Montag, 30. April 2018

A Place To Bury Strangers, Buck Gooter

Der Roadburn-Entzugsbekämpfungs-Konzertmarathon fand seinen vorläufigen Höhepunkt in der Show von A PLACE TO BURY STRANGERS im Dortmunder FZW.
Deren Support-Act wurde tatsächlich schon um 19:00 auf die Bühne geschickt...
Und das Duo BUCK GOOTER ist... mal was anderes.
Irgendwo zwischen Outsider-Künstler-Pop und Weirdo-Punk/ Noiserock. Ein Gitarrist/ Co.-Sänger mit interessant verzerrter halbakustischer und Kettenhemdkapuze und ein weiterer Herr, der mal den zu Drumcomputer-Beats um sich tretend rumschreienden Frontmann gibt und mal Elektro-Percussion spielt. Das Ganze pendelt zwischen ironischem Pop bis zu sowas wie Industrial-Rock hin und her. 
Irgendwie mit einer kauzig-kruden “Kleinkunst”-Aura, dabei aber eben auch seeehr kurzweilig.

A PLACE TO BURY STRANGERS und ich im Vorfeld – die Kurzfassung: Als es um deren selbstbetiteltes Debüt 2007 direkt einen kleinen Hype gab, hinterließ dieser auch bei mir ein bisschen Eindruck. Aber irgendwie auch nicht so, dass ich die Band durchgängig weiterverfolgt hätte... 
An diesem Abend erlebe ich bei meinem ersten Live-Eindruck nach all diesen Jahren allerdings eine Show, wie ich es öfter mal gerne tun würde. 
Dass Gitarrist/ Sänger Oliver Ackermann schon im ersten Song der Gitarrengurt springt tut der ganzen Sache keinen Abbruch. Er tobt wie wild mit seinem Instrument über die Bühne und nimmt im Gegenteil keine Rücksicht auf etwaige Schäden an seinem Equipment.  
Allgemeiner Wahnsinn in Stroboskopgeblitze und Nebel, die Musik ist eine erstmal wild nach vorne treibende Melange aus Post-Punk, Shoegaze, Noise- und Space-Rock mit unfassbar dicht-krachiger Gitarrenwand, Basser Dion Lunadon pumpt und pumpt und pumpt und Schlagzeugerin Lia Simone Braswell ballert breakbeatig auf der Überholspur.
Jene sorgt irgendwann für einen Break, indem sie erst einen Song alleine mit einem Saiten-/ Zupfinstrument singt und dann noch einen elektronischen LoFi-Popsong inmitten des Publikums, unterstützt von ihren Mitmusikern und der Vorgruppe.
Man fühlt sich inzwischen komplett reizüberflutet, aber es sind gerade mal 20 Minuten oder so rum.
Eine etwas zurückgelehntere Nummer später geht’s dann auch gleich weiter mit völligem Alarm, Gitarren auf den Boden werfen und alles.
Die Show ist in unter einer Stunde vorbei, aber irgendwie ist das auch okay. Krass geile Live-Band!

Sonntag, 29. April 2018

Ultha, Evil Warriors, Vidargängr

Tja, die Qual der Wahl bei der Freizeitgestaltung… Man hätte auch zum „Forms of Hands” irgendwo zwischen Unna und Hamm fahren können, um mal Drum’n’Bass-Chef End.User zu sehen (der Rest vom Fest bestach nur irgendwie nicht so), oder sich im Dortmunder Künstlerhaus Mex mal wieder einen Event der “Nyak“-Reihe geben, die immer wieder mal sehr coole Noise-Performances zu bieten hat, aber irgendwie lande ich doch mal wieder beim Metal-Kaschemmen-Konzert…
Denn ich finde ULTHA generell ziemlich gut, die sich an diesem Abend im Oberhausener Helvete fast schon als sowas wie ein Local Support verheizen ließen und damit auch so überpünktlich auf die Bühne geschickt wurden, dass ich in den Laden stolperte, während die Band bereits spielt. 
Im rot angestrahlten Nebel entfaltet die Show der Kölner mal wieder eine besondere Atmosphäre und ihre Art von epischem wie brutalen Black Metal hat musikalisch immer wieder mal so einen Extra-Kniff zu bieten, der die Sache im Gegensatz zu vielen anderen Genre-Bands interessant hält.
'The Seventh Sorrow' finde ich live zudem sogar um einiges besser als von Konserve, wohl mal wieder so eine Produktionssound-Sache... 
Dass der Drummer ein mal fast die falsche Abzweigung genommen hätte, man aber doch noch die richtige Kurve kriegt ist für die Musikerpolizei natürlich ein kleiner Schmunzler.
Summa summarum: Wie immer ziemlich großartig, geht echt immer wieder.

Dass eine mehr oder minder in Klischee-Optik auflaufende Kapelle namens EVIL WARRIORS tatsächlich so richtig gut bzw. über Genre-Standard hinaus bestechend sein kann, hätte ich ja nicht gedacht, aber entgegen der niedrigen Erwartung fahren die Leipziger aus dem Dunstkreis von Antlers, II und co. keinen 08/15-Black-Thrash-Stil, sondern haben bei ihrem Geklöppel trotz aller Wurzelnähe musikalisch immer wieder sehr interessante Momente zu bieten.
Ganz cool!

Danach bin ich evtl. für einen Abend Black-Metal-übersättigt und es liegt vor allem an mir, denn VIDARGÄNGR, die ich von ihrer Split mit Urfaust eigentlich als ganz gut abgespeichert hatte, wissen dem vorgelegten nix mehr draufzusetzen. Die Watain-Assoziationen, die ich habe, ziehen das Ganze auch eher runter als rauf. Tja, ich werd' halt doch immer Metal-müder, kann man nix machen...

Pariah, Fashion Killers, Aeon Temple

Irgendwie hat es fast auch schon so ein bisschen Tradition, sich als Post-Roadburn-Methadon, gerade wenige Tage aus Tilburg zurück schon wieder in den nächsten ähnlich gearteten Konzertmarathon zu werfen.
Mein persönlicher begann am vergangenen Donnerstag im Essener Don't Panic (die am Vorabend an gleicher Stelle spielenden Altherrenrocker Zeke hätte ich zwar auch gerne mal weider gesehen, musste sie aber wegen eigener Bandprobe sausen lassen #fwp).

Die eröffnenden Jungspunde von AEON TEMPLE begehen den Anfängerfehler, schon beim Opener alle Register zu ziehen, z.B. den ruhigen Mittelpart im noisigen Finale münden zu lassen und damit das meiste Pulver auch gleich direkt verschossen zu haben.
Grundsätzlich ist der Stoner-Rock der Truppe von um die Ecke mit durchwachsenem Charisma aber okay (grobe Ecke Monster Magnet).
Als Kontrastprogramm schlagen die FASHION KILLERS bei ihrem Live-Einstand nach bereits acht Jahren Bandexistenz wesentlich härtere Töne an. Die Rhythm-Section hatte man vor nicht allzu langer Zeit noch in einer anderen Band zusammen mit Eisenvater spielen sehen, den Gitarristen kennt man aus irgendeiner Todesmetall-Truppe und der Shouter war kurz vorm Gig überhaupt erst engagiert worden.
Der Sludge-Metal des mit technischen Problemen kämpfenden Quartetts ist dann auch mehr Metal als Sludge und dass eine Nummer irgendwie ein bisschen von Cephalic Carnage's 'Black Metal Sabbath' abgekupfert schien, brachte mich irgendwie zum schmunzeln.

Die Schweizer PARIAH runden das etwas seltsame Gesamtpackage mit einer ebenfalls irgendwie etwas seltsamen Aura ab. Allerdings weiß die Band mit handwerklich souveränem Stoner-Rock der knackig-härter groovenden Sorte zu gefallen , der nicht zu sehr auf Retro-Fuzz-Mief setzt, und das macht's ziemlich sympathisch.

Kurzweiliger Abend!

Donnerstag, 26. April 2018

New Old Heroes of Noiserock (1): WE Are The Asteroid, Charnel Ground

Ja, schon wieder ein alberner Post-Titel, aber Reunions und neue Bands alter Recken gerade auch der US-Szene an Indie- bis Noiserock und Post-Hardcore tauchen gerade im gefühlten Stundentakt wieder auf dem Radar auf, manchmal allerdings auch etwas zeitverzögert. Deswegen noch eine neue Blogpost-Serie!
Z.B. sind nicht nur die Hot Snakes, Distorted Pony oder Season To Risk wieder aktiv, sondern mit Powerwagon tauchte neulich auch mal eine Band aus dem Killdozer-Dunstkreis auf, während vergangene Geschichten wie Slug oder Pain Teens über neue Medien wie Bandcamp um weitere Aufmerksamkeit buhlen...

