stattfand, findet man auf Youtube jetzt den einen oder anderen kompletten Gig-Mitschnitt.
Darunter u.a. auch Bonnacons of Doom, Goat oder Teeth of the Sea.
Besonders erwähnenswert: GNOD und der TEMPLE OF BBV:


Donnerstag, 17. Mai 2018

25 Jahre Creep Diets!

Kommt mit eineinhalb Monaten Verspätung, aber egal: FUDGE TUNNEL’s "Creep Diets" hat inzwischen 25 Jahre auf dem Buckel!



FUDGE TUNNEL sind für mich ja echt eine der bestechendsten und wichtigsten Bands überhaupt und für alle Zeiten.
Auch wenn ich das 1991er "Hate Songs in E Minor" eigentlich sogar noch einen Ticken mehr liebe als diesen zweiten Longplayer über Earache Records, so war es zugegeben doch die damals mal bei "MTV’s Headbanger‘s Ball" o.ä. laufende Videosingle ‘Grey‘, die mich überhaupt zur Band brachte.



Man war davon seinerzeit als Schubladendenker ja durchaus etwas überfordert. Irgendwie so ein bisschen Nirvana-Grunge, oder? Hat aber auch was industrielles. Ist das jetzt noch Metal oder doch schon Alternative?
Die richtige Antwort war schon immer und wird immer sein: Is' scheißegal, denn es ist einfach das geilste überhaupt.

Mittwoch, 16. Mai 2018

Dieser Tage raus (KW20)

Hier mal wieder die auf dem Radar befindlichen Neuerscheinungen, die für diese Woche datiert sind (oder am vergangenen Wochenende unvermittelt auftauchten)…

BONNACONS OF DOOM - s/t
Nachdem Rocket Recordings schon Goat auf die Welt losgelassen haben, gibt's mit “Bonnacons of Doom” von einem gleichnamigen Bandkollektiv aus Liverpool die nächste Ladung an Ritualistisch-Rock.
Die maskierten Bonnacons sind von Amon Düül II, Jazz und Acid-House beeinflusst und zielen gänzlich auf Trance und Ekstase ab.


COMATONE & FOLEY - Trigger Happy 2
Letzte Woche erschien schon mal eine digitale Wiederveröffentlichung der zehn Jahre alten ersten Kollaboration von COMATONE & FOLEY und in dieser kredenzt uns Art As Catharsis das brandneue Sequel.
Glitchy-IDM, experimenteller Electro-Industrial, wild pluckernder Untanzbar-Techno oder irgendwie sowas in der Art lautet hier die Devise.


FOTOCRIME - Principle Of Pain
Nach zwei EPs hauen die Post-Punks von FOTOCRIME, die sich u.a. aus Mitgliedern von Coliseum und Young Widows zusammensetzen, mit "Principle Of Pain" ihren ersten Longplayer auf dem Pfad des ja schon länger nicht mehr abreißenden Trends raus, auf The Cure und Joy Divsion zu machen.
Mir isses in diesem Fall ja eigentlich schon 'ne Spur zu popig, aber hey...


GOTH GIRL - Demo 2018
Vorsicht, Ohrenblutengefahr: "Queer Noise Violence"-Artist GOTH GIRL (wohl irgendwie auch aus dem Dunstkreis von Holy Grinder (s.u.)) entwickelt sich gerade zu einer ziemlich produktiven Hausnummer an der kanadischen Harsh-Noise-Front.
Dieses vergangenen Samstag auf den Rest der Menschheit losgelassene Demo soll dabei „das bisher musikalischste Material“ sein.


HIGH PRIESTESS - s/t
Es ist ja echt eine Woche vieler (selbstbetitelter) Debütalben...
Das letztjährige Digital-Demo vom Frauentrio aus Los Angeles (das inzwischen scheinbar von Bandcamp verschwunden ist) fand ich ja trotz gewisser Stoner-Übersättigung ganz gut.
Diese Woche erscheint ihr Langspieleinstand bei Ripple Music, auf dem HIGH PRIESTESS ihren Psychedelic-Doom-Sound noch mal etwas ausgeweitet haben sollen.


HOLY GRINDER / DOMESTICATED Split
Grindcore 2018: Nicht lange nach ihrem aktuellen Album
"Cult Of Extermination" schieben die kanadischen Krachmacher HOLY GRINDER schon wieder die nächsten sieben Songs auf ‘ner Split mit DOMESTICATED aus Victoria, British Columbia nach, welche wiederum etwas mehr zum Deathgrind neigen.


