Freitag, 4. August 2017

Child Bite, Syk, Köln

Ja puh… da macht man sich unter der Woche eh schon etwas schlafdefizitär auf, die Stunde Autobahn vom Pott nach Köln auf sich zu nehmen, um dann vor Ort im Sonic Ballroom zu erfahren, dass AZ-mäßig noch etwas gewartet wird, bevor es losgeht, da ich nach bereits einer Stunde Einlass gerade mal der dritte zahlende Gast bin…
Wo sind die Leute denn schon wieder, wenn ein Konzert mit zwei guten Bands nur 8€ Eintritt kostet?
Ach ja, buchstäblich um die Ecke, im Underground, denn dort spielen Crowbar. Ich latsche mal rüber, um mir das Ganze anzusehen, denn ich hab‘ ja eh noch Zeit: Es ist im und ums Underground bei der bereits zweiten Band Night Demon bumsvoll und anwesende Metaller schießen im Hof Fotos zusammen mit den brasilianischen Weibern der schon gespielt habenden spielenden Thrasher Nervosa…  

Aber jetzt mal ganz ehrlich: Ich habe Crowbar gefühlt in den letzten drei Jahren fünf mal gesehen…

Zurück im Ballroom fangen SYK um 21:30 dann auch mal an. 
Müsste ich die Musik der Italiener auf den Punkt in eine Schublade stecken, würde ich wohl „Prog-Metal“ auf- und zumachen.
Da Ganze hat trotz aller weitgehenden Präzision und  Krummheit einen Trance-artigen Flow, der Meshuggah nicht unähnlich ist, allerdings ohne das hartkantig-abgehackte und sterile der Schweden, das den sog. „Djent“ gebar. Nein, auch wenn sie mutmaßlich durchaus gut aufs „Euroblast Festival“ passen würden, hat der dicht-komplexe Lärm von SYK keine übermäßig mathematische Kalkül, sondern einen etwas krachigeren Sound und einen eher verschlängelten Fluss, zu dem die shoutend und singend leidende Frontfrau (mit Vocal-Effektpedal) auch gleich mal eben den passend pantomimischen Ausdruckstanz aufführt.
Intensiv? Ja, ziemlich! Anstrengend? Das auf jeden Fall auch! So ganz mein Ding war das ehrlich gesagt nicht wirklich, nichts desto trotz aber ziemlich beeindruckend.
Musiker-Randnotizen: Der Gitarrist spielt eine achtsaitige, der Basser ein Monster mit neun Saiten (!) und der Drummer spielt in einem Song so einen „mit der rechten Viertel auf Becken/ Bassdrum und Snare ballern ternär“-Beat, den ich auch manchmal mache, aber noch nie bewusst von jemand anderen gehört habe (ohne mein eigenes dilettantisches Gerumpel dabei jetzt irgendwie hervorheben zu wollen)…

Was Syk mit ihren Tourkollegen CHILD BIITE im Übrigen hauptsächlich gemeinsam haben ist, dass die jeweils aktuellen Alben beider von keinem Geringeren als Phil Anselmo produziert wurden und auf seinem Label Housecore Records erschienen.


CHILD BITE hatten dann allerdings trotz nur 8-9 Gästen im Laden (!) spürbar Bock.
Nach einer der allerkürzesten Umbaupausen, die ich je bei so einem Konzert erlebt habe, fuhr das Trio gut Action auf.
Die bereits seit 2005 aktive, und in der Vergangenheit u.a. Sachen über das Expertenlabel Joyful Noise, sowie Splits mit u.a. David Yow und Dope Body veröffentlicht habende Truppe aus Detroit scheint sich ja nach einigen Line-Up-Wechseln über die Jahre erst in jüngerer Vergangenheit so wirklich gefunden zu haben.
Ihre Musik hat jedenfalls in Grundzügen was von Jesus Lizard und den Dead Kennedys. Nicht zuletzt auch weil Frontmann Shawn Knight, optisch mit seinem grauen Bart eine noch kauzig-waldschratigere Version von Clutch’s Neil Fallon, gesanglich eine ziemlich exzentrische Performance im Stil eines Yow oder Biafra aufs Parkett legt und dabei trotz fortgeschrittenem Alters (der Mann wird bald 40) auch ziemlich wild rumturnt.
Seine Begleitband hat optisch ebenfalls eine Stoner-Metaller-Aura, während die peitschende Musik
eher ins hardcore-punkige und noiserockige driftet.
Und wie geil das geknallt und gesägt hat, vor allem die vorwiegend gespielten Songs des aktuellen Albums „Negative Noise“...
Hat sich absolut gelohnt, die fernere Stunde Schlaf weniger in Kauf zu nehmen, um sich ein bisschen Rock’n’Roll-Entertainment zu gönnen, denn das von CHILD BITE gebotene war vom allerfeinsten!

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