Womit wir beim Thema wären: 

Bei WE ARE THE ASTEROID aus Austin, Texas trommelt Frank Garymartin, der früher mal bei den Pain Teens und auch Season To Risk war, Gitarrist/ Sänger Gary Chester kennt man noch von Ed Hall und Basser Nathan Calhoun ist irgendwie dem Butthole Surfers-Umfeld entsprungen.
Das Cover ihres 2016 veröffentlichten Langspieldebüts unter Selbstbetitelung sieht verdächtig nach Jack Kirby aus, scheint aber tatsächlich eine Hommage und nicht geklaut zu sein.

Geboten wird knackig groovender Post-Punk mit psychedelischer Surfers-Weirdness, der ziemlich gut gefällt! 


 

Mit CHARNEL GROUND hätten wir dann noch ein weiteres Trio mit „Indie-Supergroup“-Charakter, denn hier haben (Ex-)Mitglieder von Codeine/ Come, Yo La Tengo und Oneida zusammengefunden.
Das Anfang diesen Monats veröffentlichte Debüt (ebenfalls selbstbetitelt) bietet Instrumental-Rock zwischen krachig abrocken und jazzig friemeln, inkl. postrockigem Schlussepos über der Viertelstunden-Marke.

Nicht schlecht:


Mittwoch, 25. April 2018

Dieser Tage raus (KW17)

BAD BREEDING - Abandonment 
Yes! Ein Jahr nach ihrem zweiten Album “Divide”, welches ich ziemlich geil finde, haben BAD BREEDING schon wieder ‘ne neue EP am Start.
Den Jungs aus Stevenage, UK gelingt ein interessanter und bestechender Mix aus Anarcho-Punk-Attitüde, nach vorne rumpelnder Auf-die-Fresse-Musik mit Crustcore-Aura und noiserockigen Schrägheiten, die Vergleichsreferenzen wie frühe Killing Joke, Big Black, Flipper usw. auf den Plan rufen. Ferner vielleicht auch interessant für Amebix- und Voivod-Fans.

Wird Zeit für mitteleuropäische Tourdates! Just sayin'.


BODIES ON EVEREST - A National Day Of Mourning
Als Veröffentlichung auf Sonntag datiert, präsentiert uns die aus zwei Bassern plus Schlagzeuger bestehende Band von irgendwo aus Nordwest-England ein neues Album ihres „Dungeon Wave“-Stils, bei dem es sich um tatsächlich ziemlich Keller-mäßig LoFi-inszeniertes Groove-Gerumpel handelt, zu dem einem kaum noch eine passende Schublade einfallen möchte. Im Zweifelsfall wird’s wie so oft auf Sludge oder Noiserock hinauslaufen, vielleicht sogar auf Industrial-Reminiszenzen, und auch wenn man sich fragt, ob man das denn so wirklich von Konserve braucht, würde ich das Ganze ja wirklich gern mal live sehen und hören. 



BOSS KELOID - Melted On The Inch
Es soll Kreise geben, in denen man auf die unter Prog-Sludge und Innovativ-Stoner gehandelten BOSS KELOID aus England so große Stücke hält, als wäre der Rockmusik in den letzten Jahren nichts besseres passiert. Was ich, als ich dann mal reingehört hatte, ja echt null kapierten wollte. Man nehme ein bisschen Doom-Fuzz und ein paar schrägere Arrangements, obendrauf ‘ne dezent raue Stimme und schon tun Metaller so, als hätten sie was unerhört eigenständiges entdeckt. I don’t get it.
Was nicht heißt, dass die Briten schlechte Musik machen. Auf dem neuen „Melted On The Inch“ scheinen sie dabei noch etwas mehr in Richtung Atmo, Psychedelic und Pathos weiterzurutschen. Nicht lachen, aber es hat irgendwie auch ein bisschen was von aktuellen Opeth.


CHRCH - Light Will Consume Us All
Wenn ich mal ganz ehrlich bin, hatte ich die Sacramento-Doomer von CHRCH nach einem flüchtigen Anzapp-Eindruck vor einiger Zeit schon länger auf der „muss ich mir noch mal genauer anhören“-Liste, aber dann schlug wohl das „so viel Musik, so wenig Zeit“-Syndrom wieder zu.
Dieser Tage ist ihr neues Album via Neurot Recordings raus, und sollte mir mal wieder nach was laaaaangsam, atmosphärisch und brachial schleppendem zwischen traditionellen Doom-Wurzeln, Sludge-Härte und Ambient-Drone-Charakteristiken sein, dann ist „Light Will Consume Us All“ wohl vielleicht das Abum der Stunde, das man mal checken sollte.



DYLAN CARLSON - Conquistador 
Drone-Pionier Dylan Carlson sollte an dieser Stelle eigentlich keiner weiteren Vorstellung bedürfen. 
Sein neues Solowerk ist eine Art von Konzeptalbum, das ähnlich wie das Album „Hex“ seiner Band Earth von Western-Erzählungen inspiriert ist.
Warum dafür seine Ehefrau das Cover zieren muss, das weiß aber wohl nur er…


GROUPER - Grid of Points
Eine weitere Sache der Kategorie „ist mir zwar flüchtig geläufig, aber mehr als das bisher auch nicht“ ist GROUPER, das Projekt von Liz Harris aus Portland, die sowas wie Dreampop/ Shoegaze/ Psych-Folk macht, was zuweilen bis in die experimentellere Drone-/ Noise-Ecke mit reinreichen soll.
Muss ich wohl für in der richtigen (geduldigen, ruhigeren) Stimmung für sein, was ich eher selten bin, aber vielleicht nehme ich mir dieses neue Album ja mal zum Anlass, ausgiebiger reinzuhören.



HASHTEROID - s/t
Der Name impliziert Stoner-Sludge, HASHTEROID aus Vancover machen allerdings eher sowas wie Highspeed-Rock’n’Roll mit starker Thrash-Metal-Kante, beachtlichem Energiepegel und punkiger Hipster-Aura, bei dem man genauso Skateboards vorm geistigen Auge herfliegen sieht, wie man sich die Band nicht nur auf dem Roadburn, sondern auch auf den Bühnen konventionellerer Metal-Festivals vorstellen könnte.
Die Vinyl-Version soll im Juni via Cursed Tongue Records kommen, aber eigentlich ist’s echt nur noch ‘ne Frage der Zeit, bis das Trio von ‘ner größeren Label-Marke aufgegriffen wird, denn die machen echt ganz schön viel richtig.



HUNDRED YEAR OLD MAN - Breaching
Natürlich könnte man jetzt auch miesepetrig-elitär einen Vortrag darüber halten, dass “Post-Metal“ eigentlich schon durch war bevor er angefangen hatte, und dass man
wie der vom Kriech erzählende Oppa ja doch nur immer wieder zu seinen Neurosis-Alben zurückkommt, als in diesem Leben noch mal was von The Ocean, Isis, Rosetta, Mouth of the Dingsbums oder sonstwem aus der Ecke gehört haben zu müssen… ja, könnte man. Ich bin aber derzeit wohl doch eher wohlwollend drauf und kann mir nach bisherigen Hörproben von HUNDRED YEAR OLD MAN‘s „Breaching“ immerhin vorstellen, dass dieses Leedser Sextett mit seiner Mischung aus orchestral anmutenden Postrock-/ Metalgaze-Soundwällen und kantig-brachial groovendem Post-Hardcore live vielleicht ziemlich was hermacht!


LLNN - Deads
Auf die Idee, Schlepptempo-Brachial-Brüll-Metal mit breitflächigen Synthies zu kombinieren, die einen Hauch von Vangelis, John Carpenter und „Terminator“ dazutun, muss man auch erstmal kommen.
Bei den dänischen LLNN funktionierte das allerdings bisher sowohl live als auch von Konserve ziemlich gut und ich bin gespannt aufs neue Album!
(Mixed by Bredahl, mastered by Madsen.)



MALTHUSIAN - Across Deaths
Ja huch, relativ unerwartet und spontan was neues von MALTHUSIAN!
Die irische (Blackened) Death-Metal-Kappelle, die sich den Drummer mit den semi-aktiven bis aufgelösten Post-Black-Metal-Meistern Altar of Plagues teilt, beeindruckt nach wie vor mit einem mächtig klingenden und relativ eigenständig knatterndem Stil, dem tatsächlich auch ‘ne Menge handwerkliche Substanz zugrunde liegt. (Im Gegensatz zu anderen Extrem-Metal-Kapellen, die ultrabrutal und tiefst-atmosphärisch zugleich sein wollen, und dafür einfach nur den Reverb-Faktor ihres Sounds auf Zwölf drehen...)


MAYUKO HINO - Lunisolar
Die passende Promosprech-Floskel hierfür wär’ wohl sowas wie “The Queen of Japapanoise is back!”…
Mayuko Hino war Mitglied der legendären C.C.C.C., bei denen sie in den frühen Neunzigern als ehemaliges Bondage-Porn-Model auch mit zusätzlichen Show-Elementen wie Nacktauftritten und BDSM-Performances für Aufsehen sorgte.
Mit „Lunisolar“ via Cold Spring ist gerade ihr zweites Soloalbum nach dem 2014er "アカシック・レコード" raus, auf dem sie Lärm mit selbstgemachten Instrumenten, dezenten Metall-Percussion und Theremin-Oszillatoren fabriziert.