LOCEAN - Object / Disco?
Poetin Lauren Bolger hat im aktuellen LOCEAN-Line-Up Mitglieder von u.a. Gnod und Terminal Cheesecake um sich geschart, mit denen sie hier zwei lange Songs lang eine No-Wave-mäßig interessante Mixtur aus nach vorne treibendem Rock mit schrägem Gitarrengebürste, Zusätzen noisiger Soundexperimente und einem jazzigen Gesamtverständnis von Musik vorlegt.
Nicht uncool! Echt nicht uncool: box-records.com/album/object-disco

MOTHER BRAIN - Demo 2018
Noch mal Grindcore: Und irgendwie klar, dass eine Band namens MOTHER BRAIN dann jetzt auch mal was am Muttertag veröffentlicht hat...
Geboten wird bei den zwei Songs dieses Digital-Demos jedenfalls ziemlich hyperaktives Geballer mit derbe todesmetallischer Kante.


OKSENNUS - Kolme Toista 
Sowas kann ja wieder nur via Nuclear War Now kommen: Mit mumpfigen Sound und entsprechender Undergroundigst-Düsterheimer-Aura lenken die finnischen Kapuzenträger OKSENNUS ihren Röchel-Knüppel-Metal in etwas eigenwilliger lärmende und auch schon mal regelrecht ins Chaos kippende Regionen, die zuweilen an Bands wie Irkallian Oracle, Portal, frühere Chaos Echoes oder auch Aluk Todolo (vor allem beim weitgehend instrumentalen zweiten Track) erinnern. 
Ist man ein mal reingekommen, hat es echt was!


PIGEON - s/t
Eine ziemlich coole Mixtur aus sehr starken Post-Punk-Vibes und sowas wie schräg krachenden Noiserock-Anleihen präsentieren uns die Berliner PIGEON auf ihrem selbstbetitelten Langspieldebüt, das eine Gemeinschaftsveröffentlichung von Dunkelziffer Records und Antena Krzyku ist.
Glaub, das gefällt mir!



ROTTEN SOUND - Suffer To Abuse  
Grind on: Was genau es damit auf sich hat, dass diese EP "Suffer To Abuse" betitelt ist, während das letzte Album "Abuse To Suffer" hieß, weiß ich nicht wirklich. Vermutlich ist's 'ne Restverwertung. 
Grundsätzlich mag ich die finnische Hyperblast-Konstante ROTTEN SOUND ja sehr gerne, muss allerdings gestehen, dass mich ihr doch sehr straighter Stil mit lediglich dezenten Akzenten und Nuancierungen auf Dauer etwas ermüdet.


SABASABA - s/t
Ein italienisches Experimental-Trio hantiert sich auf seinem selbstbetitelten Langspieldebüt via Maple Death Records mit “Tape-Loops, Drum Machines, Organ, electronic Effects, Flute, Guitar, Bells, Drums und Percussions” und ferner auch noch mit Unterstützung von Father Murphy durch “psychedelic wanderings, booming beats, heavy dubbing and processed field recordings” zwischen Industrial, Dub and Musique-Concrete. 
Auf der Soundcloud-Seite des Labels gibt es noch die eine oder andere Song-Hörprobe.

Update: Jetzt auch bei Bandcamp.

SHILPA RAY - Nihilism EP
Was neues für meine Sammlung an Alice Cooper-Coversongs von Nicht-Schäbi-Metal-Bands: Die ambitionierte Blues-Punkrerin/ Indiepopperin SHILPA RAY nimmt sich als B-Seite dieser 2-Song-EP mit ’Is It My Body’ einen Song der klassischen Coop-Band zur Brust (den es im Übrigen u.a. auch schon in Versionen von Sonic Youth oder Emilie Autumn gibt…), den sie als feministische Hymne interpretiert. 


SLY & THE FAMILY DRONE + DEAD NEANDERTHALS / MAI MAI MAI Split
Ob man derartiges wirklich unbedingt als 7”-Single braucht, ist vielleicht auch so ’ne Sache, aber bei dieser kollaborieren auf einer Seite die britischen Freiform-Lärmer SLY & THE FAMILY DRONE wiederholt mit den niederländischen Heavy-Jazzern DEAD NEANDERTHALS, was in sechs Minuten an schwerem Schlagzeug-Groove und bratzigem Getröte drüber ausartet.
Hinter MAI MAI MAI wiederum steckt der Italiener Antonio Tricoli, der Drone/ Noise mit Drums/ Percussion kombiniert.
Ich find' sowas ja cool!