PINIOL - Bran Coucou
Für Prog-affine Nerds nicht ganz uninteressant sein dürfte die Tatsache, dass PinioL die Kombination zweier Trios sind (in King Crimson-Kreisen eine ja nicht so ungängige Praxis) und sich auch „Zeuhl“ mit auf die Fahne schreiben.
Die durch einen Keyboarder in der Mitte zur Big-Band zusammengeklebten Poil und Ni fabrizieren auf „Bran Coucou“ dann auch sowas wie Weirdo-Prog-/ Math-Rock, der im jazzig angehauchten Wahnsinn die entsprechenden Vorbilder hörbar durchschimmern lässt.
Nicht schlecht! 



PRIMITIVE MAN - Steel Casket
Über das niederländische Kassetten-Label Tartarus Records veröffentlichen die amerikanischen Sludge-Doom-Punks zwei lange Tracks, bei denen sie sich mal ganz ihren Noise-Interessen hingeben.
Muss ich jetzt doch noch auch mit den Noise-Tapes sammeln anfangen? First World Problems…

tartarusrecords.com/album/steel-casket

SCUMWORM - EP
Unter der Selbsteinschätzung „Grindcore/ Powerviolence/ Sludge“
präsentieren uns diese Spanier rau produziertes Geschepper, Geschrei und Geröchel mit einigen coolen Rock’n’Roll-Riff-Momenten.
Wer’s derbe und dreckig braucht ist hier ziemlich richtig!



THE ARMERD - Only Love
Wen es bei ‘ner Band zum Konzept gehört, keinen festen Drummer zu haben, ist mir das ja irgendwie schon etwas suspekt. Auf ihrem neuen Album haben THE ARMERD aus Detroit Ben Koller (Converge, Mutoid Man, All Pigs Must Die) auf diese Position geholt und das Ganze dann auch noch von seinem Converge-Kollegen Kurt Ballou produzieren lassen.
Trotzdem möchte man den experimentelleren Punk/ Hardcore/ Metal so angehen, als hätte man nie eine andere Punk-/ Hardcore/- Metal-Band gehört, und aggressive Musik somit gänzlich neuinterpretieren. Äh ja, is‘ klar, Jungs.

http://music.throatruinerrecords.com/album/only-love 

ZOHASTRE - Pan And The Master Pipers
Ein aus Drummer und Elektroniker bestehendes Duo? Das ist ja spannend! 
Die wohl auch als „zOH/astre“ stilisierte Band aus Frankreich und Italien wirft Drone-Noise-Experimente mit Rockmusikversatzstücken durcheinander und erzeugt mit Elektroakustik, Dudelsack und dienlichen Schlagzeugrhythmen eigenwillige Space-Trance-Kompositionen mit rituellem Charakter.
Wie gesagt: Spannend!



Und sonst noch? Ganz schön viel!

PHARAOH OVERLORD, ein Ableger der finnischen Weirdos von Circle, veröffentlicht wohl dieser Tage was neues unter Mitwirkung der Krautrocker Faust und der Death-Metaller Demilich via Hydra Head Industries, aber ein Bandcamp-Stream oder ähnliches ist dazu bisher noch nicht aufgetaucht.

Der Post-Punk auf einem Metal-Label-Release dieser Woche ist WEATHERED STATUESBorderlands auf Svart Records. Letztere updaten ihre Bandcamp-Seite dazu wie gewohnt eher später als früher.

Die Stoner-Sludge-Doomer von CONFUSION MASTER veröffentlichen ihr neues Album "Awaken" über Exile on Mainstream Records.

Stoner-Freunde sollten vielleicht ferner das dieser Tage auf STB Records kommende Langspieldebüt von LET IT BREATHE cheken.

Die Thrasher von POWER TRIP hauen ‘ne Compilation mit Album-Outtakes, 7“-Singles, Sampler-Beiträgen u.ä. raus.
 
Wenn es Metal-Geklöppel sein darf, kommt wohl auch noch ein neues Album von AURA NOIR und ‘ne Early-Days-Compilation von PUNGENT STENCH. 

 
Aficionados instrumentalen Postrocks freuen sich derweil vielleicht auch noch auf die neue/n von GOD IS AN ASTRONAUT und/ oder TOUNDRA.


Und auch die schottische Prog-/ Post-/ Gothrock-Duoformation MIDAS FALL hat diese Woche ihr neues „Evaporate“ via Monotreme Records am Start.

Ambient? “The Sky Torn Apart” von PAUL SCHÜTZE kommt Freitag bei Glacial Movements raus.

An der Reissue-Front ziehen Southern Lord das 1988er “No More Censorship” von den Washington-Punks SCREAM aus dem Hut, woran nennenswert ist, dass es das erste Album ist, auf dem Dave Grohl getrommelt hat.

Dienstag, 24. April 2018

The New Wave of (British) Noiserock, Psych-Punk and Weirdocore (pt.1): Cattle, Hoof Glove, Thank

Ja, ich weiß, der Post-Titel ist ziemlich albern und ja, ich weiß, es gab an anderen Stellen neulich schon Kolumnen wie „New Weird Britain“ oder Clickbait-Kram unter Titeln wie „die sieben englischen Noiserock-Bands, die man aktuell kennen sollte“ etc. pp…
Eigentlich wollte ich einen größeren Blogpost zur aktuellen Noiserock-Szene Großbritanniens machen, in der es derzeit sehr viele sehr großartige Newcomer gibt, habe dann aber beschlossen, lieber eine ganze Serie eher etwas kleinerer Posts draus zu machen und dann wahrscheinlich auch noch international weiter abzudriften oder so. Weil. 

Teil 1:

CATTLE
…sind ein bisschen sowas wie der Hauptaufhänger für den ersten Post: Auf der Rückkehr vom (halben) Roadburn hatte ich so einen Moment, wie ich ihn länger nicht mehr hatte: Als CATTLE’s ‘Moon Crawl‘ in meiner digitalen Playlist anlief, musste ich auf ein mal immer lauter drehen, hinterm Lenkrad rumzappeln und das Ganze noch vier mal von vorn hören, weil wie geil ist das denn bitte eigentlich?

Alles daran! Der Groove, das Doppelschlagzeug, das Gebrüll, die Bassläufe, das Aufdrehen für ‘ne Minute bei ca. 03:30… alles. Einfach alles!
Jedenfalls ist der Song von CATTLE’s nach wie vor aktuellem Langspieldebüt „Nature’s Champion“, das nach einem Split-Tape, einem Tributsampler-Beitrag und einer EP im Dezember 2016 auf die Welt losgelassen wurde.
Das interessante an der Band aus Leeds: Sie besteht aus zwei Schlagzeugern, einem Basser und einem Sänger. Und dem gelegentlichen Extrakrach-Soundfriemler oder Gast-Saxophonisten.  

Und derart unorthodoxe Instrumentierungen sind genau das, was diese Szenerie junger Noiserock-/  Postpunk-Bands, von denen viele gerade vor allem aus den UK zu kommen scheinen, echt interessant macht…



HOOF GLOVE
Irgendjemand von Cattle macht auch bei HOOF GLOVE mit, wo sich ferner auch Mitglieder von Thank (s.u.) und mir bisher noch unbekannteren weiteren Bands wie Hex, Ona Snop, Groak, Famine oder The Afternoon Gents tummeln.
HOOF GLOVE haben Anfang des Monats ihr selbstbetiteltes Debüt-Minialbum bei Bandcamp und als Tape übers Minilabel Don't Drone Alone rausgebracht.
Aufgrund der weiblichen Stimme und der allgemein etwas punkig-rumpligen, wirr-noisecoreigen, chaotischen Aura fühlt man sich u.a. an Melt-Banana erinnert.
Und Super-Coverartwork. Das wiederum erinnert allerdings irgendwie sehr an Gwar. Oder die Muppet Show. Was ja fast das gleiche ist.




THANK
Wo wir jetzt Hoof Glove gesagt haben, weil wir schon Cattle gesagt hatten, müssen wir auch noch THANK sagen! 

THANK haben vergangenen Oktober mit dem Tape „Sexghost Hellscape“ über Cruel Nature Records mal eben fünf Songs veröffentlicht, die sie direkt zu einer der vielversprechendsten Bands gemacht haben, die ich seit langem gehört habe, und ich will nicht nur noch mehr davon, sondern ich gehe noch weiter: Ich wünschte, eine derartige Band wäre mir in jüngeren Jahren untergekommen, um mir zu zeigen, was für Sachen es da draußen sonst eben auch noch so gibt, die der eigentlich viel geilere Scheiß sind als irgendwelche klischeetriefenden, ironiefreien Metal-Bands auf dem Weg zu abgehalfterten Selbstkopisten… 
Der Titel „Sexghost Hellscape“ impliziert ja schon ausreichend, dass diese Band was leicht beklopptes hat, aber mit sowas rechnet man trotzdem nicht.
Musikalisch wie textlich sehe ich eine gewisse Verwandtschaft zu Mclusky/ Future Of The Left, allerdings sind die Jungspunde THANK heutzutage die noch größeren Weirdos: Zu Indierock der brachial-kantigen Natur (an der Grenze zu metallischer Hardcore-Härte bzw. mit No-Wave-artig steifer Verweigerungshaltung) kommen noch elektronische Bleep-Blop- und Surr-Säg-Sounds sowie leicht wahnsinnig intonierte Vocals dazu, mit Texten über fragile Egos oder's hupen wenn man horny ist.
Ein kleines Tape, das ganz schön groß ist! Ich brauche das eigentlich dringend als Vinyl!




Fortsetzung folgt!

Montag, 23. April 2018

(Halbes) Roadburn 2018

Tja, dieses Jahr habe ich es tatsächlich wahrgemacht, mir wie angekündigt mal nicht die volle ROADBURN-Mayhem zu geben, sondern für nur zwei Übernachtungen nach Tilburg rüberzufahren.
Das Roadburn Festival hat nämlich was ambivalentes an sich: Einerseits ist es der Musiknerd-Event mit einer wie für mich gemachten Stilschnittmenge zwischen Rock/ Metal, Avantgarde, Krach und Psychedelic und das dann auch noch mit einem allgemeinen Vibe, der unvergleichlich ist, andererseits nervt die Tatsache, dass dauernd drei gutgefundene Bands parallel spielen ziemlich,
ferner sind die kleineren Locations ständig viel zu überfüllt und außerdem ist’s körperlich mitunter ziemlich erschöpfend sich das von Anfang bis Ende komplett anzutun. ..

Den Donnerstag wollte ich mit YELLOW EYES beginnen. Irgendwie sympathisch, dass es die erste Band seit langem ist, die keinen Pedalboard-Gear-Porn veranstaltet, sondern bei der wirklich jeder der drei Saiteninstrumentalisten nur ein (!) Effektgerät zwischen Gitarre/ Bass und Amp liegen hat. Leider haut es den US-Black-Metallern trotzdem gleich mal eben nach fünf Minuten schon den Strom weg.
Da sich die Problemlösung hinzieht, wechsle ich noch in den Green Room, um ein bisschen SANNHET zu gucken. Wie erwartet ist deren Instrumental-Blackgaze ganz cool, aber auch nicht übermäßig geil.
Auf der Hauptbühne treten Oranssi Pazuzu und Dark Buddha Rising zusammen als WASTE OF SPACE ORCHGESTRA auf, eine vom Festival in Auftrag gegebene Kollaboration. Ich finds gut, aber so "unvorbereitet" irgendwie auch etwas anstrengend, mir das in einem derartigen Festivalrahmen komplett reinzufahren…
In KHEMMIS gucke ich kurz rein, aber nach US-Doom mit Sing- und Gröl-Wechselspiel steht mir gerade doch nicht so der Sinn.

UNIFORM finde ich ja eigentlich ganz witzig, aber irgendwie verliert deren eigentlich simpler Noiserock-/ Industrial-Metal-Punk-Bastard (Big Black meets Nailbomb), neuerdings mit einem versierten Live-Drummer um die Industrial-Kante subtrahiert ein bisschen an Witz. Immerhin rettet’s das abschließende Cover von ‘Symptom of the Universe‘ in einem geil-asozial runtergerotztem Stil.
Rüber ins Patronaat zu ÅRABROT. Die eigentlich unter „Noiserock“ gehandelten, inzwischen aber längst irgendwas anderes machenden Norweger spielen viel Material des mir ziemlich geläufigen aktuellen Albums „The Gospel“ und gefallen.

Keine Zeit zum zwischenzeitlichen durchatmen allerdings, denn es geht nahtlos zur natürlich unerträglich überfüllten Kneipe Cul de Sac, wo Dana Schechter und ihre Schlagzeugerin als INSECT ARC mit eigenwillig-minimalistischem Kraut-Drone-Rock verzücken, bei dem Steelguitar-Loops erzeugt und dann von Rumpelbassläufen gestützt werden. 
Dafür lasse ich gerne mal Converge sausen, die eh noch nie so meine Band waren. Danach erstmal Smalltalk- und Bierpause, bis es mit CULT OF LUNA & JULIE CHRISTMAS weitegeht. Tolle Light-Show, ganz coole Performance!
Dass Cult of Luna ja prinzipiell ganz gut sind, aber was denn das Micky-Mouse-Gequietsche von der Ollen sollte und wer die ist und ob man die kennen muss fragt mich danach die irritierte Lebensgefährtin eines gewissen Götz K… 

Ich habe natürlich keine Zeit das auszudiskutieren, weil ich das nächste gucken muss. Ehrlich gesagt habe ich immer noch nicht ganz geschnallt, was genau dann eigentlich an Bong-Ra-Projekten im Green Room auftreten sollte oder wollte, und dann doch nicht tat, woraufhin irgendein anderes Projekt von Jason Köhnen einsprang und wie das hieß und was überhaupt los war… aber Köhnen alias Ra am Bass und Drummer Balázs Pándi führten (Turbane tragend) instrumentalen, geil knallenden Rumpel-Drone-Sludge-Doom mit jazzy Akzenten und Konservenunterstützung auf. JA doch, das war wirklich ziemlich cool!

„Wenn WEEDEATER ihr ‘God Luck And Good Speed‘ Album spielen wird der Wehrmutstropfen daran ja dann sein, dass ich meinen Lieblingssong, den ‘Jason...The Dragon‘ Titeltrack nicht zu hören bekommen werde“ denke ich daraufhin, als wir natürlich zum „God Luck And Good Speed“-Set des etwas irren North-Carolina-Stoner-Sludge-Metal-Trios vor der Hauptbühne stehen. Doch Irrtum: Zwischen „God Luck And Good Speed“-Knallern wie dessen Titelsong („Mankind is unkind, man!“), ‘Weed Monkey‘ oder dem herrlichen Lynyrd-Skynyrd-Cover ‘Gimme Back My Bullets ‘ ist tatsächlich noch Platz dafür, auch ‘Jason...The Dragon‘ trotzdem zu spielen. Boah, danke, Jungs, das war geil!
Auch ansonsten schon allein aufgrund der Kauzigkeit der Protagonisten mal wieder kurzweilig hoch zwölf.

 

Freitag in der dieses Jahr neu dazugekommenen, angenehm großen Location Koepelhal mit MUTOID MAN zu starten, entpuppt sich dann erstmal als eher semigute Idee. Irgendwie ist mir die Gesamtaura des Powertrios mit personeller Converge- und Cave-In-Überschneidung so früh am Tach echt viel zu aufgedreht und der Poppunk-meets-Prog-Metal-Faktor ihrer Musik auch ganz schön grell.
Also stolpere ich nach einem Song schon wieder über die Straße in den Green Room des 013, um mir dort THE RUINS OF BERVERAST zu geben. In die souverän dargebotene Dunkelheit, Härte und Hypnotik der Avantgarde-Black-Metal-Band um den Aachener Mainman Alexander von Meilenwald lässt sich generell gut eintauchen und das dargebotene „Exuvia“-Material funktioniert mit seiner atmosphärischen Tiefe im Roadburn-Kontext wunderbar.
Die Umbaupause im Green Room wird danach mit ein bisschen MOTORPSYCHO auf der Hauptbühne überbrückt (kann man machen, aber noch nie sooooo meins), bevor es mit SCATTERWOUND weitergeht. Dabei handelt  um ein Kooperationsprojekt des Belgiers Dirk Serries und des Dortmunders „N“, die ihre Kompetenzen als Ambient-Drone-Gitarristen zusammenlegen und 40 Minuten lang durch dichte Soundsphären führen, Wellen aus Lärm auftürmen und unwirkliche Klanglandschaften erschaffen. Leider schafft es der offiziell als Mitwirkender angekündigte Justin Broadrick (Godflesh) aufgrund seines verspäteten Fliegers nicht rechtzeitig nach Tilburg, weswegen sein mitaufgebauter Amp ungenutzt bleibt.
Zeit sich darüber zu ärgern gibt‘s nicht wirklich, denn man hat gerade mal zehn Minuten, bis es auf der Hauptbühne schon wieder mit CROWBAR weitergeht.  