THOUGHT EATER - Bones in the Fire
Grimoire Records sind nicht nur Label, sondern übernehmen als Aufnahmestudio auch gleich noch Recording und Mastering. 
Diese Woche gibt’s mit THOUGHT EATER's „Bones in the Fire“ sowas wie instrumentalen Prog-Metal mit Sludge'n'Stoner-Schlagseite, in dessen Zentrum zwischen Drums und Gitarre ein Zwölfsaiter-Bass tönt.
Für Fans von: Dysrhythmia, Loincloth, Blckwvs, Blind Idiot God, Omega Massif.


TURTLE SKULL - s/t
Wenn's ein bisschen sommerlicher Fuzz-/ Psych-/ Stoner-Rock mit Retro-Vibes für die Fahrt zum Freak Valley sein darf, dann könnte man mal ein Ohr oder zwei beim Debüt von TURTLE SKULL riskieren.


VERBERIS - Vorant Gnosis
Obwohl ich dieser Tage ja irgendwie immer weniger Metal™ aus so einer Richtung höre, hatte mich das 2016er VERBERIS-Album "Vexamen" seinerzeit durchaus nachhaltig beeindruckt. Die ursprünglich mysteriösen Neuseeländer und jetzt auf ein mal doch Berliner ließen nämlich mit einer etwas eigensinnigeren Black-/ Death-Metal-Stilkonstruktion, interessanten Songarrangements voller Atmosphäre und Anflügen Voivod’scher Schrägheiten samt Blick Richtung Weltraum aufhorchen. 
Diese Woche hauen sie ‘ne vielversprechende neue EP mit zwei langen Songs raus:


VITAMIN X - Age Of Paranoia
Jeder, der auch nur ein klitzekleines bisschen was mit Hardcore-Punk am Hut hat, hat schon mal die Amsterdamer VITAMIN X über eine Bühne wüten sehen oder zumindest von ihnen gehört.
Das neuste Album der Straight-Edge-Institution erscheint diese Woche via Southern Lord.


WILT - Ruin
Und mal wieder Atmospheric-/ Cascadian-/ US-Black-Metal auf Vendetta Records.
Dieses mal inspiriert von Cormac McCarthy's "The Road" und stilistisch ein bisschen mehr Richtung Doom und Shoegaze neigend. 



Und sonst noch?

Die Anfang der 80er (!) mal von Steve Albini aufgenommene, aber dann bis gerade eben nie veröffentlichte EP einer in ihrer Region nicht ganz unlegendären Punk-Band namens WHO KILLED SOCIETY kann nach all dieser Zeit nun endlich an die Ohren der Öffentlichkeit gelangen.

Online kann man das Teil über Pearl Jam (kein Scheiß!) beziehen.

Schon wieder Grindcore: Auf Nerve Altar kommt 'ne Split-7" von STIMULANT und WATER TORTURE raus. 

Ebenfalls ist die digital schon eine Weile kursierende Split der französischen Hipster-Crusties PILORI und der US-Post-Black-Metaller DAKHMA diese Woche dann mal endlich auf Vinyl raus.

Ähnlich verhält es sich mit dem neuen Album der Saint-Louis-Sludge-Metaller FISTER, das bei Bandcamp scheinbar schon ein paar Wochen zum hören und downloaden bereitsteht, während der physikalische Tonträger diese Woche via Listenable Records nachgeschoben wird. 

NECROS CHRISTOS veröffentlichen dann auch noch mit dem Mammutwerk „Domedon Doxomedon“ (irgendwas an die zwei Stunden lang) ihr finales Album. Fan war ich ja nie, fand ihren Ansatz zwischen eigensinnigem Old-School-Death-Metal-Understatement (roher Groove anstatt Extreme ausloten) und Ägypten-Fimmel aber trotzdem nicht sooo verkehrt.

Außerdem haben AT THE GATES 'ne neue am Start. Century Media könnten allerdings ihren LPs mal Download-Codes beilegen.  


Original von: http://sarahcandersen.com/