Vom Nola-Original wird heute das 1998er Album „Odd Fellows Rest“ in Gänze live aufgeführt, also bekommt man die Gänsehautnummer ‘Planets Collide‘ gleich als Opener (was andererseits auch heißt, das man danach auch schon wieder gehen kann).
Für etwas unfreiwillige Komik sorgt dabei allerdings der Backliner (?) der Band, der die ganze Zeit in einem langen, bunten Bademantel und eine extradicke Zigarre (?) rauchend hinter Boxen und Schlagzeug rumturnt. Ähm ja…


Weil ich danach ‘ne Pause brauche, flaniere ich erstmal ‘ne Weile unentschlossen durch die Gegend und gucke in die nächsten Sachen nur jeweils kurz rein: FURIA bringen Black Metal in die Koepelhal, wonach mir gerad‘ nicht so der Sinn steht. Die Plattenstände von Southern Lord, Svart, Burning World und Exile on Mainstream um die Ecke riechen nach meinem finanziellen Ruin.  

Interessanteste Randnotiz dazu: bei EoM gab’s u.a. auch Platten von Pelagic Records und jene haben gerade presswerkfrisch Reissues der Whores.-EPs „Ruiner“ und „Clean“ beigehabt. Vor allem „Clean“ gehört meiner Meinung nach in jedes halbwegs Noiserock-affine Plattenregal und fehlte im meinigen bis gerade eben noch…

Im Green Room unterhalten die japanischen MINAMI DEUTSCH mit ihrem Ansatz einer ganz coolem Krautrock-Interpretation, aber auch nicht sooo sehr, dass ich mich dazu länger mit reinquetschen muss, und auf der Hauptbühne geht’s mal mit CONVERGE weiter. Auch zum heute komplettaufgeführten Album „You Fail Me“ habe ich in dem Fall keinen nennenswerten Bezug, aber als Finale ein Entombed-Cover kredenzt zu bekommen stellt die gemeinsame Schnittmenge dann aber doch noch her, um es mal so zu sagen.
Im viel zu stickig-heißen Het Patronaat kann man sich daraufhin mal einen Eindruck der passend pastoralen Performance von FATHER MURPHY FEAT. JARBOE verschaffen. 

Die beide jungen Italiener fabrizieren sowas wie eine interessante Mischung aus dunkel-psychedelischem Neofolk und minimalistischen Post-Industrial-Akzenten. Oder sowas. Jarboe kommt dann zum Messe singen auch noch hinzu.
Danach ist es endlich soweit: Für den Verfasser dieser Zeilen mündet ein halbes Jahr Vorfreude im reellen Erleben: GODFLESH spielen ihr 1994er Überalbum „Selfless“ komplett.  
Schon der göttliche Opener ‘Xynobis‘ rumpelstampft alles über den Haufen und seinen Höhepunkt erreicht der Aufenthalt im Krachparadies mit dem rasant treibenden und noisig sägenden ’Crush My Soul‘. Und wie die immer wieder auch mal mit melodiösen Hoffnungsschimmern durchsetzte Wut-Musik in Maschinen-gestützter Minimalbesetzung aber mit maximaler Brachialwirkung fast zweieinhalb Dekaden später noch mal von müden alten Männern wiederaufgegriffen wird, gibt dem Ganzen tatsächlich sogar eine erstaunlich gut funktionierende Extradimension.  Hammer! Einfach nur Hammer.
 
Alles, was danach kommt, kann eigentlich nur noch verlieren, und so ist’s auch nicht so schlimm, dass der Andrang zur IGORR -Show so groß ist, dass ich nur ein bisschen davon höre, anstatt wirklich was zu sehen (auch das gehört mit zum Roadburn).
Zum Abschluss auf der Hauptbühne tauscht Wahlkarlsruher Mat McNerney bei der Gothrock-Truppe GRAVE PLEASURES mal wieder seinen Hexvessel-Hippiehut gegen Lederjacke und Handschuhe. Sorry für’s Lästermaul sein, aber das Ganze klingt halt wie es klingt, wenn Metallica-Überfanboys versuchen auf Joy Division zu machen. Handwerklich gutgemacht und energisch dargeboten ist das Ganze ja schon irgendwie, und immerhin sind GP auch nicht ganz so glatt wie es die weitgehend zu Unrecht so gehypete Vorgängerband Beastmilk war, aber irgendwie ist das Ganze ja doch etwas aufgesetzt und affektiert, musikalisch arm an interessanten Eigenaktzenten und somit ziemlich unnötig.
Aftershow-Feiereien klemme ich mir trotz ursprünglich anderer Vorhaben, denn ich bin müde und kaputt und das Bier schmeckt am Ende des zweiten Tages auch schon nicht mehr so wirklich.  


Am früheren Samstagnachmittag haue ich mit einem Plattenkauf-Zwischenstopp in der Koepelhal (s.o.) ab, und es ist zugegeben auch ein weinendes Auge involviert, dass es dann doch so schnell vorbeiging, aber auch ein lachendes, da es mir altem Mann auch nach zwei Tagen derartigen Overkills dann auch irgendwie schon reicht.
Nächstes Jahr wieder? Mal sehen. Immerhin sind ja die reunierten niederländischen Instrumental-Krach-Pioniere Gore schon bestätigt, was in diesem Zusammenhang wohl auch nur eine Frage der Zeit war…

Dienstag, 17. April 2018

Dieser Tage raus (KW16)

Schon wieder ganz schön wat los, diese Woche: 
 
BC35: The 35 Year Anniversary Of BC Studio
First and foremost: Das 35jährige Jubiläum des Brooklyn-New-Yorker BC Studios steckt natürlich schon im Titel, aber was sich weiter dahinter verbirgt, hat es dann auch in sich:
Studiobesitzer und Produzent Martin Bisi hat auf die alten Zeiten (Ex-)Mitglieder von Sonic Youth, Swans, White Hills, Cop Shoot Cop, Live Skull, The Dresden Dolls, Alice Donut, Lubricated Goat,
JG Thirlwell u.a. eingeladen, die sich hier mit Jamsessions und Spontankompositionen präsentieren.
Darunter auch einige Reunions von Bands und Leuten, die länger keine Musik mehr zusammen gemacht haben, wie z.B. einer auch live auftrenden Rei
nkarnation von Live Skull (als New Old Skull) oder einem neuzeitlichen Cop-Shoot-Cop-Ableger (Excop) - was für Anhänger der legendären New Yorker No-Wave- und Noiserock-Szenerie eine gar nicht mal so kleine Sache ist!

 

AILS - The Unraveling
In einigen Kreisen galten die 2011 aufgelösten Frisco-Psychedelic-Black-Metaller Ludicra ja als ziemlich große Sache (allerdings muss ich gestehen, dass sie in meinem Kosmos nie eine besondere Rolle gespielt haben).
Sängerin Laurie Shanaman und Gitarristin/ Co.-Shouterin Christy Cather haben das gemeinsame Musizieren dann wohl doch vermisst, sich ein paar neue Mitstreiter gesucht und AILS gegründet.
Deren schwarz- und melotodesmetallisch tönendes Debüt „The Unraveling“ erscheint diese Woche via The Flenser.



ASSUMPTION - Absconditus
Sentinent Ruin ist ein Laden, den man auf dem Schirm haben sollte, wenn man einerseits auf undergroundigen Düster-/ Extrem-Metal mit „Trve-Cvlt-approved“-Stempel steht, andererseits aber auch die gelegentliche Hörprobe aus der inzwischen irgendwie anverwandten Noise- und Drone-Ecke vielleicht nicht so uninteressant findet.
Diese Woche hat das Label aus Oakland mit ASSUMPTION’s „Absconditus“ das Debüt einer italienischen Duoformation am Start, die sich dem mehr oder minder klassischen Death-/ Funeral-Doom verschrieben hat.



BROND - Graveyard Campfire
Ostblockexotenbonus (zwinker): BROND sind eine politisch inspirierte Band aus Bulgarien, die sich musikalisch einem Platz im Post-Hardcore-/ Heavy-Rock-/ Prog-Metal-Bemudadreieck verschrieben hat und nach der 2015er
EP „Feint“ nun mit „Graveyard Campfire“ ihren Langspieleinstand vorlegt.
Dabei zeigt das Quartett mathige Andeutungen Richtung Dazzling Killmen/ Don Caballero, lenkt diese über den Mastodon-/ Baroness- und Helmet-Umweg dann aber doch noch in die Richtung einer Groove-Metal-/ Alterna-Rock-Schiene, die auch schon mal den etwas hymnisch angehauchten Refrain mit schwerem Neunziger-Feeling zulässt.
Produziert von Justin Pizzoferrato (der u.a. auch schon Sonic Youth, Dinosaur Jr., Witch und Elder in der Vita stehen hat) und gemastert von James Plotkin.
Ab Mittwoch, dem 18.04. auf Bandcamp: http://brondriffs.com/album/graveyard-campfire


CRIMINAL CODE - 2534
Aufgrund der
Namensähnlichkeit und auch stilistischen Nähe sollte man CRIMINAL CODE aus Tacoma, Washington natürlich nicht mit den Münsteraner Criminal Body verwechseln.
Merken kann man es sich vielleicht so, dass der Post-Punk dieser Amerikaner noch etwas direkter und hektisch-rumpliger nach vorne treibt, während sich die hiesige Jungbluth-Nachfolgeband noch etwas mehr Pop, etwas mehr auch schon mal leicht-neben-der-Spur-tönen und zudem auch noch
etwas mehr breitbeinigen Midtempo-Noiserock traut.
Soooo unähnlich sind sie sich
auch klanglich ansonsten aber noch nicht mal in meinen Ohren…


FATHER MURPHY - Rising. A Requiem For Father Murphy
Mach Sachen: Durch ihre jüngeren Kollaborationen mit Jarboe war das italienische Dark-Folk-/ Post-Industrial-/ Psych-Punk-Duo FATHER MURPHY neulich überhaupt erstmal so wirklich etwas heller auf meinem Radar aufgeblitzt, da präsentiert es uns diese Woche auch schon ihr Abschiedsalbum (in diesem Teil der Welt via Avant! Records).
Vielleicht sollte man sich das mal zum Anlass nehmen, sich mit dem bisherigen Gesamtschaffen von Freddie Murphy and Chiara Lee zu beschäftigen…

Bandcamp (wenn's Freitag so weit ist): https://fathermurphy.bandcamp.com/album/rising-a-requiem-for-father-murphy

FRANA - Awkwardwards
Wie toll ist denn bitte das Comic-artige Coverartwork der neuen FRANA (dessen Digital-Release am vergangenen Wochenende um ein paar Tage vorgezogen wurde)?
Besagtes Quartett aus der zweitgrößten Stadt Italiens verspricht jedenfalls noisigen Post-Punk/ Indierock im Geiste von Neunziger-Größen wie Drive Like Jehu,
Hot Snakes, Jesus Lizard, Unwound und so weiter.
Wer es etwas schräger aber trotzdem punkig-eingängig mag ist hier richtig!



MELVINS - Pinkus Abortion Technician
Zeit für das halb- bis jährliche MELVINS-Album, das mit dem Umstand keinen festen Basser, bzw. abseits der Kernmitglieder Buzz und Dale kein in Stein gemeißeltes Line-Up mehr zu haben, weiterexperimentiert: Dieses mal spielen der aktuelle Dauerbasser Steven McDonald (Redd Kross, Off!) und der zuvor schon gelegentlich im MELVINS-Kontext aufgetauchte Jeff Pinkus (Butthole Surfers) gleichzeitig Bässe. Letzteren und seine eigentliche Band hat man dann auch gleich noch im Titel verewigt.
Inkl. Beatles-Coversong.

 

MINAMI DEUTSCH - With Dim Light
Parallel zu ihrem Auftritt beim diesjährigen Roadburn (womit sie diese Woche nicht die einzigen sind, denn auf u.a. Father Murphy (s.o.), Project Nefast, Vampillia oder Wiegedood (s.u.) trifft das auch zu) veröffentlichen die japanischen Krautrocker MINAMI DEUTSCH ihr neues Album mit „Andeutungen von Post-Punk und Wink in Richtung Spätsechziger-Psychedelic-Rock“.


PROJECT NEFAST - NEE
Das Konzept ist von sich selbst enttäuscht sein, das die Groninger PROJECT NEFAST ihren bisher düstersten Release hat ausspucken lassen, welcher parallel zu ihrem Roadburn-Auftritt als Tape am Start ist.
Drone-Rock/ Noise-Doom mit No-Wave-Einfluss: tartarusrecords.com/album/nee


SECOND STILL - Equals / Part Time Punks Session
„Post-Punk” und kein Ende mehr - irgendwie kommt man an diesem Stilstichwort derweil wohl gar nicht mehr vorbei. SECOND STILL z.B. sind ein Trio aus L.A., das sich mit den Tags ihrer Bandcamp-Seite auch gleich noch Kategorien wie Alternative Rock, Cold-/Dark-/ Synth-Wave, Dream-Pop und Noise mit danebenschreiben will. Ja puh?!
Aber Fakt ist: Die diese Woche parallel veröffentlichten Digital-EPs „Equals” und „Part Time Punks Session“ (letztere erscheint auch auf Tape beim belgischen Label Sentimental Records) bieten sowas wie kühlen, zurückgelehnten, atmosphärischen Dunkel-Rock mit dezent-shoegazeigem Pop-Akzent, der definitiv nicht ohne Charme ist!



VAMPILLIA - Happiness Brought By Endless Sorrow
Das u.a. auch durch Kooperationsalben mit Nadja (The Primitive World und The Perfect World) der The Body bekannte japanische „Brutal Orchestra“ VAMPILLIA - das wohl irgendwie in exzentrischen Nippon-Szenegrößen wie Boredoms und Ruins wurzelt - hat eine neue EP über den schwedischen Temple of Torturous am Start, die
- was wiederum nicht unbedingt überrascht - ein bisschen wirr und trotzdem catchy zugleich ausgefallen sein soll.


WEASEL WALTER –Skhiizm
Kam wohl eigentlich schon Anfang des Monats irgendwann raus, soll aber natürlich nicht untergehen: Mit „Skhiizm“ hat Punk-Jazzer WEASEL WALTER (natürlich auch Mainman von The Flying Luttenbachers oder mit Lydia Lunch Retrovirus unterwegs) ein neues Solo-Album am Start, und solo bedeutet in diesem Fall auch solo, denn er macht hier alles alleine: Vocals, Saiteninstrumente, Drums und Elektronik.
Und wenn man schon mal dabei ist, kann man ja auch gleich noch mal eben das im Februar rausgekommene „Idiomatic“ checken, das eine Live-Impro-Kollaboration von ihm (an den Drums) und Gitarristin Sandy Ewen enthält.



WILD HUNT - Afterdream of the Reveller
Das sympathische Berliner Label Vendetta hat sich in den letzten Jahren zu sowas wie einer der verlässlichsten Anlaufstellen für Atmospheric-/ Hipster- und vor allem auch typischen US-Black-Metal etabliert, der nicht selten noch etwas deutlicher nach Skandinavien schielt als andere Genrevertreter und dabei gar nicht mal so oft durch auffälligere Eigenakzente besticht (Ausnahmen wie die großartigen Ultha bestätigen diese Regel). Und man macht echt unentwegt weiter, eine weitere Band nach der anderem aus diesem Hut zu zaubern...
Dazu gehören auch WILD HUNT aus Oakland, die ebenfalls erstmal nicht weiter auffällig tönen, ihr Ding allerdings dennoch mit gewisser Substanz durchziehen.


Und sonst noch?

Keinesfalls vergessen sollte man, dass diese Woche "De Doden Hebben Het Goed III" von WIEGEDOOD über Century Media erscheint.

Nachdem ich I und II mit ihrem gleichermaßen episch-atmosphärischen wie auch bissigen, außerdem ultratight dargebotenem Zeitgeist-Black-Metal schon ziiiieemlich gut fand, habe ich mir das Teil dann ja auch mal ungehört vorbestellt.

Die irischen Metal-Spezialisten von Invictus Productions (die mit Solstice’s Epic-Metal-Schmetterei von „White Horse Hill“ dieses Jahr im Übrigen schon ‘ne Sache am Start haben, die der Trve- und Traditions-Metall-Fraktion bereitsTitelstories in ‘Szeneorgan‘-Schmieblättern wert war...) hauen diese Woche ziemlich einen raus: 
ADZALAAN klöppeln auf „Into Vermilion Mirrors“ ultradüsteren und extraderben Black Metal, der trotz aller thrashig gerifften Wurzeltreue durchaus auch ein bisschen Köpfchen zeigt, während SERUM DRAG’s „Lustful Vengeance“ einen noch viel dreckigeren und irrsinnigeren Black-/ Death-Metal-Pfad einschlägt.
Getoppt wird das dann noch durch DAGGER LUST, die auf „Siege Bondage Adverse to the Godhead“ eine Art von Industrial-Noise-/ Extremmetall-Crossover auftischen, der in ziemlichem LoFi-Chaos ausartet.
 

Und wo wir schon mal da sind, wo’s mitunter wehtut (wenn einem der Patronengut oder das Stachelnietenarmband verrutscht ist), kann man ja auch das diese Woche über Hell’s Headbangers kommende „Pestilent Death“ von VOMITOR erwähnen. Wer sich dem ultraprolligen Thrash-/ Death-/ Black-Metal australischer Prägung verbunden fühlt, der sollte hier mal ein unvorsichtigeres Ohr riskieren.

Wenn’s noch geschmacksverirrter ‘ne Runde EBM/ Electro-Industrial sein darf, hat das Berliner Label Fleisch Records diese Woche das neue Album „Undone“ vom Kanadier Cameron Findlay alias KONTRAVOID am Stizzle. 

"Fake", das neue Album von DIE NERVEN ist via Glitterhouse am Start.

Ach jau: Record Store Day ist ja auch noch... 

Montag, 16. April 2018

YC-CY

Es ist tatsächlich noch kein Jahr her, dass YC-CY zuletzt ein Gastspiel im Duisburger Djäzz gaben, aber an besagtem Abend im vergangenen Sommer hatte ich schon was anderes vor. Umso erfreuter war ich, zum unsanften Ausklang des Wochenendes am vergangenen Sonntag eine erneute Chance bekommen zu haben.
 
Ohne Vorband betraten die Schweizer um neun rum die Bühne und waren nach ‘ner halben Stunde durchgängig-pausenlosem Alarm dann schon durch.
Wenn man es vorher genau wüsste dürfte das in ‘dieser überalternden Gesellschaft, in der alle immer weniger Zeit haben‘ ja gerne öfter mal so laufen…
Aber Scherz beiseite. Das Quartett hat einen sehr coolen eigenständigen Stil, der sich vor allem in einem recht eigenwilligem Gitarrensound äußert. Ihre Musik versprüht in Momenten immer wieder mal Post-Punk-, Noiserock- und irgendwie auch einen Hauch von Industrial-Vibes, während die Schrei-Vocals und der hochexplosive Gesamtcharakter es über die Grenze zum zeitgenössischen (Post-)Hardcore ziehen.
Ein häufig eher etwas simpel pumpendes, manchmal auch etwas hektischer knallendes Rhythmusfundament (mit einem fast schon etwas minimal instrumentiertem Schlagzeug: Bassdrum, Snare, HiHat, eine (Stand-)Tom, ein Becken) stützt die gelegentlich schon mal etwas ‘otherworldly‘ und breitflächig quietschende und sägende Gitarre.
Während die Instrumentalisten eine spielfreudige Aura haben, steht der Frontmann die meiste Zeit regelrecht in sich versunken mit der Seite zum Publikum vor der Bühne, aber wenn er dann mal schreit, dann auch richtig.

 
Unnötig zu erwähnen, dass ich mir die aktuelle LP „Todestanz“ direkt untern Arm geklemmt habe, denn es ist geiler Lärm!

 

Freitag, 13. April 2018

Abjection Ritual - Soul Of Ruin, Body Of Filth

Ist mir dann doch auch mal ein längeres Einzelpost-Review wert:
Das vergangene Woche rausgekommene  Zweitwerk des Unterwerfungsrituals auf Malignant Records ist fast schon sowas wie das Album für Leute, denen heutige Neurosis inzwischen zu wenig nach den Neurosis der Neunziger klingen…



Was es zusätzlich interessant macht: Eigentlich ist ABJECTION RITUAL ein noch relativ junges und unbekanntes, im Death-Industrial/ Power-Electronics/ Noise wurzelndes Projekt, das auf diesem neuen Album einen unerwarteten Crossover mit dem wagt, was man wohl so als Sludge-Doom oder Post-Metal etikettiert.
Und keine Ahnung wie gewollt oder zufällig das Ganze so gefallen ist, aber „Soul Of Ruin, Body Of Filth“ tönt teilweise schon gar nicht mehr sooo weit von einem sog. ‘Rip-Off‘  entfernt, der einem so manchen Déjà-vu-Moment Richtung “Souls At Zero”, “Enemy Of The Sun” oder “Through Silver In Blood” ins Gedächtnis ruft.

Dass „Soul Of Ruin, Body Of Filth“ mit einer Frauenstimme beginnt, erinnert ja schon irgendwie ein bisschen an die Neurosis-Übernummer ‘Raze the Stray ‘.
Die Vocals in folgenden Songs klingen dann
teilweise sogar ziemlich nach den Herren Kelly und Von Till...
‘Body of Filth‘ beginnt mit Tribal-Drums und ergeht sich gegen Ende noch kurz in Tiefton-Grooves, ‘Blood Mother‘ ist ein brachial schleppender Sludge-Metaller mit Einbruch in einen komischen Industrial-Noise-Part. Auf den reinen Industrial von ‘Deathbed Conversion‘ folgt mit ‘Ruin‘ ein Track mit melodiös angehauchter Gitarrenarbeit und fiesen Gekrächze, der in der zweiten Hälfte auf ein mal was von Yob hat. ‘Carnassial Passage‘ ist wieder ein (etwas lang geratenes) Noise-Stück ohne Rocksongstrukturen und das fast zehnminütige Finale ‘Old Sins‘ klingt inkl. Einbruch in ruhigere Gefilde wieder ein mal schwer nach Neurosis. 

Die
besagten Oakland-Originale hatten zur entsprechenden Phase ja selbst auch eine stärkere Industrial-Kante, setzten Synthies für Ambient-/ Noise-Elemente und Sprachsample-Intros ein - was etwas ist, auf das ABJECTION RITUAL einen größeren Fokus legen.
Hier liegt dann allerdings auch einer der Knackpunkte und Unterschiede, der irritieren kann: ABJECTION RITUAL scheint erstmal nicht daran zu liegen Songs zu kreieren, die im konventionelleren Rock-Sinne ‘rund‘ sind. Das Material auf “Soul Of Ruin, Body Of Filth” hat eine etwas ‘unfertig’ und chaotisch anmutende Aura, anstatt bis zur episch ausgewalzten Reife durchdacht komponiert worden zu sein. Der logische Flow einer guten Metal-Band fehlt dem Ganzen irgendwie, aber das etwas mysteriöse Projekt aus Pennsylvania ist halt auch eben nicht primär eine Rock-/ Metal-Band, sondern wurzelt wie schon erwähnt in krasserer elektronischer Krachklangkunst. 

 Was dieses Album zu einem durchaus gelungenem Crossover-Experiment macht, denn „Soul Of Ruin, Body Of Filth“ hat tatsächlich viel von dem, was mich einst Neurosis-Fan werden ließ und vielen weiteren Bands, die sich an ähnlichem versuchen, dann doch eher abgeht. 
Alle doch sehr starke Nähe zur mehrfach erwähnten Vorreiter-Combo hin oder her brechen ABJECTION RITUAL hiermit tatsächlich ein bisschen interessant die Szenerie der "Post-Metal-/ Doom-Sludge-/ Downtempocore"-Ecke auf, in der man momentan ja ehrlich gesagt auch schon wieder mehr eingefahrene, generische, sterile und/ oder anderweitig eher langweilende als wirklich aufregende Bands ausmachen kann.
Das Ding gibt’s nur als CD? Wir brauchen eine Vinyl-Version!  


(Interessante Randnotiz noch: Mit Bodychoke gab es ja schon mal eine teilweise Neurosis recht ähnliche Avantgarde-Metal-/ Noiserock-Band eigentlicher Power-Electronics-/ Industrial-Noise-Krachmaten, deren Musik die meisten anderen Epigonen derartiger Stilgefilde bis heute in die Tasche steckt. Man kann nicht oft genug erwähnen, wie unfassbar geil die waren...)

Donnerstag, 12. April 2018

Dieser Tage raus (KW15)

Diese Woche ist ja vor allem mal wieder Noiserock-Woche: Das neue Album vom Future of the Left-Ableger CHRISTIAN FITNESS ist sehr nice geworden, das Zweitwerk der Helmet-Fans WRONG ist am Start und die texanischen Punks von LACE sollte man sich ebenfalls mal reinziehen!

AUTOKRATOR - Hammer of the Heretics
Wenn ich mal ganz ehrlich bin, wussten mich bisherige Hörproben von AUTOKRATOR nicht übermäßig zu überzeugen.
Immolation-mäßiges Death-Metal-Doublebassgepolter und -Gegrunze mit industriell-mechanischen Andeutungen Richtung Godflesh ist etwas, mit dem man bis um die Jahrtausendwende rum (ja, ich bin alt) vielleicht mal bei mir hätte landen können, bei dem ich heutzutage aber nicht mal mehr müde lächle (oder grimmig gucke).
Da es Zeitgenossen geben soll, die das hier für ‘ne bestechende Sache halten, sei der Vollständigkeit halber aber dennoch auf den diese Woche kreisenden „Hammer of the Heretics“ hingewiesen.



CAUDAL - Fight Cry Fight
Aidan Baker’s ’Trancepunk’-Trio (manchmal auch Duo) CAUDAL mit einem neuen Release.
Wer instrumentalen Post-/ Krautrock mit einem Hauch von ‘Drone-Jazz‘ und hypnotischer Note mag, der könnte hier richtig sein.

Das genaue Veröffentlichungsdatum ist etwas vage, aber man hofft, die physikalischen Tonträger in dieser Woche am Start zu haben.


CHAOS ECHOES WITH MATS GUSTAFSSON - Sustain
Sparen wir uns Floskeln vom emanzipatorischen Erwachsenwerden o.ä., aber es ist schon interessant, wie sich CHAOS ECHOES von ihren schwarz-/ deathmetallischen Wurzeln immer mehr freischwimmen.
Neben Veröffentlichungen mit Drone-Improvisationen fügen die Franzosen der eigenen Vita dann jetzt auch noch mal eben eine Kollaboration mit dem schwedischen Free-Jazz-Saxophonisten MATS GUSTAFSSON (The Thing u.a.) hinzu, was dann auch über das Experimentalkram-Label Utech anstatt über eine Metalszenen-Hausnummer erscheint.



CHRISTIAN FITNESS – Nuance: The Musical
Andrew "Falco" Falkous (Ex-Mclusky, Future of the Left) verschließt sich wohl dagegen, CHRISTIAN FITNESS als ‘Soloprojekt’ zu bezeichnen, dabei ist es im Grunde genommen genau das.
Abgesehen von allen Live-Drums, die etatmäßig von Jack Egglestone (ebenfalls Ex-Mclusky, Future of the Left) übernommen wurden, hat Falco hier aus dem Rockbandkorsett losgelöst sämtliche Saiten-, Tasteninstrumente, Soundtrüfteleien und teilweise mehrstimmig inszenierten Vocals im Alleingang bewerkstelligt.
„Nuance - The Musical” ist dabei das bereits fünfte Album des Cardiffers unter CHRISTIAN FITNESS Banner, bei dem zum gewohnten Weirdo-Noiserock-Fundament mit verzerrtem Bass und ironischem Witz noch mehr Pop-Momente hinzu- und auch Hip-Hop-Einflüsse stärker durchkommen.
Ich find‘s ja ziemlich kurzweilig!



DEAD NEANDERTHALS - Life
Das nennt man wohl wahre Experimentallisten: Für „Life“ hat das Dutch-Heavy-Jazz-Duo DEAD NEANDERTHALS die Standardinstrumentierung von Sax und Drums beiseitegelegt, um sowas wie ein analogelektronisches Ambient-Noise-Album (?) zu machen.
Und ich kann nicht oft genug betonen, wie sehr ich solche bunten Comicstyle-Coverartworks mag!



EWIG.ENDLICH. - Auf Grund
Ich sach’s mal ganz offen: Der stilistisch recht Screamocore-nahe „Post-Black-Metal“ von EWIG.ENDLICH ist mit seiner Kombination aus Blastbeatgeballer-Musik und deutschsprachiger Befindlichkeitslyrik etwas, für das ich wohl schon zu alt bin. So hätten Escapado geklungen, hätten sie sich nach einem Deafheaven-Einfluss gegründet, und schon für die (beide) war ich einen Ticken zu alt bzw. zu schäbimetallisch und schweinerockig sozialisiert. Die „Hipster-Aura“ davon ist halt nur so semi mein Ding.
Ändert allerdings nix dran, dass sie (im Gegensatz zu z.B. dieser unerträglich uninspirierten Poser-Luftnummer Red Apollo) tatsächlich eine der besseren jungen Bands zeitgenössischer Krachmusiksubstilregionen sind, die meine geographische Gegend so zu bieten hat, weswegen ich sie hier gerne mal mit vorstelle. 



HENRY BLACKER - The Making Of Junior Bonner
Mitglieder der englischen Originale Hey Colossus, die mit dieser abgespeckten Ableger-Formation stärker gen Desert-Fuzzrock neigen, veröffentlichen ihr 'verflixtes drittes Album' (natürlich) via Riot Season, der nicht zu unterschätzenden Anlaufstelle der britischen Psych-Punk- und Noiserock-Szene.



LACE - Human Condition
Wie cool sind die denn? Das texanische Quintett LACE frönt derbe nach vorne peitschendem Hardcore-Punk mit wütendem Gezeter, hat im Stilmix aber immer wieder auch mal Platz für Schulterblicke Richtung Post-Punk/ Noiserock, was sich dann vor allem im gelegentlichen Midtempo-Stampfer wie ‘Tension‘ oder ‘Mapplethorpe (The Leper Song)‘ oder auch mal einem trotz aller Kürze etwas seltsamen Songarrangement (‘Moral Trip‘) äußert, bei dem man dann gerne mal mit viel Hall schon regelrecht retro-gotisch ins dunkel-atmosphärische abrauscht. Bauhaus meets Black Flag?



LEILA ABDUL-RAUF - Diminution
Man kennt Gitarristin bzw. Multi-Instrumentalistin Leila Abdul-Rauf u.a. aus Bands wie den Kauz-Echtmetallen Hammers Of Misfortune, den Death-Metallern Vastum oder auch ihrem Mitwirken bei Amber Asylum oder Bastard Noise.
Ein illustre Runde, zu der auch noch Solo-Alben hinzukommen. „Diminution“ ist bereits ihr drittes und bietet so etwas wie Ambient-Musik. 



RLYR - Actual Existence
(Ex-)Mitglieder von u.a. Russian Circles, Pelican und Locrian machen als RLYR auf ihrem zweiten Album wohl ungefähr das, was man von ihnen erwartet: Instrumentaler Rock/ Metal, atmosphärisch-psycheledisch und progressiv angehaucht.



TOMAGA - Music For Visual Disorders
Das britische Duo TOMAGA experimentiert mit Minimalismus, Ambient-Aspekten, elektromusikalischer Absurdität und Krautrock-Motorik. Dabei schlagen sie bewusst auch oft eher ruhige Töne an, als es krachen lassen zu müssen.
Bei „Music For Visual Disorders“ handelt es sich um eine Sammlung von Tracks, die zuvor schon in anderen Kontexten Leben fanden, wie z.B. als Soundtrack für Tanztheaterstücke oder
Kunstausstellungen.
Warum das Ganze von belgischen Label und Kunstfestival Meakusma auf ausgerechnet 287 Vinyl-Exemplare limitiert wurde, das wiederum weiß ich nicht.



WRONG - Feel Great
Zugegeben: Eine Großtat war das selbstbetitelte WRONG-Langspieldebüt vor zwei Jahren nicht, dennoch hatte das „die Neunziger haben angerufen, weil sie ihre Helmet-Riffs zurückhaben wollen“-mäßige Teil was erfrischendes, denn sowas hört man trotz allgemeinem Noiserock-Revival eben auch nicht mehr alle Tage in so einer Konsequenz.
Zwei Jahre später hat die Band aus dem Umfeld von Kylesa und Torche nun Album Nummer zwei am Start und so ein bisschen freue ich mich ja doch schon wieder auf die anstehende Zeitreise an der Grenze zur Coverband…



Und sonst noch?

THE BLACK HEART REBELLION haben einen alternativen Soundtrack zum feministischen Vampirfilm A Girl Walks Home Alone At Night der iranisch-amerikanischen Regisseurin und Drehbuchautorin Ana Lily Amirpour gemacht, den sie aktuell auch live aufführen und der diesen Freitag über das verbandelte Künstlerkollektiv-Kleinlabel Smoke & Dust rauskommen soll.
(Hörproben gibt’s bei Soundcloud in Form der Songs "فریب دادن مرگ" und "قرص و شور (بخش) دوم").

SEPTIC TANK sind ‘ne dem Punk frönende Altherren-Supergroup aus dem Rise Above Records-/ Cathedral-/ With The Dead-Dunstkreis, deren „Rotting Civilisation“ ebenfalls diese Woche rauskommt.

Das New Yorker Label Nerve Altar kredenzt uns diese Woche dann auch noch ’ne Split-EP der tschechischen Grinder NEEDFUL THINGS und der schwedischen Crusties OVERVIOLENCE.

Das MORAL ORDER Debüt „Freedom Locked” erscheint diese Woche bei Tesco und bietet Power Electronics/ Old School Industrial (Klick: Videoclip).


Wo wir gerade schon in derartigen Stilgefilden sind, haben Ant-Zen diese Woche mit PHILIP MÜNCH’s „Greyscale“ eine ‘einzigartige Mischung aus Power-Noise-Rhythmen, Dark-Ambient-Spheres und oft aggressiv dargebotenen deutschen Vocals“ und mit der selbstbetitelten NATURA EST eine Kollaboration vom Briten Tony Young (Autoclav1.1) und dem Paderborner Andreas Davids alias „Eisenkiller“-Xotox am Start, die ebenfalls eher Ambient-lastig ausgefallen sein soll. 

Eine 'Neo-Savage Avant-EDM Anthem' von AMNESIA SCANNER feat. PAN DAIJING hätten wird auch noch.

Es ist wohl außerdem 'ne neue YASS-EP via ChuChuRecords raus, aber bis jetzt gibt es noch keinen Bandcamp-Stream o.ä. 

'Blackgaze/ Blackened (Post-)Hardcore' finde ich persönlich ja auch schon ziemlich durchgekaut, bzw. generell nur bedingt reizvoll, wer aber Musik auf der Spannweite von Alcest bis Deafheaven mag, der sollte vielleicht mal den ersten Longplayer der dänischen MØL checken, der diese Woche via Holy Roar unterwegs ist.

Und für wen es echt nicht genug ‘Postrock‘ sein kann, der sollte vielleicht auch mal das diese Woche bei Pelagic Records erscheinende „Find The Right Place“ von ARMS AND SLEEPERS checken.